"Fast jede freie Minute wird in das Projekt investiert"
12 Fragen an Jan Rösner, CTO von shipbids.de, einer Web-2.0-orientierten Frachtbörse für Privatpersonen. Hier kann jeder Transportwünsche vom Umzug bis zum Boots- oder Motorradtransport einstellen. Speditionen geben Gebote ab und transportieren als Beiladung.
1) Wie kam es dazu, dass Du heute CTO eines Web-2.0-Startups bist?
In acht Jahren Selbständigkeit hat es viele Projekte gegeben, einige mehr, andere weniger vielversprechend. shipbids.de und die damit verbundenen Herausforderungen fand ich so interessant, dass ich die persönlichen Investitionen einfach tätigen musste. Mit Christian Adler war vom Start des Projektes weg außerdem ein kompetenter Partner für das Onlinemarketing mit an Bord, und ich wollte gern etwas mit aktuellen Technologien - vorallem Ruby on Rails - umsetzen. Und die Nische, die wir uns ausgesucht haben, war und ist sehr vielversprechend.
2) Welche Technologien und Software-Lösungen sind für den Betrieb von
shipbids.de entscheidend?
Ganz klar: Ruby on Rails. Ich bin erst relativ spät - im Oktober 2006 - auf Rails aufmerksam geworden, war dann aber innerhalb weniger Tage hellauf begeistert. Die agile Entwicklung von Webapplikationen fing auf einmal an, wieder Spaß zu machen. Natürlich kommen bei shipbids.de noch andere Technologien zum Tragen. Wir haben uns neben typischen JavaScript-Bibliotheken wie script.aculo.us und prototype aber auch auf Technologien von Google konzentriert, und setzen heute eine Vielzahl kleiner aber feiner JavaScript-Bibliotheken für das Front- sowie das Backend ein. Focus sollte zum Zeitpunkt des Entwicklungsstarts aber keine reine JavaScript-Anwendung werden, daher verwenden wir typische AJAX-Funktionen nur dort, wo es sinnvoll und vertretbar ist.
3) Welche Hardware und welches Betriebssystem setzt ihr ein?
Auch hier ganz klar: Debian. Als Linuxer der ersten Stunde kam hier für mich keine andere Möglichkeit in Frage. Apache dient uns heute als Proxy und Balancer, im Hintergrund arbeiten Mongrel und MySQL, welche via Capistrano die Pflege unserer Applikation erfahren. Als Hardware kommen momentan drei XEON-Server mit je 4 GB RAM in einem Rechenzentrum zum Einsatz, aber das Deployment auf Amazon EC2 ist vorbereitet und wartet auf den Start.
4) Dein aktuell liebstes Tool?
Keine Frage: Textmate.
5) Was war technologisch gesehen bisher Dein schlimmster Albtraum?
Ich habe shipbids.de anfangs mit einem reinen statusbasierten Auktionssystem versehen. Das war ganz klar ein Fehler, weil die Idee ansich zwar sehr gut war, die Performance aber innerhalb von nur drei Monaten in den Keller ging. Zur Laufzeit ohne Unterbrechung ein neues System zu entwicklen und es ohne Störungen unbemerkt zu deployen, war eine der größten technischen Herausforderungen der letzten Jahre. Aber wir haben auch diese gemeistert. Heute ist shipbids.de trotz tausender Frachten sehr performant.
6) Deine größte Baustelle im Moment?
Es gibt viele. Die Größte besteht in den Vorbereitungen für eine Internationalisierung von shipbids.de. Hier gibt es Gespräche mit einem großen Partner aus Übersee, aber zuviel kann ich momentan noch nicht verraten.
7) Welches Feature würdest Du gerne mal implementieren?
Auch da existieren einige. Am liebsten würde ich persönlich momentan aber einen nativen shipbids.de-Client implementieren, der via REST-Interface mit unseren Systemen kommuniziert. Das wäre nicht nur für die Nutzer komfortabler, sondern würde das gesamte Geschäft weiter professionalisieren.
8) Das Schlimmste als CTO ist...?
Kaum noch Freizeit zu haben. Fast jede freie Minute wird in das Projekt investiert, worunter mein Privatleben natürlich leidet. Aber das gehört dazu, und da shipbids.de nicht mein erstes und nicht mein letztes Projekt ist, wird das eher als eines der Opfer gesehen, die Erfolg nunmal fordert.
9) Was machst Du, wenn Du mal nicht vorm Rechner sitzt?
Ich fahre leidenschaftlich gern schnelle Motorräder, tauche so oft ich kann, und fahre im Winter ein bis zwei Mal zum Snowboarden in die Alpen. Ansonsten bin ich Filmliebhaber und widme mich auch gern anderen Onlineprojekten, welche ich für vielversprechend halte.
10) Mac or PC?
Die Gretchenfrage: Für mich auch eine ganz klare Antwort - Mac forever.
11) Was wird der nächste große Hype im Web?
Meiner Meinung nach ist das Thema Software As A Service - gute Webapplikationen im Allgemeinen - einer der Hypes der kommen wird. Davor sehe ich aber noch mobile Applikationen und mit dieser Meinung stehe ich wohl nicht allein dar. Einer der Gründe, warum die roesner.it ein neues Projekt, welches beide Segmente berührt, hoffentlich noch im zweiten Quartal starten wird.
12) Wie heißt deine Lieblingswebsite zum Thema Web 2.0 und Webentwicklung?
www.rubyonrails.com
Wer Jan bei seiner Arbeit über die Schultern schauen möchte, kann ihm bei Twitter folgen oder den roesner.it-Blog per RSS abonnieren.





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