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Zwei Jahre später: Warum Google+ kein Flop ist [Kolumne]

Zwei Jahre später: Warum Google+ kein Flop ist [Kolumne]

Seit zwei Jahren versucht mit seinem Google+ im Social Web Fuß zu fassen, doch noch immer bewegt sich das Netzwerk im Nischen- und Business-Bereich. Warum Google+ trotzdem als Erfolg gewertet werden kann. Die von Luca Caracciolo.

Zwei Jahre später: Warum Google+ kein Flop ist [Kolumne]

„Zwei Jahre später und noch immer ein Flop“ – das schrieb Martin Weigert in der vergangenen Woche. Weigert beendete seinen Artikel mit den Worten: „Für die leidenschaftlichen Google+-Anwender ist der Dienst zu einem Dreh- und Angelpunkt des Onlinealltags geworden. Doch aus Sicht von Google selbst ist das Projekt vor allem teuer – und dafür bislang ziemlich sinnlos.“ Heftige Kritik – und nicht zu unrecht. Trotzdem glaube ich, dass sich Google+ für den Suchmaschinen-Konzern langfristig auszahlen könnte. Doch zunächst ein Blick zurück.

Suchmaschinen waren einst dumm – und sind es noch immer

Schauen wir zunächst auf Google als Suchmaschine. Google ist zum Synonym für die Websuche geworden. Das Unternehmen aus Mountain View verdient jährlich Milliarden mit dem Anzeigengeschäft auf Suchergebnis-Seiten. Man könnte meinen, dass in die Weiterentwicklung der Suchmaschine im Laufe der vergangenen Jahre Unsummen an Geldern geflossen sind – um sie intelligenter und effektiver zu machen. Aber mal im Ernst: Die Suche ist auch heute noch verhältnismäßig dumm. Zu oft zeigt sie Suchtreffer an, die total veraltet sind oder inhaltlich nicht passen. Klar, die erweiterten Suchoptionen schaffen hier zum Teil Abhilfe – aber die müssen erstmal aktiviert werden, was Zeit kostet.

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Google-CEO Larry Page: Google+ wurde nach seiner Rückkehr auf den CEO-Posten zur Chefsache erklärt

Der Knowledge Graph ist in meinen Augen eine der wichtigsten Entwicklungen in Googles Suchmaschine seit Jahren. Mit der Anzeige von relevanten Informationen, passend zu den Suchbegriffen, nahm Google ein Element in die Suche mit auf, das einen anderen Ansatz verfolgt: nicht das Web ist Quelle für Wissen und Information, sondern Google selbst – auch wenn die im Knowledge Graph angezeigten Informationen meist von Wikipedia stammen, ist die Herangehensweise eine andere. Noch ist Google kein Wolfram Alpha, aber der Weg geht in die richtige Richtung: Nicht einfach das Web durchsuchen und Website-Ergebnisse auf Suchanfragen bereitstellen, sondern Antworten liefern.

Der Missing Link bei Google: Social

Das ist Google aber offensichtlich nicht genug. Die Suche soll einen sozialen Charakter erhalten – was auch absolut Sinn macht. Anstatt Informationen nur auf Basis von Algorithmen zu sortieren und im Fall der Suche zu priorisieren, sind soziale Empfehlungen ein gewichtiger Faktor in der Relevanz-Einstufung von Web-Nutzern. Oder mal anders: Wem würdet ihr vertrauen, wenn ihr nach einem Zahnarzt in eurer Stadt sucht? Der Suchmaschine von Google, die in den erweiterten Suchergebnis-Seiten womöglich sogar Sternchenbewertungen anzeigt oder einem Bekannten, der einen Zahnarzt bei Facebook empfiehlt? Eine rhetorische Frage, oder?

Um also auf die soziale Bedrohung seitens Facebook und Co. zu reagieren und der Google-Suche den so wichtigen „Social Layer“ zu verpassen, hat das Unternehmen von Larry Page und Sergey Brin in der Vergangenheit schon einige Anstrengungen unternommen. Von Google Wave über orkut bis hin zu Google Buzz wurde viel probiert, Erfolg: Fehlanzeige – bis auf orkut vielleicht, aber auch dieses Netzwerk kommt nur in einigen Ländern wie Brasilien gut an. Als Larry Page das Social Web dann schließlich zur Chefsache erklärte, entstand mit Google+ der bisher ambitionierteste Ansatz, Google sozialer zu machen.

Zwei Jahre später: Wie ist der Erfolg zu bewerten?

Rund zwei Jahre später spricht Google von rund 190 Millionen Nutzern, die im Mai 2013 im Google+-Stream aktiv waren. Aber was heißt das schon? Ein Google+-Link auf einer Website angeklickt und aus Versehen als angemeldeter Google-Nutzer in seinem eigenen Google+-Stream gelandet, ohne es zu wissen? Nur weil man vor zwei Jahren einen Account erstellt hatte? Seien wir ehrlich: Unzählige Google+-Profile sind verwaist. Ich stoße immer wieder auf Google+-Accounts, die entweder keinen einzigen Post von sich gegeben haben oder dessen letzter Post über ein Jahr zurückliegt. Überhaupt traue ich keiner Zahl, wenn es um die Diskussion der Relevanz von Web-Diensten geht. Aber was ist das auch für eine Debatte: Wir müssen uns nicht darüber unterhalten, ob Google+ in irgendeiner Art und Weise die Relevanz von Facebook im Ansatz erreicht hat. Nein, hat es nicht, wird es auch so schnell nicht – vermutlich nie.

Aber ist das der richtige Ansatz zur Erfolgsbewertung von Google+? Will sich Google tatsächlich mit Facebook messen? Dann hat Larry Page total versagt. Martin Weigert hat absolut recht: Google+ ist für den Großteil der Web-Nutzer absolut irrelevant. Facebook ist in Sachen soziale Kommunkation das Maß aller Dinge, Twitter ist mit großem Abstand auch noch relevant – und dann kommt lange, lange Zeit gar nichts. Google+ ist ein Nischen-Netzwerk für Geeks, Web-Professionals und Fotografen – wobei letztere sich auch woanders tummeln. Für Google+-Fans ist Google+ selbstverständlich großartig. Und ja, auch ich mag das Netzwerk sehr, nutze Facebook mittlerweile kaum noch – um nicht zu sagen gar nicht mehr. Macht das Google+ aber in irgendeine Weise erfolgreich, weil seine Powernutzer es so großartig finden? Sicher nicht.

Plant Mark Zuckerberg, das Abschalten Sozialer Werbeanzeigen durch den Nutzer zu unterbinden? #FLICKR#
Facebook ist das Maß der Dinge im Social Web – Google+ sollte sich nicht an das Zuckerberg-Netzwerk messen (Foto: Andrew Feinberg / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Wie bewertet man den Erfolg von Google+ also? Als Facebook-Konkurrent ist das Netzwerk gescheitert, als Nischen-Netzwerk ist es erfolgreich. Und was meint Google? Schwierig zu sagen. Im Grunde ist es auch völlig egal, weil Google selbst vermutlich keine Alternative dazu sieht, sich einen sozialen Anstrich zu verpassen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Dass der Konzern mit allen Mitteln versucht, Google-Nutzern einen Google+-Account aufzudrängen zeugt von dieser Überzeugung. Oftmals ist der Ansatz zu vernehmen, dass Google eine Art „soziale Folie“ darstellt, die sich über alle Google-Dienste legen soll. Aber was soll das genau heißen? Eine Folie? Alles ist irgendwie miteinander verbunden, auch wenn eine Vielzahl der Nutzer nur YouTube nutzt oder nur GMail? Welche Funktion hat also diese „Folie“?

Google+: Das Laboratorium für eine bessere Suche

Das Beste was Google machen kann, ist Google+ als das zu sehen was es ist: ein Nischen-Netzwerk. Das bereits ein solches Nischen-Netzwerk ungemein viel Daten liefert, dürfte klar sein. Und Google operiert ja aus einer guten und komfortablen Position heraus: Aus der Nische entwickeln sich meist die größten Erfolgsgeschichten. So kann Google Schritt für Schritt an seinem Netzwerk und der Technologie dahinter arbeiten, das Netzwerk weiterentwickeln, Dinge ausprobieren. Der große Vorteil von Google+: Das Network muss kein Geld verdienen – dafür hat Google ja bekanntlich ganz andere Quellen angezapft.

Im Mittelpunkt von Googles Geschäftsmodell wird immer das Geschäft mit der Werbung stehen, insofern wird der Konzern die Suche ständig weiterentwickeln. Dazu gehört es eben auch, soziale Faktoren zu integrieren – und genau das kann Google+ als eine Art Laboratorium leisten. Wie lassen sich beispielsweise geschickt Suchanfragen und Suchergebnisse mit sozialen Funktionen verknüpfen, sodass ein echter Mehrwert für Suchmaschinen-Nutzer entsteht? Ebenso viel Gewicht sollte Google aber auch auf semantische Technologien legen – allen voran auf den Knowledge Graph. Denn neben dem sozialen Anstrich, der die Suche einen deutlichen Schritt voranbringen kann, sind es intelligente, semantische Technologien, die die Suche auf eine neue Stufe heben können.

Was also ist Google+? Im Grunde noch immer ein Pilotprojekt, um die Suche zu verbessern. Dass sich Geeks darin wohl fühlen, ist ein netter Neben- und Werbeeffekt zugleich. Google sollte sich damit zufrieden geben. Die Vergangenheit zeigt, dass es viel schlimmer hätte kommen können. Buzz, Wave, orkut – da mag nicht so viel Geld reingeflossen sein wie in Google+ – aber was nützt es bei Google über Geld zu diskutieren, wenn sich das neueste Projekt des Unternehmens der Lebensverlängerung widmet?

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8 Antworten
  1. von Jens Richter am 26.09.2013 (10:02 Uhr)

    Leider hat man bei Google+ das Gefühl, dass die Seite nie fertig lädt und es ruckelt teilweise extrem beim Scrollen. Generell ist die Handhabung nicht besonders gut und schreckt damit sicherlich auch den einen oder anderen interessierten Benutzer ab.

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  2. von rome am 26.09.2013 (11:30 Uhr)

    Bei t3n macht jede Firma alles richtig, warum Apple 5c richtig ist, warum es richtig ist, dass Apple kein TV rausbringt, warum Google+ so super ist.

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  3. von Andreas Lenz am 26.09.2013 (14:13 Uhr)

    @rome: nope! und totschreiben ist übrigens sehr viel einfacher und trafficstärker ;)

    Warum Apple einen neuen Visionär braucht:
    http://t3n.de/news/apple-neuen-visionar-426502/

    Apple: Es fehlt die Vision:
    http://t3n.de/news/apple-fehlt-vision-kommentar-398765/

    Warum Microsoft seine Produktstrategie radikal ändern muss
    http://t3n.de/news/microsoft-produktstrategie-492953/

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  4. von Christian am 26.09.2013 (20:54 Uhr)

    Bei t3n und technikload...alles von Apple Schrott, nicht mehr innovativ etc., alles von Google super...ich erinnere mich noch an das "produktfeuerwerk" der google i/o...was ist davon beim kunden angekommen?

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  5. von Drey am 26.09.2013 (21:59 Uhr)

    Sorry aber ich muss mich den anderen Nutzern anschließen: Seit langer Zeit schreibt ihr, wie toll doch eigtl. Google+ ist, dass man fast den Eindruck bekommt, ihr werdet heimlich von denen bezahlt. Funktionalität hin oder her, alles miteinander verbunden - die Frage, die sich stellt: Wollen das die Leute überhaupt? Will ich, dass Google so viel über mich weiß? Ich persönlich logge mich nach dem Nutzen meines Gmail-Accounts konsequent aus, weil ich nicht will, dass jede Suchanfrage in meinem Profil gespeichert wird.

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  6. von Andreas Lenz am 26.09.2013 (22:28 Uhr)

    in Sachen Medien, Webdesign, Webentwicklung und Onlinemarketing geht es ordentlich zur Sache auf Google+. Bin jedes mal wieder von der positiven und schnellen Diskussionskultur und angenehmen Usability dort beeindruckt!

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  7. von Michael am 27.09.2013 (14:09 Uhr)

    Ich hatte t3n mal regelmaessig gelesen aber es hat mich einfach zu sehr gestoert, dass die Ueberschriften nicht den Inhalt des Berichts reflektieren. Eigentlich sind es sowieso eher Kommentare weil es staendig "meine Meinung" heisst.
    Aber auch hier heisst es wieder "Zwei Jahre später: Warum Google+ kein Flop ist" und der Kommentar laesst voellig offen warum es kein Flop sein soll. Die meisten Bereiche sagen sogar dass es geflopt sei. Es fuehlt sich immer so an als ob jemand eine Ueberschrift vorgibt die eine hohe Klickrate verspricht und jemand muss dann was dazu schreiben ob sie die Ueberschrift treffen oder nicht ist dann wohl egal. Die Leute haben ja geklickt und die Werbung wurde eingeblendet. Genau der Punkt warum ich seit ueber einem Monat nicht mehr reingeschaut hatte. Erster Kommentar und das Gleiche wieder...

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  8. von cephei am 27.09.2013 (14:51 Uhr)

    Wie kommt Google an Geld? Mit Werbung.
    Wie wirbt man effizient? Indem man lernt, was die Leute interessiert.

    Wenn also nur die Hälfte der oben angegebenen 190 Millionen auf G+ aktiv ist, sehe ich das aus sicht von Google als totaler Erfolg.

    Auch wenn viele meinen, dass Google an Facebook rannkommen will, glaube ich eher dass die was total anderes im Sinn haben. Und ihr Ziel scheinen sie zu erreichen, sonst würden sie nicht so viel Zeit in G+ investieren.

    èbrigens sind G+ und YouTube schon wesentlich nahe aneinander. Würde mich nicht wundern wenn die beiden Dienste weiterhin zusammenwachsen. Und YouTube hat wesentlich mehr als 190 Mio. User ;)

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