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"Ying oder Yang? Im Internet sind sie alle gleich..."

26.03.2009 | Kommentar schreiben »

12 Fragen an Marc Pribbernow, CTO von Xaegg, einem webbasierten, browserähnlichen Surf Guide. Die Nutzer können Interessen und Lieblingswebseiten eingeben und erhalten dann von anderen Nutzern Empfehlungen für Webseiten, Bilder, Musik, Videos, Personen u.s.w.

1) Wie kam es dazu, dass Du heute CTO eines Web-2.0-Startups bist?

Programmieren tue ich schon, seit ich laufen kann. Daher war der Weg fast absehbar  :-)  Marco und ich haben uns vor ein paar Jahren über eine Freundin kennen gelernt und im Sommer 2007 hat er mich angesprochen, da er einige Projekte im Kopf hatte. Die Idee eines Empfehlungstools ist uns dabei beiden sofort ins Auge gesprungen und wir haben nach einigen Monaten Planung mit der Programmierung angefangen. Dass wir heute ein sechsköpfiges Team haben, war da noch nicht absehbar.

 

 

2) Welche Technologien und Software-Lösungen sind für den Betrieb von Xaegg entscheidend?

Xaegg arbeitet auf Basis von modularen Ajax-Komponenten mit eigener JavaScript-Bibliothek. Die MySQL-Datenbank arbeitet mit dem Nested Set Model, welches unendliche Skalierbarkeit ermöglicht und dessen Ergebnisse dann schnell von serverseitigen Sprachen wie PHP verarbeitet werden können. Das Ganze geschieht auf einem für diese Ansprüche konfigurierten LIGHTTPD-Server, der speziell für asynchrone Prozesse konzipiert ist.

 

Der Empfehlungs-Algorithmus hinter Xaegg basiert hingegen auf den Interessen des Nutzers, seinem Surfverhalten, seinen Bookmarks und seinem Freundeskreis. Dieser Algorithmus lernt somit bei jeder Nutzung dazu und die Empfehlungen entwickeln sich qualitativ.

 

3) Welche Hardware und welches Betriebssystem setzt ihr ein?

Debian Linux 4.0 mit LIGHTTPD auf AMD Athlon DualCore 3.072 MB DDR2-RAM 2x 320 GB SATA II HDD

 

4) Dein aktuell liebstes Tool?

Definitiv Twitter, was für eine Erfolgsstory! Eines der ersten "must-have"-Features, das wir in Xaegg integriert haben.

 

5) Was war technologisch gesehen bisher Dein schlimmster Albtraum?

Beim Programmieren von nie dagewesenen Lösungen ist der Alptraum ein ständiger Begleiter. Jedoch stechen zwei ganz klar hervor:

 

Konzipiert war Xaegg 2007 als vollständige Ajax-Anwendung, welches die komplette Seite nur beim ersten Aufruf laden ließ und benötigte Module wenn erfordert nachlädt. Die hohe Performance dieser Lösung wurde aber recht schnell durch Usability-Aspekte verdrängt.

Wochenlang schlaflose Nächte haben uns zur Entscheidung gebracht, dass der einfachste Weg manchmal der Beste ist. Also stützten wir uns auf das die Hash-Eigenschaft des Javascript "Location"-Objekts, welches per se einen Eintrag in der Browser-History setzt, um bei jedem Seiten-Zustand die nötigen Informationen verfügbar zu haben. Diese Lösung ist bisweilen auch in allen gängigen Browsern kompatibel.

 

Der zweite Albtraum ist ganz klar, dass sich seit 2004 immer mehr Leute dazu entschließen, sogenannte "Frame Buster" auf ihre Seite zu implementieren. Das sind kurze JavaScript-CodeSchnipsel, die übergeordnete Frames (in diesem Falle Xaegg) nicht diesen untergeordneten Frame anzeigen dürfen. Wesentlich zu dieser paranoiden Handlung von vielen Longtail-Seiten trugen viele Blogs bei, die Webmaster vor Missbrauch warnten. Damit wollten sie verhindern, dass gewisse Abschnitte ihrer Webseite in andere Seiten eingebunden werden. Leider wird dadurch auch das Einbinden von kompletten und unveränderten Seiten verhindert,  was natürlich nicht im Sinne der Webmaster ist.

 

6) Deine größte Baustelle im Moment?

Allgemeine Verbesserung der Usability und die Einbindung von externen Profilen der Nutzer sind unsere größten Herausforderungen zurzeit. Von Anfang an war das gesamte Team so tief im Thema, dass die Usability im Vergleich zum Ausbau von Funktionen teilweise vernachlässigt wurde. Durch Feedback von Kooperationspartnern und Investoren sind wir da aber inzwischen auf einem klaren Weg Richtung einfacher Funktionalität.

 

7) Welches Feature würdest Du gerne mal implementieren?

Xaegg wird von Nutzern ja wie ein Browser auch zum Surfen genutzt. Man kann also externe Lieblingsseiten einfach über die URL-Eingabe aufrufen, ohne Xaegg zu verlassen. Mit jedem Besuch von Webseiten wird unser Empfehlungs-Algorithmus genauer. Da macht es natürlich auch Sinn, automatisch News von diesen Seiten zu bekommen und bei Social Networks auch Nachrichten aus diesen via Xaegg abrufen zu können. Diese Einbindung von externen Diensten und Profilen würde ich gerne möglichst bald implementieren.

 

8) Das schlimmste als CTO ist...?

Die oft sehr unterschiedlichen Sichtweisen von IT-lern und Betriebswirtschaftlern

 

9) Was machst Du, wenn Du mal nicht vorm Rechner sitzt?

Das Leben mit (Internet)-Philosophie, Frau, Fußball und musikalischer Leidenschaft in vollen Zügen zu genießen.

 

10) Mac or PC?

Ying oder Yang? Im Internet sind sie alle gleich...

 

11) Was wird der nächste große Hype im Web?

"The Next Big Thing" könnte Google tatsächlich bleiben. IPTV und die generelle Verknüpfung von Web, TV und Mobil ist ein extrem spannendes Thema. Das Internet muss auch passives Nutzerverhalten weit mehr fördern und gerade hier sehen wir auch eine unserer Chancen. Ein Algorithmus der auch der passiven TV-Zapping-Generation Push-Inhalte liefert - eine Zielgruppe, die User Generated Content nur konsumieren und nicht generieren.

 

12) Wie heißt deine Lieblingswebsite zum Thema Web 2.0 und Webentwicklung?

Oamos.com ist meine Lieblingsseite im webzweinull und netzwertig.com ist mein Berichterstatter für Entwicklungen anderer Web-2.0-Dienste.

 

Wer Marc bei seiner Arbeit über die Schultern schauen möchte, kann ihm in Twitter bei agavensaft folgen oder den Xaegg Blog  abonnieren.

Weitere Informationen zu Xaegg und der eingesetzten Technologien gibt es unter www.xaegg.com

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