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Digitale Gesellschaft

„Wenn wir über News reden, dürfen wir eigentlich nur noch über Mobile nachdenken“ sagt Torsten Beek, Social-Media-Chef bei Spiegel-Online

    „Wenn wir über News reden, dürfen wir eigentlich nur noch über Mobile nachdenken“ sagt Torsten Beek, Social-Media-Chef bei Spiegel-Online

(Screenshot: c3.co)

Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Im vierten Teil der Serie spricht Oliver Nermerich mit Torsten Beeck, Leiter Social Media bei Spiegel Online.

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„Wenn wir über News reden, dürfen wir eigentlich nur noch über Mobile nachdenken, denn dort finden Nachrichten zukünftig statt“, meint Torsten Beeck, seit Ende 2014 Leiter Social Media bei Spiegel Online. Der 36-Jährige bezeichnet sich selbst als „News-Junkie“, den man nie ohne Smartphone sieht – obwohl er ungern telefoniert. Für Beeck war es tatsächlich ein einzelner Tweet, der den Startschuss für sein Interesse an Social Media setzte: „Mercedes Bunz twitterte, dass Google ein eigenes Betriebssystem angekündigt habe. Ich saß in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, und in deutschen Medien gab es dazu einfach nichts. Das fand ich spannend.“

Eine Leidenschaft, die er inzwischen mit seinem Beruf vereint hat. Beeck sagt, dass soziale Medien für ihn eine erstklassige Fundgrube für spannende Inhalte seien und zugleich als wichtige Distributionskanäle dienen. Zudem ermöglichten sie eine noch intensivere Verbindung zum Leser sowie einen zusätzlichen Informationskontext zu einer aktuellen Nachrichtenlage – zwei Punkte, die nach Meinung des Journalisten in der Branche künftig immer wichtiger werden.

Torsten Beeck, Leiter Social Media bei Spiegel Online

Torsten Beeck zur Zukunft des Journalismus.
Torsten Beeck zur Zukunft des Journalismus.

Beeck studierte Rechtswissenschaft sowie Politics & Organisation in Hamburg und Hagen, wurde später bei der Computer Bild Leiter im Ressort Unterhaltungs-Elektronik. Schon bevor er zu Spiegel Online wechselte, sammelte er als Leiter der „Social Media und Community“-Abteilung bei Bild Erfahrung in der Arbeit mit den sozialen Netzwerken. Bei Spiegel Online betreut der Netzexperte die Social-Media-Kanäle und beobachtet, was sich im Netz tut. Im Interview erklärt Torsten Beeck, wie wichtig es ist, Nachrichten für unterschiedliche Kanäle zu zuzuschneiden, und an welcher anderen Branche sich der Journalismus ein Beispiel nehmen kann.

Weitere Informationen über Torsten Beeck findet ihr auf seiner Website torstenbeeck.com. Außerdem ist er auf Twitter, Instagram, Linkedin und Xing vertreten.

1. Wie zeichnet sich Qualitätsjournalismus in Zukunft aus und was schadet ihm?

Journalismus muss vor allem relevant sein, um etwas vom Zeitbudget der Leser abzubekommen. Dafür brauchen wir dringend Journalisten, die filtern, Schwerpunkte setzen und Themen einordnen können, wir müssen aber viel stärker die Nutzungssituation beachten. Qualität und Relevanz heißt zukünftig viel mehr: die richtige Aufbereitung, auf dem richtigen Gerät/Kanal und zur richtigen Zeit. Das verändert die Art des Erzählens und die Taktung, darf aber nicht unsere journalistischen Grundwerte verändern.

2. Was sind die großen Trends im Journalismus und was wird sich davon künftig durchsetzen?

Es gibt zwei parallele Stränge: Das eine ist die Echtzeitgeschichte, die sich entwickelt, die jetzt passiert, die wir auf allen Kanälen und mit allen journalistischen Formaten erzählen müssen. Sie

„Journalismus muss vor allem relevant sein, um etwas vom Zeitbudget der Leser abzubekommen“

muss viel dialogischer sein, um unsere Nutzer einzubeziehen, sie an uns zu binden und uns weniger als „Sender“, sondern viel stärker als Gesprächspartner zu positionieren. Es gibt aber, nehme ich immer stärker wahr, Menschen, die das Gefühl des Überflusses an Informationen eher mit „wegschalten“ quittieren. Sortieren, Gewichten, Einschätzen und Themen wirklich in aller Tiefe zu beleuchten wird (wieder) wichtiger. Inhaltlich strebt der Journalismus zurzeit stark in Richtung Unterhaltung, befördert vor allem durch die Mechanismen der Social Networks. Das darf man nicht ignorieren, wenn man dort erfolgreich sein will, darf sich aber davon auch nicht treiben lassen. Wichtig bleibt immer: Situatives Interesse der Nutzer beachten.

3. Wie und wo recherchierst du nach guten und spannenden Inhalten?

Zentrale Newsquelle ist für mich Twitter, dort folge ich vor allem Menschen, weniger Marken. Ich habe am Arbeitsplatz immer ein Tweetdeck-Fenster offen, um die Marken-Accounts, meinen Stream und einige Listen zu verfolgen. Diskussionen um Themen verfolge ich eher bei Facebook und YouTube, das für mich immer relevanter wird. Es geht mehr um Vernetzung und um Menschen, die spannende Themen zu mir tragen.

4. Was muss man als Journalist künftig tun und können, um gelesen und konsumiert zu werden?

Die grundsätzlichen, handwerklichen Aufgaben verändern sich eigentlich gar nicht so sehr. Aber wir müssen besser darin werden, unsere Nutzer zu verstehen und die Inhalte kanaladäquat aufzubereiten. Eine gute Geschichte ist immer eine gute Geschichte, sie muss aber auf einem Fernseher, einem Smartphone oder in einem gedruckten Heft anders aussehen. Experten für die Kanäle wird es immer geben, aber Journalisten müssen die Formen der Darstellung künftig schon beim Entstehen der Geschichte stärker berücksichtigen. Und: Wir müssen unsere Nutzer ernst nehmen und ihnen zuhören. Wer sich künftig einem Dialog verweigert, wird an Relevanz und Aufmerksamkeit verlieren.

5. Die technologischen Veränderungen sind rasant – wie müssen sich vor diesem Hintergrund der Journalismus verändern und deren Anbieter anpassen?

Verlage müssen viel stärker wie IT-Unternehmen denken: Produkte testen, lernen, verbessern, wegwerfen und neu starten. Und wenn wir über News reden, dürfen wir eigentlich nur noch über Mobil nachdenken, denn dort finden Nachrichten zukünftig statt – vielfach auch heute schon.

6. Wie verdient der Großteil der Medien künftig Geld?

Werbung wird mittelfristig der stärkste Erlöskanal bleiben. Native Advertising und ähnliche Werbeformen sind Gift für den Journalismus, so wie es Advertorials schon immer waren, denn sie spielen mit der Glaubwürdigkeit der Marke und der Beziehung zum Leser. Das kann man sich nur erlauben, wenn man keine Marke zu verlieren hat. Premium wird wachsen, und wir werden Nutzer finden, die für sehr gute Inhalte, außerordentliche Aufbereitung und bequemen Zugang zahlen werden. Angebote wie Spotify oder Netflix, die vor allem einen qualitativ hochwertigen und einfachen Zugang bieten, machen es vor.

7. Wie sehen deiner Ansicht nach journalistische Inhalte und die Angebotslandschaft in fünf Jahren aus?

Groß, schnell, global vernetzt zum einen, zum anderen werden wir mehr Nischenangebote sehen, die spitze Zielgruppen bedienen. Journalisten werden zukünftig viel stärker in interdisziplinären Teams arbeiten müssen – international, ressortübergreifend und unter viel stärkerer Einbeziehung auch der technischen Bereiche.

8. Welches Medium fehlt heute noch auf dem Markt?

Ein Magazin für technikverliebte Vegetarier, die gern reisen und auf intelligente Frauen mit Sommersprossen stehen.

Über #ZukunftDesJournalismus

Mobiles Internet, immer leistungsfähigere Smartphones, neue Nachrichtendienste: Die Medienlandschaft verändert sich rasant und mit ihr der Journalismus. Viele Fragen bewegen die Branche: Ist die Tageszeitung ein Auslaufmodell, weil die jüngeren Zielgruppen aktuelle Nachrichten nur noch auf mobilen Endgeräten konsumieren? Erledigen bald Schreibroboter typische Routineaufgaben und machen damit einen Teil der Redakteure überflüssig? Mit welchen neuen journalistischen Darstellungsformen können Menschen erreicht werden, die immer weniger lesen und nur noch Bilder anschauen?

Gemeinsam mit Journalisten und Medienmachern aus ganz unterschiedlichen Richtungen wagt OSK einen Blick in die Zukunft des Journalismus. Das Prinzip ist immer das gleiche: acht Fragen, acht Antworten. Stück für Stück entsteht so ein Bild, das belastbare Aussagen zu entscheidenden Trends von morgen und übermorgen ermöglicht.

via www.osk.de

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1 Reaktionen
Emmi
Emmi

Ist "DesJournalismus" der, der "Desinformation" betreibt!?

;-)

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