Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Interview

„Kommunikation ist immer die größte Herausforderung“: So meistert 99designs kollaboratives Arbeiten [Interview]

99designs-Büro in San Francisco. (Bild: Andreas Weck)

Dezentral arbeitende Teams sind bei 99designs keine Seltenheit, sie sind die Regel. Unser Valley-Korrespondent Andreas Weck hat dem Startup einen Besuch abgestattet und sich einen Überblick verschafft, wie die Zusammenarbeit organisiert wird.

Jason Aiken ist Produktmanager bei 99designs. Im Interview erklärt er, wie das Unternehmen sich über Kontinente hinweg organisiert. (Foto: Andreas Weck)
Jason Aiken ist Produktmanager bei 99designs. Im Interview erklärt er, wie das Unternehmen sich über Kontinente hinweg organisiert. (Foto: Andreas Weck)

99designs-Projektmanager Jason Aiken im Gespräch mit t3n.de

Der Grafik-Marktplatz 99designs hat Firmenstandorte auf vier Kontinenten, von wo aus Mitarbeiter gemeinsam an der Plattform arbeiten. Wir waren im Hauptquartier in San Francisco und haben den Produktmanager Jason Aiken gefragt, wie sie das dezentrale Arbeiten intern gestalten.

t3n.de: 99designs hat Büros in San Francisco, Rio de Janeiro, London, Paris, Berlin und Melbourne. Arbeiten die verschiedenen Teams zusammen oder hat jeder Standort seine eigenen Projekte?

Jason Aiken: San Francisco ist das Hauptquartier, wo quasi alles zusammenläuft: Management, Community- und Customer-Support, Marketing, Finanzen, Entwicklung und so weiter befinden sich hier. Es gibt aber neben San Francisco auch mehrere Entwicklerteams in Melbourne – dort sitzt tatsächlich der überragende Großteil der Programmierer, die unsere Ideen umsetzen. So gut wie der ganze Code von 99designs stammt aus Melbourne. Ansonsten sitzen in allen Büros unsere Marketing- sowie Consumer- und Customer-Service-Fachleute, die natürlich auch in einigen Fällen zusammenarbeiten müssen.

t3n.de: Wo liegt die größte Herausforderung, wenn es darum geht, die Aufgaben der verteilten Teams zu koordinieren?

Aiken: Kommunikation ist immer die größte Herausforderung. Es gilt, Disziplinen zu  schaffen, die eine konsistente und klare Kommunikation garantieren, die sowohl synchron als auch asynchron laufen kann. Passiert das nicht, entstehen im Team starke Unsicherheiten und Zweifel, die einen Fortschritt verlangsamen. Das kann im schlimmsten Fall zur Spaltung der Teams und zu einem Vertrauensverlust untereinander führen.

99designs-Büro in San Francisco: „Kommunikation ist immer die größte Herausforderung“. (Bild: Andreas Weck)
99designs-Büro in San Francisco: „Kommunikation ist immer die größte Herausforderung“. (Bild: Andreas Weck)

t3n.de: Wie oft kommt es vor, dass euch Fehler passieren, wenn die Programmierer aus Melbourne beispielsweise die Ideen aus San Francisco umsetzen?

Aiken: Ich denke, dass auftretende Fehler in der Regel darauf basieren, dass irgendwo eine Unstimmigkeiten oder ein Missverständnis entstanden ist – und so betrachte wir diese Situationen in der Regel auch. Es waren Missverständnisse und keine Fehler. Das soll natürlich nicht heißen, dass wir keine Fehler machen oder Dinge im Nachhinein nicht hätten anders laufen müssen. Aber diese Fälle wird es immer geben, ob wir im selben Raum oder am anderen Ende der Welt sitzen. Wichtig ist, dass man die besten Entscheidungen aufgrund der besten Informationslage zu der Zeit fällt, in der eine Entscheidung getroffen werden muss. Je mehr Informationen man also hat, desto besser wird die Entscheidung.

t3n.de: In welchen Fällen bevorzugst du lokale Teams?

Aiken: Meiner Meinung nach sollte man versuchen, das Team, das für ein bestimmtes Produkt verantwortlich ist, so stark wie möglich an einem Ort zu versammeln. Fragen tauchen nämlich die ganze Zeit auf und wenn ein Teil des Teams beispielsweise in einer völlig anderen Zeitzone agiert und auf Informationen wartet, verlangsamt das den Prozess gehörig. Die lokale Zusammenarbeit von spezifischen Produkt-Teams reduziert die Schwierigkeit der Kommunikation und ermöglicht es den Menschen, so schnell wie möglich weiter arbeiten zu können und Entscheidungen zu treffen.

Es ist aber heutzutage sicher nicht mehr notwendig, ein Team ausschließlich an einem Ort zu bündeln. Mein Team arbeitet auch dezentral von verschiedenen Orten aus und wir arbeiten sehr gut zusammen. Aber es braucht wie gesagt ein hohes Maß an Disziplin, eine gut durchdachte Kommunikationsstruktur sowie eine flexible Arbeitshaltung und vor allem: ein Vertrauen in sein Gegenüber.

Einblick in das 99designs-Büro in San Francisco. (Bild: Andreas Weck)
Einblick in das 99designs-Büro in San Francisco. (Foto: Andreas Weck)

t3n.de: Wie haltet ihr es mit Freelancern, die euch für bestimmte Projekte oder bestimmte Zeiträume unterstützen?

Aiken: Wir arbeiten online ständig mit Freelancern zusammen und besonders hier ist der Grad des vorausgesetzten Vertrauens ziemlich hoch. Vertrauen ist eigentlich etwas, das über Jahre aufgebaut und verdient wurde. Unabhängig davon halten wir bei 99designs diese Werte aber auch gegenüber unseren Nutzern ziemlich hoch. Wir glauben nämlich daran, dass auch Dritte uns unterstützen können und binden beispielsweise unsere Community bei Design-Projekten regelmäßig ein. Unsere Plattform bietet dafür genau den richtigen Ansatz und gute Funktionen, um leichter und sicherer mit völlig Unbekannten zusammenzuarbeiten. Wir initiieren beispielsweise Design-Wettbewerbe, wenn wir nach verschiedenen Möglichkeiten und Inspirationen suchen. Wir erstellen aber auch 1-to-1-Projekte, wenn wir genau wissen, was wir von einem Designer haben wollen und einen Raum brauchen, um Feedback zu geben, Zahlungen anzuordnen oder Urheberrechte zu übertragen.

Hilfreich ist übrigens auch unser Swiftly-Tool für kleine Design-Arbeiten, die wir ausschreiben. Hier ist es weniger wichtig, wer die Arbeiten erstellt, sondern dass sie schnell und gut erledigt werden. Zusätzlich nutzen wir aber auch viele weitere Plattformen, um nicht-design-bezogene Projekte zu stemmen. (Anm. d. Red.: Wir haben dazu vor einiger Zeit einen Artikel veröffentlicht, der die eingesetzten Collaboration-Tools im Arbeitsalltag von 99designs auflistet.)

t3n.de: Worüber in Unternehmen auch oft hitzig diskutiert wird, sind die Vor- und Nachteile von Home-Office und ob man die Heimarbeit zulässt. Wie steht 99designs dazu?

Aiken: Auch hier versuchen wir flexibel zu sein und setzen auf Vertrauen. Ich denke, das muss man auch, um die besten Leute zu gewinnen und sie vor allem zu halten. Es passieren nämlich irgendwann im Leben immer Dinge, die eine besondere Art der Flexibilität sowohl vom Arbeitnehmer als auch vom Arbeitgeber verlangen. Es ist unrealistisch und vielleicht sogar dumm, an das Gegenteil zu glauben und auf verschiedene Bedürfnisse nicht einzugehen. Abgesehen davon halten wir es aber auch für notwendig, dass wir während der Arbeitszeit so oft wie möglich versuchen, im Büro zu sein. Wir denken, es ist wichtig, dass die Mitarbeiter sich kennen und miteinander sprechen – das formt die gemeinsame Leidenschaft für das Projekt und stützt den Team-Gedanken.

t3n.de: Welche Dinge im Leben sind es, die euch dazu bringen Heimarbeit abzusegnen?

Aiken: Da geht es vor allem um familiäre Umstände oder Mitarbeiter, die einen weiten Arbeitsweg haben und ständig pendeln müssen. Oft ist es dann besser, dass sie ein paar Tage in der Woche von Zuhause arbeiten. Manchmal brauchen Mitarbeiter aber auch einfach etwas Zeit außerhalb des Büros, quasi zur Abwechslung des Alltags – wir nennen das hier „Mental Health Days“.

t3n im Silicon Valley

Andreas WeckAndreas Weck hat 2014 für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Tools und interessante Orte des Tech-Epizentrums berichtet. Sein Eindruck: Im Valley gibt es viele schlaue Köpfe und genauso viele bekloppte Geschäftsideen. / Twitter, Facebook.

Finde einen Job, den du liebst

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

2 Reaktionen
cephei
cephei

Gleich nach dem Doppelpunkt: Wie t3n ständig dieselben Headlines verwendet [mehr]

Noch was tolles: So nervt t3n die Leser au dauer

Frank
Frank

Und wo wird genau jetzt beschrieben, WIE sie das meistern? Wo sind die Techniken, die angewandt werden. Welche Tools werden vielleicht benutzt? Wie werden Meetings gemeistert?

DAS sind doch die Fragen, die ich da als Journalist zum Thema gefragt hätte. Und nicht ob Fehler passieren oder man im Home Office arbeiten darf.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Hinweis

Du hast gerade auf einen Provisions-Link geklickt und wirst in Sekunden weitergeleitet.

Bei Bestellung auf der Zielseite erhalten wir eine kleine Provision – dir entstehen keine Mehrkosten.


Weiter zum Angebot