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„Amerikanern das deutsche Regelwerk zu erklären, ist viel Arbeit“

11.12.2008 | 4 Kommentare »

Interview mit Rico Neitzel, Community Manager Deutschland bei Magento und freiberuflicher Mediendesigner für kleinere Agenturen. Magento ist ein E-Commerce-System mit enormem Funktionsumfang, das auf Zend Framework basiert und sich für den Betrieb größerer Online-Shops eignet.

Seit wann engagierst Du Dich für Magento und wie kam der erste Kontakt zu Magento zustande?
Ich arbeite bereits seit August 2007 für Magento. Wie ich dazu gekommen bin, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr. Ich war jedoch einer der ersten Stunde und hatte mich damals mit einem früheren Community-Mitglied zusammengetan. Wir kümmerten uns gemeinsam um die deutsche Community.

 

Wie bringst Du Dich heute bei Magento ein?
Mittlerweile bin ich auch von Varien, der Entwicklerfirma hinter Magento, quasi offiziell anerkannter Vertreter der Community in Deutschland. Ich produziere deutsche Inhalte wie Blogbeiträge, Wiki-Artikel, Screencasts und ganze Webinare. Ich kümmere mich gemeinsam mit zwei Mitstreitern um Ruhe und – soweit möglich – Ordnung in den deutschen Forenteilen. Zudem koordiniere ich gemeinsam mit zwei weiteren aktiven Community-Mitgliedern die deutsche Übersetzung von Magento. Im Grunde bin ich als Community-Manager das wichtigste Bindeglied zwischen dem deutschen Markt und der amerikanischen Entwicklerfirma Varien.

Wie viel Zeit investierst Du in die Arbeit am Projekt?
Im Moment zu viel :-) Wir koordinieren gerade gemeinsam mit einem der ersten deutschen Platinum Partner das erste große deutsche Community-Event „Meet Magento“, das im Februar einen Tag lang in Leipzig Einsteigern, Umsteigern und Profis ein Forum bieten soll. Außerdem ist es viel Arbeit, die Wünsche und Anregungen der deutschen Händler entsprechend aufzubereiten und über den großen Teich zu schicken, damit unser komplexes Regelwerk auch in Amerika richtig verstanden und umgesetzt wird.

Was ist Deine Motivation, Dich bei Magento einzubringen?
Ich glaube es ist einfach Irrsinn... Ich verspreche mir nichts davon. Es ist schön, wenn man eine so große Gruppe arbeiten und helfen sieht und viele neue und interessante Menschen kennenlernen kann. Es macht Spaß, wichtige von unwichtigen Änderungswünschen zu trennen und an der Entstehung eines solchen Enterprise-Systems als Open Source teilzuhaben. Und sicher möchte man sich selbst auch einmal im Leben einen kleinen „Apfelbaum“ im Netz „pflanzen“ – etwas, woran man sich später auch gerne zurückerinnert.

Was schätzt Du besonders an der Magento-Community?
Dass die Community zusammenhält, auch wenn es eine verhältnismäßig kleine Community von aktiven Mitgliedern ist. Um so wichtiger war es mir, die deutsche Community mit neuen Medien (Screencasts, Webinare, Wiki-Artikel etc.) in der Landessprache zu unterstützen.

Was war Dein schönstes Erlebnis im Zusammenhang mit Magento?
Das war definitiv, als die erste deutsche Übersetzung fertig war. Wir hatten bereits für Version 1.0 damals etwa 4.000 einzelne Strings übersetzt, überprüft und korrigiert. Mittlerweile (Version 1.1.8) haben wir an die 5.000 – alle übersetzt. Um hier auch wieder etwas für die Community zu tun, erarbeiten wir gerade eine Software, auf der die Übersetzungen datenbankgestützt verarbeitet werden können. Wir möchten damit unsere Freunde in der Schweiz und Österreich mit unterstützen, die sich ebenfalls sehr um die Lokalisierungen von Magento in die jeweiligen landeseigenen Versionen bemühen.

Wie siehst Du die Zukunft von Magento? Was werden nächste große Meileinsteine sein?
Ich denke, Magento hat den Markt im Open Source E-Commerce schon gut aufgemischt. Nicht zuletzt ist die Entscheidung auch von Mitbewerbern aufgegriffen worden. Man denke an die Pressemitteilung zur Community-Edition von Oxids Shoplösung eShop. Das ist also der richtige Weg und Magento geht ihn allen anderen voran. Auch die regelmäßige Weiterentwicklung und die gute Balance zwischen Bugfix- und Feature-Releases ist für die bunte Couleur der vielen Shopbetreiber gut gefunden. Die Version 2.0 steht bereits in den Startlöchern und bringt wieder neue Funktionen und stetige Verbesserungen mit sich. Es geht also weiter steil bergauf, getreu dem Varien-Motto: „Go Go Magento!“

Wenn Du Dir ein neues Feature für Magento wünschen dürftest, welches wäre das?
Das ist wirklich schwer, weil Magento schon out-of-the-box so viele Dinge unterstützt. Mit den in Version 2.0 kommenden „downloadable products“ ist nun auch dieser Ruf der Community erhört worden. Vielleicht wäre eine echte Integration mit einem kleinen Blogsystem klasse, wobei auch das eigentlich schon gelöst ist... Ganz ehrlich: Im Moment fällt mir nichts ein.

Was sind die größten Probleme, mit denen Magento aus Deiner Sicht zu kämpfen hat?
Im Grunde der Unterschied in der Art und Weise, wie Deutsche und Amerikaner arbeiten. Wir Deutschen sind extrem präzise. Die Mentalität ist hier eine ganz andere. In Amerika hätte keiner daran gedacht, Magento ohne Warenwirtschaft zu betreiben, sodass die deutschen Händler in der ersten Version bei konfigurierbaren Produkten (also ein Produkt mit hundert verschiedenen Varianten, bspw. ein T-Shirt) richtig viel Handarbeit leisten mussten. Mittlerweile ist aber auch dieses Problem gelöst. Generell sehe ich hier das größte Problem: Die Mentalitäten. Aber mit einer guten Schnittstelle zwischen Community und Entwicklern ist auch diese Hürde zu meistern.

Wie siehst Du generell die Zukunft von Freier und Open Source Software?
Mit Open Source Geld zu verdienen ist schwer – gerade wenn man, wie Varien, die Entwicklerfirma von Magento ist. Es gibt viele Fallstricke. Im Großen und Ganzen aber ist Open Source ein sehr guter Weg. Die Software ist, wenn sie ein gewisses Stadium erreicht hat, gut gepflegt und von vielen Seiten durchdacht. Die Quelloffenheit sorgt für die notwendige Sicherheit und Anpassbarkeit.

Welche Open Source Software setzt Du beruflich oder privat noch so ein?
Da gibt es kleine Helferlein wie FMA, einen Mobiltelefon-Manager, aber auch der Klassiker wie OpenOffice.org 3.

 

Weitere Infos zu Magento bei yeebase „open source“

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Kommentare

#1 theuer schrieb am 11.12.2008 16:04

Schönes Interview. Ich glaube, Magento hat eine große Zukunft vor sich!

#2 Roy Rubin (Magento) schrieb am 12.12.2008 20:23

Excellent interview. Rico has been an inspiration to work with and his contribution to the Magento Community is truly remarkable. We are very grateful.

#3 Phoenix schrieb am 12.12.2008 22:09

Wir sind sehr gespannt auf das Treffen in Leipzig :)

#4 Dentier schrieb am 28.01.2009 18:46

Gutes Interview, Rico macht ziemlich gute Arbeit im Forum, ohne seine Tipps wäre ich schon öfter am verzweifeln. Magento ist so anders als die anderen Open Shop Lösungen.

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