Blog | t3n News News, Infos, Tipps und aktuelle Artikel zu Blog 2015-04-25T13:30:12Z t3n Redaktion http://t3n.de/tag/blog „Die Homepage ist nicht tot“: 8 Fragen zur Zukunft des Journalismus [Teil 14] http://t3n.de/news/zukunft-des-journalismus-bartsch-606521/ 2015-04-25T13:30:12Z
Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Michael Bartsch, …

Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Michael Bartsch, Redaktionsleiter von heute.de.

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Studiert hat er Geschichte, Geografie und Politologie in Erlangen, doch schon als Teenager stand für Michael Bartsch fest: Er will Journalist werden. „Einen anderen Wunsch gab es nie. Wäre ich als Historiker auf dem Markt gelandet, wäre ich wahrscheinlich schnell arbeitslos geworden“, erklärt der Redaktionsleiter von heute.de. Seine redaktionelle Laufbahn begann klassisch bei einer Lokalzeitung und auch beim ZDF, während einer Hospitanz in der Redaktion „Zeitgeschichte“ unter der Leitung von Guido Knopp. Es folgte eine freie Mitarbeit bei einem privaten Nürnberger Hörfunksender und beim Bayerischen Fernsehen sowie redaktionelle Stationen beim Südwestfunk und MDR. Für die ZDF-Sendungen „Abendmagazin“ und „hallo Deutschland“ arbeitete Bartsch ebenfalls.

Michael Bartsch zur Zukunft des Journalismus.
Michael Bartsch zur Zukunft des Journalismus.

„1998 habe ich gedacht, ich müsse reich und berühmt werden und bin zu „Focus TV – Die Reporter“ gegangen. Aber es hat mich dann doch wieder zum ZDF zurückgezogen.“ Dort war Bartsch unter anderem für die ZDF-Reihe „Was nun?“, das „ZDF-Morgenmagazin“ und das „heute-journal“ tätig. Seit Bartschs journalistischen Anfängen hat sich viel getan in der Branche, die Alleinherrschaft der Redaktionen über das Nachrichtengeschäft gibt es in Zeiten von Blogs und sozialen Netzwerken nicht mehr. „Das, was Journalisten früher aus der Gesellschaft herausgehoben hat, ihre besondere Rolle, gibt es heute so nicht mehr“, so Bartsch. Für heute.de ist Bartsch seit 2008 verantwortlich. Gemeinsam mit seinem Team probiert er auch die Möglichkeiten aus, die im Zuge des Medienwandels zum klassischen Journalismus hinzugekommen sind. So testete heute.de zur Fußball-WM 2014 etwa, wie die Redaktion die Berichterstattung via Instagram ergänzen könnte. Im Interview erklärt Michael Bartsch, warum die besten Artikel seiner Meinung nach immer Autorengeschichten sind und wie wichtig es sei, die Veränderungen der Medienlandschaft zu beobachten.

1. Wie zeichnet sich Qualitätsjournalismus in Zukunft aus und was schadet ihm?

Was Journalismus in Zukunft auszeichnet ist im Prinzip das, was Qualitätsjournalismus schon immer ausgezeichnet hat: eine gute Recherche, hohe Glaubwürdigkeit, die Einhaltung des Zwei-Quellen-Prinzips. Gerade bei manchen Wettbewerbern im Internet ist das nicht immer gegeben, wenn etwa Eilmeldungen gesetzt werden. Aber auch Nachhaltigkeit, das Erklären und das Aufklären waren Elemente, die Journalismus über die letzten Jahre und Jahrzehnte ausgezeichnet haben. Das Besinnen auf diese Werte wird auch künftig wichtig sein. Außerdem wird es immer stärker um eigene Themen, Ideen und Haltungen gehen, damit man sich aus der wachsenden Anzahl von Nachrichtenanbietern und der damit verbundenen Flut des immer Gleichen abhebt. Das heißt Qualitätsjournalismus zeichnet sich dadurch aus, dass man entweder eigene Geschichten hat oder Geschichten, die alle haben, mit einem eigenen Dreh versieht.

Wir müssen als Journalisten tiefer in die Geschichten einsteigen und dürfen uns nicht mehr nur auf die reine Darstellung beschränken, so wie das z.B. viele Fernsehnachrichten machen. Ich will aber noch anmerken, dass ich etwas damit hadere, so im Allgemeinen den Begriff „Qualitätsjournalismus“ zu definieren. Dazu ist unser Metier zu komplex geworden: Was bedeutet Qualitätsjournalismus bei WhatsApp? Wie definiere ich Qualität bei Facebook, genauso wie für eine Webseite, eine Zeitung oder eine Sendung? Kann ich also Qualitätsjournalismus auf allen Ausspielwegen gleich definieren oder sollte oder muss man hier Unterscheidungen vornehmen? Auf diese Fragen habe ich noch keine wirklichen Antworten, aber ich glaube, dass man die Frage nach Qualität nicht mehr so einfach beantworten kann, wie das noch vor zehn oder 20 Jahren ging.

2. Was sind die großen Trends im Journalismus und was wird sich davon künftig durchsetzen?

Das Ganze ist natürlich ein bisschen ein Blick in die Glaskugel. Der Dreiklang „social, Video, mobile“, der die Medienunternehmen schon seit einiger Zeit beschäftigt, wird sich in Zukunft noch weiter verstärken. Darüber hinaus sind, wie bereits angesprochen, Eigenständigkeit, eigene Haltung und Nachhaltigkeit wichtige Themen der Branche. Im Marketing würde man das als Unique Selling Proposition bezeichnen. Hier gibt es natürlich ganz unterschiedliche Ausprägungen.

Ich hatte zuletzt Besuch von einem Online-Nachrichtenportal aus Ost-Hessen, das alleine durch seine regionale Verbundenheit einen USP hat, den aber besonders betont. Einen USP für einen nationalen Anbieter von Nachrichten umzusetzen ist schwieriger.

„Die Homepage ist überhaupt nicht tot“

Trotzdem müssen wir dorthin kommen, und das gilt für alle anderen Medien auch. Jeder sucht nach seiner Nische, und ich glaube, dieses Nischen- und USP-Suchen wird den Journalismus in den nächsten zehn Jahren prägen. Allen, denen das nicht gelingt, wird ein finanzielles Problem bevorstehen und den Öffentlich-Rechtlichen ein Rechtfertigungsproblem, das am Ende zu einem finanziellen Problem werden könnte.

Als wir vor Jahren unsere Seite bearbeitet haben, sagten unsere Entwickler, dass die Homepage tot sei – und das ist derzeit auch wieder zu lesen. Jetzt stellen wir fest: Die Homepage ist überhaupt nicht tot, vor allem nicht, wenn die Homepage für die Inhalte einer App sorgt. Eine App lebt immer von einer Startseite. Auf dem Smartphone wird relativ wenig gegoogelt. Da konsumieren viele Menschen Nachrichten via Apps. Gleichzeitig ist aber auch offensichtlich, dass die Nutzer nach ihren eigenen Themen suchen. Die Frage lautet nicht Homepage oder Suchmaschine. Es gilt: Homepage und Suchmaschine. Das zeigt, dass die Aussagen zur Zukunft des Journalismus ganz schwierig sind. Wird es in zehn Jahren noch das Unternehmen Facebook geben? Das weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass die Art der Kommunikation – die Verbindung von Privatem und Öffentlichem in sozialen Netzwerken – weiter existieren wird.

3. Wie und wo recherchierst du nach guten und spannenden Inhalten?

Im Idealfall über unsere Reporter und unsere freien Autoren. Das ist natürlich der Vorteil beim ZDF mit seinen Landes- und Auslandsstudios. Die guten Geschichten sind eigentlich immer Autorengeschichten. Das ist logisch, weil es hier das bereits angesprochene Alleinstellungsmerkmal gibt. Das gilt sowohl fürs Fernsehen als auch für die Website. Sobald man eine Autorengeschichte hat, wird diese automatisch mehr gelesen und geliked, weil dem Nutzer klar ist, dass es diesen Inhalt nur hier gibt. Gleichzeitig haben die Autoren und Reporter, die im „wahren“ Leben unterwegs sind, einen ganz anderen Blick auf die Themen.

Was wir im Moment beim ZDF noch zu wenig machen, ist das Suchen nach guten Geschichten in den sozialen Netzwerken. Hier sind wir personell noch nicht gut genug aufgestellt. Das ist aber etwas, was ich nicht nur für heute.de, sondern auch fürs Fernsehen gerne noch ausbauen würde. Zum Beispiel haben wir vor einigen Tagen über Facebook die Geschichte zugespielt bekommen, dass sich Pegida die Markenrechte in Europa sichern möchte. Das ist keine riesen Nummer, aber eine kleine, pikante Geschichte rund um Pegida. Insgesamt also überall dort, wo man Kontakte mit realen Menschen hat, sei es über Reporter und Autoren oder über soziale Netzwerke.

4. Was muss man als Journalist künftig tun und können, um gelesen und konsumiert zu werden?

Der Journalist muss künftig auf vielen Hochzeiten tanzen können. Zunächst einmal erzählt, erklärt der Journalist, deckt in klassischer Weise auf. Gleichzeitig muss er aber auch wissen, wie der Vertrieb stattfindet, wie er für seinen Inhalt viele Nutzer erreicht. Früher ging es beispielsweise darum, in einer Fernsehsendung, ins Radio oder auf Seite eins in der Zeitung zu kommen. Heute sind die Ausspielwege dagegen vielfältiger.

„Journalisten dürfen nicht mehr von oben herab kommunizieren“

Der Journalist muss in seinen Workflows wissen, dass es eben nicht nur einen Andruck oder einen Sendetermin gibt. Es müssen also viele Ausspielwege bedient werden, um möglichst viele Kunden/Leser/Zuschauer zu erreichen. Insbesondere meine Generation hat noch nicht gelernt, dass man hier kleinteilig und vielfältig arbeiten muss. Ganz wichtig: Die Rolle hat sich verändert.

Journalisten dürfen nicht mehr von oben herab kommunizieren, nur weil man vermeintlich als einziger Zugang zu Pressemitteilungen und Pressesprechern hat. Das, was Journalisten früher in einer Form aus der Gesellschaft herausgehoben hat, gibt es heute so nicht mehr. Diese Arroganz der Macht, die wir Journalisten über viele Jahre gerne pflegten, muss weg. Inhaltlich muss man sehen, dass man den richtigen Punkt findet, der eine gute Geschichte erzählenswert macht. Man muss noch gründlicher recherchieren und kann nicht mehr nur oberflächlich über ein Thema „wischen“. Insgesamt wird es in allen Bereichen intensiver. Der Journalist wird in allen Bereichen viel mehr gefordert sein, als das noch bei meiner Generation der Fall war.

5. Die technologischen Veränderungen sind rasant – wie müssen sich vor diesem Hintergrund der Journalismus verändern und deren Anbieter anpassen?

Sowohl Journalisten als auch Anbieter müssen genau wissen, was es am Markt gibt bzw. welche Trends sich abzeichnen. Sie sollten alles ausprobieren, aber dann ganz klar entscheiden, ob eine Entwicklung passt oder nicht. Wir haben alle nur begrenzte Budgets bzw. sind begrenzt personell aufgestellt und können deshalb nicht überall mitmachen. Ganz konkret haben wir das bei heute.de während der Fußball-WM mit Instagram versucht, und es war alleine technisch recht kompliziert, die Videos aus unserem TV-Produktionssystem für den Upload auf ein Smartphone zu bekommen. Aber selbst wenn uns das gelingt, muss man sich am Ende überlegen, ob das für Nachrichten ein Ausspielweg sein kann.

Wir werden das jetzt nochmal zum G7-Gipfel testen und dann entscheiden, ob und wenn ja, wie wir weiter machen. Vielleicht ist Instagram auch eher für „Leute heute“, also für die leichteren Themen geeignet, für People und Society. Außerdem muss man relativ genau beobachten, welche Kundschaft jeweils dahintersteckt und ob man diese auch wirklich erreicht. Beispielsweise haben wir auf Instagram etwa 3.300 Follower.

Wenn man Martin Giesler jede Woche in eine Schulklasse stecken würde, könnte man übers Jahr gerechnet wahrscheinlich mehr Leute in der Altersklasse erreichen. Gleichzeitig kommen aber plötzlich Beschreibungen wie: „Das ist ja cool!“. Wir erzielen als ZDFheute also durch Instagram einen Imagegewinn. Es gilt also: ausprobieren, entscheiden und es richtig machen, wenn man auf einem neuen Kanal aktiv werden möchte. Jeder Anbieter muss Entwickler und Scouts haben, die genau wissen, was sich auf dem Markt tut. Z.B. müssen wir uns als ZDF Gedanken machen, ob wir Push-Mitteilungen auf die Apple Watch schicken oder nicht, machen wir bei WhatsApp mit oder nicht?

6. Wie verdient der Großteil der Medien künftig Geld?

Die meisten Medien werden auf mehreren Standbeinen stehen. Es wird immer noch Zeitungen plus Online-Angebote bzw. Social Media und App geben, außerdem Privatsender, ob Hörfunk oder TV. Ich gehe davon aus, dass es am Ende eine Art Mischkalkulation aus den großen Einnahmequellen sein wird. Ansonsten ist alles denkbar. Vorstellbar ist Mäzenatentum. Es wird sicherlich immer Menschen geben, die finanziell gut ausgestattet und davon überzeugt sind, dass eine gute Presselandschaft zu einer funktionierenden Demokratie gehört. Das Krautreporter-Modell könnte funktionieren.

„Eine gute Presselandschaft gehört zu einer funktionierenden Demokratie“

Eine andere Idee, mit dem beispielsweise die ZEIT sehr erfolgreich ist, sind Vorträge und Akademien. Die Kollegen aus Ost-Hessen sind Partnerschaften mit verschiedenen Geschäften aus ihrer Region eingegangen und bilden ihre Website in einer Art Videotext ab. Die Geschäfte hängen dann einen Bildschirm auf und versorgen ihre Kunden auf diese Weise mit journalistischen Inhalten. In Zukunft werden wir hier noch eine Vielzahl an Ansätzen und Möglichkeiten sehen, die wir in den letzten Jahren aufgrund des Ertrags- und Erlös-Modells nicht brauchten. Natürlich muss man insbesondere bei Partnerschaften mit Unternehmen schauen, dass die journalistische Unabhängigkeit gewahrt bleibt.

7. Wie sehen deiner Ansicht nach journalistische Inhalte und die Angebotslandschaft in fünf Jahren aus?

Hier sind wir wieder beim bereits angesprochenen Blick in die Glaskugel. Ich glaube auf jeden Fall, dass es eine große Bereinigung in der Angebotslandschaft geben wird. Daneben werden die Marktführer im Bereich Print, TV und Online eher ihre Position festigen. Konkret gesprochen glaube ich nicht, dass im Online-Bereich der Spiegel, der Focus und Bild in absehbarer Zeit von der Süddeutschen, der FAZ oder der Welt überholt werden.

Im TV-Bereich sehe ich in den nächsten fünf Jahren noch keine großen Veränderungen, hier sind die verschiedenen Anbietergruppen mit all ihren Online-Angeboten recht etabliert. Social Media wird weiter ein großes, wenn nicht das beherrschende Thema in den kommenden fünf Jahren sein: Wie kann ich dort erfolgreich sein? Aber auch: In welche Abhängigkeit begebe ich mich?

8. Welches Medium fehlt heute noch auf dem Markt?

Keins! Das gilt aber nur für heute. Ich kann nicht ausschließen, dass in drei Wochen irgendetwas auf den Markt kommt, von dem ich sage: „Stimmt, ich habe nie darüber nachgedacht, aber das ist super smart, und das möchte ich jetzt haben“.

Über #ZukunftDesJournalismus

Mobiles Internet, immer leistungsfähigere Smartphones, neue Nachrichtendienste: Die Medienlandschaft verändert sich rasant und mit ihr der Journalismus. Viele Fragen bewegen die Branche: Ist die Tageszeitung ein Auslaufmodell, weil die jüngeren Zielgruppen aktuelle Nachrichten nur noch auf mobilen Endgeräten konsumieren? Erledigen bald Schreibroboter typische Routineaufgaben und machen damit einen Teil der Redakteure überflüssig? Mit welchen neuen journalistischen Darstellungsformen können Menschen erreicht werden, die immer weniger lesen und nur noch Bilder anschauen?

Gemeinsam mit Journalisten und Medienmachern aus ganz unterschiedlichen Richtungen wagt OSK einen Blick in die Zukunft des Journalismus. Das Prinzip ist immer das gleiche: acht Fragen, acht Antworten. Stück für Stück entsteht so ein Bild, das belastbare Aussagen zu entscheidenden Trends von morgen und übermorgen ermöglicht.

Hier gelangt ihr zu den anderen Teilen der Serie „8 Fragen zur Zukunft des Journalismus“.

via www.osk.de

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Carsten Christian
Mehr Besucher für euren Blog: Diese 9 Tipps müsst ihr beachten [Infografik] http://t3n.de/news/blog-marketing-infografik-605920/ 2015-04-20T14:51:04Z
Eine hübsch gestaltete Infografik versammelt Tipps von ausgewiesenen Marketing-Profis und zeigt euch, wie ihr mehr Leser für euren Blog gewinnt.

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Marketing-Tipps für euren Blog

Egal ob es sich um einen Unternehmens-Blog oder um ein privates Projekt handelt, letztlich kommt es darauf an, dass auch jemand eure Texte liest. Allerdings gibt es nicht wirklich einen Mangel an mehr oder weniger interessanten Blog-Beiträgen im Internet. Um Leser anzulocken und sie auch zu halten müsst ihr ihnen daher auch etwas bieten.

Das fängt natürlich schon bei den eigentlichen Inhalten an. Als Blogger solltet ihr euch fragen, wer eure Zielgruppe ist. Wenn ihr das wisst, könnt ihr auch hilfreiche Beiträge für diese Personengruppe verfassen. Eure Artikel sollten euren Lesern einen Mehrwert bieten, damit sie auch Zukunft bereit sind, für das Lesen eurer Texte Zeit aufzubringen.

Infografik versammelt Blogging-Tipps von Marketing-Experten

Der Referral-Anbieter ReferralCandy hat hilfreiche Zitate von ausgewiesenen Online-Marketing-Experten gesammelt und in Form einer schicken Infografik aufbereitet. Aufgeteilt in neun Kategorien geben Marketers wie der Wordstream-Gründer Larry Kim oder Yoast-CEO Joost de Valk praktische Ratschläge, um die Leserschaft des eigenen zu erweitern. Ein Blick auf die Infografik lohnt sich daher.

Ein Klick auf den unten stehenden Ausschnitt öffnet die vollständige Infografik.

Marketing-Tipps für Blogger. (Grafik: ReferralCandy)
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Kim Rixecker
„Journalisten hängen an Klickzahlen wie Junkies an der Nadel“: 8 Fragen zur Zukunft des Journalismus [Teil 13] http://t3n.de/news/zukunft-des-journalismus-wienand-604993/ 2015-04-14T08:54:50Z
Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Lars Wienand, Mitglied der …

Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Lars Wienand, Mitglied der Redaktionsleitung bei der Rhein-Zeitung in Koblenz.

zukunft-des-journalismus-wienand

Lars Wienand ist mit ganzem Herzen Lokaljournalist und hat darüber hinaus ein tiefgreifendes Verständnis für das Social Web. Beide Welten verbindet er seit 2009 als Deutschlands erster Social-Media-Redakteur am Newsdesk einer Regionalzeitung – der Rhein-Zeitung (RZ) in Koblenz. Heute ist er dort Mitglied der Redaktionsleitung und noch immer Bindeglied zwischen Print, Online und Social Web.

Lars Wienand zur Zukunft des Journalismus
Lars Wienand zur Zukunft des Journalismus

Bereits seit der zwölften Klasse arbeitete Wienand als freier Journalist im Print-Bereich. Später brach der Westerwälder sein Studium für ein Volontariat bei der Rhein-Zeitung ab, um nach einem kurzen Abstecher zu „Boulevard Baden“, wo er als Redaktionsleiter arbeitete, schließlich zur RZ zurückzukehren. Wienand ist maßgeblich für den Auf- und Ausbau der redaktionellen Social-Media-Präsenzen verantwortlich – anfangs waren es Twitter und Facebook. Seitdem ist der 41-Jährige „Nachrichtenchef für Social Media“. Dabei steht er in engem Kontakt zu den RZ-Lesern und „seiner“ Community, die ihn oft auf aktuelle Themen aus der Region hinweist. Als Recherchewerkzeug wissen Wienand und seine Kollegen das soziale Netz ohnehin zu nutzen, wie beispielsweise Ende letzten Jahres ein Foto eines Lichtermeers auf Instagram bewies: Ein Heiratsantrag am Deutschen Eck in Koblenz, von einem Passanten zufällig fotografiert und hochgeladen, wurde von Wienand entdeckt und fürs Netz aufbereitet.

In seiner Funktion als Journalist setzt Wienand sich auch mit dem Thema „Zukunft des Journalismus“ auseinander. So arbeitete er bereits als Ideen- und Impulsgeber an der ersten Augmented Reality-Ausgabe einer Tageszeitung und experimentiert regelmäßig mit Datenjournalismus. Neben seinem Job bei der RZ referiert und schult Wienand gelegentlich zum Thema Social Media und dem Nutzen des Leserdialogs, der daraus resultiert. Im erklärt Lars Wienand, welche Medien es zukünftig schwer haben werden und warum er ein YouTube-Magazin spannend fände.

1. Wie zeichnet sich Qualitätsjournalismus in Zukunft aus und was schadet ihm?

In einem anderen Interview der Reihe war an dieser Stelle zu lesen, dass Journalismus immer eine Qualität hat, und zwar die fürs jeweilige Medium definierte. Das finde ich gut, und das schicke ich voraus. Der Begriff Qualitätsjournalismus taucht vor allem dann auf, wenn Leser etwas stört an „den Medien“, wenn die Erwartung und das Erleben nicht zusammenpassen. Und das kann für das jeweilige Medium jeweils viele Gründe haben. Für „die Medien“ generell lässt sich da nur wenig mitnehmen. Besonders fatal ist es in meinen Augen, in der kurzatmigen Hatz Kontexte zu vernachlässigen und aus Fehlern nicht zu lernen. Wenn der Paritätische Wohlfahrtsverband 2016 wieder seine Armutsstudie vorstellt, wird sich wohl wieder in vielen Redaktionen kaum jemand daran erinnern, dass und wieso die Auswertung 2015 zur „Unstatistik des Monats“ gekürt worden ist.

Die Leser, die das gerade gestört hat und die das der Redaktion ihres Vertrauens kundgetan haben, werden das aber sehr wohl noch im Kopf haben – und erleben immer wieder solche Beispiele. Das Medienbild von noch weit mehr Menschen prägt die breite Skandalisierung von Themen, bei denen sich absehbar in zwei Tagen niemand mehr an diesen vermeintlichen Skandal erinnern wird. Aufgebauschte Un-Skandale in einer an Informationen überbordenden Welt führen zum Empfinden, dass „die Medienmenschen“ in einer abgehobenen Welt leben. Ich spreche hier nicht einmal von unsauberem Journalismus, sondern von Prioritätensetzung bei knappen Ressourcen.

2. Was sind die großen Trends im Journalismus und was wird sich davon künftig durchsetzen?

Es werden sich zwei Strömungen fortsetzen: Themen in Echtzeit oder echt Zeit für Themen, ganz nah am Geschehen oder das Geschehen mit einigem Abstand. Ich hoffe auf den Trend, die Finger stärker vom schnellen Nacherzählen der Inhalte anderer zu lassen. Gefühlt ist ein Drittel der News im Netz Zusammenfassung dessen, was im Netz passiert. Es ist wichtig und richtig, dass Journalisten als Lotsen durch die Info-Flut helfen. Aber es ist nicht unbedingt nötig, dass sie dabei vor allem darauf schielen, welche Signale die anderen Lotsen geben. Ganz viel von dem, was entsteht, ist völlig redundant, aber mit SEO-Optimierung im Fokus erfolgreich. Ich wünsche mir mehr Eigenständigkeit – und ich denke, dass es in Zeiten vermehrter Paywalls auch in manchen Medien dahin gehen wird. Klar ist auch, dass Nachrichten keinen Wert mehr haben, weil sie sich jeder sofort aneignen kann. Deshalb werden wir meinungsstärkere und bessere Inhalte erleben – oder auch besser aufbereitete.

„Gefühlt ist ein Drittel der News im Netz Zusammenfassung dessen, was im Netz passiert.“

Ich möchte zwar trotz meiner Nähe zu Mainz ein Fragezeichen hinter die Überschrift machen, habe aber „11 Dinge, die du über die «Stellwerkstörung» wissen musst“ trotzdem fasziniert gelesen – inhaltlich eigentlich nur ein Wikipedia-Beitrag. Ein kleiner Trend ist die „tl;dr“-Entwicklung, also die Entwicklung, am Textanfang oder – was ich allerdings weniger verstehe – am Textende die wichtigsten Punkte zu benennen. Ich denke, dass das ein Zeichen der Rücksicht gegenüber vor allem mobilen Lesern ist. Ich denke auch, dass wir noch manches erleben werden, was deren Bedürfnissen stärker Rechnung trägt. Ich habe noch Zweifel, ob Eil-Sätze auf einer Smart Watch zu den Bedürfnissen gehören. Aber das Beispiel zeigt, dass die Technik immer wieder und weiterhin Umwälzungen bringen könnte.

3. Wie und wo recherchierst du nach guten und spannenden Inhalten?

Ich vertraue da Listen auf Twitter und Facebook sowie meinen Followings. Und dazu bin ich – wir sind ja regional geprägt – noch in einigen WhatsApp-Gruppen und suche in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen nach regionalen Suchbegriffen auf YouTube und Instagram, bei besonderen Lagen gezielt. Nach dem „Boston Bombing“ habe ich mich auch vermehrt mit Reddit beschäftigt, was beeindruckend Input liefern kann – aber in der Regel in den Fällen, in denen wir aufgrund unseres Profils wenig davon hätten. Es hilft aber, damit ein wenig vertraut zu sein.

4. Was muss man als Journalist künftig tun und können, um gelesen und konsumiert zu werden?

Fast so häufig wie Texte vom lebenden Gegenbeweis Richard Gutjahr lese ich, dass die Zeit der Generalisten unter den Journalisten vorbei ist. Demzufolge muss man als Spezialist gut sein – und es mit Kollegen zu tun haben, die in ihren Nischen ebenfalls richtig gut sind. Und wenn es ideal läuft, dann auch noch so, dass das Thema immer noch aktuell ist, bis es alle in den Händen hatten. In der Tat erlebe ich zunehmend, dass Kollegen darum bitten, ihren Artikel doch 1) auch online 2) prominent zu veröffentlichen, gerne 3) angereichert, und ihn mit reichweitenstarken Accounts 4) in Sozialen Medien zu verbreiten. Da könnten dann auch noch stärker Grafiker und Entwickler ins Spiel kommen.

In einer idealen Welt sind der begnadete Rechercheur und der begnadete Schreiber aber nicht nur in ihrem Kämmerlein, sondern auch selbst im Netz zu finden und ansprechbar. Dort zeigen sie, dass sie auch lesen (und beantworten) wollen, wie andere sich mit ihren Werken auseinandersetzen und warum ihre Werke konsumiert werden. Eine persönliche Verbindung zu Lesern aufzubauen hilft sehr bei der Verbreitung seiner Texte. Das Wort „Marke“ nehme ich da noch gar nicht in den Mund. Und um viel gelesen und konsumiert zu werden, hilft es natürlich ungemein, Texte vor einem Paygate zu veröffentlichen. Da wird sich stärker die Frage stellen, was jemand tun muss, um bei einer Paywall gelesen zu werden. Das ist ein schmerzvoller Prozess, weil Journalisten zum Teil an Klickzahlen wie Junkies an der Nadel hängen und weil es Beliebigkeit abstraft, auch wenn sie gut gemacht ist.

5. Die technologischen Veränderungen sind rasant – wie müssen sich vor diesem Hintergrund der Journalismus verändern und deren Anbieter anpassen?

Ich fange da mit etwas an, was manche Kollegen mit technologischer Veränderung meinen: Manche Journalisten haben immer noch nicht verstanden, dass es eine Öffentlichkeit neben ihnen gibt. Wenn die regional verwurzelte Brauerei der Redaktion zur Insolvenz keine Stellungnahme abgibt, erklärt sie sich vielleicht trotzdem ihren Tausenden Facebook-Fans. Das dann nicht auf dem Radar zu haben ist nicht nur verpasste Chance, sondern offenkundige Ahnungslosigkeit, und das ist noch nicht einmal Dialog mit dem Leser. Diese Veränderung aufseiten der Journalisten ist noch längst nicht abgeschlossen, das Netz wird weithin immer noch nicht als Teil der Recherche und der Geschichte wahrgenommen. Für Anbieter kommt es darauf an, in einer Welt immer weiter zerfasernder Aufmerksamkeiten sichtbar zu bleiben.

„Manche Journalisten haben immer noch nicht verstanden, dass es eine Öffentlichkeit neben ihnen gibt.“

Die Entwicklung, per Messenger das Display der Nutzer zu erobern, ist da eine Antwort. Vermeintlich unverzichtbar zu erscheinen gelingt wohl am ehesten Medien mit stark fokussiertem Inhalt – lokal oder thematisch.

Dazu gehört auch eine lernende Fokussierung auf die Interessen und Lebensumstände des Nutzers. Es gibt bisher nur wenige Ansätze einer Personalisierung von News. Die Möglichkeiten sind bisher noch kaum genutzt, setzen aber auch Bereitschaft der Nutzer voraus. „Google Now“ warnt mich vor dem Stau auf meinem bevorstehenden Heimweg, aber noch liefert es mir nicht die Bilder des umgestürzten Lasters dazu. Verlage verwerten vielfach ihre oft mühsam zusammengetragenen und georeferenzierten Informationen in keiner Weise für mobile Nutzungen, wo es auch wirtschaftlich interessant sein könnte. Und bei Leseranalysen sind auch noch sehr viele Möglichkeiten ungenutzt. Journalisten und Entwickler im Zusammenspiel können sicher noch vieles bewegen.

6. Wie verdient der Großteil der Medien künftig Geld?

Mein Verständnis ist zunächst, dass man Manager zu wenig ernst und zu wenig in die Pflicht nimmt, wenn man sich auf die Frage von Journalisten befriedigende Antworten erhofft. Journalisten sollten in erster Linie die Inhalte schaffen, mit denen Medienmanager Geld verdienen können. Trotzdem der Versuch einer Antwort: Wenn für die klassischen Medien keine Formate hochwertiger und hochpreisiger Online-Werbung vom Himmel fallen oder erdacht werden, verdient mit dem gängigen TKP-Ramsch nur ein kleiner Teil nachhaltig Geld auf diesem Weg: die mit geringer Kostenstruktur und Riesengießkanne und die mit starker Wurzel; die mit gigantischer überregionaler Reichweite oder die mit sehr starker Verknüpfung an ein kleinteiliges Thema. Für einen großen Teil der Medien wird das aber nicht der Fall sein.

Print und E-Paper-Äquivalent werden weiter funktionieren, allerdings für einen kleiner werdenden Teil der Nutzer, der auch einen höheren Preis zu tragen bereit ist. Bei Verlagen werden Bereitschaft und Fähigkeit nachlassen, in gleichem Umfang Inhalte zu erstellen und sie einem Teil der Leser kostenpflichtig und denen im Netz kostenlos zu präsentieren. Wir werden also fürs Netz mehr Abo-Modelle und Bezahlschranken erleben. Ich denke, dass es nach einer Lernphase unter den Nutzern auch einen selbstverständlicheren Umgang damit geben wird – wenn die Inhalte das rechtfertigen. Das heißt aber auch, dass es Medien geben wird, die damit keinen Erfolg haben werden. Was Community-finanzierten Journalismus angeht, bin ich leider skeptisch, wenn ich mir anschaue, welche Klimmzüge eine wichtige Seite wie netzpolitik.org machen muss. Welche Rollen Tierfutter und Onlinebörsen fürs Geldverdienen weiterhin spielen, fragst du dann aber wirklich lieber die Manager von Medienkonzernen.

7. Wie sehen deiner Ansicht nach journalistische Inhalte und die Angebotslandschaft in fünf Jahren aus?

Ich denke, dass es im Netz eine Konzentration auf Stärken geben wird. Und weil nicht jeder klar umrissene Stärken hat, wird das für manche zum Problem werden. Wie stark das innerhalb von fünf Jahren schon durchschlägt – keine Ahnung.

„Was Community-finanzierten Journalismus angeht, bin ich leider skeptisch.“

Aber wenn die bisherigen redaktionellen Strukturen aufrecht erhalten bleiben sollen, müssen neue Erlöswege her. Wenn es nicht nur nach meiner Ansicht, sondern auch um meine Hoffnung geht: Ich würde mir auch verlagsübergreifende Abonnements wünschen.

Ich bin seit grauer Vorzeit Abonnent einer privaten Mailingliste zur Eintracht Frankfurt, die mir jeden Artikel zur magischen SGE ins Postfach spült. Ich wäre aber auch bereit, für die Eintracht-Berichterstattung diverser Medien eine monatliche Pauschale zu zahlen. Für Verlage ein Riesensprung über einen gewaltigen Schatten, für Nutzer eigentlich ein folgerichtiger Schritt und nicht nachvollziehbar, dass es ein Spotify-Modell für Texte nicht gibt. Und umso nötiger, je mehr Paywalls im Netz errichtet werden.

8. Welches Medium fehlt heute noch auf dem Markt?

Also, wenn ich das sicher wüsste, würde ich ins Grübeln kommen, ob ich es an dieser Stelle rausposaune. Mutmaßlich ist es aber etwas, wo dann doch der Experte gefragt ist, der zu diesem speziellen Thema eine große Affinität mitbringt. Ich kann mir vorstellen, dass vielleicht Medien entstehen könnten, die nichts anderes tun, als Überblick und detaillierten Einblick in Szenen wie YouTube oder Instagram zu verschaffen – mit geschriebenem Wort, auch wenn das fantastisch klingt. In dem Maße, in dem YouTube alle Generationen durchdringt, werden solche Formate interessanter. Vielleicht gibt‘s so was aber auch schon, und mich hat es nur noch nicht erreicht. Ich gehe mir jetzt mal tubertimes.de, tuberflash.de und instainsider.de sichern. Vielleicht fehlen aber auch perspektivisch regionale Medien, wenn Verlage unter Spardruck Regionen faktisch aufgeben.

Über #ZukunftDesJournalismus

Mobiles Internet, immer leistungsfähigere Smartphones, neue Nachrichtendienste: Die Medienlandschaft verändert sich rasant und mit ihr der Journalismus. Viele Fragen bewegen die Branche: Ist die Tageszeitung ein Auslaufmodell, weil die jüngeren Zielgruppen aktuelle Nachrichten nur noch auf mobilen Endgeräten konsumieren? Erledigen bald Schreibroboter typische Routineaufgaben und machen damit einen Teil der Redakteure überflüssig? Mit welchen neuen journalistischen Darstellungsformen können Menschen erreicht werden, die immer weniger lesen und nur noch Bilder anschauen?

Gemeinsam mit Journalisten und Medienmachern aus ganz unterschiedlichen Richtungen wagt OSK einen Blick in die Zukunft des Journalismus. Das Prinzip ist immer das gleiche: acht Fragen, acht Antworten. Stück für Stück entsteht so ein Bild, das belastbare Aussagen zu entscheidenden Trends von morgen und übermorgen ermöglicht.

Hier gelangt ihr zu den anderen Teilen der Serie „8 Fragen zur Zukunft des Journalismus“.

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Carsten Christian
„Ich befürchte, Qualität allein ist schon lange kein Erfolgskriterium mehr“: 8 Fragen zur Zukunft des Journalismus [Teil 12] http://t3n.de/news/zukunft-des-journalismus-geiger-603250/ 2015-03-31T12:15:29Z
Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Thomas Geiger, freier …

Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Thomas Geiger, freier Journalist im Automobil-Bereich.

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Er gilt als einer der wichtigsten Multiplikatoren innerhalb der Automobilbranche: der freie Motor-Journalist Thomas Geiger. Beste Kontakte und die mit Abstand größte Reichweite innerhalb der deutschsprachigen Auto-Berichterstattung werden dem 44-Jährigen attestiert. Seit über 20 Jahren schreibt Geiger über alles, was mehr als zwei Räder hat: Neuwagen, Old- und Youngtimer, Rennwagen, Designstudien, Showcars, Technologieträger und die Unternehmen, Ingenieure, Entwickler und Designer, die dahinterstehen. So umreißt er selbst sein Tätigkeitsfeld auf seiner Redaktionsbüro-Website. Außerdem liefert der Vielschreiber und bestens vernetzte Selbstvermarktungsprofi nach eigener Aussage Messeberichte, Reportagen, wirtschaftliche Analysen und Einschätzungen zu allen Themen rund um Auto und Mobilität. Zu seinen Kunden zählen regionale und landesweite Tageszeitungen im In- und Ausland, Nachrichtenagenturen, Fachmagazine und Onlinemedien.

Die automobile Themenwelt beackert er von seinem Redaktionsbüro in Wetzlar aus. Dort ist er allerdings selten anzutreffen, denn zahlreiche Termine wollen wahrgenommen und in Texte gefasst werden. Thomas Geiger legt besonderen Wert darauf, vor Ort dabei zu sein, die Testobjekte selbst zu fahren, um authentische Eindrücke zu gewinnen und vor allem mit den Protagonisten persönlich zu sprechen. Drei bis vier Events pro Woche, oft im Ausland, sind dabei keine Seltenheit. Da ist Schnelligkeit gefragt – neben umfassenden Branchenkenntnissen und hohem Qualitätsbewusstsein ein besonderes Markenzeichen Thomas Geigers. Dem Wunsch vieler Medien nach Exklusivität kommt er mit unterschiedlichen, zielgruppengerechten Textversionen nach.

Thomas Geiger zur Zukunft des Journalismus
Thomas Geiger zur Zukunft des Journalismus

Seine journalistische Ausbildung erhielt Thomas Geiger, geboren 1970 in Radolfzell, bei der Gießener Allgemeinen Zeitung, bei der er volontierte und für einige Monate als fest angestellter Redakteur tätig war. Im Anschluss, ab Frühjahr 1992, widmete er sich dann ganz dem freien Motor-Journalismus. Nebenher studierte er – eher aus „Pflichtgefühl“, wie er sagt – Publizistik, Politikwissenschaft und VWL an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.

Geigers Credo: „Weg vom Schreibtisch, runter auf die Straße, raus auf die Messe – rein ins Leben.“ Denn das bietet seiner Ansicht nach immer noch die besten Geschichten. Internet-Recherche ist für ihn ein möglicher Ausgangspunkt, eine Fahrkarte zu den guten Inhalten, die man nur über persönliche Eindrücke gewinnt. Was Blogs anbelangt, schaut er sich fast ausschließlich bei amerikanischen Quellen wie jalopnik, motor authority, auto blog oder carscoops um. Mit Social Media beschäftigt er sich noch eher selten, aber mit zunehmendem Interesse. Wenn er sie nutzt, dann weniger zur Recherche oder als Vertriebskanal, sondern eher als Plattform zur Eigenvermarktung. Im Interview gibt Thomas Geiger Einblicke in seine Sicht zur Zukunft des Journalismus. Seine Prognose: „Online, online, online – und das auf allen Kanälen mit allen zur Verfügung stehenden Medien.“

1. Wie zeichnet sich Qualitätsjournalismus in Zukunft aus und was schadet ihm?

Qualitätsjournalismus funktioniert nur mit einer gewissen, auch finanziellen Unabhängigkeit, die darauf fußt, dass am Ende der Leser/User für die Inhalte bezahlt und nicht derjenige, über dessen Themen berichtet wird. Weitere Kriterien für Qualitätsjournalismus sind ein Mindestmaß an Textmenge, journalistischem Tiefgang und sprachlicher Sorgfalt. Auch wenn sich die Nachrichtenwelt ständig beschleunigt, muss Qualitätsjournalismus innehalten, durchatmen, sich rückversichern und gründlich sortieren. Und eine gewisse Einordnung kann auch nicht schaden.

2. Was sind die großen Trends im Journalismus und was wird sich davon künftig durchsetzen?

Online, online, online – und das auf allen Kanälen mit allen zur Verfügung stehenden Medien: Bild, Ton, Film, Text. Durchsetzen wird sich am Ende das Medium, das auf dieser Klaviatur am besten spielt und alle Stilmittel am besten durchmischt. Die Multimedia-Reportage, die mehr bietet als eine Fotostrecke im Magazin, ein Filmbeitrag im TV, ein Feature im Radio und ein Nachrichtenstück im Netz.

3. Wie und wo recherchierst du nach guten und spannenden Inhalten?

Im echten Leben und nur da. Natürlich findet man spannende Themen beim täglichen Fischen im Netz. Aber das kann nur die Fahrkarte hinaus in die Welt sein. Einen Oldtimer beschreibt man nicht nach der Recherche bei Wikipedia und im Classic-Archiv des Herstellers, sondern man muss ihn fahren und fühlen.

Den schrägen Sammler ruft man nicht an, sondern man muss ihn besuchen. Und wer wissen will, was sich ein Entwickler bei einem Projekt gedacht hat, der soll doch bitte auch mit ihm reden, statt nur die Pressemappe zu lesen. Das Leben schreibt die besten Geschichten – das gilt auch in Zeiten des WWW. Also weg vom Schreibtisch, runter auf die Straße, raus auf die Messe – rein ins Leben.

4. Was muss man als Journalist künftig tun und können, um gelesen und konsumiert zu werden?

Ich befürchte, Qualität allein ist schon lange kein Erfolgskriterium mehr. Niemand ist unter dem wachsenden finanziellen und organisatorischen Druck in den Redaktionen dazu bereit, alltägliche Rücksichten auf eine „Edelfeder“ zu nehmen. Sondern wer ein gewisses Schwellenniveau erreicht, ist „drin“ und qualifiziert sich darüber hinaus vor allem über Faktoren, die mit dem Journalismus im engeren Sinne nichts zu tun haben: Zuverlässigkeit, Effizienz und vor allem die eigene Vermarktung.

5. Die technologischen Veränderungen sind rasant – wie müssen sich vor diesem Hintergrund der Journalismus verändern und deren Anbieter anpassen?

Er muss schneller werden, ohne die Qualität zu verlieren. Er muss sich die neuen Möglichkeiten bestmöglich zunutze machen (Beispiel Multimedia- oder Multichannel-Reportage). Er muss noch mehr die Rolle des Schleusenwärters und Leuchtturms in der Informationsflut übernehmen und er muss sich durch Qualität und Einordnung von all dem Möchtegern-Journalismus abgrenzen, der die Medienkanäle flutet.

6. Wie verdient der Großteil der Medien künftig Geld?

Wenn es nicht gelingt, Zahlschranken im Internet zu errichten, vermutlich gar nicht mehr. Zumindest nicht, wenn man hehre journalistische Kriterien anlegt. Denn der Verkauf von Anzeigen, Werbebannern etc. wird auf Dauer womöglich nicht reichen und es wird immer öfter zu Advertorials, Produktionskostenzuschüssen oder Ähnlichem kommen.

Das funktioniert vielleicht bei der Produkt- oder Unternehmensberichterstattung, wird aber beim Nachrichtenjournalismus vergleichsweise schwierig. Die Lösung kann also nur sein, so gute Inhalte zu generieren, dass die Rezipienten bereit sind, dafür auch weiterhin zu bezahlen – weil sie kostenlos nirgends zu bekommen sind.

7. Wie sehen deiner Ansicht nach journalistische Inhalte und die Angebotslandschaft in fünf Jahren aus?

Das Medienangebot wird ähnlich sein. Allerdings wird es weniger Print-Titel und dafür mehr Online-Ausgaben geben, weil diese einfach billiger herzustellen sind und die Medienunternehmen auf diese Weise rationalisieren und die Kosten senken können. Die Zahl der unabhängigen Medien wird weiter sinken und es wird deutlich mehr Interessen-, Neigungs- oder Berufungsjournalismus geben.

8. Welches Medium fehlt heute noch auf dem Markt?

Was fehlt? Ich fürchte, wir haben schon heute ein Überangebot.

Über #ZukunftDesJournalismus

Mobiles Internet, immer leistungsfähigere Smartphones, neue Nachrichtendienste: Die Medienlandschaft verändert sich rasant und mit ihr der Journalismus. Viele Fragen bewegen die Branche: Ist die Tageszeitung ein Auslaufmodell, weil die jüngeren Zielgruppen aktuelle Nachrichten nur noch auf mobilen Endgeräten konsumieren? Erledigen bald Schreibroboter typische Routineaufgaben und machen damit einen Teil der Redakteure überflüssig? Mit welchen neuen journalistischen Darstellungsformen können Menschen erreicht werden, die immer weniger lesen und nur noch Bilder anschauen?

Gemeinsam mit Journalisten und Medienmachern aus ganz unterschiedlichen Richtungen wagt OSK einen Blick in die Zukunft des Journalismus. Das Prinzip ist immer das gleiche: acht Fragen, acht Antworten. Stück für Stück entsteht so ein Bild, das belastbare Aussagen zu entscheidenden Trends von morgen und übermorgen ermöglicht.

Hier gelangt ihr zu den anderen Teilen der Serie „8 Fragen zur Zukunft des Journalismus“.

via www.osk.de

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Carsten Christian
„Ich bin fest davon überzeugt, dass die eigentliche Medienrevolution erst noch bevorsteht“: 8 Fragen zur Zukunft des Journalismus [Teil 11] http://t3n.de/news/zukunft-des-journalismus-matthes-601847/ 2015-03-24T13:51:12Z
Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Sebastian Matthes, …

Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Sebastian Matthes, Chefredakteur der Deutschland.

zukunft-des-journalismus-matthes

Für den Job hätte er alles liegen gelassen, sagt Sebastian Matthes. Glücklicherweise habe es damals zeitlich gut gepasst: Nach fünf Jahren als Ressortleiter Technik+Wissen bei der WiWo sei es einfach mal Zeit für einen Wechsel gewesen. „Außerdem wollte ich nicht mehr länger nur über den Medienwandel schreiben. Ich wollte ihn mit einem der innovativsten Medien der Welt selbst gestalten.“ Und so nahm Matthes die neue Stelle an, als Chefredakteur der Huffington Post Deutschland. Am 10. Oktober 2013 ging die deutsche Version der Nachrichten-Seite online. Rund sechs Monate später erreichte das Portal insgesamt 9,5 Millionen Visits – ein gutes Drittel der Zugriffe erfolgte über mobile Endgeräte. Damit schaffte die Huffington Post den Sprung unter die 15 zugriffsstärksten deutschen Nachrichtenseiten.

Mobil ist für die „HuffPost“ ein wichtiger Kanal für die Reichweite. Von den 12,1 Millionen Visits im Februar 2015 kamen 5,7 Millionen von mobilen Geräten. Das Portal setzt auf einen Mix aus klassischen Nachrichten, bunten Themen und viel Meinung. Wegen des neuartigen Ansatzes von vielen zum Start mit Spannung beobachtet, gab es auf der anderen Seite Kritiker, die reißerische Überschriften und Klickanreize mit wenigen Inhalten bemängelten. Punkten kann die Huffington Post außerdem durch ihre hohe Reichweite in den sozialen Netzwerken.

Sebastian Matthes zur Zukunft des Journalismus
Sebastian Matthes zur Zukunft des Journalismus

Schon während seiner Zeit bei der WiWo beschäftigte sich Sebastian Matthes intensiv mit den Themen Internet und soziale Medien. Auf seinem Blog, der sich mit Wirtschaft, Medien, Technologie und Musik beschäftigt, schreibt der 37-Jährige, dass ihn besonders die Frage interessiere, wie neue Technologien unseren Alltag, die Wirtschaft und die Politik verändern. Er sei begeisterter Twitterer und freue sich über alles Neue in der Medienwelt. Die sozialen Netzwerke hat er dabei stets im Blick: „Twitter, Facebook und Instagram sind für mich Unterhaltung, Information – und ständige Begleiter.“

Nach dem Politik- und VWL-Studium an der Universität Hamburg und einem sechsmonatigen Forschungsaufenthalt in Indien studierte Matthes an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Während dieser Zeit arbeitete er für das Handelsblatt, den Spiegel und die WiWo. Weitere Redaktions-Stationen seiner Laufbahn: der Norddeutsche Rundfunk, Financial Times Deutschland und die Neue Zürcher Zeitung, jeweils für die Online- wie auch die Print-Ausgaben. Im spricht Sebastian Matthes darüber, warum eine technische Ausrichtung für Medien-Unternehmen unerlässlich wird. Außerdem geht er darauf ein, was Journalisten tun müssen, wenn sie eine große Karriere verfolgen.

1. Wie zeichnet sich Qualitätsjournalismus in Zukunft aus und was schadet ihm?

Ich halte die Qualitätsdebatte für enorm wichtig, und wir müssen sie unbedingt jetzt führen. Allerdings bin ich der Meinung, dass wir sie bislang falsch geführt haben. Denn irgendwie schwebt ein abstrakter Qualitätsbegriff im Raum, der völlig ignoriert, dass es unterschiedlichste Qualitäten geben kann. Qualität kann sein, eine starke Bewegung am Aktienmarkt per Smartphone-Push-Nachricht am schnellsten zu verbreiten.

Qualität kann aber auch ein sechsseitiges Porträt im Focus oder im Stern sein, ein Leitartikel in der ZEIT, ein Brief an die Leser in der Titanic oder eine trocken aufgeschriebene, aber überraschende Analyse in der FAZ. Oder ein Video, in dem Experten Müttern Tipps für ihren Alltag geben. Wir müssen akzeptieren, dass Qualität für jeden Leser etwas anderes ist. Die größte Gefahr für Medien ist es, diese Tatsache zu ignorieren.

2. Was sind die großen Trends im Journalismus und was wird sich davon künftig durchsetzen?

Ich bin fest davon überzeugt, dass die eigentliche Medienrevolution erst noch bevorsteht. Der Wandel hin zum mobilen sozialen Zeitalter wird noch viel dramatischer als der Wandel von Print zu Online. Denn in diesem neuen Zeitalter wird sich alles verändern: die journalistischen Darstellungsformen, das Verhältnis zu unseren Leserinnen und Lesern und die Art, wie wir Werbung machen.

Zugleich werden in dieser neuen Zeit diejenigen Medienunternehmen erfolgreich sein, die sich zu einem großen Teil auch als Technologieunternehmen verstehen. Schon heute werden die Inhalte über Technologie verbreitet und über Algorithmen so aufbereitet, dass Menschen vor allem die Dinge lesen können, die sie wirklich interessieren. Bei alldem steht der deutsche Medienmarkt noch ganz am Anfang.

3. Wie und wo recherchierst du nach guten und spannenden Inhalten?

Überall. In , in Archiven, in Gesprächen mit Experten – da hat sich in den vergangenen Jahren nicht viel geändert. Nach wie vor ist Twitter für mich persönlich das wichtigste News-Medium, um den Überblick zu behalten. Aber ich lese jeden Tag auch Tageszeitungen – allerdings als App auf dem iPhone.

4. Was muss man als Journalist künftig tun und können, um gelesen und wahrgenommen zu werden?

Journalisten müssen in Zukunft nicht nur exzellent schreiben können. Sie müssen mehr denn je in der Lage sein, Leserinnen und Leser zu überraschen, zu bewegen und zu begeistern. Das sind ganz alte journalistische Fähigkeiten, die aber im Zeitalter der sozialen Netzwerke wichtiger sind denn je. Vor allem das Besondere, das Überraschende wird geteilt und weiterdiskutiert. Journalisten, die diese Mechanismen verstehen, haben in Zukunft die besten Chancen.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass die eigentliche Medienrevolution erst noch bevorsteht“

Überraschung gelingt mit sehr gutem Journalismus und Geschichten, die wirklich relevant für die Menschen sind. Ich glaube aber auch, dass sich unser Blick auf die Welt verändern muss. Allzu lange haben wir nur die Problemen in den Mittelpunkt gestellt. Viel zu selten haben wir uns mit den Menschen beschäftigt, die an den Lösungen arbeiten.

Das wollen wir bei der Huffington Post ändern. Wir berichten zwar auch künftig über Katastrophen, Korruption und religiösen Fanatismus. Aber wir wollen künftig viel stärker die Menschen in den Mittelpunkt stellen, die gegen diese Probleme kämpfen. Organisationen zum Beispiel, die radikalen Islamisten den Ausstieg erleichtern. Oder Menschen, die Techniken entwickeln, um die Meere von Plastikmüll zu befreien.

Darüber hinaus müssen Journalisten, die in Zukunft erfolgreich sein wollen, im Netz zu einer Marke werden. Sie müssen ihren Namen mit einem Thema verknüpfen – auch jenseits ihres eigenen Mediums. Das ist schon oft gesagt worden. Wirklich verstanden haben es aber die Wenigsten. Die größten Karrieren machen künftig agile, journalistische Einmannunternehmen, denen es gelingt, eine Community um sich und ihre Themen aufzubauen. Das ist über Blogs, Twitter und Facebook übrigens leichter denn je.

5. Die technologischen Veränderungen sind rasant – wie müssen sich vor diesem Hintergrund der Journalismus verändern und dessen Anbieter anpassen?

Es wird nicht den einen Weg geben, den alle einschlagen müssen. Allerdings werden sich nahezu alle mit den Mechanismen sozialer Netzwerke auseinandersetzen müssen. Denn der Zeitungsausträger der Zukunft ist unser Leser. Wir müssen verstehen, warum er bestimmte Inhalte verbreitet und andere nicht.

Ich glaube auch, dass Zahlen wesentlich wichtiger werden für Journalisten, denn die verraten viel über unsere Nutzer. Aber auch das ist eine gute Nachricht. Denn wir sehen jetzt schon, mit welchen unserer Inhalte sich die Menschen länger und mit welchen sie sich kürzer beschäftigen. Daraus lernen wir, wie wir Journalismus besser machen können.

6. Wie verdient der Großteil der Medien künftig Geld?

Hier sehe ich nicht den einen Weg. Es wird – wie heute schon – die unterschiedlichsten Konzepte geben. Paid-Modelle, wie einige Regionalzeitungen es gerade testen, Hybrid-Modelle, wie Springer sie nutzt, und rein werbefinanzierte Modelle, wie wir sie verfolgen. Ein Großteil der Medien wird am Ende wahrscheinlich Hybrid-Modelle versuchen.

7. Wie sehen deiner Ansicht nach journalistische Inhalte und die Angebotslandschaft in fünf Jahren aus?

In fünf Jahren werden diejenigen am größten sein, die am besten verstanden haben, welche Inhalte Menschen in sozialen Netzwerken teilen. Schon heute konsumiert etwa jeder dritte Amerikaner einen Großteil seiner Nachrichten über Facebook.

„In fünf Jahren werden diejenigen am größten sein, die am besten verstanden haben, welche Inhalte Menschen in sozialen Netzwerken teilen.“

Unter Jüngeren ist der Anteil schon wesentlich größer – auch in Deutschland. Ich bin sicher, dass dieser Wandel hin zum mobilen-sozialen Internet weit dramatischer wird als der Wandel von Print zu Online. Schon heute konsumieren viele Menschen einen großen Teil ihrer Nachrichten vor allem auf dem Smartphone. Doch auf den Geräten surfen sie nicht mehr wie auf dem Laptop – mit Browser und eingetippten Links. Sie bewegen sich via sozialer Netzwerke wie Facebook, Twitter oder WhatsApp durchs Netz. Sie lesen, was ihre Freunde lesen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Huffington Post extrem gut auf diesen Wandel vorbereitet ist. Denn wir fragen uns bei allen Texten: Wie können wir sie so erzählen, dass Menschen sie an ihre Freunde weiterempfehlen? Mit einem Social-Media-Anteil unserer Reichweite von mehr als 30 Prozent zeigt sich, dass diese Strategie aufgeht. Und wenn Menschen unsere Texte weiterempfehlen, erinnern sie sich auch schneller an unsere Marke – und nutzen die HuffPost nächstes Mal über die App. Über all diese Themen tauschen wir uns übrigens mit den anderen HuffPost-Ausgaben aus, auch bei regelmäßigen Konferenzen, wie erst kürzlich wieder in London oder Anfang des Jahres in München.

8. Welches Medium fehlt heute noch auf dem Markt?

Es fehlen ganz viele! Schauen Sie sich an, was in den USA passiert ist. Da ist die Revolution in vollem Gange. Die Zahl neuer Projekte, die ein nennenswertes Publikum erreichen, ist bei uns noch gering. In Deutschland fehlen Erklär-Portale wie Vox.com, Fachblogs über die Zukunft unserer Städte, wie das Magazin Atlantic sie bietet, Tech-Lifestyle-Portale wie The Verge, und schon immer bin ich ein großer Fan von Business Insider. Positiv finde ich in Deutschland alle, die etwas Neues versuchen, auch wenn es davon noch nicht viele gibt. Wir tun hier noch so, als würde das Internetzeitalter gerade erst beginnen. Aber das wird sich auch bei uns ändern. Warten Sie nur ab. Ich freue mich darauf.

Über #ZukunftDesJournalismus

Mobiles Internet, immer leistungsfähigere Smartphones, neue Nachrichtendienste: Die Medienlandschaft verändert sich rasant und mit ihr der Journalismus. Viele Fragen bewegen die Branche: Ist die Tageszeitung ein Auslaufmodell, weil die jüngeren Zielgruppen aktuelle Nachrichten nur noch auf mobilen Endgeräten konsumieren? Erledigen bald Schreibroboter typische Routineaufgaben und machen damit einen Teil der Redakteure überflüssig? Mit welchen neuen journalistischen Darstellungsformen können Menschen erreicht werden, die immer weniger lesen und nur noch Bilder anschauen?

Gemeinsam mit Journalisten und Medienmachern aus ganz unterschiedlichen Richtungen wagt OSK einen Blick in die Zukunft des Journalismus. Das Prinzip ist immer das gleiche: acht Fragen, acht Antworten. Stück für Stück entsteht so ein Bild, das belastbare Aussagen zu entscheidenden Trends von morgen und übermorgen ermöglicht.

Hier gelangt ihr zu den anderen Teilen der Serie „8 Fragen zur Zukunft des Journalismus“.

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Carsten Christian
Diese 15 Web-Templates musst du gesehen haben [Teil 3] http://t3n.de/news/diese-15-web-templates-gesehen-3-595922/ 2015-03-21T08:05:41Z
Eine weitere feine Sammlung kostenloser Web-Templates im PSD-Format präsentieren wir euch in diesem Artikel. Die Vorlagen eignen sich teils für Blogs oder News-Websites, aber auch für Shops und …

Eine weitere feine Sammlung kostenloser Web-Templates im PSD-Format präsentieren wir euch in diesem Artikel. Die Vorlagen eignen sich teils für Blogs oder News-Websites, aber auch für Shops und Business-Auftritte sind passende Designs dabei.

Web-Templates für verschiedene Anwendungsbereiche und Geschmäcker

Je nach Zweck einer Website stehen bestimmte Features mehr oder weniger im Vordergrund, manche Elemente sind Blog-typisch, andere sind unerlässlich für die Firmenseite. Struktur und Raumaufteilung, die Festlegung der Spaltenanzahl, Umgang mit Weißraum, Farben, Schatten und Schriftsätze sollten beim Gestalten einer Website wohlüberlegt sein, wenn das Design stimmig und attraktiv beim Betrachter ankommen soll.

Wir haben ein paar sehr gelungene Templates zusammengetragen, die sich teils geradezu für einen bestimmten Zeck aufdrängen, sich teilweise aber auch recht variabel einsetzen lassen. Die Templates sind allesamt kostenlos und liegen im PSD-Format vor, sodass sie sich an eigene Bedürfnisse anpassen und weiterverarbeiten lassen. Aber auch als Inspiration für eigene Design-Ideen bieten die folgenden Projekte reichlich Sehenswertes. Die Links zu den Templates findet ihr jeweils in der Bildunterschrift oder in der Bildbeschreibung in der Galerie.

Single-Page-Template „Wooster“

Wooster - Vintage Single Page PSD Theme - Web-Templates
Schwarz-weißes Onepage-Web-Template „Wooster“. (Screenshot: graphberry.com)

Das vollständig in schwarz-weiß gehaltene Single-Page-Template „Wooster“ soll den Angaben der Macher zufolge als Web-Template für Agenturen oder zur Präsentation des Produktportfolios Anwendung finden. Die Kontraste werden in diesem Design geschickt dazu eingesetzt, die einzelnen Elemente der Website voneinander abzugrenzen. Als Schriften werden kostenlose Google-Fonts genutzt, die ebenso wie die verwendeten Bilder in der Hilfedatei des Pakets verlinkt werden.

Template für eine Movie-Website

Cinema 22 - Free PSD Movie - Web-Templates
Film-Website im Flat Design. (Screenshot: sukafreebies.com)

Weniger häufig zu finden und deshalb Teil dieser Sammlung von Web-Templates sind solche Design-Vorlagen, die sich mal mit etwas anderem befassen als mit Layouts für Blogs, Unternehmens-Websites oder Shops. Ein gelungenes Beispiel ist das von Bagus Fikri kreierte Template für eine Movie-Website – ohne viel Schnickschnack in funktionalem Flat Design.

Fashionpress-Template

FashionPress_Free_Psd_V2 - Web-Templates
Eine der beiden Varianten des Fashionpress-Web-Templates. (Screenshot: dribbble.com)

Das „Fashionpress Free PSD“ von Shakil Ali beinhaltet zwei Variationen eines Web-Templates für Onlineshops, die beide gleichermaßen prädestiniert sind, Produkte innerhalb eines nicht zu aufdringlichen, aber dennoch augenfälligen Designs zu präsentieren.

„Charity Website Template“

Free Charity Website Template PSD - Web-Templates
Web-Template im gekachelten „Sharp Design“. (Screenshot: cssauthor.com)

Das von Krishnan Unni entworfene „Charity Website Template“ wird beschrieben als einzigartiges „Sharp Design“. Wenngleich „einzigartig“ hier leicht überhöhenden Charakter hat, bietet das Template doch eine sehr ansehnliche, vielseitig einsetzbare gestalterische Grundlage in einem nicht alltäglichen gekachelten Design.

Web-Template „Skokov Profit“

SKOKOV Profit — Free Business PSD Template - Web-Templates
Modernes Business Website-Template (Screenshot: skokov.cc).

Das Web-Template „Skokov Profit“ ist farblich in einen modern anmutenden Dreiklang aus Schwarz, Weiß und Rot getaucht. Das Onepage-Layout ist durch ansehnliche halbtransparente Flächen und angenehm proportionierten Weißraum klar strukturiert, was das Gesamtpaket sehr professionell wirken lässt. Dem Einsatz als Unternehmens-Website steht bei diesem Template nichts im Weg.

Weitere Web-Templates aus der Serie

Weitere Artikel aus unserer Serie über gelungene Web-Templates findet ihr hier:

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Marcel Seer
Die Sache mit den Blogger-Relations http://t3n.de/news/sache-blogger-relations-sven-wiesner-601219/ 2015-03-20T18:19:18Z
In Sachen Blogger-Relations läuft noch immer einiges schief. Das findet zumindest Sven Wiesner. Auf der „Rock-The-Blog“-Konferenz bei der CeBIT hat er seine Gründe genannt. Wir waren für euch dabei.

In Sachen Blogger-Relations läuft noch immer einiges schief. Das findet zumindest Sven Wiesner. Auf der „Rock-The-Blog“-Konferenz bei der hat er seine Gründe genannt. Wir waren für euch dabei.

Immer wieder wird kontrovers über Blogger-Relations debattiert. Unter welchen Umständen ist es okay, sich als Blogger von Unternehmen Produkte schenken oder Reisen finanzieren zu lassen? Und was bedeutet das für die Berichterstattung? Einer, der das Thema mittlerweile eher kritisch sieht, ist Sven Wiesner. Er fordert, dass die Beziehungen zwischen Unternehmen und Bloggern auf eine professionelle Grundlage gestellt werden müssen.

Blogger-Relations: Wo steckt der Sinn?

Blogger-Relations haben Sven Wiesner ein feines Leben ermöglicht. Irgendwann hat er angefangen, den Sinn zu hinterfragen. (Foto: Sven Wiesner)
Blogger-Relations haben Sven Wiesner ein feines Leben ermöglicht. Irgendwann hat er angefangen, den Sinn zu hinterfragen. (Foto: Sven Wiesner)

Sven Wiesner, der heute bei der Agentur „beebop media“ arbeitet, hat selbst quasi gebloggt, seit es das Internet gibt. Erst hat er viel über Marketing-Themen geschrieben, dann hat er sich aber auf Tech- und Automotive-Themen spezialisiert – denn „für Marketing-Blogger gibt es garantiert keine Goodie-Bags“, wie er selbstironisch formuliert.

„Ich habe die Testprodukte irgendwann originalverpackt bei eBay versteigert.“

Über solche Goodie-Bags ging es schon bald hinaus. Wiesner reiste auf Kosten von Unternehmen um die Welt, testete Ferraris, berichtete von der CES in Las Vegas oder besuchte Samsung in Korea. Er wurde mit Testprodukten überschüttet. Doch der Befriedigungsmechanismus habe schnell nachgelassen, sagt er. Schon bald seien ihm die Geschenke der Unternehmen popelig vorgekommen. Viele habe er gar nicht erst ausgepackt, sondern sie direkt in der Originalverpackung auf eBay eingestellt. Und auch die Reisen habe er nicht mehr wirklich vor sich rechtfertigen können: „Klar, es war natürlich suuuper wichtig, dass genau ich da vor Ort war“, sagt er bei jedem Bild, das er während seiner Präsentation zeigt – das Publikum lacht, aber Wiesner hat der fehlende Sinn seines Tuns irgendwann wirklich angefressen.

Letztlich habe er sich fragen müssen: „Du lässt dich von den Unternehmen pudern, aber was ist eigentlich der tiefere Sinn dahinter?“ Seine eigentliche Zielrichtung, sein Selbstverständnis als Blogger, hatte er komplett aus den Augen verloren.

„Professionelle Blogger brauchen einen Kodex“

Alles ganz nett – aber wem nützt es, wenn Unternehmen sich Influencer „kaufen“? (Foto: Shutterstock)
Alles ganz nett – aber wem nützt es, wenn Unternehmen sich Influencer „kaufen“? (Foto: Shutterstock)

„So viel Product-Placement, wie man heutzutage auf manchen sieht, findet man nicht mal bei QVC.“

Stattdessen habe er sich damals eingestehen müssen: „Ich bin Meinungsmacher und praktiziere Vorteilsannahme durch Unternehmen. Damit bin ich eigentlich Lobbyist.“ Und noch immer beobachte er diesen Mechanismus: Blogger, die ihrem Publikum suggerieren, dass es extrem super sei, bestimmte Produkte zu benutzen. Und die dabei nicht – oder nur unzureichend – klar machen, dass sie dafür bezahlt werden, genau diese Produkte vorzustellen. „So viel Product-Placement, wie man heutzutage auf manchen Blogs sieht, findet man nicht mal bei QVC.“

Als Publisher habe er aber die Verantwortung seinen Lesern gegenüber, Transparenz zu wahren. Für Journalisten sei die Vermischung von Content und Werbung schlichtweg verboten. Auch für Blogger solle das gelten. Ein allgemein akzeptierter Blogger-Kodex müsse her, vielleicht sogar eine gesetzliche Regelung.

Blogger-Relations: Ein Dauerbrenner im modernen Marketing

Sven Wiesner hat, als er all diese Dinge nicht mehr ignorieren wollte, den Artikel „Ich kritisiere nicht, dass Blogger professionell werden, ich kritisiere wie es passiert“ geschrieben. Das war vor etwa einem Jahr und er hat sich damit durchaus ins eigene Fleisch geschnitten. Viele Blogger waren sauer. Insbesondere dass er gegen andere Blogger austeilte, kam nicht gut an.

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Hat ein Problem mit Blogger-Relations in ihrer aktuellen Form: Sven Wiesner auf der CeBIT. (Foto: t3n)

Doch eigentlich will er vor allem ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es Spielregeln geben muss. Weil sich sonst nicht nur die Blogger, sondern auch die Unternehmen langfristig schaden. Deswegen hat er seine Argumente bei der „Rock-The-Blog“-Konferenz auf der CeBIT noch einmal vorgestellt.

Diese Punkte stören Wiesner an der Blogger-Landschaft (wir haben seine Formulierungen mit Erlaubnis übernommen):

Viele Blogs…

  1. … nutzen ihre Unabhängigkeit nicht.
  2. … sind vielfach zu kommerziell geworden.
  3. … werden ihrer Verantwortung gegenüber den Lesern nicht gerecht.
  4. … duplizieren Content zu oft, statt eigenen zu produzieren.
  5. … haben einen zu geringen Anspruch an die eigenen Inhalte.
  6. … nutzen ihre Power zu selten für nützliche Aktionen.

cebit-banner

Unternehmen machen in Sachen Blogger-Relations viel falsch

Doch auch die Unternehmen machten viele Fehler, sagt er. Sie verwechselten Blogger mit Journalisten, die für ihr Schreiben bezahlt werden, und böten keine adäquate Gegenleistung an. Sie spulten ihr Presseprogramm ab, statt auf die inhaltlichen Vorschläge der Blogger einzugehen. Und sie wählten nicht sorgfältig aus: Wiesner hat bei einer der Agenturen, die ihn damals kontaktiert haben, mal nachgefragt, wie sie auf ihn gekommen sind: „Naja, wir haben ‚Technik Blogger Hamburg‘ gegoogelt, denn der Kunde will keine Reisekosten zahlen.“ Wiesner war unter den ersten Ergebnis-Treffern, und schon war er im Spiel. Fragwürdige Qualitätskriterien also.

Diese Kritikpunkte richtet Wiesner an Unternehmen:

Viele Unternehmen…

  1. … nutzen Blogger als billige Werbung.
  2. … schöpfen nur einen Bruchteil des Potenzials ab.
  3. … verwechseln Blogger mit Journalisten.
  4. … bieten keine Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Mit diesem unreflektierten Vorgehen verhinderten die Unternehmen selbst, dass aus ihren Blogger-Relations nachhaltige Werte entstünden. Und auch für viele Blogger vollziehe sich der Wandel gar nicht bewusst. Zuerst freue man sich darüber, auf einmal Angebote zu bekommen und wichtig zu sein. Irgendwann stelle man fest, dass man zur „Handpuppe der Marketing-Hoschis“ geworden sei – dann sei man aber schon mittendrin. Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, müssten beide Seiten sich stärker hinterfragen und ihr Vorgehen auf eine strategische Grundlage stellen.

Beide Seiten müssen sich stärker hinterfragen

Deswegen fordert Wiesner von den Bloggern, dass sie sich ihrer Verantwortung als Meinungsmacher bewusster werden. Sie sollten …

  • … Kooperationen stärker hinterfragen,
  • … ihren Stil und ihre Qualitätsansprüche konsequent durchsetzen und
  • … auch mal „nein“ sagen.

Die Unternehmen hingegen sollten laut Wiesner bei Blogger-Relations mehr Gestaltungsraum für Blogger bieten. Sie sollten …

  • … die Freiheit von Blogs im eigenen Interesse respektieren,
  • … Blogger nicht mit Journalisten verwechseln und
  • … auf Augenhöhe zusammen arbeiten.

Djure Meinen, der den Bereich „Micro-Audiences“ bei der Kommunikationsagentur „achtung!“ betreut und unter anderem den Agentur-Kodex zum Thema Blogger-Relations mit entwickelt hat, sieht gerade auf Unternehmensseite noch viele Herausforderungen. „Die Unternehmen müssen sich selbst ethische Grundlagen verschreiben. Viele Blogger sind extrem jung und können die Verantwortung kaum tragen. Unternehmen, die versuchen, das auszunutzen, werden aber auch für sich selbst nur verbrannte Erde hinterlassen.“

Was sagt ihr: Was kann, was muss sich ändern?

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Lea Weitekamp
„Print lohnt sich immer noch“: 8 Fragen zur Zukunft des Journalismus [Teil 10] http://t3n.de/news/fragen-zukunft-journalismus-billerbeck-600968/ 2015-03-20T13:31:39Z
Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Bettina Billerbeck, …

Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Bettina Billerbeck, Chefredakteurin von „SCHÖNER WOHNEN“.

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Bettina Billerbeck
Bettina Billerbeck

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Bettina Billerbeck schon in der Schule. Während der Schulzeit auf einem Wuppertaler Gymnasium produzierte sie mit ihrem Team die Schülerzeitung – und gewann einige Preise. Heute ist sie die Chefredakteurin von „SCHÖNER WOHNEN“. Nach der Schule folgte ein Praktikum bei der Westdeutschen Zeitung. Wenn es mal gerade keine Aufgabe gab, suchte sie sich eigene Geschichten, die auch gedruckt wurden. Es war der Start einer steilen Karriere. Ihr Volontariat machte Bettina Billerbeck beim Jahreszeiten Verlag in Hamburg. Im Anschluss war sie als Redakteurin und später als Ressortleiterin bei „Der Feinschmecker“ insgesamt sechs Jahre für die Themen „Küche, Wein, Lebensart“ verantwortlich.

Auf der Karriereleiter gab es von da an kein Halten mehr: stellvertretende Chefredakteurin des Frauenmagazins „myself“, Chefredakteurin der „Maxi“ und von „Living at Home“. Alles in einer Zeitspanne von rund 14 Jahren. Seit 2013 ist die 42-Jährige Chefin der „SCHÖNER WOHNEN“-Redaktion, gibt mit ihrem Team Tipps zur Einrichtung, Wohnstilen, Dekorations-Trends und mehr. Für ihre Hamburger Wohnung hat Billerbeck übrigens, wie sie selbst sagt, verschiedenste Stile kombiniert. Im Interview erklärt Bettina Billerbeck, warum sich Leser gerade in der rasenden Online-Welt nach Entschleunigung sehnen. Außerdem verrät sie, für wen sich der Print-Markt noch immer lohnt.

1. Wie zeichnet sich Qualitätsjournalismus in Zukunft aus und was schadet ihm?

Durch Relevanz, Glaubwürdigkeit, Haltung. Was ihm schadet: Faulheit bei der Recherche und zu wenig Liebe beim Texten.

2. Was sind die großen Trends im Journalismus und was wird sich davon künftig durchsetzen?

Das kann ich nur für Zeitschriften beantworten. Da sind es mit Sicherheit Datenjournalismus und Infografiken, Entschleunigung durch lange Lesestücke und zurückhaltende Gestaltung. Durch Infografiken zum Beispiel sind komplexe Zusammenhänge leicht auf einen Blick zu erfassen, die Darstellung wird optisch immer ansprechender. Ein gutes Beispiel ist eine neue Doppelseite „Sehen und verstehen“ im „Stern“. Was die Entschleunigung betrifft: Jede Bewegung ruft eine Gegenbewegung hervor, das zeigt auch der Erfolg von „Flow“. Es gibt nicht nur ein Bedürfnis nach schneller, superaktueller Information, sondern auch den Wunsch nach ausführlichen Lesestücken zum Abtauchen, gerade bei komplexen Sachzusammenhängen. Experten sprechen vom „Deep Diving“, ein gutes Beispiel ist der „Economist“.

3. Wie und wo recherchierst du nach guten und spannenden Inhalten?

Für SCHÖNER WOHNEN sind die großen Messen wie die imm, IFA, ISH, Heimtex, Domotex, Ambiente, Maison et Objet und die Mailänder Möbelmesse natürlich am wichtigsten, wir lassen uns aber auch von besonders schönen Geschäften wie „Merci“ in Paris inspirieren. Wohnredakteure müssen ab und zu mal raus! Auch Social Media spielen eine immer größere Rolle. Wir nutzen Instagram sehr stark als Recherchequelle. Auf Facebook können wir gut verfolgen, welche Themen und Stile bei den Usern ankommen, das lässt auch Rückschlüsse auf Print zu. Wobei User bei uns nicht gleich Leser ist.

4. Was muss man als Journalist künftig tun und können, um gelesen und konsumiert zu werden?

Für Wohnzeitschriften sehe ich das so: erkennen können, welche Inhalte relevant für die Leser sind, also die unfassbare Menge an Neuheiten und Neuigkeiten intelligent kuratieren. Informieren und inspirieren, darüber hinaus gut beraten.

„Es gibt nicht nur ein Bedürfnis nach schneller, superaktueller Information, sondern auch den Wunsch nach ausführlichen Lesestücken zum Abtauchen“

Beim Einrichten geht es nicht nur ums „Was“, sondern viel mehr ums „Wie“. Wie kombiniere ich Neues und Altes, große Möbel und kleine Accessoires so gekonnt, dass ein Raum zeitgemäß und wohnlich aussieht und zu meiner Persönlichkeit passt? Das funktioniert nicht über strenge Regeln, sondern über Inspiration.

5. Die technologischen Veränderungen sind rasant – wie müssen sich vor diesem Hintergrund der Journalismus verändern und deren Anbieter anpassen?

Gute digitale Angebote schneidern. Es ist nicht damit getan, Print-Inhalte zu digitalisieren. Viel mehr geht es darum, Aggregatoren und hochmoderne Websites, die ständig zielgruppenrelevante News liefern, zu entwickeln, nicht einfach nur Print-Inhalte widerzuspiegeln.

6. Wie verdient der Großteil der Medien künftig Geld?

Print weiterhin über Vertrieb und Anzeigen, Digital in erster Linie über Werbung. Die gute Nachricht ist: Print lohnt sich immer noch, zumindest was Qualitätszeitschriften und Special-Interest-Magazine angeht. Ich habe meine Zweifel, ob bei aktuellen Nachrichten-Sites eine Paywall funktionieren wird, insofern bleibt für die meisten digitalen Angebote nur Advertising, ob native oder nicht.

7. Wie sehen deiner Ansicht nach journalistische Inhalte und die Angebotslandschaft in fünf Jahren aus?

Es wird weiterhin Magazine geben, es wird sich zeigen, welche wirklich weiterhin auf Papier erscheinen werden – Tageszeitungen, Jugendmagazine und Programmzeitschriften haben es natürlich schwer – hier wird sich das Angebot noch weiter ins Digitale verlagern. TV dreht sich im Moment ja ganz stark um on-demand. Ich selbst gucke außer Tagesschau und Tatort nur noch Netflix und Serien über iTunes.

8. Welches Medium fehlt heute noch auf dem Markt?

Das würde ich nie hier verraten, sondern lieber auf den Markt bringen!

Über #ZukunftDesJournalismus

Mobiles Internet, immer leistungsfähigere Smartphones, neue Nachrichtendienste: Die Medienlandschaft verändert sich rasant und mit ihr der Journalismus. Viele Fragen bewegen die Branche: Ist die Tageszeitung ein Auslaufmodell, weil die jüngeren Zielgruppen aktuelle Nachrichten nur noch auf mobilen Endgeräten konsumieren? Erledigen bald Schreibroboter typische Routineaufgaben und machen damit einen Teil der Redakteure überflüssig? Mit welchen neuen journalistischen Darstellungsformen können Menschen erreicht werden, die immer weniger lesen und nur noch Bilder anschauen?

Gemeinsam mit Journalisten und Medienmachern aus ganz unterschiedlichen Richtungen wagt OSK einen Blick in die Zukunft des Journalismus. Das Prinzip ist immer das gleiche: acht Fragen, acht Antworten. Stück für Stück entsteht so ein Bild, das belastbare Aussagen zu entscheidenden Trends von morgen und übermorgen ermöglicht.

Hier kommt ihr zu den anderen Teilen der Serie „8 Fragen zur Zukunft des Journalismus“.

via www.osk.de

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Carsten Christian
Bloggen von unterwegs: Medium lanciert neue Apps für mobiles Zeitalter http://t3n.de/news/medium-2-600943/ 2015-03-20T06:05:14Z
Medium hat seine Apps für iPhone und iPad überarbeitet. Damit macht sich die beliebte Blogging-Plattform endlich fit fürs mobile Zeitalter.

Medium hat seine Apps für iPhone und iPad überarbeitet. Damit macht sich die beliebte Blogging-Plattform endlich fit fürs mobile Zeitalter.

Die beliebte Blogging-Plattform Medium lanciert neue Apps für iPhone und iPad. War darauf bislang nur das Lesen von Inhalten möglich, können Nutzer ab sofort also auch von unterwegs Geschichten schreiben und veröffentlichen. Medium wird primär von Journalisten, Bloggern und Hobbyautoren genutzt.

Medium: Das bringt die neue Version für iOS

Journalisten, Blogger und Hobbyautoren können mit Medium jetzt auch unterwegs eigene Geschichten veröffentlichen. (Foto: Medium)
Journalisten, Blogger und Hobbyautoren können mit Medium jetzt auch unterwegs eigene Geschichten veröffentlichen. (Bild: Medium)

Mit dem Update untermauert Medium zugleich seine Ambitionen, verstärkt auf Mobile setzen zu wollen. Dazu hat man den Apps für iPhone und iPad unter anderem einen neuen Editor spendiert, der mit nicht mehr als vier Funktionen daherkommt. So kann mit einem Klick zwischen Überschrift und Fließtext umgeschaltet werden. Eine Headline ist nicht länger erforderlich. Außerdem lassen sich Zitate, Links und Fotos einbinden. Wer lieber spricht als schreibt, kann optional die Diktierfunktion zur Eingabe seiner Texte verwenden.

Weitere Funktionen für mehr Lesespaß

Medium hat allerdings auch an der Oberfläche für Verbesserungen gesorgt, was vor allem dem mobilen Leseerlebnis zu Gute kommen soll. Wichtigste Neuerung dabei: Kürzere Geschichten. Die Plattform – bislang vor allem für seine mehrheitlich langen Texte bekannt – platziert entsprechende Inhalte jetzt prominenter im Stream. Die mobile Artikelansicht wurde zudem um eine Unterstützung für eingebettete Tweets, Videos und Audioaufnahmen erweitert.

via medium.com

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Daniel Hüfner
„Es gibt nicht DEN Journalismus.“: 8 Fragen zur Zukunft des Journalismus [Teil 9] http://t3n.de/news/zukunft-des-journalismus-amend-599031/ 2015-03-13T08:30:11Z
Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Christoph Amend, …

Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt das Blog von Oliver Schrott Kommunikation dieser Tage deutschen Journalisten. Dieses Mal im OSK-Interview: Christoph Amend, Chefredakteur des ZEITmagazins.

zukunft-des-journalismus-amend

Christoph Amend, Chefredakteur des ZEITmagazins

Christoph Amend zur Zukunft des Journalismus
Christoph Amend zur Zukunft des Journalismus

Sein Medienverhalten hat er immer wieder komplett geändert. Bis vor ein paar Jahren noch als regelmäßiger Blog-Surfer unterwegs, liest Christoph Amend (41), Chefredakteur des ZEITmagazins, Beiträge auf Blogs mittlerweile vor allem, wenn er über Posts oder Tweets auf sie aufmerksam gemacht wird. Seine Erfahrung: Die Leute, mit denen er befreundet ist oder denen er folgt, sind recht gut darin, Beiträge oder Links zu posten, die ihn interessieren.

Zur Zukunft des Journalismus befragt, äußert sich Amend differenziert, es gebe eben nicht DEN Digital-, DEN Print- oder DEN Social-Media-Journalismus. Ein besonderes Faible hat er für ausführliche, gut recherchierte und geschriebene Geschichten. Das ist es, was die Leserinnen und Leser seiner Erfahrung nach sehen wollen – anstelle der immer gleichen Bilder oder austauschbaren Beiträge. Und dass die Geschichten aus dem ZEITmagazin auch international gut ankommen, zeigt der Erfolg der englischsprachigen Ausgabe, die eine „Best of“-Sammlung darstellt und einer experimentellen Idee entsprang. Ende März kommt die nächste Ausgabe auf den globalen Markt. Mit enthalten: ein Interview, das auf einem ZEITmagazin-Live-Talk mit Lena Dunham basiert, der US-amerikanischen Schauspielerin, Filmproduzentin, Filmregisseurin und Drehbuchautorin, bekannt vor allem durch ihre Fernsehserie Girls.

Christoph Amend, 1974 in Gießen geboren, machte 1993 in Butzbach sein Abitur und startete danach ein Studium der Anglistik und Politikwissenschaften. Nebenher begann er als freier Journalist zu arbeiten, unter anderem für das damals frisch gegründete jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung. Mit 21 erhielt er dann ein Jobangebot in der Redaktion in München. Damit war die Uni passé. Stattdessen machte Amend seinen Weg im Journalismus. Ende der 90er-Jahre wurde er stellvertretender Redaktionsleiter des jetzt-Magazins. Als Giovanni di Lorenzo beim Tagesspiegel in Berlin anfing und den seinerzeit 24-Jährigen fragte, ob er ebenfalls dorthin wechseln wolle, folgte er dem Ruf – aus einer reinen Bauchentscheidung heraus, wie er sagt. Sein Job dort: zunächst Redakteur für besondere Aufgaben mit dem Auftrag, die „junge Perspektive“ mit ins Blatt zu bringen. 2001 folgte der Aufstieg zum Ressortleiter. 2004 stand wieder ein Wechsel an: zur ZEIT. Er übernahm die Leitung des Ressorts „Leben“ mit Sitz in Berlin, aus dem heraus 2007 das ZEITmagazin reanimiert wurde. Dieses verantwortet er seitdem. Neben seinem Posten als Chefredakteur des ZEITmagazins ist Christoph Amend auch Herausgeber der Zeitschriften Weltkunst sowie Kunst und Auktionen, die beide im ZEIT-Kunstverlag erscheinen.

Im Interview geht Christoph Amend darauf ein, wie wichtig lange Geschichten für die Leserschaft des Magazins sind, wie wichtig Veranstaltungen geworden sind, und er erklärt, welche Rolle die Sozialen Medien für Periodika wie das ZEITmagazin als aktuelle Kanäle und journalistische Experimentierfelder spielen können, nicht zuletzt, um weiter junge Leser zu gewinnen.

1. Wie zeichnet sich Qualitätsjournalismus in Zukunft aus und was schadet ihm?

Da fällt mir eine Begegnung mit einer Leserin vor einigen Jahren ein. Wir veranstalten regelmäßig Abendessen, zu denen wir Leserinnen und Leser einladen, um mit ihnen in direkten Dialog zu treten – lockere Veranstaltungen von etwa zwei Stunden, bei denen zwölf bis 14 Leser und nicht mehr als drei, vier Redakteure zusammenkommen. So haben wir Zeit zuzuhören und Fragen zu stellen. Bei einem dieser Abendessen sagte eine Leserin auf die Frage, was sie vom ZEITmagazin erwarte: „Zeigen Sie mir Bilder und erzählen Sie mir Geschichten, die ich noch nicht kenne, denn wir werden jeden Tag von denselben Geschichten und immer selben Bildern überschüttet.“

„Zeigen Sie mir Bilder und erzählen Sie mir Geschichten“

Sie fügte hinzu, dass auch manche Geschichte, die sie zunächst irritiere, sie länger beschäftige, als sie eigentlich wahrhaben wolle, „das ist für mich am Ende oft ein Gewinn, mit dem ich nicht gerechnet habe.“ Ich muss oft an diese Leserin denken, denn insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung ist das essentiell: sich durch Geschichten, durch Beiträge jedweder Art von der Konkurrenz zu unterscheiden – nur so kann man weiterhin erfolgreich sein, zumindest im Bereich der Qualitätsmedien. Die austauschbare News ist ja mittlerweile nur noch einen Klick entfernt.

2. Was sind die großen Trends im Journalismus und was wird sich davon künftig durchsetzen?

Es gibt ja nicht DEN Journalismus, DEN Digital-, DEN Print- oder DEN Social-Media-Journalismus. Oft werden da Medien miteinander in einen Topf geworfen, die nichts miteinander zu tun haben: Eine Tageszeitung etwa steht in einem komplett anderen Wettbewerb als ein monatlich erscheinendes Kunstmagazin, obwohl beide auf Papier gedruckt werden. Das Medienverhalten von uns allen hat sich natürlich in den vergangenen Jahren extrem verändert, und interessanterweise haben wir in sämtlichen Untersuchungen unserer Leser in letzter Zeit immer wieder eines herausgefunden: dass insbesondere lange Geschichten – nicht nur langfristig recherchierte, sondern auch wirklich lange Beiträge – besonders gut ankommen. Mit der Einschränkung: Sie müssen gut geschrieben sein und gleich in den ersten Absätzen einen Sog entwickeln.

Es war natürlich immer schon so, dass exzellente Reportagen, Porträts, Dokumentationen oder investigative Recherchen gerne gelesen wurden. Aber ich denke, dass sich durch die Digitalisierung etwas verschoben hat. Die meisten von uns sind ja den ganzen Tag mehr oder weniger online und konsumieren Schlagzeilen und kurze Ausschnitte mal schnell auf dem Smartphone. Bei einer bestimmten Leserschaft ist da offenbar eine umso größere Sehnsucht entstanden nach dem Gegenteil, also eine Lust, ein Bedürfnis, einzutauchen in ausführliche Geschichten, etwa ein Dossier in der ZEIT oder eine Reportage im ZEITmagazin.

3. Wie und wo recherchierst du nach guten und spannenden Inhalten?

DIE ZEIT und ZEITmagazin sind immer Autorenblätter gewesen und werden es auch bleiben, denn durch besondere Autoren kommen die besonderen Geschichten, durch die wir uns unterscheiden können, einen Moritz von Uslar, eine Jana Simon, einen Wolfgang Bauer gibt es eben nur einmal! Im Magazin sind übrigens alle Redakteure auch Autoren, das heißt konkret: Einerseits schreiben etwa preisgekrönte Kolleginnen wie Heike Faller oder Elisabeth Raether ihre Geschichten, andererseits betreuen sie auch Texte von anderen Kollegen.

Wie wir auf unsere Themen kommen? Das ist ganz unterschiedlich. Einerseits über Ideen, die Autoren selbst vorschlagen, andererseits aus Ideen, die wir gemeinsam entwickeln und für die wir dann einen passenden Autoren suchen. Um immer wieder neu herauszufinden, welche Themen und welche Art von Geschichte unsere Leser besonders interessieren, helfen uns seit einiger Zeit unsere Social-Media-Aktivitäten und natürlich ZEITmagazin Online, das wir im Frühjahr 2014 neu gestartet haben, übrigens mittlerweile eines der erfolgreichsten Ressorts auf ZEIT Online. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Im vergangenen Herbst hatten wir im ZEITmagazin eine Titelgeschichte, die von der jungen Fotografin Lina Scheynius geschrieben war, einem ehemaligen Model, die für uns ihre Geschichte, ihre Erlebnisse als Model, aufgeschrieben hatte. Das war ein sehr langer Text, einer von diesen ausführlichen Beiträgen, über die wir schon gesprochen haben, keineswegs reißerisch, eher reflektiert, genau beschreibend. Es gab viele positive Reaktionen auf die Geschichte, als sie im gedruckten Heft und in der ZEIT-App erschien, auch in den sozialen Medien. Auf Facebook wurde darüber gepostet, andere Leser twitterten Kommentare oder fotografierten das Cover ab und stellten es auf Instagram. Darüber haben wir uns sehr gefreut.

Als die Geschichte dann aber einige Zeit später online ging, explodierte sie geradezu. Ich habe das selber miterlebt, als plötzlich in meiner Facebook-Timeline und bei Twitter nonstop der Link geteilt wurde – am Ende des Jahres war der Beitrag die zweitmeist gelesene Geschichte auf ZEIT ONLINE mit insgesamt über einer Millionen Visits, und das in einer Zeit von unzähligen internationalen Kriegen und Krisen, die uns alle ja sehr beschäftigt haben. Aber so eine Geschichte wie die von Lina Scheynius hatte es eben vorher in dieser Form noch nicht gegeben. In unserer nächsten internationalen Ausgabe Ende März wird sie erstmals auch auf Englisch erscheinen.

4. Was muss man als Journalist künftig tun und tun können, um gelesen und wahrgenommen zu werden?

Das Schöne an Social Media ist ja, dass ein guter Text – egal in welcher Form und egal, wo er veröffentlicht wird – für sich stehen und Aufmerksamkeit erreichen kann. Das ist für uns große, etablierte Medienhäuser natürlich auch anstrengend, weil die Konkurrenz größer ist, aber es ist eben auch eine Chance, Leser zu erreichen, die die eigene Zeitung vielleicht noch nie in der Hand hatten. Und als User erfahre ich plötzlich von Geschichten, die sonst an mir vorbeigegangen wären, einfach, weil ich zum Beispiel ein bestimmtes Indie-Magazin gar nicht kannte oder eine Lokalzeitung aus einer Stadt, in der ich nicht wohne, nicht abonniert habe. Ich komme dadurch übrigens mittlerweile auch oft auf Ideen für Geschichten im ZEITmagazin. Die andere Seite ist natürlich die Finanzierung des Journalismus und auch hier gibt es nicht den EINEN Weg, der für alle gilt, sondern viele verschiedene Modelle, die sich zudem ständig weiterentwickeln werden. Da gilt: ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.

Das Wichtigste für den Journalismus wird sein, dass es auch in Zukunft immer noch genug Häuser gibt, die ihren Autoren und Redakteuren genug Zeit und genug Geld für ihre Recherchen und die Arbeit am Text geben und damit insgesamt auch weiterhin die Art von Journalismus, über den wir sprechen, ermöglichen. Selbst der beste Autor der Welt kann auf Dauer, wenn er keine Zeit mehr hat und nirgendwo mehr hinfahren kann, keine gute Geschichte schreiben. Es ist unsere Aufgabe als Redaktion, das zu ermöglichen. Nach den positiven Erfahrungen in unserem Haus, aber natürlich auch in anderen Redaktionen mit aufwändig recherchierten und groß angelegten Geschichten, werden wir zukünftig noch konsequenter erleben, dass es einerseits kurze und knappe Nachrichten, unterhaltsame Kolumnen und Rubriken und andererseits die langen Lesestücke von Analyse bis Reportage geben wird. Die mittellangen Berichte, die ja meistens auch nur mittelgut sind, werden verschwinden.

5. Die technologischen Veränderungen sind rasant – wie müssen sich vor diesem Hintergrund der Journalismus verändern und dessen Anbieter anpassen?

Technologie hat ja immer schon Inhalte verändert, nicht nur im Journalismus. Nehmen wir die Popmusik: Erst als die Technik in der Lage war, Langspielplatten herzustellen, ist das künstlerische Format „Album“ entstanden.

„Mit einem Wochenmagazin konnten wir früher nicht so schnell reagieren, mit den sozialen Medien geht das.“

Wir probieren ständige neue Geräte aus, neue Social-Media-Networks, und überlegen, was wir damit tun können. Seit ein paar Wochen experimentieren wir mit Snapchat, das noch in einer ganz frühen Phase ist und in Deutschland bei über 30-Jährigen noch vollkommen unbekannt ist. Aber unser Schülerpraktikant ist natürlich auf Snapchat und bringt uns gerade bei, wie man es nutzt. Die Frage für uns ist, ob wir da neue User erreichen und ob wir hier Geschichten erzählen können, die wir bisher noch nicht erzählt haben. Als Facebook groß wurde vor ein paar Jahren, haben wir uns auch gefragt, welche Art von Journalismus wir als ZEITmagazin in diesem Netzwerk machen können. Eine Erkenntnis war: Wir können hier schnell auf aktuelle Ereignisse reagieren. Als öffentlich wurde, dass Bundespräsident Wulff dem Chefredakteur von BILD auf die Mailbox gebrüllt hatte, haben wir spontan auf Facebook gepostet, dass „wulffen“ ein neues Verb sei: jemandem wütend auf die Mailbox sprechen. Der Post war erfolgreich und landete später bei einer Liste der Wörter des Jahres ganz weit oben. Mit einem Wochenmagazin konnten wir früher nicht so schnell reagieren, mit den sozialen Medien geht das.

Wenn mir jemand vor zehn Jahren erzählt hätte, dass all das zur Arbeitsplatzbeschreibung des ZEITmagazins-Chefs gehören würde, hätte ich ihn wahrscheinlich mit großen Augen staunend angeschaut. Im Zentrum meiner Arbeit steht das wöchentlich erscheinende Magazin, aber wir produzieren zeitgleich die Version für die App und jeden Tag Beiträge für die Website, wir sind täglich auf verschiedenen Social-Media-Kanälen aktiv. Ich glaube, dass die Digitalisierung auch eine andere Entwicklung verstärkt hat: Je mehr Zeit wir alle im Netz verbringen, desto beliebter werden Veranstaltungen, die live und damit einmalig sind. Wir sind mit dem ZEITmagazin regelmäßig unterwegs, Moritz von Uslar beispielsweise mit der Liveversion seiner Interviewreihe 99 Fragen, unser Style Director Tillmann Prüfer mit seiner ZEITmagazin-Modekonferenz zum Auftakt der deutschen Modewoche und Elisabeth Raether mit ihrem Wochenmarkt-Buch. Als Hillary Clinton zuletzt in Deutschland war, haben wir ein Live-Gespräch mit ihr in einem Berliner Theater gemacht, das innerhalb weniger Tage ausverkauft war. Und im April führen wir erstmals den ZEIT Kochtag durch, mit mehreren Veranstaltungen in verschiedenen Städten.

6. Wie verdient der Großteil der Medien künftig Geld?

Kluge Verlagsleiter sorgen dafür, dass ihre Häuser möglichst breit aufgestellt sind. Das Zentrum werden Vertrieb und Werbung bleiben, wobei das je nach Medium sehr unterschiedlich gewichtet sein kann. Von einer Zeitschrift, die ihr Geld vor allem über die hohe Auflage verdient und kaum Anzeigen hat, bis zu einem kleinen Magazin, das eine Nische besetzt und vor allem von Anzeigen lebt. In den USA boomt zurzeit das sogenannte Native Advertising, ich halte das für den falschen Weg. Die Grenzen zwischen Redaktion und Anzeigen müssen klar gezogen sein und auch bleiben. Alles andere führt zwangsläufig zum Verlust der Glaubwürdigkeit – und schwupps sind auch die Leser weg.

Wir können über Social Media unsere Bekanntheit erhöhen und neue Leser gewinnen. Anfang des Jahres hat mein Kollege Matthias Kalle in einer Titelgeschichte den Moderator Jan Böhmermann porträtiert, eine exklusive Geschichte im Vorfeld von Böhmermanns neuer Late-Night-Show. Da konnte man wunderbar auf Twitter lesen, wie viele seiner jungen Fans plötzlich auf der Suche nach der ZEIT-Ausgabe waren, sinngemäß: „Jetzt bin ich hier in meinem Dorf an zwei Kiosken gewesen, und diese ZEIT ist schon ausverkauft. Wo kann ich denn diese ZEIT noch kaufen?“ Das waren Teenager, die durch die Geschichte – von der sie wahrscheinlich über Freunde auf Twitter, Facebook oder Instagram erfahren haben – zum ersten Mal überhaupt in Kontakt mit der ZEIT gekommen sind.

7. Wie sehen deiner Ansicht nach journalistische Inhalte und die Angebotslandschaft in fünf Jahren aus?

Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Wenn Ihnen jemand auf diese Frage antwortet, er wisse, wie die Medienlandschaft dann aussieht, kann ich nur raten: Sei skeptisch. Kaum jemand in Deutschland hat Buzzfeed vorausgesehen, aber eben auch nicht Landlust oder Flow. Und ist das nicht herrlich? Man kann jeden Tag auf eine neue, zündende Idee kommen, die erfolgreich ist, ob digital oder gedruckt. Während der Berlinale vor anderthalb Jahren war ich mit der legendären französischen Fotografin Brigitte Lacombe Mittagessen, die in New York lebt, dort für Magazine wie Vanity Fair und New York arbeitet – und seit Kurzem ab und zu auch für uns. Brigitte sagte sehr freundliche Worte über unser Heft, über die Themen, das Design, die Fotografie, und dann sagte sie: „I wish I could read it.“ Ich dachte: Recht hat sie! Wir haben viele Interviews, Reportagen, Modestrecken im ZEITmagazin, die für ein internationales Publikum genauso interessant sind wie für Leser in Deutschland. Daraus ist die Idee für ein internationales Heft entstanden, mit den besten Geschichten der vergangenen Ausgaben, die wir ins Amerikanische übersetzen, neu zusammenstellen und veröffentlichen.

„Könnt ihr bitte aufhören, auf Facebook darüber zu schreiben? Wir sind ausverkauft.“

Stefanie Hauer, die Verlagsleiterin der ZEIT, hatte eine geniale Idee für den Untertitel des Magazins: „The Berlin State of Mind“. Im Ausland ist das Interesse an Berlin ja ungebrochen groß, auch wenn wir uns in Deutschland selbst manchmal darüber wundern. Knapp vier Wochen nach der Veröffentlichung der ersten Ausgabe meldete sich ein Kollege aus dem Vertrieb: „Könnt ihr bitte aufhören, auf Facebook darüber zu schreiben? Wir sind ausverkauft.“ Daraufhin haben wir beschlossen, das Magazin zweimal im Jahr zu machen, im Frühjahr und im Herbst. Ende März erscheint die nächste Ausgabe, erstmals auch mit Beiträgen, die exklusiv für diese Ausgabe geschrieben wurden, unter anderem ein Gespräch mit Lena Dunham, die wir zu einem Bühnentalk in Berlin zu Gast hatten. Da schließt sich der Kreis dann von einer Veranstaltung zurück ins Heft.

8. Welches Medium fehlt deiner Meinung nach noch auf dem heutigen Markt?

Ich habe da tatsächlich ein, zwei Ideen. Du musst mir aber verzeihen, dass ich sie dir hier nicht verrate.

Über #ZukunftDesJournalismus

Mobiles Internet, immer leistungsfähigere Smartphones, neue Nachrichtendienste: Die Medienlandschaft verändert sich rasant und mit ihr der Journalismus. Viele Fragen bewegen die Branche: Ist die Tageszeitung ein Auslaufmodell, weil die jüngeren Zielgruppen aktuelle Nachrichten nur noch auf mobilen Endgeräten konsumieren? Erledigen bald Schreibroboter typische Routineaufgaben und machen damit einen Teil der Redakteure überflüssig? Mit welchen neuen journalistischen Darstellungsformen können Menschen erreicht werden, die immer weniger lesen und nur noch Bilder anschauen?

Gemeinsam mit Journalisten und Medienmachern aus ganz unterschiedlichen Richtungen wagt OSK einen Blick in die Zukunft des Journalismus. Das Prinzip ist immer das gleiche: acht Fragen, acht Antworten. Stück für Stück entsteht so ein Bild, das belastbare Aussagen zu entscheidenden Trends von morgen und übermorgen ermöglicht.

Hier gelangt ihr zu den anderen Teilen der Serie „8 Fragen zur Zukunft des Journalismus“.

via www.osk.de

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Carsten Christian