„Das Feedback meiner Leser im Blog ist die größte Motivation“
Interview mit Frank Bültge, der bei WordPress Deutschland tätig ist, sich leidenschaftlich mit WordPress beschäftigt, Lösungen in diesem Umfeld entwickelt und beruflich als Software-Entwickler im Bereich SAP und NonSAP-Applikationen arbeitet.
Seit wann engagierst Du Dich im WordPress-Projekt und wie bringst Du Dich in das WordPress-Projekt ein?
Ich engagiere mich in der deutschen Community rund um WordPress und bringe Diskussionen bei den Entwicklern ein. Ich mache also im Grunde nicht mehr als jeder andere Nutzer von WordPress auch tun kann, der genauso leidenschaftlich mit WordPress arbeitet und dieses Wissen weiter gibt wie ich. Im eigentlichen Projekt arbeite ich nicht am Code, auch wenn das im Sinne von Open Source denkbar wäre. Wie aber schon angedeutet, liegt meine Arbeit eher darin, dass ich Erkenntnisse und Wissen im Zusammenhang mit Webentwicklung und dabei vorrangig WordPress weiter gebe. Dies tue ich seit meinem ersten Kontakt mit WordPress im Jahre 2004. Gestartet habe ich eigentlich nur, weil ich die Erkenntnisse für mich fest halten und einen Teil der Gemeinde wieder geben wollte. All mein Wissen ist als Autodidakt entstanden, vorrangig mit den Inhalten aus dem Netz. So lag es nahe, dass ich nun einen Teil wieder gebe. Im Abstand betrachtet, scheint das gelungen und das Schreiben macht durch die Kommentare der Leser enorm Spaß.
Wann kam der erste Kontakt zu WordPress zustande?
Gestartet mit WordPress habe ich eigentlich nur, weil alle anderen Plattformen mir nicht zugesagt haben. Dabei war meine Priorität auf validem Code, der damals recht selten in einem CMS bzw. einer Blogengine zu finden war. Hinzu kam dann, dass WordPress recht einfach und übersichtlich aufgebaut war. Die Flexibilität hat mich bis heute begeistert.
Wie viel Zeit investierst Du in die Arbeit am Projekt?
Eine einfache Frage, die ich nur schwer beantworten kann. Ich arbeite an WordPress oder Lösungen in diesem Umfeld fast täglich. Ich habe einen sehr harten Zeitplan, der neben Beruf, Familie, Freunde und Sport jede freie Zeit für die Webentwicklung frei hält. Aktuell habe ich noch immer so viel Spaß an dem Lösen von Anforderungen und Umsetzen kleiner Lösungen, dass ich es mir oft nicht nehmen lasse, den Schlafzeitraum ein wenig kürzer ausfallen zu lassen.
Was ist Deine Motivation, Dich bei WordPress einzubringen?
Das Feedback meiner Leser im Blog (http://bueltge.de/) ist die größte Motivation. Ohne die Kommentare und lieben Kontakte wäre ich sicher nicht so fleißig. Auch wenn ich oft müde hinter der Aufgabe sitze, dann baut ein lieber oder freundlicher Kommentar auf. Nur fünf Prozent aller gestarteten Blogs überleben, zeigen Statistiken – der Grund sind die Kommentare. Die „Überlebenden“ haben Kontakt über ihr Blog und das motiviert.
Was schätzt Du besonders an der WordPress-Community?
Der freundliche und sachliche Ton. Die schnelle und übergreifende Hilfe. Hier versucht man nicht ein Projekt kaputt zu machen. WordPress ist aus meiner Sicht nur so stark, weil die Community es so stark macht. Die vielen netten Kontakte, die ich in der kleinen Welt von WordPress kennen gelernt habe, möchte ich nicht mehr missen. Mit einigen pflege ich das Gespräch beim Bier, also über E-Mail und XMLRPC hinaus sehr schöne Entwicklungen.
Was war Dein schönstes Erlebnis im WordPress-Projekt?
Die Anerkennung durch die Nutzer, die Gespräche auf dem ersten WordCamp in Hamburg und das entgegengebrachte Feedback. Nie hätte ich gedacht, dass man mich kennt und zuordnen kann. Ich war überwältigt was mein kleines Blog für eine Bekanntheit hat.
Nicht im Sinne des Projekts selbst, aber im Zusammenhang mit WordPress ist es sicher zu nennen – die Veröffentlichung des Buchs zu WordPress. Die Arbeit hat mir sehr viel Freude gemacht – ohne die netten Leute hinter dem Verlag Open Source Press, die mich zu dieser Idee ansprachen, wäre das Buch nicht in mein Regal gewandert.
Wie siehst Du die Zukunft des WordPress-Projekts? Was werden nächste große Meilensteine sein?
Die aktuelle Verison 2.7 von WordPress ist sicher ein Meilenstein, der in der Community einiges an Diskussion und Jubel gleichermaßen auslösen wird. WordPress wächst derzeit unaufhörlich und mit der Version 2.7 hat man einen Stand, der für das Jahr 2009 im Design und grundlegenden Umfang so stehen soll. Das ist auch gut so, denn die Szene ist aus meiner Sicht aktuell mit zu viel Umbruch erfüllt und wenn WordPress das Tempo weiter so nach oben hält, dann werden Nutzer und Entwickler abspringen.
Für die kommenden Versionen von WordPress wird es trotzdem weiter gehen. In 2.7 sind so viele neue Funktionen, die zum Teil Überarbeitungen benötigen. Gleichzeitig vermute ich, dass man die kommenden Versionen mit Funktionen im Bereich Medien ausbauen wird. Eventuell kommen weitere APIs hinzu und der Zugriff aus anderen Anwendungen und Services wird eventuell bereichert. Einige Punkte sind noch offen und so wird die Version 2.8 vermutlich mit Syntaxhighlighting in den Editoren des Backend kommen. Die Datenbank wird hoffentlich Hierarchien (MPTT) zu lassen und das Thema Versionierung wird ebenso auf der Liste stehen. Dies aber nicht nur im Hinblick auf die Versionen zu Beiträgen, sondern auch auf das Versionieren von Templates des Themes. Das GUI der aktuellen Versionierung zu Beiträgen wird ebenso neu gestaltet und damit nutzbarer.
Außerdem denke ich, dass diverse Funktionalitäten von Plugins in den Core fließen, so wie das in der Vergangenheit schon öfter passiert ist. Ein Vorzeige-Plugin soll dabei Sitemaps sein, das die sitemap.xml für diverse Suchmaschinen erzeugt. Im Weiteren wird sich eventuell die neue API der Kommentare auch im Backend wieder finden, speziell würde das heißen, dass man die Funktion der „Threaded Comments“ im Admin abbildet. Außerdem gibt es Überlegungen, OAuth zu unterstützen – ein offenes Protokoll, das sichere APIs zum Ziel hat. Schon sehr lange unterstützt WordPress Mikroformate und ich vermute, dass dort noch weiter ausbaut wird. Die aktuell Version 2.7 hat in dieser Hinsicht schon viele weitere Unterstützungen erfahren und 2.8 kommt sicher mit der Möglichkeit der Geodaten. Alle Einblicke sind natürlich nicht bindend und entsprechen nur meinem Empfinden, Vermutungen und diversen Quellen rund um WordPress.
Wenn Du Dir ein neues Feature für WordPress wünschen dürftest, welches wäre das?
In erster Linie würde ich mir eine schlanke Version von WordPress wünschen, die ich dann via Plugins erweitern kann. Ich denke dabei ein wenig an eine Oberfläche zum Download, wo ich mir ähnlich eines Framework die benötigen Teile „zusammenklicke“. Erweiterungen lassen sich dann via Schnittstelle einbringen, so wie man es schon kennt.
Ein weiterer Punkt wäre ein schlankes Markup für das Backend. Mir gefällt die aktuelle Version 2.7 im Backend, aber es ist sehr aufwändig, im Sinne eines Corporate Design zu arbeiten. Aus meiner Sicht ist weniger mehr und aktuell ist mir das Markup und das zugehörige CSS einfach viel zu wuchtig. Hier sollte man mehr an die Nutzer denken. Die Arbeit an Erweiterungen, gerade im Bereich Design des Backends, ist sehr aufwändig und WordPress verändert bei einem neuen Design leider nicht nur das Stylesheet, sondern auch im großen Maße das Markup.
Was sind die größten Probleme, mit denen das WordPress-Projekt aus deiner Sicht zu kämpfen hat?
Meine Sicht ist eher technisch und da gibt es noch eine Menge zu tun. Vor allem im Bereich der Mehrsprachigkeit hat WordPress Schwächen, ein einfaches Beispiel ist die Unterscheidung zwischen Du und Sie in unserem Sprachgebrauch. Mit der neuen Funktionalität des automatischen Updates ist das leider noch schlimmer geworden und so generiert sich sehr viel Arbeit im Team von WordPress Deutschland.
Wie siehst Du generell die Zukunft von Freier und Open Source Software?
In der Vergangenheit waren Open-Source-Projekte oftmals das Projekt einiger wenigen Kenner oder Verfechter der Szene. Das Blatt scheint sich zu wenden und Open Source rückt immer mehr in der Fokus, auch im Bereich der Unternehmen. Aber machen wir uns nichts vor, noch sind viele Firmen ängstlich und mit Blindheit geschlagen. Einige wenige Beispiele mache da die Ausnahme, so denke ich dabei an die Deutsche Post mit ihrem SOA-Projekt. Trotzdem sehe ich die Zukunft von Open Source positiv. Wenn Open Source die Business-Anwender so erreichen kann wie die privaten Nutzer, dann ist Open Source eine Alternative die nicht mehr wegzudenken ist. Schon jetzt sehe ich Open Source als Chance und eine starke Alternative. Nur um es nicht falsch zu verstehen, aber die Nutzung im Bereich der Business-Anwender ist mir dabei noch zu zögerlich. Natürlich springen hier und da Unternehmen auf das Schlagwort Open Source auf, wirklich nutzen und leben dagegen tun es aus meiner Sicht noch zu wenige Unternehmen. Aber die aktuelle Krise oder das was Firmen auch gern als Ausrede nutzen, ist dabei ein Chance und kann Open Source fördern. Schon jetzt zeigt sich, dass es Businessmodelle gibt, um mit Open Source zu existieren und nicht immer über den Code leben zu müssen.
Welche Open-Source-Software setzt Du beruflich oder privat noch so ein?
Im Bereich Rechnertechnik bin ich nicht sonderlich leidenschaftlich – aber ich habe Prinzipien. Mein Arbeitsumfeld kann sich also schnell ändern. Einige Tools aus meinem Umfeld sind LaTeX, Mantis, phpMyAdmin, VirtuaWin, Inkscape, yEd, Apache und JEdit. In der Anwendung sind aber eine ganze Reihe mehr Open-Source-Tools. Suche ich nach einer Applikation für eine spezielle Aufgabe, dann starte ich in der Regel bei Open-Source-Projekten. Ich nutze den Rechner als Arbeitsgerät und so soll es auch bleiben. Der Wechsel einer Software kann daher schnell passieren. WordPress macht dabei eine Ausnahme weil ich den Code recht gut kenne und weil ich bisher keine Applikation gesehen habe, die mit so einfach so viel Flexibilität bei so viel Einfachheit gibt.
Hast Du einen Geheimtipp - also eine Software, die vermutlich wenige kennen, die aber trotzdem tolle Arbeit leistet?
Shutdown – nichts ist so förderlich wie ein Gespräch unter Menschen, das Denken ohne PC und die direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch. In diesem Sinn danke ich für die Fragen und das damit entgegengebrachte Vertrauen in meine Person. Vielen Dank.
Kommentare
#2 Frank schrieb am 13.01.2009 20:28
Herzlichen Dank für die Blumen.
#3 Simon schrieb am 14.01.2009 00:41
@Frank: Vielen Dank für das Interview! Du hast vieles passend auf den Punkt gebracht.






#1 BlogDrauf schrieb am 13.01.2009 14:14