Trends | t3n News News, Infos, Tipps und aktuelle Artikel zu Trends 2014-10-18T09:00:19Z t3n Redaktion http://t3n.de/tag/trends Die 10 beliebtesten Artikel der Woche: Edward Snowden, Lollipop und die heißesten Tech-Trends 2015 http://t3n.de/news/10-beliebtesten-artikel-woche-51-572857/ 2014-10-18T09:00:19Z
Trotz Apple-Leak, Apple-Keynote und diverser Launches aus dem Hause Google geht der erste Platz unseres wöchentlichen Artikel-Rankings ganz klar an jemand anderen: Edward Snowden mit seiner …

Trotz Apple-Leak, Apple-Keynote und diverser Launches aus dem Hause Google geht der erste Platz unseres wöchentlichen Artikel-Rankings ganz klar an jemand anderen: Edward Snowden mit seiner Warnung vor Dropbox und Co. Außerdem beliebt: Kostenlose WordPress-Themes für Responsive Design, ein 23jähriger, der 500.000 Dollar im Jahr mit Twittern verdient und Beispiele für kreative Visitenkarten.

1. Edward Snowden: „Vernichtet eure Dropbox, vermeidet Facebook und Google“

Edward Snowden im Interview über Dropbox, Google und Co. (Screenshot: YouTube/The New Yorker)

In einem Interview im Rahmen der Präsentation des Dokumentarfilms „Citizenfour“ hat Edward Snowden noch einmal eindringlich vor dem Benutzen von Services wie Dropbox gewarnt. Facebook und Google seien „gefährliche Dienste“.

Unser Artikel: Edward Snowden: „Vernichtet eure Dropbox, vermeidet Facebook und Google“

2. Diese kreativen Bewerbungen stechen aus der Masse heraus

Brandon Kleinman weiß, dass Personaler auf Facebook nach Informationen suchen. (Foto:  Brandon Kleinman-Facebook)

Es gibt so einige Bewerbungen im Netz, die in Sachen Kreativität und Einfallsreichtum kaum zu übertreffen sind. Sehr beliebt sind Bewerbervideos. Wir haben für euch zehn Beispiele kreativer Stellengesuche aus der Webwelt kuratiert.

Unser Artikel: So gewinnt man Aufmerksamkeit: 10 kreative Bewerbungen, die aus der Masse herausstechen

3. 40 kostenlose WordPress-Themes für Responsive Design

Responsive WordPress-Themes. (Screenshot: Am I Responsive?)

Das Angebot an kostenlosen Templates für die eigene Website wächst stetig. Auch die Auswahl an WordPress-Themes, die Responsive Webdesign unterstützen, ist inzwischen beachtlich. Zur besseren Übersicht hier eine Auswahl von 40 kostenlosen und responsiven WordPress-Themes.

Unser Artikel: 40 kostenlose WordPress-Themes für Responsive Design

4. Android 5.0 Lollipop: Diese Geräte werden mit Updates versorgt

Ein Update auf Android 5.0 Lollipop dürften wir auch von anderen Herstellern erwarten. (Foto: Motorola)

Google hat mit Lollipop die neuste Version seines Android-Betriebssystems vorgestellt. Die ersten Geräte auf Lollipop-Basis sind bereits bekannt. Darüber hinaus aber werden natürlich auch wieder viele Geräte der aktuellen Smartphone- und Tablet-Generation ein Update erhalten. Wir geben euch eine Übersicht darüber, welche Geräte definitiv mit einem Update versorgt werden.

Unser Artikel: Android 5.0 Lollipop: Diese Geräte werden mit Updates versorgt

5. UberFacts: Wie ein 23-Jähriger 500.000 Dollar im Jahr mit Twittern verdient

UberFacts-LogoUrsprünglich habe er sich im Frühjahr 2009 bei Twitter angemeldet, um Britney Spears zu folgen – weil diese ihm nicht zurückgefolgt sei und er nicht gewusst habe, was er twittern soll, habe er einfach Tweets mit Fakten abgesetzt. Das sagt Kris Sanchez: Der 23-jährige setzt unter dem Account UberFacts täglich zwischen 60 und 70 Tweets ab. Damit hat er im vergangenen Jahr 500.000 US-Dollar eingenommen.

Unser Artikel: UberFacts: Wie ein 23-Jähriger 500.000 Dollar im Jahr mit Twittern verdient

6. Leak: Apple enthüllt versehentlich das iPad Air 2 und das iPad mini 3

ipad-Wallpaper_ipad3wallpapersEigentlich lud Apple erst am Donnerstag zur Keynote auf dem firmeneigenen Campus. Per Livestream sollte die Bekanntmachung über neue Produkte weltweit live übertragen werden. Versehentlich wurden das iPad Air 2 und iPad mini 3 aber schon früher enthüllt: Die Screenshots für eine offizielle Anleitung für iOS 8 im iTunes Store wurden offensichtlich zu früh aktualisiert.

Unser Artikel: Warum auf die Keynote warten? Apple veröffentlicht Details zu iPad Air 2 und iPad mini 3

7. Gartner: Die heißesten Tech-Trends 2015

2015Die Analysten des IT-Marktforschungsinstituts Gartner haben auch dieses Jahr wieder einen Blick in die Glaskugel geworfen und die zehn strategisch wichtigsten Technologie-Trends für das kommende Jahr definiert.

Unser Artikel: Das sind die heißesten Tech-Trends für 2015: Gartner blickt in die Zukunft

8. Ein Augenschmaus: 50 minimalistische und inspirierende Visitenkarten

minimalistische visitenkartenSchlichtes Design funktioniert dieser Tage fast überall. Beliebt sind beispielsweise auch minimalistische Visitenkarten: Obwohl die kleinen Kärtchen heutzutage nicht mehr jedermanns Sache sind und immer häufiger durch Online-Profile ersetzt werden, gibt es viele Personen, die es etwas puristischer mögen. Wir haben die schönsten Beispiele für euch herausgesucht.

Unser Artikel: Ein Augenschmaus: 50 minimalistische und inspirierende Visitenkarten

9. Skandal um den Kickstarter-Stürmer Anonabox?

anonabox_tor_4Zunächst wurde er als Kickstarter-Rakete gefeiert: Der angeblich quelloffene Tor-Router hat sein Finanzierungsziel schon früh weit übertroffen. Doch schon 27 Tage vor Ende der Crowdfunding-Kampagne mehren sich die Zweifel an dem Projekt.

Unser Artikel: Zweifel an Anonabox: Ist der Tor-Router der nächste Kickstarter-Skandal? [Update]

10. 20 praktische Erweiterungen für den Chrome-Browser

google-chromeGoogles Chrome-Browser hat nicht zuletzt wegen der vielen praktischen Erweiterungen einen so starken Höhenflug in den letzten Jahren erlebt. Wir haben euch 20 der besten Chrome-Erweiterungen herausgesucht. Ergänzungen welcome!

Unser Artikel: 20 praktische Erweiterungen für den Chrome-Browser

 

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Lea Weitekamp
Das sind die heißesten Tech-Trends für 2015: Gartner blickt in die Zukunft http://t3n.de/news/gartner-tech-trends-fuer-2015-571407/ 2014-10-13T08:56:40Z
Die Analysten des IT-Marktforschungsinstituts Gartner haben auch dieses Jahr wieder einen Blick in die Glaskugel geworfen und die zehn strategisch wichtigsten Technologie-Trends für das kommende …

Die Analysten des IT-Marktforschungsinstituts Gartner haben auch dieses Jahr wieder einen Blick in die Glaskugel geworfen und die zehn strategisch wichtigsten Technologie-Trends für das kommende Jahr definiert.

Gartner: Das sind die 10 Top-Tech-Trends für 2015

Ein strategischer Trend ist für Gartner eine Entwicklung, die in den nächsten drei Jahren für die meisten Unternehmen relevant werden wird. Auch wenn sie vielleicht noch nicht innerhalb der nächsten Monate zu Veränderungen zwingt, raten die Analysten dennoch dazu, sich mit den vorgestellten auseinanderzusetzen und gegebenenfalls das eigene Unternehmen betreffende Entscheidungen zu fällen.

Diese zehn strategischen Tech-Trends hat Gartner für 2015 identifiziert:

1. Computing Everywhere

Aus der Tatsache, dass Nutzer heutzutage quasi ständig von Computern umgeben sind und in jeder Situation auf deren Rechenleistung zurückgreifen möchten, ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten für Unternehmen – aber auch Herausforderungen, so Gartner. Immerhin verlieren die Anbieter „die Kontrolle über die Endgeräte beim Nutzer“ und müssen sich stärker mit User-Experience-Design und dem Nutzungskontext ihrer Apps und Software auseinandersetzen.

2. Das Internet der Dinge

In eine ähnliche Richtung weist Nummer zwei der von Gartner definierten Top-Tech-Trends für 2015: Das Internet of Things, das den menschlichen Alltag im nächsten Jahr noch stärker durchziehen wird als bisher. Für Unternehmen ergeben sich aus dieser Entwicklung neue Nutzungs- und Geschäftsmodelle für ihre physischen Produkte und ihre IT-Systeme.

3. 3D-Druck

Laut Gartner wird die weltweite Auslieferung von 3D-Druckern 2015 um 98 Prozent zulegen. In den nächsten drei Jahren werde der 3D-Druck seinen Höhepunkt erreichen, so das Unternehmen. Vor allem in puncto kostengünstiges Design, Prototyping und in der Herstellung ist das Thema 3D-Druck auch für Unternehmer sehr relevant.

Der Micro 3D, ein erschwinglicher 3D-Drucker. (Quelle: themicro3d.com)
Der Micro 3D, ein erschwinglicher 3D-Drucker. (Quelle: themicro3d.com)

4. Neue Formen der Datenanalyse

„Der Big-Data-Trend braucht einen neuen Fokus: Zuerst die großen Fragen, die großen Antworten, und dann die Daten.“ Hiermit spielt Gartner auf den bisher oftmals unreflektierten Umgang mit den verfügbaren großen Datenmengen an. Denn diese sind nur wertvoll, wenn man weiß, welche Fragen man stellen kann – und wie man in der Analyse entsprechend vorgeht. Wie die Marktforscher voraussagen, werden Methoden und Ansätze der Datenanalyse in den nächsten Jahren entsprechend dazulernen.

5. Kontextbasierte Systeme

Immer mehr Menschen nutzen vernetzte Systeme, die Informationen mit Hilfe von Sensoren zusammentragen, dazulernen und die Nutzer so besser durch ihren Alltag begleiten können. Laut Gartner wird dieses Nutzungsverhalten in Zukunft noch zunehmen. Ein frühes Anwendungsbeispiel sind kontextsensitive Sicherheitssysteme.

6. Intelligente Maschinen

Schon heute gibt es autonome Fahrzeuge, versierte Roboter oder virtuelle Assistenten. In Zukunft werden wir noch deutlich mehr dieser „smarten“ Helfer sehen – egal, ob sie den Alltag erleichtern oder die Kombination aus Kontextsensitivität, Datenanalyse und autonomem Handeln die unternehmensinternen Prozesse verbessert. „Die Ära der intelligenten Maschinen wird die disruptivste in der Geschichte der IT sein“, prophezeit Gartner.

Googles selbstfahrender Zweisitzer kommt ohne Lenkrad und Bremse aus.
Ein Beispiel für intelligente Maschinen: Googles selbstfahrender Zweisitzer.

7. Cloud Computing

Die Cloud wird Unternehmen auch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen, nicht zuletzt, weil sie eine wichtige Säule des Ubiquitous Computing darstellt. Vor allem die Synchronisation von Inhalten über verschiedene Endgeräte hinweg ist eine Baustelle, mit der viele Anbieter entsprechender Software sich noch eingehend beschäftigen müssen.

8. Software-Defined Applications and Infrastructure

Die Ansprüche an die Infrastrukturen digitaler Anbieter sind nicht immer gleich – vielmehr gibt es Zeiten mit massiver und Phasen geringer Auslastung. Diesen flexiblen Anforderungen können Unternehmen mit Software-Defined-Networking begegnen, einer Methode, bei der die unteren Funktionsebenen eines Netzwerkes in virtuelle Services ausgelagert werden. Solche dynamischen Modelle werden in Zukunft immer wichtiger, so Gartner.

9. Web-Scale IT

Immer mehr Unternehmen werden für ihre internen Prozesse eigene, hochgradig flexible und skalierbare Infrastrukturen brauchen – wie etwa Amazon, Google und Facebook es bereits vorgemacht haben. Der Weg zu skalierbaren Webanwendungen führt nach Ansicht von Gartner für die meisten Unternehmen über DevOps – die Synchronisierung von Anwendungsentwicklung und IT-Betrieb.

10. Risikobasierte Sicherheits- und Schutzmaßnahmen

Langsam dringt die Erkenntnis, dass es im Netz keine allumfassende Sicherheit gibt – und das man im Versuch, diese zu etablieren, Fortschritte verhindert – zu immer mehr Unternehmen durch. Gartner sieht die Zukunft im Bereich Web Security daher auf der Ebene der Anwendungsentwicklung: „Segmente und Firewalls reichen nicht mehr aus; jede App muss ich-bewusste und selbstschützende Funktionalitäten aufweisen.“

Die Infografik zeigt noch mal alle Top-Tech-Trends für 2015 – zum Vergrößern einfach anklicken.

Die Top-Tech-Trends für 2015. (Grafik: Gartner)
Die Top-Tech-Trends für 2015. (Grafik: Gartner)

 

via netzwertig.com

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Lea Weitekamp
Self-Publishing: Wie ein Trend den Buchmarkt erobert [Frankfurter Buchmesse] http://t3n.de/news/self-publishing-trend-buchmarkt-569444/ 2014-10-11T11:00:29Z
Self-Publishing, also das Verlegen ohne Verlag, ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch, auch auf der Frankfurter Buchmesse. Wir haben uns vor Ort umgehört und festgestellt: Aus dem Trend ist …

Self-Publishing, also das Verlegen ohne Verlag, ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch, auch auf der Frankfurter Buchmesse. Wir haben uns vor Ort umgehört und festgestellt: Aus dem Trend ist längst eine eigene, kleine Branche geworden.

Self-Publishing: Steigender Marktanteil, sinkende Erträge

Auf der Frankfurter Buchmesse gibt es eine eigene Self-Publishing-Area. (Foto: Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann)
Auf der Frankfurter Buchmesse gibt es eine eigene Self-Publishing-Area. (Foto: Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann)

Brauchen Autoren heute noch Verlage? Ganz sicher – und doch kann es eine gute Idee sein, das eigene Buch selbst zu verlegen und zu vermarkten. Und so erobern immer mehr Self-Publisher einen Markt im Umbruch, nicht umsonst gibt es seit 2013 eine eigene Self-Publishing-Area auf der Frankfurter Buchmesse.

„Self-Publishing boomt“, konstatiert auch Florian Geuppert, Geschäftsführer bei Books on Demand. „Bereits heute ist jedes zweite E-Book und jedes vierte Printbuch in Deutschland selbstverlegt – Tendenz steigend.“ Und dank neuer Drucktechnologie könnten Autoren ihre Bücher heute auch bei höheren Seitenzahlen für unter zehn Euro anbieten. Um den Markt allerdings voll ausschöpfen zu können, sei ein entscheidender Faktor der breite Vertrieb, so Barbara Thiele, CEO von epubli: „Es wird immer wichtiger, in allen Shops verfügbar zu sein. Dazu zählen neben den großen Plattformen wie Apple, Google, Amazon und Kobo auch Leihmodelle wie Skoobe. Der Amazon-Streit zeigt, dass man nicht nur auf einen Vertriebspartner setzen sollte.“

Self-Publishing: Warum sich der Buchhandel noch schwer tut

„Ich kann als kleine Buchhandlung nicht den ganzen Buchmarkt abbilden.“

Auch auf der Buchmesse 2014 wird das Thema Self-Publishing breit diskutiert. Auch, weil Self-Publishing einen steigenden Marktanteil bei Printbüchern hat – und obwohl der Ertrag pro Titel sinkt. Und unter anderem der traditionelle Buchhandel tue sich mit dem Trend, der schon fast keiner mehr ist, nach wie vor schwer, so Sönke Schulz vom Self-Publishing-Dienstleister tredition: „Aus unserem Gesamtkatalog sind ungefähr 65 Prozent Fach- und Sachbücher, und da ist die Platzierung im Handel noch mal schwerer, da funktioniert auch die Suche bei den Lesern ganz anders. Da fehlt es mir noch ein bisschen auf Buchhändlerseite, mit einem Konzept auf uns zuzukommen und zu überlegen, wie man Self-Publishing-Formate besser vermarkten kann.“ Die großen Verlage hätten da Jahrzehnte an Erfahrung. „Wir als Self-Publishing-Diensleister sind da sehr unerfahren, aber sehr offen.“

Dem hält Buchhändlerin Elisabeth Windfelder von der Buchhandlung Herr Holgersson entgegen: „Ich kann als kleine Buchhandlung nicht den ganzen Buchmarkt auf 100 Quadratmetern abbilden. Ich muss auch gucken, was die Leute vor Ort haben wollen. Das ist gar keine grundnegative Haltung gegenüber Self-Publishern, sondern das ganz normale Auswahlverfahren.“

„Es geht auch um die Akzeptanz als Autor“

Selbst drucken? Das muss heute niemand mehr. (Foto: Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann)
Selbst drucken? Das muss heute niemand mehr. (Foto: Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann)

„Man muss hartnäckig sein und vieles ausprobieren.“

In der Branche spielt man sich (noch) gegenseitig den schwarzen Peter zu. Tamara Weise vom Börsenblatt jedenfalls sieht eher die Self-Publisher in der Pflicht, für die Sichtbarkeit im Handel selbst zu sorgen: „Buchhändler sind das Arbeiten mit Katalogen gewöhnt. Ich fände es besser, wenn sich die Self-Publisher zusammentun und sich was überlegen.“

Autor Gerrit Fischer zumindest beweist, dass Self-Publishing durchaus funktionieren kann: 1.300 Stück seiner beiden Romane habe er schon verkaufen können, über den klassischen Buchhandel seien es gerade mal 100 bis 150 Stück davon gewesen. „Doch es geht nicht nur um die Verkaufszahlen“, betont er. „Es geht auch um die Akzeptanz als Autor und die Präsenz im Handel. Das Wichtigste ist, eine geringe Erwartungshaltung zu haben. Ich will nicht verschweigen, dass viele Buchhandlungen gar nicht reagieren, da muss man hartnäckig sein und vieles ausprobieren.“

Self-Publishing – auch juristisch ein weites Feld

„Gerade bei Büchern und Zeitschriften liegt die Hürde für den Titelschutz sehr niedrig.“

Doch auch rechtliche Fragen stellen sich für all diejenigen Autoren, die ihre Bücher selbst verlegen und vermarkten wollen. „Darf ich das?“ überschrieb Medienrechtler Richard Hahn seinen Vortrag, in dem er klar stellte, dass viele der Aufgaben, die sonst von Verlagen übernommen werden, beim Self-Publishing nicht vergessen werden dürften.

So gebe es unter anderem beim Titelschutz einen sehr großen Graubereich, „aber gerade im Buch- und Zeitschriftenbereich liegt die Hürde für den Titelschutz sehr niedrig.“ Und bei Rechtsstreitigkeiten müsse man mit mehreren Tausend Euro rechnen, die es aufzubringen gilt, „bei einer Abmahnung alleine schon mit 1.000 bis 1.500 Euro“. Nicht zu vergessen: Auch an ein Impressum im Buch müssent Autoren achten, betont Hann – und verweist auf eine Vorlage des Dienstleister Books on Demand.

Self-Publishing ist auch Self-Marketing

Autorin Emily Bold. (Foto: emilybold.de)
Autorin Emily Bold. (Foto: emilybold.de)

Neben den technischen und rechtlichen Fragen ist auch das Selbst-Marketing von Autoren entscheidend für den Erfolg eines Projekts. Autorin Emily Bold weiß das nur zu gut. „Am Anfang war mir gar nicht bewusst, dass ich eine Marke werden muss.“, sagt sie und fügt hinzu: „Bei den klassischen Verlagen aber sind ja auch die Autoren die Marken. Dabei muss das Konzept über alle Kanäle stimmig sein – vom Cover über die Homepage bis zu Kanälen wie Facebook oder YouTube.“

Und auch Autor Danny R. Wood hat schon oft genug erfahren, wie groß der Einfluss des Marketings sein kann. Er ist ungewöhnliche Wege gegangen, um Marketing für sein Buch „Limetten retten in Sidney“ zu betreiben: So hat er nicht nur bei lokalen Buchhändlern Klinken geputzt, sondern beispielsweise auch Bars in München angesprochen, ob sie nicht einen eigenen Longdrink für seinen Roman kreieren wollen. „Und da sagen einige nein, aber einige eben auch ja.“ Absagen gehörten einfach dazu. Davon dürfe man sich eben nicht entmutigen lassen. Und: Man dürfte nicht alles mitmachen, bloß weil es den Verkauf ankurbeln kann, so Bold: „Marketing um jeden Preis ist nicht meine Sache. Man sollte das Produkt verkaufen, nicht sich selbst.“

Wood und Bold betonen zudem beide, dass Marketing nur dann funktioniere, wenn das Ganze funktioniert – vor allem der Vertrieb. Und: Es gehöre immer auch ein gutes Stück Glück dazu. „Ich glaube, das passiert einfach. Sich vorzunehmen, eine Marke zu werden – das funktioniert glaube ich nicht“, sagt Bold. Beginne eine Marke aber erst einmal, sich zu etablieren, so Autor Heinz-Josef Harling, werde es spannend. „Man stellt spätestens beim zweiten Buch fest, dass das zweite Buch das erste Buch treibt.“ Und auch mit negativen Rezensionen, etwa auf Amazon, müsse man nicht nur leben, man könne es auch ganz wunderbar, wie er bei seinem ersten eigenen Krimi festgestellt hat: „Die Woche, nachdem der Verriss drin war, hat sich der richtig gut verkauft.“

„Da draußen ist noch viel, viel mehr“

Wie schwammig die Definition Self-Publishing bei allem Erfolg einzelner Autoren noch ist, zeigt das Beispiel Oetinger. Im März hat der Kinder- und Jugendbuch-Verlag seine Plattform „Oetinger 34“ gestartet, ein Projekt, das noch in einer geschlossenen Beta-Phase läuft und das von der Fachpresse schnell als Self-Publishing-Plattform bezeichnet wurde. „Ich glaube, die meisten Leute assoziieren Digitales Publising mit Self-Publishing“, sagt Tea Herovic, Business-Development-Managerin bei Oetinger. „Das ist etwas, an dem wir uns wirklich abgearbeitet haben mit Oetinger 34.“

Eigentlich nämlich ist Oetinger 34 eine Plattform, die Autoren, Illustratoren, Lektoren und Lesern die Möglichkeit bieten soll, gemeinsam an neuen Projekten zu arbeiten. „Scouts und Agenten finden nach wie vor tolle Sachen, aber da draußen ist noch viel, viel mehr“, so Herovic. „Und mit der Plattform können wir einfach schneller reagieren, auch auf Trends.“

Darüber hinaus aber soll Oetinger 34 auch ein Türöffner sein für Berufe wie Lektoren, für die der Markt unglaublich eng sei. „Wir bieten damit so etwas an wie kleine Volontariate“, sagt Herovic. Und der Erfolg gibt ihrem Projekt Recht: „Wir mussten sogar schone eine Projektbegrenzung einführen: maximal fünf Projekte für Illustratoren und drei für Autoren. Immerhin arbeiten unsere aktuell 200 User an etwa 170 Projekten.“ Und: Die ersten sechs Titel haben es schon ins Verlagsprogramm geschafft.

Und wer jetzt Lust bekommen hat, sein eigenes Self-Publishing-Projekt auf die Beine zu stellen: In unserem Artikel „Self-Publishing: 10 Tipps für ein erfolgreiches E-Book-Projekt“ findet ihr einige hilfreiche Ratschläge.

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Florian Blaschke
Happy Birthday: Drei Jahre Native Advertising im Überblick [Infografik] http://t3n.de/news/native-advertising-infografik-570741/ 2014-10-09T08:26:34Z
Native Advertising feiert als Trend und Buzzword seinen dritten Geburtstag – obwohl das Format eigentlich schon deutlich älter ist. Mit einer aktuellen Infografik, die einen Überblick zur …

Native Advertising feiert als und Buzzword seinen dritten Geburtstag – obwohl das Format eigentlich schon deutlich älter ist. Mit einer aktuellen , die einen Überblick zur Entwicklung gibt, wird den nativen Werbeformaten auf charmante Art gratuliert.

Das Werbeformat Native Advertising ist ein alter Hut – das Buzzword Native Advertising hingegen steckt noch in den Kinderschuhen. Letzterem widmet sich eine Infografik zum dritten Geburtstag von Native Advertising von Sharethrough, die auf die wichtigsten Stationen des Werbeformats in der modernen Definition eingeht.

Was ist eigentlich Native Advertising?

Seit einigen Jahren verkaufen Publisher vermehrt native Werbeformate. Grob vereinfach handelt es sich dabei meist um von Unternehmen finanzierte Artikel, die idealerweise deutlich als Werbung gekennzeichnet sind. Buzzfeed verkauft derartige Werbeartikel als „Custom Social Content“, wir bei t3n nennen sie „Sponsored Posts“. Lars Budde hat auf t3n eine Auswahl an besonders gelungenen Beispielen für Native Advertising zusammen getragen.

Das größte Problem an nativen Anzeigen ist auch heute noch der Mangel an einer wirklich klaren Definition. Native Advertising ist ein Werbeformat mit Tradition, immerhin gab es schon vor vielen Jahren in diversen Printprodukten sogenannte „Advertorials“. Heute kennen viele Nutzer native Anzeigen vor allem von Plattformen wie Facebook, die mit „bezahlten Beiträgen“ experimentieren – ein klassischer Fall von Native Advertising. Eine halbwegs befriedigende Definition findet sich im „Native Advertising Playbook “ des Interactive Advertising Bureau (IAB). Nähere Informationen dazu findet ihr im t3n-Artikel Native Advertising: Das Allheilmittel des digitalen Publishings?

Native Advertising im Überblick

Streng genommen handelt es sich bei der Infografik zur Entwicklung von Native Advertising ebenfalls um ein natives Werbeformat – immerhin wurde die Grafik vom Unternehmen Sharethrough erstellt, das sich nicht nur als Brand auf der Infografik wiederfindet, sondern sogar Teil der Infografik zur Entwicklung von Native Advertising ist.

Ein Klick auf den Ausschnitt öffnet die vollständige Infografik.

Drei Jahre Native Advertising im Überblick. (Bild: Sharethrough)
Drei Jahre Native Advertising im Überblick. (Bild: Sharethrough)
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Sébastien Bonset
Ad Technology: Der einzige Trend, den Rocket verschläft http://t3n.de/news/ad-technology-einzige-trend-569587/ 2014-10-01T08:51:49Z
Der Internet-Gigant ist eigentlich nicht dafür bekannt, Gelegenheiten ungenutzt zu lassen – aber auf dem Adtech-Auge ist er blind.

Der Internet-Gigant ist eigentlich nicht dafür bekannt, Gelegenheiten ungenutzt zu lassen – aber auf dem Adtech-Auge ist er blind.

Im Bereich Ad Technology setzt Rocket auf externe Partner

Die Firmenzentrale von Rocket Internet in Berlin. Warum lässt der Konzern den Bereich Ad Technology links liegen? (Foto: Rocket Internet)
Die Firmenzentrale von Rocket Internet in Berlin. Warum lässt der Konzern den Bereich Ad Technology links liegen? (Foto: Rocket Internet)

1,6 Milliarden Euro – diese Summe könnte Rocket Internet möglicherweise mit einem Börsengang im Oktober einsammeln. Das Berliner Unternehmen will die größte Internet- und E-Commerce-Plattform abseits der USA und China bauen, inklusive der dafür notwendigen Infrastruktur. Doch im Bereich der Online-Werbetechnologie setzt Rocket nicht auf proprietäre Lösungen, sondern auf die Zusammenarbeit mit Partnern. Damit lässt das Unternehmen möglicherweise viel Geld liegen.

„Rocket baut seine Infrastruktur selbst – warum nicht auch die Werbe-technologie?“

„Wir bauen unsere eigene Infrastruktur, um jeden Schritt des E-Commerce-Modells zu unterstützen“, heisst es aktuell auf der Website von Rocket Internet. Dazu gehören eigene Warenlager und Zusteller. „Wir tun was immer notwendig ist. Wenn es notwendig ist, in Pakistan eine eigene Post aufzubauen, machen wir das“, sagte Rocket-CEO Oliver Samwer im November 2013 bei einer Konferenz in London. Die Plattform des Unternehmens umfasst auch eine technologische „Plug-and-Play-Lösung“, mittels derer sich die Manager der jeweiligen Startups auf ihr Geschäft und den lokalen Markt konzentrieren können sollen. Doch eine eigene Online-Werbetechnologie ist nicht Teil dieser Plattform, obwohl Online Marketing doch gerade im E-Commerce ein erfolgskritischer Faktor ist.

Rocket agiert in diesem Bereich stattdessen mit Rahmenvereinbarungen mit Technologieanbietern, wie sich im Börsenprospekt des Unternehmens nachlesen lässt (Seite 33). Zu den Partnern gehören unter anderem Google, Facebook, Salesforce und Responsys. Weitere Infos dazu, mit welchen Adtech-Partnern das Unternehmen zusammenarbeitet, finden sich in einem im Mai dieses Jahres öffentlich gewordenen PDF zur Strategie des Unternehmens:

Die Partner von Rocket Internet im Bereich Ad Technology. (Grafik: Rocket Internet)
Die Partner von Rocket Internet im Bereich Ad Technology. (Grafik: Rocket Internet)

Rocket hat geholfen, Criteo und Sociomantic groß zu machen

Dass Rocket im Adtech-Bereich auf Eigenentwicklungen und Beteiligungen verzichtet, ist aus mehreren Gründen erstaunlich. Der Inkubator könnte von Eigengewächsen im Adtech-Bereich finanziell durchaus profitieren: Da Rocket sowieso maßgeblich zum Erfolg und Wachstum der Online-Werbedienstleister beiträgt, lässt der Inkubator an dieser Stelle quasi Einkommenspotenziale ungenutzt.

„Die Exit-Volumina zeigen, dass sich Beteiligungen im AdTech-Bereich hätten lohnen können.“

Unternehmen wie Criteo und Sociomantic sind durch Dienstleistungen für Rocket Internet stark gewachsen. Die ehemalige Rocket-Beteiligung Zalando dürfte gemeinsam mit Criteo das Thema Retargeting in Europa erst groß gemacht haben. Die Expansion des Realtime-Bidding-Dienstleisters Sociomantic folgte augenscheinlich den internationalen Aktivitäten von Rocket. Efficient Frontier (seit Anfang 2012 Teil von Adobe) dürfte einen beträchtlichen Anteil seines Geschäfts außerhalb der USA den Portfolio-Firmen von Rocket verdanken. Im Affiliate Marketing investiert Rocket relevante Budgets bei Zanox und Commission Junction.

Die bisherigen Exit-Volumina von Rocket-Partnern aus dem Adtech-Bereich zeigen, dass sich Beteiligungen in diesem Bereich hätten lohnen können: Adobe zahlte für Efficient Frontier 400 Millionen US-Dollar, Criteo sammelte im Rahmen des Börsengangs 251 Millionen US-Dollar ein und für die Übernahme von Sociomantic sollen bis zu 200 Millionen US-Dollar geflossen sein. Dass Rocket Internet solche Chancen bisher ungenutzt ließ, verwunderte Anfang des Jahres sogar die branchenfremde Tageszeitung „Berliner Morgenpost.“

Group Managing Director Alexander Kudlich. (Foto: Rocket Internet)
Group Managing Director Alexander Kudlich. (Foto: Rocket Internet)

Auch wenn Rocket Internet als harter Verhandlungspartner im Markt bekannt ist und den Dienstleistern häufig den niedrigsten Preis abverlangt, dürften die Spendings bei den Adtech-Partnern immer noch signifikant sein. Die gleichen Summen könnte der Inkubator in eigene Adtech-Beteiligungen investieren und damit deren Wachstum befeuern. Das notwendige Know-how dafür wäre vorhanden: Group Managing Director Alexander Kudlich war mehrere Jahre in führender Position beim Affiliate-Marketing-Netzwerk Zanox tätig, zu COO Johannes Bruders vorherigen Stationen gehört Google.

Potenzielle wertsteigernde Wirkung der Marke Rocket

Adtech-Ventures sind zudem entsprechend der Rocket-Logik normalerweise auch gut international skalierbar. Ein „Rocket-Branding“ würde der Vermarktung der Technologie der jeweiligen Firmen möglicherweise zusätzlichen Schub geben. Wie sehr Rocket Internet als Marke innerhalb der Online-Branche zieht, zeigt sich derzeit auf dem Arbeits- und Dienstleistermarkt: Vormalige Mitarbeiter (sei es auch nur als Praktikant) des Berliner Inkubators ködern mit angeblichem „Rocket-Know-how“ erfolgreich ihre nächsten Arbeit- oder Auftraggeber. Zumindest diese Blase dürfte eines Tages platzen.

„Die nächsten Erfolgsgeschichten aus dem Online Marketing dürften Mobile-Advertising-Startups schreiben.“

Die nächsten Erfolgsgeschichten aus dem Online Marketing dürften Mobile Advertising Startups schreiben – auch für Rocket ein hochrelevantes Thema. Denn das Firmenkonglomerat will künftig weltweit 74 Prozent aller Mobile User erreichen. Entsprechende Dienstleistungen im Technologiebereich auf B-to-B-Seite dürften also bei dem Berliner Unternehmen stark gefragt sein. Die Zeit wird zeigen, ob Rocket versuchen wird, diesmal von der Marktentwicklung zu profitieren.

Von Roland Eisenbrand. Ursprünglich publiziert bei Online Marketing Rockstars.

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Online Marketing Rockstars
Ephemeral-Trend: Snapchat und Facebook wollen Selfies vergessen, aber die NSA will Metadaten http://t3n.de/news/ephemeral-trend-snapchat-facebook-nsa-digitales-vergessen-569167/ 2014-09-29T06:00:04Z
Wenn es ein neues Hype-Wort im Social-Media-Bereich gibt, dann ist das „ephemeral”. Zu einer Zeit, in der sich Internetnutzer vom Überwachungsstaat und Big-Data-Unternehmen in die Enge getrieben …

Wenn es ein neues Hype-Wort im Social-Media-Bereich gibt, dann ist das „ephemeral”. Zu einer Zeit, in der sich Internetnutzer vom Überwachungsstaat und Big-Data-Unternehmen in die Enge getrieben fühlen, sollen Daten mit Ablaufdatum und Selbstzerstörungsfunktion wieder Vertrauen schaffen.

„Ephemerality” leitet sich von griechischen Wort „ephemeros” ab, das „etwas, das nur einen Tag anhält”, beschreibt und in Bezug auf vergängliche Dinge in der Geologie (zum Beispiel Korallenriffe, Flussverläufe) oder Biologie (zum Beispiel Eintagsfliege) verwendet wird. So, wie Geheimagenten Briefe bekommen, wie nach dem Lesen zu Asche verbrennen, soll man auch im Internet selbstzerstörende Botschaften verschicken können – aber wie gut wird da wirklich gelöscht?

Snapchat als Auslöser des Trends

Snapchat-Gründer Evan Spiegel hat den Ephemeral-Trend mit seiner App ausgelöst.  (Bild: Snapchat)
Snapchat-Gründer Evan Spiegel hat den Ephemeral-Trend mit seiner App ausgelöst. (Bild: Snapchat)

Im digitalen Business groß gemacht hat die Idee die Messaging-App Snapchat, bei der der User festlegen kann, dass ein verschicktes Bild oder Video zehn Sekunden, nachdem es der Empfänger angesehen hat, wieder löscht. Das Konzept dazu lieferte, da ist man als Österreicher ein wenig stolz drauf, vor allem der aus Salzburg stammende Professor und Autor Viktor Mayer-Schönberger, der bereits 2009 das Buch „Delete – Die Tugend des Vergessens im digitalen Zeitalter” veröffentlichte, also zwei Jahre vor der Gründung von Snapchat. Das ewige Speichern von Daten müsse aufhören, es sei „überlebenswichtig”, der Datensammelwut eine Löschung entgegen zu halten, so Mayer-Schönberger.

Der Erfolg von Snapchat, das heute mehr als 100 Millionen Nutzer hat und mit zehn Milliarden Dollar bewertet wird, hat eine ganze Reihe von Internet-Unternehmen dazu bewegt, ebenfalls Funktionen zum Vergessen einzuführen. Allen voran Facebook. Gründer Mark Zuckerberg scheiterte mit seinem Übernahmeversuch von Snapchat und versucht seither, mit eigenen Apps dagegen zu halten. „Poke” war ein erster, mittlerweile gescheiterter Versuch, Facebook-User-Fotos mit einer Selbstzerstörungsfunktion versenden zu lassen. Die diesen Sommer nachgelieferte App „Slingshot” ist der zweite Versuch, so etwas wie „Vergessen” in die größte Datensammlung der Menschheit einzubauen. Außerdem experimentiert Facebook mit einem Feature, bei dem auch herkömmliche Postings mit Ablaufdatum versehen werden können.

Auch Facebook will „ephemeral” werden

Neben Facebook gibt es viele andere Messaging-Apps, die „ephemeral” sein wollen und entsprechende Funktionen verbaut haben, etwa Path, Blink, Wickr, Frankly, Gryphn, Confide, Ansa, Line oder WeChat. Die Annahme ihrer Macher: Wenn wir die Daten der Nutzer nicht ewig speichern, dann sind sie im Prism-Zeitalter eher gewillt, unsere Dienste zu nutzen.

Doch kann man den angeblich vergesslichen Apps auch trauen? Wer sich näher mit dem Vorreiter der Ephemeral-Welle auseinandersetzt, weiß, dass diese Vergesslichkeit ziemlich löchrig ist. Zum einen können Smartphones Screenshots machen und Bilder, die eigentlich zur Löschung vorgesehen sind, andernorts speichern. Snapchat versucht immerhin, den User zu warnen, wenn ein solcher Screenshot vom Empfänger der Nachricht gemacht hat. Bei Snapchat und anderen Apps muss man außerdem den Finger aufs Display halten, um die Fotos anschauen zu können, was erschweren soll, dass man nebenbei die Tastenkombination für die Screenshot-Funktion drückt – unmöglich ist es aber nicht.

Wo die Daten wirklich landen

Snapchat und Co. versuchen letztlich, die Verantwortung an den User auszulagern („Wenn ich weiß, dass du einen Screenshot machst, dann werde ich dir nie wieder ein Bild schicken”). Denn die tatsächliche Löschung der vielleicht verräterischen Fotos und Videos können sie gar nicht garantieren. Ungeöffnete Snapchat-Nachrichten etwa verbleiben so lange auf den Servern der Firma (verwendet wird dazu übrigens der Google-Cloud-Dienst „App Engine”), bis sie der Empfänger öffnet oder 30 Tage verstrichen sind. Neben den Servern werden die Inhalte aber auch noch auf dem Smartphone des Empfänger gespeichert – auch hier ist eine Löschung nicht garantiert. „It’s sometimes possible to retrieve data after it has been deleted. So… you know… keep that in mind before putting any state secrets in your selfies”, lautet der schulterzuckende Rat des Snapchat-Teams diesbezüglich. Dass ungeöffnete Snaps bereits an die Behörden geliefert wurden, haben die Gründer des Startups ebenfalls eingestanden.

Die NSA will Metadaten, keine Selfies

Dass Snapchat zumindest versucht, den Content, den die User verschicken, so gut wie möglich zu löschen, ist aber eigentlich der falsche Weg. Wer den NSA-Skandal mitverfolgt hat, der weiß: Dem Geheimdienst geht es vor allem um Metadaten. Nicht die Nachricht an sich, sondern das Wer, Wann, Wo, Womit und mit Wem interessiert die staatlichen Spione. Und Daten dieser Art speichert Snapchat sehr wohl dauerhaft. Ein Blick in die Privacy Policy zeigt, dass die US-Firma Zeitpunkte, Kontakte, Location, Adressbuch, International Mobile Equipment Identity („IMEI”), Telefonnummer oder MAC-Adresse sammelt – also im Prinzip alles, was die NSA besonders gerne hat. Selbst die auf sehr hohe Sicherheitsstandards setzende App Wickr kommt nicht umhin, die Telefonnummern der Nutzer zu sammeln, um ihnen Verifizierungs-SMS (übrigens über einen Dritt-Anbieter) senden zu können.

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Jakob Steinschaden
Das halten Medienmacher vom Clickbaiting à la BuzzFeed und Co. [dmexco 2014] http://t3n.de/news/clickbaiting-leeren-versprechen-faengt-leser-566686/ 2014-09-12T10:15:54Z
Medien wie BuzzFeed oder ViralNova haben es vorgemacht, über Seiten wie Heftig schwappte der Trend auch nach Deutschland: Clickbaiting, emotional und inhaltlich überspitzte Headlines zur …

Medien wie BuzzFeed oder ViralNova haben es vorgemacht, über Seiten wie Heftig schwappte der auch nach Deutschland: Clickbaiting, emotional und inhaltlich überspitzte Headlines zur Klick-Generierung. Auch etablierte Medien experimentieren damit, eine Gefahr für Qualität und Seriosität? Wir haben uns auf der in Köln umgehört.

Clickbaiting: Beeindruckende Zahlen bei BuzzFeed und Co.

Zeitungskiosk in Rom. Foto: Ed Yourdon. Lizenz: CC-BY-SA.
Schon immer musste Journalismus sich verkaufen, auch über Headlines. (Foto: Ed Yourdon. Lizenz: CC-BY-SA)

16 Boob Facts That Will Blow You Away“. „The 25 Creepiest-Looking Animals In the world. Hello, Nightmares!“. „Er wollte nachts tauchen gehen. Aber was ihn aus den Untiefen bis nach oben verfolgt hat, ist etwas gruselig“. Headlines wie diese spalten die Geister. Genial oder nervtötend? Wie auch immer man zu diesem Trend steht, die Zahlen sind beeindruckend. BuzzFeed beispielsweise bezieht 75 Prozent seines Traffics aus Sozialen Netzwerken. Der deutsche Klon Heftig lag mit mehr als 2,6 Millionen Flies (Likes, Shares, Tweets et cetera) im Juni knapp hinter der BILD, die Monate davor hatte die Seite teilweise sogar vor dem Branchen-Primus gelegen. Und ViralNova hatte laut dem Analyse-Dienst SimilarWeb im August satte 63,9 Millionen Visits. Dreimal Clickbaiting in Reinform, drei Erfolgsgeschichten.

Doch ist das wirklich so neu, was sich derzeit – zum Teil auch in deutschen Medien – abspielt? Sebastian Matthes, Chefredakteur der deutschen Huffington Post, glaubt das nicht: „Mit dem Clickbaiting ist ein neues Schlagwort entstanden, das angeblich einen neuen Trend beschreibt. Was dahinter steckt, ist aber in Wirklichkeit ein altes Phänomen. Schon immer mussten Zeitungen, Magazine und News-Seiten mit Titelzeilen und gut gemachten Cliffhangern um Leser werben. Erst eine gute Zeile, die eine gute Story optimal verkauft, bringt beispielsweise Kiosk-Käufer dazu, zuzugreifen.“

„Titelzeilen dürfen zuspitzen, aber nichts versprechen, was sie nicht halten“

„Ich halte das Clickbaiting für eine Katastrophe.“ (Branko Radosevic, Ringier)

Einen Unterschied aber gibt es durchaus zu einem Spiegel-Titel oder dem Aufmacher einer BILD-Zeitung: Medien wie BuzzFeed und ViralNova arbeiten mit einem relativ geringen Varianten-Set an Clickbaiting-Überschriften: Da gibt es die Listicles und Überschriften, die den Lesern Unglaubliches, Schockierendes oder Revolutionäres versprechen und Headlines, die mit Abkürzungen und Netz-Slang aufpoliert werden wie „OMG“, „WTF“ oder „LOL“. Die Bandbreite bei den etablierten Medien ist da deutlich höher, doch grundsätzlich glaubt Sebastian Matthes: „Schon immer haben einige Medien dabei übertrieben. Auch das ist kein neues Phänomen der digitalen Ära. Doch: Damit verlieren Journalisten mittelfristig ihre Leser. Damals wie heute. Klar muss sein: Titelzeilen dürfen zuspitzen, aber nichts versprechen, was sie nicht halten.“

Genau hier aber sehen viele Journalisten und Medienexperten das Problem des Clickbaiting, auch Branko Radosevic, Head of Sales Digital beim größten Schweizer Publisher Ringier: „Ich halte das Clickbaiting für eine Katastrophe, und ich hoffe auch, dass sich das langfristig nicht durchsetzen wird. Damit versprechen Medien einfach viel zu viel. Sie holen sich jetzt die Leute, aber die Leute sind enttäuscht, und irgendwann begreifen sie, dass sie ausgenutzt werden. Eigentlich ist das fast Betrug.“

Die Mechanismen des Clickbaiting kommen aus der Werbung

BuzzFeed gilt als einer der Vorreiter im Clickbaiting. (Screenshot: BuzzFeed)
BuzzFeed gilt als einer der Vorreiter im Clickbaiting. (Screenshot: BuzzFeed)

Die ganze Diskussion lässt sich jedoch nicht führen, ohne, statt nur über die Überschriften, auch über den Inhalt zu sprechen. Hier nämlich unterscheiden sich BuzzFeed und Co. extrem von Nachrichten-Portalen. „Bei Heftig hast du ja überhaupt keine Ahnung, ob die Geschichten glaubwürdig sind, und das ist auch überhaupt nicht relevant“, sagt Sabine Haas, Geschäftsführerin von result, einem Unternehmen für Markt- und Medienforschung und Social-Media-Beratung. „Im Grund sind Heftig und BuzzFeed und auch die BILD fiktionale Formate.“ Diese These stützen auch die Untersuchungen von Wolfgang Storz, dem ehemaligen Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, wie er dem Debatten-Portal VOCER in einem Interview verriet: In drei Studien hat er festgestellt, „dass man bei Betrachtung der klassischen Journalismus-Kriterien bei‚Bild‘ nicht von Journalismus reden kann. Das ist nichts schlimmes, es ist einfach nur eine andere Art von Veröffentlichung, die ausschließlich das Ziel hat, hohe und höchste Aufmerksamkeit zu erzielen , um dadurch die Maximierung der Auflage zu erreichen beziehungsweise die Auflagen zu halten. Zwischendurch wird das immer mal wieder auch mit den Mitteln des Journalismus gemacht.“

Sabine Haas verortet die Mechanismen, die hinter dem ClickBaiting stecken, jedoch eher in der klassischen Werbung, nicht umsonst erinner etliche der Geschichten an die völlig überdrehten Verkaufssendungen der Home-Shopping-Sender. Auch hier können die Produkte nur selten das halten, was Verpackung und Marketing versprechen. „Und eigentlich ist das etwas, was durch Social Media aufgebrochen werden sollte. Social Media versprach, Werbung von überhöhten Versprechungen auf Augenhöhe zurückzuholen und Produkten und Marken über die Glaubwürdigkeit mehr Relevanz im Netz zu verschaffen. Das führen Medien wie BuzzFeed jetzt wieder ad absurdum, sie machen so weiter, wie wir das aus der Werbung oder der Yellow Press kennen.“

Und: All diese Geschichten funktionieren auch psychologisch auf altbekannte Art und Weise, sagt Sabine Haas: „Das ist das klassische Eskapismus-Motiv. Mich erinnert das an eine Studie zu einem Schlagerprogramm, die wir mal gemacht haben. Und unter den Hörern waren überdurchschnittlich viele Menschen, die überglücklich waren, wenn eine schmalzige Moderation ihnen einen wunderbaren Tag wünschte und Helene Fischer dann vom wunderbaren Leben sang. Und diese Eskapismus gibt es auch situativ: Jeder Menschen ist mal in einer Situation, in der er nichts über Krisen und Kriege lesen will, sondern seichte Unterhaltung sucht. Das können Daily Soaps, Katzenvideos oder eben Geschichten wie die von BuzzFeed sein.“

Es gibt eine sehr langsam wachsende „Gegenbewegung“

„Auch das Dschungel-camp hatte Quoten bis zum Anschlag, konnte seine Werbeblöcke aber trotzdem nicht problemlos füllen.“ (Sabine Haas, result)

Branko Radosevic sieht jedoch im Bereich Social Media auch einen Wandel bevorstehen, nicht nur dadurch, dass Facebook Clickbaiting-Posts zukünftig abstrafen will: „Ich merke, dass die Jungen gar nicht mehr so begeistert von Social Media sind. Sie wollen nicht, dass alles öffentlich ist. WhatsApp und ähnliche Angebote könnten da eine große Rolle spielen. Die Jungen wollen entscheiden, wann sie mit wem kommunizieren, die neue Generation wird viel vorsichtiger, und das wird auch einen Einfluss auf Publishing und Werbemarkt haben.“

Gerade auf dem Werbemarkt könnte für Medien, die zu unbedarft an das Thema herangehen, jedoch noch eine andere Gefahr liegen, glaubt Sabine Haas. „Viele Werbende werden eventuell sagen, dass sie in einem so unseriösen Umfeld nicht werben wollen. Das haben wir auch bei der dritten Staffel des Dschungelcamp gesehen. Die Sendung hatte Quoten bis zum Anschlag, konnte aber ihre Werbeblöcke trotzdem nicht problemlos füllen.“

Was bei Betrachtung der Reaktionen in Sozialen Netzwerken auffällt, ist eine, wenn auch sehr langsam wachsende, „Gegenbewegung“. Das beobachtet auf Branko Radosevic: „Auch bei Angeboten wie Heftig wird langsam informiert, über die Kommentare beispielsweise: Vorsicht, hier wirst du reingelegt. Ich glaube, man muss generell im Digitalen mit mehr Transparenz arbeiten, statt mit leeren Versprechungen Klicks zu generieren.“ Dass es solche Kommentare jedoch schwer haben werden, liegt auf der Hand. „Die Warnmechanismen werden in diesem Bereich nicht so stark greifen“, ist Sabine Haas sicher. „Vielen Nutzern ist das ziemlich egal, da wird ganz anders selektiert. Und: Ganz viele Sachen werden auch ungelesen geteilt.“

Clickbaiting: „Medien können sich damit durchaus Schaden zuziehen“

Der BuzzFeed-Klon Heftig hat die Diskussion um das Clickbaiting auch in Deutschland entfacht. (Screenshot: Heftig)
Der BuzzFeed-Klon Heftig hat die Diskussion um das Clickbaiting auch in Deutschland entfacht. (Screenshot: Heftig)

„Da gibt es neue Portale, die schräge Überschriften machen und schon ist die ganze Medienwelt auf dem Baum.“ (Sebastian Matthes, Huffington Post)

Sebastian Matthes wünscht sich in der Debatte zumindest mehr Offenheit: „Die ganze Diskussion um diese vermeintlichen Link-Baits ist in meinen Augen typisch deutsch. Da gibt es neue Portale, die schräge Überschritten machen und schon ist die ganze Medienwelt auf dem Baum. Viel spannender wäre es doch, darüber zu reden, warum diese Portale so erfolgreich sind, welches Bedürfnis die Leser haben und was das über die Medien und das Internet - und die Zukunft der Nachrichten aussagt.“ Und er glaubt, dass Journalisten von Portalen lernen können, die bei Facebook erfolgreich sind: „Zum Beispiel, bessere Geschichten zu erzählen. Denn in Sozialen Netzwerken ist das gefragt, was guten Journalismus eigentlich einmal ausgemacht hat: überraschende, lustige, bewegende oder kontroverse Geschichten zu erzählen, die Menschen wirklich bewegen. Vor allem solche Texte werden auch bei Facebook geteilt.“

Sabine Haas aber glaubt nicht daran, dass sich davon ein Erfolgsrezept für die Medien ableiten lässt, stattdessen sieht sie in dem Trend eher eine Gefahr: „Medien können sich damit durchaus Schaden zuziehen, auch wirtschaftlich. Das Ganze wirkt halt so schön einfach, aber das ist es nicht. Überschriften im Journalismus bewegen sich in einer Skala zwischen ‚Ich kriege maximale Aufmerksamkeit um jeden Preis‘ bis ‚Bundestagssitzung geht in die Verlängerung‘. Aber das Clickbaiting hat halt bestimmte Neben- und Folgewirkungen. Da bist du im Fiktionalen, nicht mehr im Journalistischen. Im Grunde muss ein guter Journalist sich irgendwo dazwischen positionieren, und natürlich muss er auch gute Überschriften produzieren, was eine große Kunst ist. Was BuzzFeed macht, ist keine große Kunst.“

Neben dem Thema Clickbaiting haben wir mit Sebastian Matthes übrigens auch noch über das erste Jahr Huffington Post Deutschland gesprochen. Leider hatten wir während des Gespräch technische Probleme, sodass der Ton nicht immer ganz optimal ist. Wir bitten, das zu entschuldigen und geloben technische Aufrüstung.

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Florian Blaschke
Sex-Tech: Wenn Gründer das heißeste aller Startup-Pflaster erobern http://t3n.de/news/sex-tech-startups-563057/ 2014-08-23T05:50:20Z
Mit dem wachsenden Trend Sex-Tech verbinden Gründer die Bereiche Internet, Elektronik und Erotik in vielerlei Hinsicht. Oft kommen die Ideen skurril daher, in jedem Fall aber tragen sie dazu …

Mit dem wachsenden Sex-Tech verbinden Gründer die Bereiche Internet, Elektronik und Erotik in vielerlei Hinsicht. Oft kommen die Ideen skurril daher, in jedem Fall aber tragen sie dazu bei, das milliardenschwere Geschäft mit einem unserer wichtigsten Grundbedürfnisse aus der Schmuddelecke zu holen. Ein Feature von Daniel Hüfner.

Andreas Stockburger hat in den letzten Monaten mehrere sechsstellige Angebote von Investoren abgelehnt. Das Startup des 28-jährigen Schweizers, der auf Frauen in High-Heels nach eigener Beschreibung ebenso steht wie auf Rock’n’Roll, Liegestütze und Innovation, läuft einfach zu gut. Schon seit dem zweiten Monat nach Gründung wächst er mit positivem Cashflow. Dabei ist es immer noch ein Nebenprojekt.

Zwar könne man mit Investorengeldern daraus viel mehr machen, doch er schätze die unternehmerische Freiheit, die er sich dadurch bewahrt. Und die passt ohnehin gut zu dem, was er macht: Gemeinsam mit seinen Kompagnon Marc Schlegel hat Stockburger vor zwei Jahren „Vibraa“ gegründet, einen Online-Shop für anspruchsvolle Sex-Toys – ohne Schmuddelfaktor.

Einer dieser bunten und wenig maskulinen Vibratoren aus dem Vibraa-Store. (Foto: Vibraa)
Einer dieser bunten und wenig maskulinen Vibratoren aus dem Vibraa-Store. (Foto: Vibraa)

„Wir glauben, dass jeder seine Leidenschaften frei ausleben muss, um glücklich zu sein – unabhängig davon, in welchen Bereichen man Leidenschaft empfindet. Leidenschaft bringt Menschen zusammen, lässt uns erleben, dass wir leben“, erklärt Stockburger seine Vision. Entsprechend führt Vibraa über 250 Produkte rund um das Thema Sex im Sortiment: Gleit- und Stimulationsgele, Massageöle, Kondome und bunte Vibratoren. Flankiert wird das Angebot mit Authentizität, Qualität und Information als kommunizierten Werten.

Mit Vibraa haben Andreas Stockburger (rechts) und Marc Schlegel (links) einen Sex-Shop mit Niveau gegründet. Sie bedienen damit den Trend im Bereich Sex-Tech. (Foto: Vibraa)
Mit Vibraa haben Andreas Stockburger (rechts) und Marc Schlegel (links) einen Sex-Shop mit Niveau gegründet. Sie bedienen damit den Trend im Bereich Sex-Tech. (Foto: Vibraa)

Entstanden ist die Idee aus einer Bierlaune heraus an Silvester 2012. „Sex-Toys waren das brisanteste Thema des Abends“, sagt Stockburger, „doch wirklich Ahnung hatten wir davon nicht“. Gepackt von der Neugierde und Faszination ergoogelten beide den Markt für Liebesspielzeug – und wurden schnell enttäuscht: Die Suchergebnisse seien befremdlich, irgendwie abstoßend gewesen. Von der maskulinen und offensiven Präsentation der Produkte habe man sich selbst als Mann nicht angesprochen gefühlt. „Wir haben weniger Orion und Beate Uhse, sondern mehr Nespresso und Apple erwartet.“ Die Idee für Vibraa, einen Shop, der niveauvolles Sex-Spielzeug mit Transparenz und Design verbinden soll, war geboren.

Von coolen Porno-Netzwerken, smarten Dildos und Lieferhelden für Prostitution

„Sex-Tech vereint Internet, Elektronik und Erotik.“

So wie Vibraa aus der Schweiz entdecken seit einigen Jahren immer mehr den Bereich Sex-Tech als lukratives Gründungspflaster. Mit dem Trend verbinden Gründer die Bereiche Internet, mobile Endgeräte und Erotik in vielerlei Hinsicht. MakeLoveNotPorn aus den USA zum Beispiel versteht sich als Soziales Netzwerk, über das Menschen sich über Sex austauschen können. Das klingt zunächst unspektakulär, soll nach dem Willen von Gründerin Cindy Gallop jedoch mit gängigen Klischees aus der Porno-Industrie aufräumen. Die Plattform informiert ihre Nutzer unter anderem darüber, dass eben nicht per se jede Frau im Schambereich rasiert sei und sich gerne von ihrem Partner ins Gesicht ejakulieren lasse. Mit dem an das Netzwerk angeschlossenen Kernfeature MakeLoveNotPorn.tv hat Gallop ihren Nutzern zugleich die Möglichkeit geschaffen, ihre privaten Sex-Videos zu teilen und so ein authentischeres Bild zu erzeugen.

Raus aus der Schmuddelecke will auch das Berliner Startup Peppr. Mit dem Anspruch, das „Lieferheld für die Prostitution“ werden zu wollen, vermittelt es Escort-Dienste per App. Dank GPS und individueller Filter können Nutzer schnell und einfach ihren gewünschten Sexarbeiter finden – weiblich wie männlich, frei nach Vorlieben. Peppr selbst verdient an einer Provision. Weitere Beispiele für Gründungen im Bereich Sex-Tech finden sich mit Amorelie, das ähnlich wie Vibraa einen viel beachteten Shop für Sex-Spielzeuge auf der Höhe der Zeit betreibt.

Hardware-Boom beflügelt neuen Gründergeist

Sex-Tech in smart: Vibease ist ein Mini-Vibrator, der sich mit dem Smartphone koppelt und ferngesteuert werden kann. (Foto: Vibease)
Sex-Tech in smart: Vibease ist ein Mini-Vibrator, der sich mit dem Smartphone koppelt. (Foto: Vibease)

Der Boom rund um das Thema Sex-Tech hat über Shops und Online-Portale hinaus aber auch noch einen anderen Hintergrund: billige und einfach für Jedermann zu produzierende Hardware. So fördern nicht nur experimentielle Mini-Computer wie Raspberry Pi oder Arduino den Tüftler-Geist. Dank dem langsam massentauglich werdenden 3D-Druck können Gründer auch immer günstiger mit einem echten Prototypen in den Markt einsteigen. Durch spezialisierte Netzwerke haben sie zudem leichteren Zugang zu fernöstlichen, günstigen Manufakturen. Und: Crowdfunding hat sich als alternative Finanzierungsquelle ebenso durchgesetzt wie die Symbiose von Hardware und mobilen Endgeräten im Sinne des Internet of Things.

Dass der Ideenreichtum dabei nicht einzig und allein bei smarten Lichtschaltern oder Thermostaten endet, zeigt das Beispiel Vibease. Vibease ist ein intelligenter Vibrator für Paare in Fernbeziehungen. Unter den Prämissen „tragbar“, „diskret“ und „100 Prozent freie Hand“ kann das pinkfarbene Gadget unauffällig getragen werden – gesteuert und an die persönlichen Vorlieben angepasst wird es per Smartphone-App. Laut Vibease-Erfinder Dema Tio, hätten viele Leute am Anfang über die Idee gelacht, die aus seinem Bedürfnis nach mehr Intimität zu seiner am anderen Ende der Welt lebenden Frau entstanden ist. Doch der Erfolg gibt ihm Recht: Über Indiegogo sammelte Tio letztlich 130.000 US-Dollar für die Fertigung von Vibease ein – noch im September soll das Sex-Spielzeug für die Generation Touch auf den Markt kommen.

Sex-Tech: Probleme nicht nur bei der Finanzierung

Kein Wunder also, dass die – sich aus diesen Entwicklungen für Gründer und Startups ergebenden – Chancen entsprechend groß sind. Zwar mögen Ideen, wie sie Peppr, MakeLoveNotPorn oder auch Vibease umsetzen, zunächst skurril und mitunter auch moralisch fragwürdig erscheinen. An unternehmerischer Potenz aber fehlt es ihnen kaum. Ganz im Gegenteil: Immer klare Zielgruppen, garantierte mediale Aufmerksamkeit und das milliardenschwere Geschäft mit einem der wichtigsten Grundbedürfnisse versprechen hohe Gewinne. Sex sells.

Gründungspflaster Sex-Tech: „It's all about fear of what other people think.“

Das macht es leicht, auch Investoren zu überzeugen. Oder doch nicht? Glaubt man zumindest den Erfahrungen, wie sie sie Cindy Gallop mit ihrer Plattform MakeLoveNotPorn gemacht hat, ist die Realität oft eine andere. Die Probleme im Bereich Sex-Tech kommen ihr zufolge spätestens mit der Finanzierung. So habe ein junger VC-Investor die Verhandlungen mit Gallop schnell abgebrochen, und das, obwohl er sich sogar erst für ihre Idee habe begeistern können. Am Ende sei das Investment jedoch einfach an der Angst gescheitert, die VC-Firma könnte durch eine entsprechende Beteiligung an dem Netzwerk ihren Ruf beschmutzen. „It’s all about fear of what other people think“, bringt es Gallop auf den Punkt.

MakeLoveNotPorn-Gründerin Cindy Gallop kämpft für ein authentischeres Image in der Porno-Welt. Mit ihrem Sozialen Netzwerk verkörpert sie den Bereich Sex-Tech wie keine andere. (Foto: DublinWebSummit)
MakeLoveNotPorn-Gründerin Cindy Gallop kämpft für ein ehrlicheres Image in der Porno-Welt. Mit ihrem Sozialen Netzwerk verkörpert sie den Bereich Sex-Tech wie keine andere. (Foto: DublinWebSummit)

Außerdem stehen Gründern oft auch Geschäftsbedingungen im Weg, die pornographische Inhalte beziehungsweise solche zur „Erwachsenenunterhaltung“ ausschließen. Ein Geschäftskonto bei der Bank? Eine E-Mail-Adresse? Eine Crowdfunding-Kampagne? Hindernisse gibt es reichlich. Mit der Idee, seine smarten Vibratoren über das populärere Kickstarter zu finanzieren, sei Dema Tio von Vibease beispielsweise wegen solcher Restriktionen abgeblitzt. Er musste daraufhin über Indiegogo einen ähnlichen Umweg einschlagen wie das Berliner Startup Peppr, das sein Konzept zur Vermittlung von Escort-Diensten sicher gerne auch als native App auf das iPhone seiner Kunden gebracht hätte. Da Apple bekanntlich aber die meisten Anwendungen mit erotischen Inhalten aus seinem Ökosystem aussperrt, blieb Peppr nur der Kompromiss mit einer responsiven, mobilen Webseite.

„Wer schnell und kreativ ist, kann viel gewinnen“

Auch Andreas Stockburger musste feststellen, dass es oft kreative Mittel braucht, um die Hindernisse als Gründer im Bereich Sex-Tech zu überwinden. Das Thema Social Media habe für Vibraa zum Beispiel gar nicht funktioniert. „Wem gefällt schon ein Vibrator auf seinem Facebook-Newsfeed?“, sagt er. Mit einer viralen Guerilla-Aktion bei der letzten Bundestagswahl, bei der man die Wahlversprechen aus Plakaten auf sein Geschäftsmodell ummünzte, konnte Vibraa laut Stockburger dennoch für einen Konter und mehr Sichtbarkeit im Netz sorgen.

Und so überwiegen für den 28-Jährigen denn auch die unternehmerischen Chancen, die sich für Gründer im Bereich Sex-Tech ergeben. Nicht nur, weil Sex im Unterschied zu Autoreifen oder Rasierklingen praktisch jeden etwas angeht. Vor allem, so sagt er, weil neue Technologien oft nicht bis in diesen Markt vordringen oder von den etablierten Branchendinos nur schleppend adaptiert werden. Entsprechend lukrativ sind Neugründungen. „Wer schnell und kreativ ist sowie nutzerzentriertes Design mit innovativer Technologie agil kombiniert, kann viel gewinnen“, so Stockburger. Sex-Tech, ein bunter Spielplatz mit vielen Möglichkeiten für kreative Jungunternehmer.

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Daniel Hüfner
Glasbruch adé: Apple soll iPhone 6 ein widerstandsfähigeres Saphir-Display spendieren http://t3n.de/news/glasbruch-ade-apple-iphone-6-saphir-display-562434/ 2014-08-15T08:06:00Z
Apple weiß, wie man Trends setzt: Für den Bildschirm seines allerersten iPhones verwendete der Konzern einst Glas statt Plastik und geriet damit zum Vorreiter der Smartphone-Branche.

weiß, wie man setzt: Für den Bildschirm seines allerersten verwendete der Konzern einst Glas statt Plastik und geriet damit zum Vorreiter der Smartphone-Branche. Jetzt schwenkt Apple auf Saphir um – ein solideres, aber auch teureres Material. 700 Millionen US-Dollar investiert das Unternehmen in der Hoffnung, dass Saphir zum Glas-Ersatz wird und die iPhones der Zukunft besser schützt.

„Niemand hat jemals so viel Geld in Saphir investiert“

Schon in diesem Monat sollen die ersten Saphir-Bildschirme für die neuesten iPhones und Smartwatches im US-Bundesstaat Arizona vom Band laufen. Dort, im Städtchen Mesa, hat Apple zusammen mit dem Materialproduzenten GT Advanced Technologies eine riesige Fabrik eröffnet. Zu Spitzenzeiten werde das Werk doppelt so viel Saphir produzieren wie sämtliche der weltweit fast 100 zurzeit existierenden Hersteller zusammen, sagt Eric Virey, ein leitender Analyst bei der französischen Marktforschung Yole Développement. „Niemand hat jemals so viel Geld in Saphir investiert“, sagt Virey.

GT und Apple stellen synthetischen Saphir her – ein Stoff, der die Eigenschaften des härtesten Minerals der Erde kopiert. Saphir bricht und zerkratzt nicht so leicht wie Glas. Es hält hohen Temperaturen stand und ist vor chemischer Korrosion gefeit.

Doch die Herstellung von synthetischem Saphir ist kostspielig, weshalb das Material bisher nur vereinzelt in der Industrie zum Einsatz kam – etwa in Flugzeugfenstern oder gepanzerten Fahrzeugen als Schutz gegen Extrembedingungen. Oder als kratzresistente Oberfläche von teuren Uhren.

Nach Schätzungen von Square Trade, einem Unternehmen, das Versicherungen gegen Bildschirmschäden anbietet, besitzen elf Prozent aller iPhone-Nutzer Geräte mit einem gesprungenen oder kaputten Bildschirm.

Probleme bei der Produktion könnten die gesamte Lieferkette durcheinander bringen

So sieht künstlich gezüchtetes Saphir aus – ein Saphir-Boule. (Foto: GT Advanced Technologies)
So sieht künstlich gezüchtetes Saphir aus – ein Saphir-Boule. (Foto: GT Advanced Technologies)
Es birgt allerdings ein gewisses Risiko, wenn man ein derart wichtiges Bauteil wie den Bildschirm austauscht. Das Unternehmen Corning, welches das belastbare „Gorilla-Glas“ der aktuellen iPhones herstellt, hat beispielsweise längst bewiesen, dass es Apples Anforderungen an eine Blitzproduktion erfüllen kann. Diese ist notwendig, wenn Apple zur Markteinführung einer Neuheit gleich mehrere Millionen Geräte gleichzeitig zur Hand haben muss.

Sollten Apple und GT jedoch bei der Massenfertigung von Saphir-Bildschirmen Probleme bekommen, könnte sich das als Bremsklotz für die gesamte Lieferkette erweisen und ausgerechnet dann das Angebot verknappen, wenn die Nachfrage boomt. Zudem ist noch nicht vollständig erwiesen, dass Saphir im Alltagsgebrauch besser abschneidet als die derzeit verwendeten Materialien.

Analyst Virey schätzt, dass es 16 Dollar kostet, um einen Saphir-Bildschirm herzustellen. Ein Bildschirm aus Gorilla-Glas dagegen koste nur etwa 3 Dollar, sagt er. Apple und GT wollten sich für diesen Artikel nicht äußern.

Laut gut informierten Personen denkt Apple darüber nach, die Saphir-Bildschirme in den teureren Modellen der beiden neuen, größeren iPhones einzusetzen, die in diesem Herbst auf den Markt kommen sollen. Allerdings müsse Apple zusehen, dass es genug von dem neuen Material zusammenbekomme, sagen die Sachkenner.

Saphir wird auf der Härteskala nach Mohs nur von Diamant übertroffen. (Grafik: Alberto Cervantes / The Wall Street Journal)
Saphir wird auf der Härteskala nach Mohs nur von Diamant übertroffen. (Grafik: Alberto Cervantes / The Wall Street Journal)
Einige Analysten sagen, dass Apple die neuen Telefone wegen der höheren Kosten für Bauteile wohl zu einem höheren Preis verkaufen werde als seine bisherigen Modelle. Sollte der Einsatz von Saphir dazu führen, dass weniger Bildschirme kaputt gehen, könnte Apple Geld sparen, weil die Kosten von Rücknahmen sinken würden. Aber nach Einschätzung von Toni Sacconaghi, Analyst bei Bernstein Research, werden diese Ersparnisse wohl die höheren Kosten aus dem Einsatz von Saphir nicht wettmachen.

Wenn Apple nicht die Preise erhöhe, könnten die höheren Kosten die Gewinnmargen der iPhones aushöhlen, sagt Matt Margolis, ein Analyst bei der Marktforschung PTT Research und Investor von GT. Margolis glaubt, dass Apple aber durchaus gewillt sein könnte, die höheren Kosten zu schultern, um sich mit seinen Produkten von der Konkurrenz abzuheben.

Apple hat immer schon stark in seine Bauteile investiert, damit seine Produkte am Markt hervorstechen. So entwickelte der Konzern einen eigenen 64-Bit-Prozessor für seine tragbaren Geräte, was Apple einen gehörigen Vorsprung gegenüber seinen Rivalen bescherte. 2012 kaufte der Smartphone-Riese Authentec, der die Technologie für Fingerabdruck-Sensoren produziert. Im vergangenen Jahr verfügte das neue 5S prompt über ein eigenes Fingerabdruck-Lesegerät als Sicherheitsschranke.

Eine Fabrik, so groß wie 24 Fußballfelder

Um die Saphir-Bildschirme bauen zu können, kaufte Apple im vergangenen Jahr einem Solarmodulhersteller in Arizona für 113 Millionen Dollar ein Fabrikgelände ab, das so groß wie zwei Dutzend Fußballfelder ist. Dieses Werk leaste Apple an GT und versprach im November, 578 Millionen Dollar im Voraus zu zahlen, um die Fabrik mit den allerneuesten Brennöfen für die Saphir-Herstellung auszustatten. GT baut solche Brennöfen und produziert in dem Werk jetzt Saphir exklusiv für Apple.

Die Fabrik sei so gut wie fertig und bereite sich jetzt auf die Massenherstellung vor, sagte GT-Vorstandschef Tom Gutierrez in der vergangenen Woche zu Analysten. Die vollständige Betriebseffizienz werde das Werk allerdings nicht vor Anfang nächsten Jahres erreichen, fügte Gutierrez einschränkend hinzu. Ende Oktober wird Apple laut GT wohl die letzte der vier Vorauszahlungsraten von 139 Millionen Dollar zahlen – sofern GT bis dahin bestimmte Betriebsziele erreicht hat.

Saphir ist kratzfest. Aber es ist nicht klar, ob das Material auch besser vor einem Bildschirmbruch schützt, weil Saphir je nach Dicke und Schnitt unterschiedlich stark ist. Saphir verfügt zudem über eine höhere Dichte als Glas, weshalb ein Telefon mit Saphir-Bildschirm schwerer ist.

Laut Corning belegen Tests, bei denen Bildschirme aus unterschiedlicher Höhe auf den Boden fallengelassen wurden, dass Gorilla-Glas widerstandsfähiger ist als andere Stoffe, darunter auch Saphir. Zudem reflektiere Gorilla-Glas weniger Licht als Saphir, weshalb man die Anzeige eines Bildschirms aus Gorilla-Glas bei Sonnenlicht besser erkennen könne.

Einige kleinere Smartphone-Hersteller haben ihre Handys bereits mit Saphir-Bildschirmen ausgestattet. Die britische Vertu Corp etwa, die Luxustelefone zum Preis von mehr als 10.000 Dollar pro Stück herstellt, hat zwei Modelle mit Saphir-Bildschirmen im Programm. Und der japanische Konzern Kyocera verkauft ein Modell namens Brigadier, das nach Angaben des Unternehmens so gut wie keine Kratzer bekommen kann.

In der Natur sind Saphire verunreinigt und bunt

Natürliche Saphire sind Edelsteine des Minerals Korund, eine kristalline Form des Aluminiumoxids. Verunreinigungen durch Kupfer oder Magnesium verändern die Farbe eines Saphirs, der als bunter Schmuckstein geschätzt wird. Ohne solche Verunreinigungen ist ein Saphir jedoch farblos klar.

Will man Saphire künstlich herstellen, muss man komplexe und energieintensive Verfahren anwenden. Saphir-Kristalle werden in riesigen Hochöfen bei hoher Temperatur gezüchtet. Sie bilden darin einen gigantischen Zylinder namens Boule, der ein bisschen so aussieht wie ein dicker Eishockey-Puck und in verschiedene Formen geschliffen werden kann.

Das Apple-Werk in Arizona nutzt modernste Hochöfen, die in der Lage sind, Boules mit einem Gewicht von rund 200 Kilogramm herzustellen – das sind 50 Prozent mehr, als die Boules aus der Produktion herkömmlicher Maschinen. Apple und GT wollen mit diesem Mengenvorteil die Kosten drücken und die Preiskluft zwischen Saphir und Glas verringern.

„Vor dem Apple-Investment hätte ich gesagt, dass Saphir ein großartiges Material mit einem großartigen Potenzial ist, aber wohl noch ein paar Jahre davon entfernt ist, Wirklichkeit am Markt zu werden“, sagt Vinita Jakhanwal, eine leitende Analystin bei der Marktforschung IHS Technology. „Aber Apple hat eine bedeutende Summe investiert, insofern würde ich sagen, dass das Unternehmen vermutlich ziemlich schnell mit einem Kapitalertrag rechnet.“

Mehr Technologie-News auf wsj.de

Von Daisuke Wakabayashi – Mitarbeit: Lorraine Luk, Eva Dou und Mayumi Negishi

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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WSJ Redaktion
Ein Blick auf App- und Play-Store: Über diese Trends müssen App-Entwickler bescheid wissen http://t3n.de/news/app-play-store-apps-562214/ 2014-08-13T09:03:13Z
App-Entwickler bekommen es mit mehr und mehr Konkurrenz zu tun. Aber auch die Beweglichkeit im App-Ranking bei Apple und Google hat zugenommen. Gute Apps können sich heute deutlich schneller gegen …

App-Entwickler bekommen es mit mehr und mehr Konkurrenz zu tun. Aber auch die Beweglichkeit im App-Ranking bei und hat zugenommen. Gute können sich heute deutlich schneller gegen bewährte Konkurrenten durchsetzen als noch vor einem Jahr.

Apps: Veränderungen im App-Ranking von Googles Play-Store sind 2014 deutlich gleichmäßiger verteilt als noch 2013. (Grafik: Tomasz Tunguz)
Apps: Veränderungen im App-Ranking von Googles Play-Store sind 2014 deutlich gleichmäßiger verteilt als noch 2013. (Grafik: Tomasz Tunguz)

Play-Store: Das App-Ranking im ständigen Wandel

An einem Mangel an Konkurrenz dürften App-Entwickler 2014 nicht klagen. Auch eine gleichmäßige Verteilung der Gewinne scheint es nicht zu geben. Laut einer aktuellen Studie über die Einnahmen von App-Entwicklern teilen sich zwei Prozent mehr als die Hälfte aller Einnahmen durch Apps. Aber nicht jede Entwicklung ist notwendigerweise negativ. So haben es Startups 2014 deutlich einfacher, mit einer neuen App an etablierten Konkurrenten vorbei zu ziehen als noch vor 18 Monaten.

Das hat eine Untersuchung des amerikanischen Venture-Kapitalisten Tomasz Tunguz ergeben. Anfang 2013 bewegten sich Apps innerhalb von 30 Tagen nur ein oder zwei Plätze im Play-Store-Ranking. Wenn eine App also auf Platz 1 stand, war es schwierig, sie von dieser Position zu verdrängen. Mitte 2014 sieht die Sache anders aus. Laut Tunguz sind Schwankungen im Play-Store mittlerweile weitaus gleichförmiger verteilt. Apps steigen und sinken ständig im Ranking. Woraus der Investor zwar auf höhere Konkurrenz, aber auch auf einen sehr dynamischen Markt schließt. Zwar können Apps schnell ihre Position im Ranking verlieren, dafür können sich gute Apps aber auch tatsächlich gegen etablierte Konkurrenten durchsetzen, sofern sie den Nutzern einen entsprechenden Mehrwert bieten.

App-Store: Apples Marktplatz für Apps ist weniger dynamisch, befindet sich aber auf dem richtigen Weg. (Grafik: Tomasz Tunguz)
App-Store: Apples Marktplatz für Apps ist weniger dynamisch, befindet sich aber auf dem Weg dorthin. (Grafik: Tomasz Tunguz)

App-Store: Apples Marktplatz ist weniger dynamisch

Auch wenn Tunguz den App-Store von 2014 für wettbewerbsfähiger hält als noch 2013, sind die Veränderungen hier längst nicht so stark wie in Googles . Veränderungen von mehr als 50 Plätzen im Ranking stellen hier nach wie vor eine Seltenheit dar. Eine durchschnittliche App bewegt sich 2014 um zehn bis 30 Plätze. 2013 veränderte sich das Ranking einer solcher App im Schnitt nur um einen bis fünf Plätze. Dafür sehen im App-Store 75 Prozent aller Apps keine Ranking-Veränderungen um mehr als 50 Plätze.

iOS: Je nach Kategorie hat es eine App leichter oder schwerer sich gegen bestehende Konkurrenten zu behaupten. (Grafik: Tomasz Tunguz)
iOS: Je nach Kategorie hat es eine App leichter oder schwerer sich gegen bestehende Konkurrenten zu behaupten. (Grafik: Tomasz Tunguz)

Tunguz hat seine Untersuchung auch für die verschiedenen App-Kategorien bei Apple und Google durchgeführt. Wenig überraschend ist es beispielsweise im Bereich Social Media deutlich schwieriger, sich mit einer neuen App gegen die etablierte Konkurrenz durchzusetzen. In anderen Bereichen wie beim Wetter oder beim Sport sieht es dafür deutlich einfacher aus.

Play-Store: Ein neues Social Network hat es deutlich schwieriger als eine neue Wetter-App. (Grafik: Tomasz Tunguz)
Play-Store: Ein neues Social Network hat es deutlich schwieriger als eine neue Wetter-App. (Grafik: Tomasz Tunguz)

Fazit: Was Startups aus den Daten lernen können

App- und Play-Store sind dynamische Märkte. Wer ein Produkt anbietet, das sich von der Konkurrenz abhebt und Nutzer überzeugen kann, hat auch die Möglichkeit, etablierte Konkurrenten vom Thron zu stoßen. An den notwendigen Ausgaben im Bereich App-Marketing wird heute allerdings niemand mehr vorbeikommen. Außerdem ist es keine Option mehr, sich auf einem bestehenden Erfolg auszuruhen. Dafür bieten die Marktplätze mit ihren nach wie vor wachsenden Nutzerzahlen eine perfekte Möglichkeit zur Kundengewinnung.

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Kim Rixecker