Apple Tablet „iPad“/„iSlate“
Was kann Apples „neueste Kreation“?
Der Hype um das Apple Tablet hat selbst die schon wild ins Kraut schießenden Spekulationen vor der Präsentation des ersten iPhones bei weitem übertroffen. Wie beim iPod und beim iPhone betritt Apple mit dem Tablet dabei einen Markt, auf dem es bereits genügend Konkurrenten gibt, aber allen Beobachtern klar ist: Aus dieser Geräteklasse könnte man sehr viel mehr machen. Wir haben uns durch die zahlreichen Gerüchte und Spekulationen der letzten Wochen und Monate gewühlt und für Euch die wichtigsten und glaubwürdigsten Informationen zusammengestellt. Wie wird das Apple Tablet aussehen und was wird es können?
Um 19 Uhr unserer Zeit wird Apple-Mitgründer Steve Jobs heute auf die Bühne kommen und im Verlauf des Events selbst das Apple Tablet vorstellen, von dem im Prinzip bereits viele Eckdaten recht sicher scheinen - bis auf den Namen. Sowohl für „iSlate“ als auch „iPad“ hat Apple offenbar entsprechende Markenanmeldungen vorgenommen. Teilweise geschah dies wie auch schon in früheren Fällen über Tarnfirmen. Welchen Namen das Tablet wirklich trägt, wissen wohl selbst bei Apple nur wenige. Angesichts der teils vollkommen überzogenen Erwartungen an die Fähigkeiten des Geräts wurde es ja inzwischen auch bereits als „Jesus Tablet“ tituliert...

Gehäuse, Abmaße
Das Design wird sich dem Vernehmen nach am iPhone orientieren. Auf Engadget gab es heute Fotos zu sehen, die möglicherweise einen Prototypen im Testlabor zeigen. Falls es sich bei den Bildern nicht um sehr aufwändige Fakes handelt, kann man aus Ihnen beispielsweise ablesen, dass der Bildschirm eine Diagonale von etwa 9 bis 10 Zoll haben wird, was sich mit vielen Gerüchten deckt. Damit ist das Apple Tablet erheblich größer als das iPhone und der iPod touch, wie man auf diesem Foto erahnen kann. Während das Tablet vorn komplett schwarz ist und wahrscheinlich eine Glasoberfläche haben wird, soll die Rückseite aus Aluminium gefertigt sein.
Betriebssystem, Software
Alles deutet darauf hin, dass Apple für das iPad/iSlate eine eigene Benutzeroberfläche auf Grundlage von iPhone und iPod touch schaffen wird. Die Basis ist im Kern jeweils Apples OS X. Es werden allerdings keine Mac-Programme darauf laufen, iPhone-Apps aber sicherlich. Schon länger hat Apple daran gearbeitet, das iPhone OS auflösungsunabhängig zu machen, wie aus Entwicklerkreisen immer wieder zu vernehmen war. Zudem sollen Entwickler kontaktiert worden sein, damit sie ihre vorhandenen iPhone-Apps für eine höhere Auflösung anpassen, um in einer Präsentation gezeigt werden zu können - womit die heutige Vorstellung des Apple Tablet gemeint sein dürfte.
Angeblich wird für das Tablet dabei eine neue Oberfläche mit zahlreichen neuen Fingergesten geschaffen, die eine steile Lernkurve haben soll, also dem Nutzer eine Menge Einarbeitung abverlangt. Da Apple solche Gesten inzwischen auch für die Touchpads seiner Laptops und sogar in die Magic Mouse integriert hat, ist eines ganz klar: Multitouch wird eine wichtige Rolle spielen und wahrscheinlich eine neue Stufe erreichen.
Bei alldem auf das iPhone OS zu setzen ist eine logische Idee, denn damit stünde dem Apple Tablet sofort der AppStore mit seinen inzwischen über 100.000 Titeln zur Verfügung. Und dieser bereits bestens eingeführte Vertriebsweg dürfte noch für zahlreiche weitere Angebote genutzt werden, denn klar ist, dass es für das Tablet eigene Apps geben wird, die den erheblich größeren Bildschirm entsprechend einsetzen.
Angeblich arbeitet Apple ja gar an einer Multitouch-Version seiner Produktivitäts-Suite iWork. Wir werden sehen.
Sehr unwahrscheinlich ist hingegen, dass Apple den Microsoft-Weg geht und für die Tablets sein Desktop-Betriebssystem vorsieht, ergänzt um Touch-Funktionen. Mancher hatte sich eine Art MacBook ohne Tastatur gewünscht. Das Apple Tablet dürfte dagegen eher der deutlich größere Bruder von iPhone und iPod touch sein.

Weitere Features
Alles deutet darauf hin, dass das Apple Tablet nicht nur per WLAN sondern auch per Mobilfunk online gehen kann. Es gab Gerüchte, dass es ein Modell mit Mobilfunk und eines ohne geben könnte, aber davon war lange nichts mehr zu hören. In den USA wird als Partner jedenfalls Verizon als heißer Kandidat gehandelt. Angeblich wurden Mitarbeiter bereits auf den Verkaufsstart des Tablets vorbereitet. Im Zuge dessen soll übrigens auch die Bindung des iPhones an AT&T fallen. Für Deutschland, Österreich und Schweiz gab es in der Hinsicht keinerlei Gerüchte. Sehr sicher ist, dass das iPad/iSlate ebenfalls über den speziellen „Dock Connector“-Anschluss verfügen wird, über den sich Zubehör aller Art anschließen lässt. Hier ist erst durch den iPod und später durch das iPhone ein riesiger Markt entstanden, der sich schnell um das Tablet erweitern dürfte - sofern es nicht ein totaler Flop wird.
Nutzungsszenarien
Die Frage, wozu man überhaupt ein Tablet brauchen sollte, ist die wohl spannendste bei der anstehenden Präsentation. Aus den Gerüchten der vergangenen Wochen und Monate zeichnen sich einige Punkte ab:
- Apple hat mit diversen Verlagen über mögliche Inhalte verhandelt. Hierbei geht es um Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Anzunehmen ist allerdings, dass Apple hier nicht einfach ein Magazin auf dem Bildschirm will, sondern etwas Neues, das die technischen Möglichkeiten auch nutzt. Einige interessante Prototypen und Gedankenspiele zu möglichen Tablet-Magazinen gab es im Netz in letzter Zeit zu sehen. Interessant ist, dass vor allem E-Books und ähnliche Inhalte bereits heute im AppStore eine wichtige Rolle spielen. Der Bedarf ist also durchaus vorhanden.
- Ein anderer Hit im AppStore sind Spiele. Ein 10 Zoll großer Multitouch-Bildschirm würde hier ganz neue Möglichkeiten eröffnen.
- Natürlich dürften auch TV- und Film-Inhalte eine Komponente sein. Apple verhandelt offenbar schon länger mit Rechteinhabern darüber, die Preise für TV-Folgen drastisch zu senken. An sich sind die Inhalte heute schon da und könnten ein weiteres Verkaufsargument für das Tablet sein.
- Ein wesentlicher Hingucker war beim ersten iPhone der eingebaute Browser. Mit ihm wurde das Surfen im Netz unterwegs deutlich komfortabler und leistungsfähiger. Da das Apple Tablet sicher mindestens über WLAN verfügen wird und wohl auch per Mobilfunk online gehen könnte, wird auch das Surfen im Netz mit seinen zahlreichen Möglichkeiten dazugehören - als Couch-Surfstation. Das iPhone-Projekt ist nebenbei bemerkt wohl aus einem „SafariPad“-Tablet-Projekt hervorgegangen.
Wie schon oben angedeutet: Per AppStore und per Dock Connector wird sich das Apple Tablet ebenso wie das iPhone in seiner Funktionsvielfalt enorm erweitern lassen. Hier hat Apple derzeit alle Trümpfe in der Hand.
Und was kostet es?
Der Preis ist neben dem eigentlichen Namen des Geräts der Punkt, der am wenigsten klar erscheint. Von „unfassbar günstig“ bis 1.000 US-Dollar reichen hier die Aussagen und Spekulationen. Möglich, dass es bei Mobilfunkanbietern durch einen Vertrag subventioniert wird. Denkbar auch, dass es über Inhalte subventioniert wird.
Apple ist allerdings für seinen Premium-Aufschlag bekannt und nicht umsonst so enorm profitabel. Einen Konkurrenten für 200-Dollar-Tablets wird aber wohl auch niemand erwarten. Einigen wir uns mal auf 800 Euro.

One more thing?
In vielen Keynotes von Steve Jobs gibt es einen running gag: das „one more thing“ zum Schluss. Möglich, dass das Tablet selbst es ist. Möglich aber auch, dass Apple ein Update für das iPhone vorstellt. Neue Modelle wurden bislang allerdings immer im Sommer vorgestellt. Noch gab es auch gar nichts vom nächsten iPhone OS 4.0 zu sehen, was angeblich mit dem Tablet zusammenhängen soll. Man könnte aus dem neuen OS wohl schon zu viel über das neue Gerät ablesen. Gut möglich, dass Neuerungen aus dem Tablet auch in iPhone und iPod touch zurückwandern. Sehr unspektakuläre Spekulation: Updates für die Programmsammlungen iLive und iWork stehen an und könnten ebenfalls heute gezeigt werden. Wenn das passiert, dann aber wohl eher zu Beginn und nicht als Sahnehäubchen am Schluss.
Top oder Flop? Wie stehen die Erfolgschancen?
Es gibt wohl keine Firma, die eine so gute Ausgangsbasis wie Apple für ein erfolgreiches Tablet hat. Sie haben das passende Betriebssystem, sie entwickeln die Hardware selbst, sie haben einen ungeheuer erfolgreichen AppStore und sie haben mit dem Zubehör-Universum zu iPod und iPhone noch etwas, worauf sie aufbauen können. Bekannt ist auch, dass Apple in der Lage und Willens ist, neue Wege zu gehen. Das führt regelmäßig dazu, dass ihre Produkte für Irritationen sorgen. So haben die vorhandenen Features des ersten iPhones begeistert - aber die fehlenden Features auch entgeistert. Bisweilen gibt es harte Einschnitte wie den Wegfall aller bis dahin verbreiteten Schnittstellen beim ersten iMac - zugunsten des damals unbekannten USB. Gut möglich, dass sich Apple in seiner Radikalität beim Tablet selbst ein Bein stellt. Die wichtigste Frage aber wird sein: Kann Apple heute genügend Menschen davon überzeugen, dass der Nutzen des Tablets in einem vernünftigen Verhältnis zu seinem Preis steht?






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