„Durch die Arbeit die wir jeden Tag machen, wird wirklich etwas bewegt“

04.02.2009 | Kommentar schreiben »

Florian Effenberger engagiert sich seit vielen Jahren für freie Software. Er ist Co-Lead des internationalen Marketingprojekts bei OpenOffice.org und im Vorstand des gemeinnützigen Vereins OpenOffice.org Deutschland e.V. aktiv. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen darüber hinaus in der Konzeption von Unternehmens- und Schulnetzwerken auf Basis freier Software.

Zudem schreibt er regelmäßig für zahlreiche deutsch- und englischsprachige Fachpublikationen und beschäftigt sich dabei auch mit rechtlichen Fragestellungen.

 

Seit wann engagierst Du Dich im OpenOffice.org-Projekt und wie kam der erste Kontakt zu OpenOffice.org zustande?
Im Projekt bin ich seit circa 2004 aktiv, das Marketing betreue ich seit 2005. Der erste Kontakt kam allerdings viel früher zustande. Lange bevor OpenOffice.org aus der Taufe gehoben wurde, gab es die StarOffice-Newsgroups der damaligen StarDivision, in denen ich aktiv war. Nach der Projektgründung von OpenOffice.org war ich eine ganze Weile stiller Mitleser, bis ich dann selbst mitmachen wollte, und jetzt lässt die Sache mich nicht mehr los.

Wie bringst Du Dich in das OpenOffice.org-Projekt ein?
Ich betreue vor allem das Marketing, sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international. Konkret heißt das für mich insbesondere, die Kontakte zu Journalisten und zu Kunden zu pflegen sowie Veranstaltungen und Messeauftritte zu organisieren. Ich bin auch im Vorstand des gemeinnützigen Vereins OpenOffice.org Deutschland e.V. aktiv. Daneben bringe ich mich noch in einigen anderen Bereichen ein, beispielsweise im Infrastruktur-/Mirror-Projekt.

Wie viel Zeit investierst Du in die Arbeit am Projekt?
Das ist schwer zu sagen. Es gibt Zeiten, da ist sehr viel los, beispielsweise vor großen Messen oder einem großen Release. Daneben gibt es auch eher ruhigere Zeiten, aber was zu tun gibt es eigentlich immer. Es sind sicherlich einige Stunden pro Woche, die jeder aktive Mitarbeiter in das Projekt investiert.

Was ist Deine Motivation, Dich bei OpenOffice.org einzubringen?
Da kommen viele Faktoren zusammen. Es macht viel Spaß, sich in unserer Community zu engagieren, man lernt viele nette Leute kennen. Ich habe auch das Gefühl, dass durch die Arbeit, die wir jeden Tag machen, wirklich etwas bewegt wird. Wir sind schon lange heraus aus der Phase, dass Open Source als „bunter Hund“ betrachtet wird; als Exot, der zwar ganz interessant ist, aber kaum ernstzunehmen. Open Source und insbesondere OpenOffice.org sind da angekommen, wo sie hingehören – in den Köpfen und auf den PCs der Leute. Unsere Arbeit trägt ihren Teil dazu bei, und das motiviert ungemein. Wir wissen, dass wir für eine gute Sache stehen, und dass wir etwas bewegen.

Was schätzt Du besonders an der OpenOffice.org-Community?
Die OpenOffice.org-Community besteht aus ganz verschiedenen Leuten. Als Office-Suite haben wir ein breites Zielpublikum, vom einfachen Anwender bis zum professionellen Nutzer aus dem Unternehmensbereich, vom Designer bis zum Entwickler. Entsprechend breit gefächert sind auch die Charaktere und die Hintergründe der Leute, die sich bei uns einbringen. Jeder Beruf ist vertreten, vom Studenten über den Arzt bis hin zum Rentner, und jeder hat seine eigene kleine Geschichte. Dadurch bekommen wir viele verschiedene Blickwinkel auf eine Sache. Diese Vielfalt schätze ich sehr, sie ist wichtig für uns. Dazu kommt, dass bei uns jeder sehr offen ist. Die Arbeit bei uns macht einfach Spaß.

Was war Dein schönstes Erlebnis im OpenOffice.org-Projekt?
Es gibt viele schöne Momente, auf die ich gerne zurückblicke und auf die ich mich jedes Mal aufs Neue freue: Beispielsweise die Leute, die bei uns auf den Messen vorbeischauen, einfach um uns zu sagen, dass ihnen das Programm gefällt und wir eine tolle Arbeit machen. Diese direkte Rückmeldung ist ein ungemeiner Ansporn für uns, weiterzumachen. Aber auch die vielen Projekttreffen, fernab der Arbeit, bei denen wir uns gemütlich zusammensetzen, uns „in echt“ kennen lernen und über Gott und die Welt reden. Ich habe schon einige wirklich gute Freundschaften durch die Projektarbeit geschlossen, die ich nicht mehr missen möchte.

Wie siehst Du die Zukunft des OpenOffice.org-Projekts? Was werden nächste große Meileinsteine sein?
Wir haben in den letzten Jahre viel bewegt – nicht nur OpenOffice.org, sondern Open Source im Ganzen hat ungemein aufgeholt. Der Exotenstatus ist weg, wir sind am Markt und in den Köpfen der Leute angekommen. Das bedeutet gleichzeitig natürlich, dass wir uns jetzt mit ganz anderem Maß messen lassen müssen als früher, als wir noch als Nischenprodukt galten. Wir haben eine gute solide Basis und ein sehr gutes Produkt, die Weichen für die Zukunft sind gestellt. Allein in diesem Jahr sind viele spannende Dinge passiert, denken wir beispielsweise an die viel zitierte Diskussion um offene Dokumentformate. Die Schaffung neuer offener Schnittstellen und vor allem die Anbindung an bestehende Fachsoftware ist sicher eines der großen Themen für die nächste Zeit. Viele Hersteller haben erkannt, dass die Zukunft in der Offenheit liegt, aber manche Firmen leben noch in der Steinzeit und sind für derlei Ideen nicht zu gewinnen. Es ist jetzt mehr denn je wichtig, gemeinsam im Interesse aller daran zu arbeiten, offene Formate und Schnittstellen und transparente Standardisierung voranzubringen.

Wenn Du Dir ein neues Feature für OpenOffice.org wünschen dürftest, welches wäre das?
Es gibt sicherlich noch einige Features, die man einbauen könnte, viel wichtiger finde ich jedoch, die bestehenden Funktionen und deren Benutzbarkeit zu verbessern. Wir haben seit einiger Zeit ein User Experience Projekt, das sich damit beschäftigt, wie OpenOffice.org noch intuitiver gestaltet werden kann. Die Arbeit dieses Projektes klingt sehr vielversprechend und ich bin auf die ersten Ergebnisse sehr gespannt.

Was sind die größten Probleme, mit denen das OpenOffice.org-Projekt aus deiner Sicht zu kämpfen hat?
Uns geht es wie vielen anderen Projekten auch. Die Arbeit wird durch die Bekanntheit immer mehr, doch die Zahl der aktiven Mitstreiter stagniert bestenfalls. Hier müssen wir noch mehr tun, um die existierenden Prozesse transparenter zu gestalten und die Einstiegshürde für aktive Mithelfer deutlich zu senken. Wenn man selbst lange Jahre im Projekt aktiv ist, dann verliert man nur allzu schnell den Blick dafür, wo die Probleme für Neueinsteiger liegen, sodass auch wir jedes Mal aufs Neue lernen müssen, Neulinge an die Hand zu nehmen.

Zwar bei vielen schon wieder in Vergessenheit geraten, aber wie ich befürchte noch nicht vom Tisch, ist das leidige Thema der Softwarepatente und anderer rechtlicher Fallstricke. Es wird leider immer einige Firmen am Markt geben, die ihr Geld weniger durch Innovationen und fairen Wettbewerb machen möchten, sondern dadurch, mit geschickter Anwendung der Gesetze an anderen zu verdienen. Glücklicherweise sind die Möglichkeiten in Europa derzeit mangels Softwarepatenten limitiert, allerdings glaube ich, dass wir solchen Problemen in Zukunft häufiger begegnen werden. Das schadet nicht nur einzelnen Projekten, sondern es schadet meiner Meinung nach der gesamten Gesellschaft – denn damit erreicht man nur eins, nämlich Innovationen auszubremsen und den Fortschritt in Stillstand umzuwandeln.

Wie siehst Du generell die Zukunft von Freier und Open Source Software?
Als Vertreter eines Open-Source-Projekts natürlich sehr positiv. Aber auch objektiv betrachtet denke ich, dass die Zukunft sehr gut aussehen wird. In den letzten Monaten hat sich viel getan, und erfahrungsgemäß steigert sich das Tempo von Jahr zu Jahr. Ich bin überzeugt davon, dass wir in der nächsten Zeit viele interessante und spannende Dinge erleben werden, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

Welche Open-Source-Software setzt Du beruflich oder privat noch so ein?
Ich arbeite fast nur noch mit Open-Source-Software. Nicht, weil ich prinzipiell gegen kommerzielle Software bin, sondern weil ich von der Qualität der freien Programme absolut überzeugt bin, sie sind proprietären Programmen in vielerlei Hinsicht sogar haushoch überlegen und glänzen durch Innovationen. Im täglichen Betrieb setze ich beispielsweise Firefox und Thunderbird ein und auf meinen Servern läuft ausschließlich freie Software. Auch mein Messenger ist Open Source, und OpenOffice.org nutze ich natürlich ebenso. Daneben habe ich eine Vielzahl kleiner Tools installiert, die mir den Arbeitsalltag erleichtern.

Hast Du einen Geheimtipp - also eine Software, die vermutlich wenige kennen, die aber trotzdem tolle Arbeit leistet?
Ich bin von Natur aus neugierig und sehe mir daher ganz gerne auch Plugins, Add-ons und Extensions für bestehende Software an. Gerade bei OpenOffice.org, Firefox und Thunderbird gibt es hier wahre Perlen zu entdecken, die pfiffige Features hinzufügen.

 

Weitere Infos zu OpenOffice.org

 

Florian Effenberger ist per E-Mail an floeff@openoffice.org zu erreichen.

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