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Digitale Gesellschaft

„Online, online, online – und das auf allen Kanälen“ – so sieht Auto-Journalist Thomas Geiger den Journalimus der Zukunft

    „Online, online, online – und das auf allen Kanälen“ – so sieht Auto-Journalist Thomas Geiger den Journalimus der Zukunft

Thomas Geiger (Screenshot: xing.com)

Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Thomas Geiger, freier Journalist im Automobil-Bereich.

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Er gilt als einer der wichtigsten Multiplikatoren innerhalb der Automobilbranche: der freie Motor-Journalist Thomas Geiger. Beste Kontakte und die mit Abstand größte Reichweite innerhalb der deutschsprachigen Auto-Berichterstattung werden dem 44-Jährigen attestiert. Seit über 20 Jahren schreibt Geiger über alles, was mehr als zwei Räder hat: Neuwagen, Old- und Youngtimer, Rennwagen, Designstudien, Showcars, Technologieträger und die Unternehmen, Ingenieure, Entwickler und Designer, die dahinterstehen. So umreißt er selbst sein Tätigkeitsfeld auf seiner Redaktionsbüro-Website. Außerdem liefert der Vielschreiber und bestens vernetzte Selbstvermarktungsprofi nach eigener Aussage Messeberichte, Reportagen, wirtschaftliche Analysen und Einschätzungen zu allen Themen rund um Auto und Mobilität. Zu seinen Kunden zählen regionale und landesweite Tageszeitungen im In- und Ausland, Nachrichtenagenturen, Fachmagazine und Onlinemedien.

Die automobile Themenwelt beackert er von seinem Redaktionsbüro in Wetzlar aus. Dort ist er allerdings selten anzutreffen, denn zahlreiche Termine wollen wahrgenommen und in Texte gefasst werden. Thomas Geiger legt besonderen Wert darauf, vor Ort dabei zu sein, die Testobjekte selbst zu fahren, um authentische Eindrücke zu gewinnen und vor allem mit den Protagonisten persönlich zu sprechen. Drei bis vier Events pro Woche, oft im Ausland, sind dabei keine Seltenheit. Da ist Schnelligkeit gefragt – neben umfassenden Branchenkenntnissen und hohem Qualitätsbewusstsein ein besonderes Markenzeichen Thomas Geigers. Dem Wunsch vieler Medien nach Exklusivität kommt er mit unterschiedlichen, zielgruppengerechten Textversionen nach.

Thomas Geiger zur Zukunft des Journalismus
Thomas Geiger zur Zukunft des Journalismus

Seine journalistische Ausbildung erhielt Thomas Geiger, geboren 1970 in Radolfzell, bei der Gießener Allgemeinen Zeitung, bei der er volontierte und für einige Monate als fest angestellter Redakteur tätig war. Im Anschluss, ab Frühjahr 1992, widmete er sich dann ganz dem freien Motor-Journalismus. Nebenher studierte er – eher aus „Pflichtgefühl“, wie er sagt – Publizistik, Politikwissenschaft und VWL an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

Geigers Credo: „Weg vom Schreibtisch, runter auf die Straße, raus auf die Messe – rein ins Leben.“ Denn das bietet seiner Ansicht nach immer noch die besten Geschichten. Internet-Recherche ist für ihn ein möglicher Ausgangspunkt, eine Fahrkarte zu den guten Inhalten, die man nur über persönliche Eindrücke gewinnt. Was Blogs anbelangt, schaut er sich fast ausschließlich bei amerikanischen Quellen wie jalopnik, motor authority, auto blog oder carscoops um. Mit Social Media beschäftigt er sich noch eher selten, aber mit zunehmendem Interesse. Wenn er sie nutzt, dann weniger zur Recherche oder als Vertriebskanal, sondern eher als Plattform zur Eigenvermarktung. Im Interview gibt Thomas Geiger Einblicke in seine Sicht zur Zukunft des Journalismus. Seine Prognose: „Online, online, online – und das auf allen Kanälen mit allen zur Verfügung stehenden Medien.“

1. Wie zeichnet sich Qualitätsjournalismus in Zukunft aus und was schadet ihm?

Qualitätsjournalismus funktioniert nur mit einer gewissen, auch finanziellen Unabhängigkeit, die darauf fußt, dass am Ende der Leser/User für die Inhalte bezahlt und nicht derjenige, über dessen Themen berichtet wird. Weitere Kriterien für Qualitätsjournalismus sind ein Mindestmaß an Textmenge, journalistischem Tiefgang und sprachlicher Sorgfalt. Auch wenn sich die Nachrichtenwelt ständig beschleunigt, muss Qualitätsjournalismus innehalten, durchatmen, sich rückversichern und gründlich sortieren. Und eine gewisse Einordnung kann auch nicht schaden.

2. Was sind die großen Trends im Journalismus und was wird sich davon künftig durchsetzen?

Online, online, online – und das auf allen Kanälen mit allen zur Verfügung stehenden Medien: Bild, Ton, Film, Text. Durchsetzen wird sich am Ende das Medium, das auf dieser Klaviatur am besten spielt und alle Stilmittel am besten durchmischt. Die Multimedia-Reportage, die mehr bietet als eine Fotostrecke im Magazin, ein Filmbeitrag im TV, ein Feature im Radio und ein Nachrichtenstück im Netz.

3. Wie und wo recherchierst du nach guten und spannenden Inhalten?

Im echten Leben und nur da. Natürlich findet man spannende Themen beim täglichen Fischen im Netz. Aber das kann nur die Fahrkarte hinaus in die Welt sein. Einen Oldtimer beschreibt man nicht nach der Recherche bei Wikipedia und im Classic-Archiv des Herstellers, sondern man muss ihn fahren und fühlen.

Den schrägen Sammler ruft man nicht an, sondern man muss ihn besuchen. Und wer wissen will, was sich ein Entwickler bei einem Projekt gedacht hat, der soll doch bitte auch mit ihm reden, statt nur die Pressemappe zu lesen. Das Leben schreibt die besten Geschichten – das gilt auch in Zeiten des WWW. Also weg vom Schreibtisch, runter auf die Straße, raus auf die Messe – rein ins Leben.

4. Was muss man als Journalist künftig tun und können, um gelesen und konsumiert zu werden?

Ich befürchte, Qualität allein ist schon lange kein Erfolgskriterium mehr. Niemand ist unter dem wachsenden finanziellen und organisatorischen Druck in den Redaktionen dazu bereit, alltägliche Rücksichten auf eine „Edelfeder“ zu nehmen. Sondern wer ein gewisses Schwellenniveau erreicht, ist „drin“ und qualifiziert sich darüber hinaus vor allem über Faktoren, die mit dem Journalismus im engeren Sinne nichts zu tun haben: Zuverlässigkeit, Effizienz und vor allem die eigene Vermarktung.

5. Die technologischen Veränderungen sind rasant – wie müssen sich vor diesem Hintergrund der Journalismus verändern und deren Anbieter anpassen?

Er muss schneller werden, ohne die Qualität zu verlieren. Er muss sich die neuen Möglichkeiten bestmöglich zunutze machen (Beispiel Multimedia- oder Multichannel-Reportage). Er muss noch mehr die Rolle des Schleusenwärters und Leuchtturms in der Informationsflut übernehmen und er muss sich durch Qualität und Einordnung von all dem Möchtegern-Journalismus abgrenzen, der die Medienkanäle flutet.

6. Wie verdient der Großteil der Medien künftig Geld?

Wenn es nicht gelingt, Zahlschranken im Internet zu errichten, vermutlich gar nicht mehr. Zumindest nicht, wenn man hehre journalistische Kriterien anlegt. Denn der Verkauf von Anzeigen, Werbebannern etc. wird auf Dauer womöglich nicht reichen und es wird immer öfter zu Advertorials, Produktionskostenzuschüssen oder Ähnlichem kommen.

Das funktioniert vielleicht bei der Produkt- oder Unternehmensberichterstattung, wird aber beim Nachrichtenjournalismus vergleichsweise schwierig. Die Lösung kann also nur sein, so gute Inhalte zu generieren, dass die Rezipienten bereit sind, dafür auch weiterhin zu bezahlen – weil sie kostenlos nirgends zu bekommen sind.

7. Wie sehen deiner Ansicht nach journalistische Inhalte und die Angebotslandschaft in fünf Jahren aus?

Das Medienangebot wird ähnlich sein. Allerdings wird es weniger Print-Titel und dafür mehr Online-Ausgaben geben, weil diese einfach billiger herzustellen sind und die Medienunternehmen auf diese Weise rationalisieren und die Kosten senken können. Die Zahl der unabhängigen Medien wird weiter sinken und es wird deutlich mehr Interessen-, Neigungs- oder Berufungsjournalismus geben.

8. Welches Medium fehlt heute noch auf dem Markt?

Was fehlt? Ich fürchte, wir haben schon heute ein Überangebot.

Über #ZukunftDesJournalismus

Mobiles Internet, immer leistungsfähigere Smartphones, neue Nachrichtendienste: Die Medienlandschaft verändert sich rasant und mit ihr der Journalismus. Viele Fragen bewegen die Branche: Ist die Tageszeitung ein Auslaufmodell, weil die jüngeren Zielgruppen aktuelle Nachrichten nur noch auf mobilen Endgeräten konsumieren? Erledigen bald Schreibroboter typische Routineaufgaben und machen damit einen Teil der Redakteure überflüssig? Mit welchen neuen journalistischen Darstellungsformen können Menschen erreicht werden, die immer weniger lesen und nur noch Bilder anschauen?

Gemeinsam mit Journalisten und Medienmachern aus ganz unterschiedlichen Richtungen wagt OSK einen Blick in die Zukunft des Journalismus. Das Prinzip ist immer das gleiche: acht Fragen, acht Antworten. Stück für Stück entsteht so ein Bild, das belastbare Aussagen zu entscheidenden Trends von morgen und übermorgen ermöglicht.

via www.osk.de

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