Trends | t3n News News, Infos, Tipps und aktuelle Artikel zu Trends 2014-11-20T09:39:15Z t3n Redaktion http://t3n.de/tag/trends Mobile-Payment-Trend: Peer-to-Peer-Zahlungen dahin bringen, wo die Freunde wirklich sind http://t3n.de/news/mobile-payment-trend-579562/ 2014-11-20T09:39:15Z
Mobile-Payment-Apps, deren einziger Zweck darin besteht, Geld unter Freunden hin- und her zu schieben? Langweilig. Eine aktuelle Entwicklung zeigt, wie das besser geht: Der Messenger Snapchat …

Mobile-Payment-Apps, deren einziger Zweck darin besteht, Geld unter Freunden hin- und her zu schieben? Langweilig. Eine aktuelle Entwicklung zeigt, wie das besser geht: Der Messenger Snapchat integriert eine Bezahlfunktion. Ein Trend-Überblick.„Dann leih' ich dir eben nichts mehr.“ schallt es aus vielen Mündern unisono in den Raum. Sich entfernende Schritte verhallen leise in den Redaktionsräumen. Beredsames Schweigen setzt ein. Berühmte letzte Worte, am Anfang eines Artikels. Was bis dahin passierte: Mein t3n-Kollege Daniel Hüfner hatte soeben angekündigt, ab sofort seine Rückzahlungen aus der gemeinsamen Mittagspause nur noch digital per Handy via Payfriendz tätigen zu wollen. Die versuchte „Zwangsmigration“ scheiterte an den sonst so innovationsfreudigen Kollegen in der Redaktion, die sich nicht extra irgendwo hin bewegen wollten, nur um Rückzahlungen von Daniel entgegen zu nehmen. Das Beispiel zeigt eine generelle Hürde für die Einführung von Mobile-Payments-Features. Ein aktueller Trend könnte hier Veränderungen im Markt bringen.

Mit dem Handy unter Freunden bezahlen: Das geht nur, wenn die Freunde auch präsent sind im jeweiligen Dienst. (Screenshot: Payfriendz)
Mit dem Handy unter Freunden bezahlen: Das geht nur, wenn die Freunde auch präsent sind im jeweiligen Mobile-Payment-Dienst. (Screenshot: Payfriendz)

Mobil bezahlen unter Freunden: Wie denn, wenn keine Freunde da sind?

Payfriendz ist eines von vielen Startups, die sich das digitale Bezahlen im privaten Bekanntenkreis auf die Fahne geschrieben haben. Startups aus der Mobile-Payment-Ecke setzen ganz gerne mit auf dieses Anwendungsszenario: Mit Freunden oder Kollegen in der Mittagspause, Abends im Club oder im Restaurant – irgendwer hat kein Bargeld parat. Oder es fällt der Satz „Ich zahl mal, wir teilen uns die Rechnung“. Auf dem Papier möchten diese Startups einen „Schmerz“ beim User heilen, der durch den Aufwand bei der Rückzahlung entsteht. Der „Schmerz“ ist aber, so ganz für sich alleine genommen, nicht Beweggrund für genug, um sich dafür extra für einen Payment-Dienst anzumelden und eine App zu installieren. Das ist noch zu wenig Mehrwert für den Nutzer, um den Aufwand zu kompensieren.

So richtig durchgesetzt hat sich das Thema Mobile-Payment nicht bei uns, nicht einmal beim Branchenprimus Paypal. Wie Martin Weigert von netzwertig.com in seinem Mobile-Payment-Artikel richtig ausführt, wird sich das in Deutschland so schnell auch nicht ändern. Der durchschnittliche Deutsche pfeifft auf Mobile-Payment. Um so schlimmer für die Anbieter, dass die wenigen potentiellen Early-Adopter auch nicht in das Thema finden.Wie Daniel oben. Lust hatte er schon Payfriendz zu nutzen, leider hatte außer ihm sonst keiner Lust dazu. Und wenn deine Freunde nicht in dem Dienst aktiv sind, dann erledigt sich das ganz von alleine: Kein Anwendung möglich, weg damit.

Payfriendz hatte eine Messenger-Funktion eingebaut – wieso ich mit einer Payment-App Nachrichten verschicken soll, ist mir bis Heute nicht klar. Geht man das Problem aber von der anderen Seite an, dann könnte das mehr Sinn machen: Messenger mit einer Bezahlfunktion ausstatten. Mein Freundeskreis ist dann immerhin schon mal da.

Im Bild ist der Newsfeed der Mobile-Payment-App Venmo aus den USA zu sehen. (Screenshot: Venmo)
In den USA ein Erfolg: Der Newsfeed der Mobile-Payment-App Venmo. (Screenshot: Venmo)

Trend: Messenger mit Payment-Funktionalitäten

Dutzende Insellösungen von toll durchdachten Apps, wie Payfriendz, das bringt niemandem etwas. Was bringt die beste Lösung, wenn deine Freunde nicht da sind? Die logische Schlussfolgerung ist: Dann geht man eben dahin, wo die Freunde schon sind. In die Messenger. Gute Beispiele dafür sind Facebook und Snapchat: Sie nutzen ihre bereits bestehende User-Basis und bringen das Feature zu den Nutzern. In den USA zeigt die Mobile-Payment-App Venmo übrigends wie man jungen Nutzern Lust auf mobiles Bezahlen macht – und gleichzeitig die Reichweite steigert: Über Venmo wird unterhaltsam kommuniziert. Bei jedem Kauf wird ins Venmo Netzwerk und auf Wunsch bei Facebook ein Update veröffentlicht. Da steht oft auch Quark drin, die Nutzer schreiben selbst rein, was sie gekauft haben und es scheint zum Sport geworden zu sein, möglichst ulkige Einkaufsbegründungen zu posten. Irgendwie sieht man so was der eigene Bekanntenkreis gerade kauft oder macht und kann interagieren – eben auch auf Facebook.

Die Messenger kommen: Snapchat und Facebook

Anscheinend entwickelt sich in den USA ein neuer Trend, die Messenger marschieren in Richtung Mobile Payment. Facebook entwickelt seit einiger Zeit eine Bezahlfunktion für Nutzer in seinem Messenger, damit sollen Nutzer untereinander bezahlen können – und gerade hat Snapchat eine Bezahlfunktion eingeführt: Der in den USA besonders bei jungen Leuten sehr beliebte Messenger, erlaubt seinen Nutzern Geld an Freunde zu versenden. Ganz simpel: Einfach ein Dollarzeichen eintippen, den Betrag dahinter schreiben und abschicken. Der Betrag landet dann direkt auf dem Bankkonto des Freundes. Zur Nutzung müssen die Snapchat-User sich nur mit ihren Bankdaten von ihrer Debit-Karte (Ein Äquivalent zur deutschen Bankkarte) einmal anmelden. Snapchat realisiert die Funktion nicht selbst, der Payment-Dienstleister Square hat seine Bezahlschnittstelle implementiert, verarbeitet die Transaktionen und speichert die Bankdaten der Snapchat-Nutzer.

Nachrichten werden mobil künftig nur noch im Facebook-Messenger angezeigt. (Screenshot: Facebook)
Der Facebook Messenger soll auch eine Mobile-Payment-Funktion bekommen: Geleakte Screenshot weisen darauf hin.. (Screenshot: Facebook)

Zu Snapchat gibt es noch etwas zu bemerken: Der Name Snapchat fällt meist im Zusammenhang mit Sexting, in den USA ist der Dienst bei Jugendlichen sehr beliebt. Eventuell wird die Bezahlfunktion so zur Einnahmequelle für das Verkaufen von Nacktbildern, eine bereits auf Diensten wie Kik oder Twitter weit verbreitete Praxis. Da läuft die Zahlung an den Messengern vorbei über Paypal. Snapchat geriet zuletzt in die Schlagzeilen, weil die „Sicherheit“ des Fotodienstes angezweifelt wurde. Die mit einem Selbstzerstörungsmodus versehenen Bilder sind im Netz verkauft worden.

Fazit: Messenger mit Mobile-Payment-Funktion könnten funktionieren

Nicht in Deutschland, jedenfalls nicht kurzfristig. Das ist sicher. Martin Weigert hat die Begründung dafür in seinem Artikel schön zusammengefasst: „Der deutsche Digitalmarkt funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Es existiert bei Bürgern und Firmen kein verbreiteter Anspruch darauf, beim Einsatz einer neuen Technologie zu den Ersten zu gehören. Nachdem sich aber eine Technologie in vielen Schlüsselmärkten der Welt ausgebreitet und damit ihren Machbarkeitsnachweis geliefert hat, springen die Deutschen gerne auf den Zug auf“. Aber international könnte das dem Thema Mobile-Payment zu einer ganz neuen Perspektive und dem Anwendungsszenario „Unter Freunden digital bezahlen“ zum Durchbruch verhelfen.

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Jochen G. Fuchs
Startup-Trend FinTech: Wie die Kleinen den großen Banken Konkurrenz machen http://t3n.de/news/startup-trend-fintech-kleinen-578012/ 2014-11-14T10:40:27Z
Wenn es einen Startup-Trend gibt, der momentan förmlich zu explodieren scheint, dann ist es der Bereich Financial Tech – kurz: FinTech. Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold. Wo enden die …

Wenn es einen Startup-Trend gibt, der momentan förmlich zu explodieren scheint, dann ist es der Bereich Financial Tech – kurz: FinTech. Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold. Wo enden die Chancen und beginnt der Hype?

Startup-Trend FinTech: Die Potenziale sind gewaltig

Die Investment-Summen im FinTech-Bereich steigen kontinuierlich an. (Grafik: Accenture FinTech Report London 2014)
Die Investment-Summen im FinTech-Bereich steigen kontinuierlich an. (Grafik: Accenture FinTech Report London 2014)

Was haben die Telekommunikations-, die Taxi- und die Hotelbranche gemeinsam? Sie alle haben bereits erfahren, was es heißt, wenn junge Konkurrenten den Markt aufmischen und den Big Playern die Kunden abluchsen, sei es mit neuen Ideen, besserem Service oder beidem. Disruption heißt diese Entwicklung im Fachjargon – und offenkundig ist nun der Finanzsektor an der Reihe.

Auch hier scheinen die Potenziale geradezu gewaltig, denn welche andere Branche ist schon derart allgegenwärtig im täglichen Leben der Endverbraucher – und gleichzeitig so rückständig, was Komfort, digitale Anwendungsszenarien und Nutzungserlebnis angeht? Entsprechend betreten quasi täglich neue , die in irgendeiner Form im Geschäftsfeld der alteingesessenen Banken wildern, die Bühne. Unterstützt und angefeuert werden sie von Business-Angels sowie neuen Inkubatoren und Accelerator-Programmen speziell für den FinTech-Bereich, etwa von Startupbootcamp in London, dem Inkubator LiquidLabs der Otto Group oder dem main incubator der Commerzbank.

Deutschland ist einer der Top-Five-Hotspots für FinTech-Startups. (Grafik: Accenture FinTech Report London 2014)
Deutschland ist einer der Top-Five-Hotspots für FinTech-Startups. (Grafik: Accenture FinTech Report London 2014)

„FinTech“ – Was ist das überhaupt?

Das Spielfeld, auf dem sich die aufstrebenden Entrepreneure und ihre Förderer tummeln, ist unglaublich groß. Denn der Terminus „FinTech“ bezeichnet im Prinzip alle Technologien rund um unsere Geldgeschäfte – von alltäglichen mobilen oder webbasierten Zahlungen über die Kontoverwaltung bis hin zu Anlagestrategien, Krediten, Versicherungen und dem Spendenwesen. Auch Wikipedia bleibt in der Definition von FinTech konsequenterweise ungenau:

„Fintech ist ein Sammelbegriff für moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen.“

So gehören etwa der Rechnungs-Abwickler rechnung48.de, die Spenden-App Twingle oder die Bitcoin-Börse Yacuna allesamt zum Bereich FinTech. Auch Gastro-Apps wie opentabs, deren Nutzer aus der App heraus bezahlen können, um Warteschlangen zu umgehen, lassen sich unter dem Oberbegriff Mobile Payment hier anführen. Doch auch wenn man den Fokus auf die „klassischen“ alltäglichen Bankdienstleistungen – Kontoführung, Überweisungen, Kredite, Geldanlagen – einengt, findet sich eine ganze Reihe junger, ambitionierter Startups – um diesen FinTech-Bereich „im engeren Sinne“ soll es hier gehen.

FinTech-Startups versus Banken: Schicker, schneller, schlanker

Startups wie Centralway Numbrs, KontoPilot oder m8 wollen Privatkunden helfen, ihre Finanzen besser zu verwalten. (Foto: Numbrs)
Startups wie Centralway Numbrs, KontoPilot oder m8 wollen Privatkunden helfen, ihre Finanzen besser zu verwalten. (Foto: Numbrs)

Ihre Chance sehen FinTech-Startups wie numbrs, finanzpilot oder m8 vor allem in einer verbesserten Kundeninteraktion, denn diese haben die großen Bankhäuser in den letzten Jahren vernachlässigt. Immer mehr Menschen nehmen den Weg in die Bankfiliale selten bis gar nicht mehr auf sich – und in der digitalen Welt haben die traditionellen Geldinstitute außer dem klassischen Online-Banking nicht viel zu bieten. Eine gute User-Experience, zusätzliche Funktionalitäten wie etwa Ausgabenanalyse, Konto-Alarm oder vereinfachte Überweisungen an Freunde können gerade für jüngere, digitalaffine Kunden bereits den Ausschlag geben, zu wechseln.

Und auch im Bereich der Kreditvergabe bewegen die Startups sich weitaus schneller als ihre etablierten Konkurrenten: Kreditech aus Hamburg etwa wirbt mit modernen, Big-Data-gestützten Bonitätsprüfungsverfahren, die mehr Differenzierung ermöglichen als die standardmäßige Schufa-Abfrage. In einigen Ländern wird das Scoring-Verfahren bereits zur Kreditvergabe eingesetzt.

Der Kampf um die Kundenbeziehung

„Die Banken verlieren die Touchpoints zum Kunden.“

Die Gefahr für die etablierten Bankhäuser liegt dabei vor allem im Verlust der Kundenbeziehung. Denn wenn Kontozugriff, Transaktionen, Kreditanträge et cetera über das Interface von Drittanbietern erfolgen, entfallen die verbliebenen direkten Berührungspunkte zwischen Bank und Kunde. Zwar ist die Bank weiterhin als Abwicklungspartner im Hintergrund beteiligt, doch ist es theoretisch nur noch eine Frage der Zeit, bis sie auch diese Funktion verliert – zumindest aus Kundensicht ist der Transfer zur Konkurrenz ja bereits vollzogen.

Im Bereich der digitalen Transaktionen etwa ist diese Entwicklung bereits passiert: Wer online bezahlt, macht das über Paypal, Sofortüberweisung und Co. – die Bank selbst ist nur noch im Hintergrund an der Transaktion beteiligt. Und hat damit auch keinen Zugriff mehr auf die Kunden, um die Markenbindung zu festigen oder auf weitere Produkte und Services hinzuweisen. Schon heute bietet PayPal auch die Möglichkeit, kleinere Geldbeträge schnell und einfach an Freunde zu versenden – und knabbert damit noch ein weiteres Stückchen aus dem Banken-Kuchen.

„Die Sache mit der Bankenlizenz“: Die regulatorischen Hürden sind hoch

Doch so schnell müssen die Banken nicht um ihr Kerngeschäft bangen. Anders als in vielen anderen Branchen sind die regulatorischen Hürden im Finanzsektor von Anfang an sehr hoch. Um das volle Dienstleistungsspektrum einer Bank, beispielsweise eigene Konten, anbieten zu dürfen, brauchen auch die Startups eine Bankenlizenz – und die bekommt nicht jeder. Für viele junge Unternehmen führt der Weg daher über eine Kooperation mit einer lizensierten Bank – wie etwa vexcash, das Kurzzeit-Kredite vermittelt und dabei auf eine Partnerschaft mit der net-m Privatbank setzt.

„Einer der größten Stolpersteine für die ‚jungen Wilden‘.“

Die regulatorischen Hürden schätzt André M. Bajorat, der zahlreiche Banken in puncto Digitalisierung berät und mit Figo selbst ein FinTech-Startup gegründet hat, als einen der größten Stolpersteine für die „jungen Wilden“ ein. Nicht nur sei man stets auf einen etablierten Partner angewiesen – durch die Zusammenarbeit werde dieser selbst ja auch wieder schlauer, „mit der Gefahr, dass er dich irgendwann rechts überholt.“ Und ganz kampflos wollen die großen Schiffe den Markt eben auch nicht aufgeben: „We are a bank and we refuse to die!“ verkündete kürzlich ein Panel auf dem Pioneers-Festival für Startups in Wien.

Auch Thomas Grota, Venture-Capitalist bei der Telekom, warnt davor, sich zu blauäugig auf das Märchen von der Disruption zu verlassen:

„Der Innovationsbeitrag im Fintech-Umfeld darf sich nicht nur auf die Verbesserung von Frontend und Usability beschränken – diese Einschätzung von Startups wäre naiv. Einige Banken haben ihre Apps in diesen Bereichen bereits stark verbessert, wie z.B. aktuell die ING-DiBa mit SmartSecure. FinTech-Startups müssen innovative Ansätze liefern, die tiefer in den Prozessen und in der Wertschöpfungskette ansetzen, um erfolgreich zu sein.“

Vertrauen muss wachsen: Vorbehalte auf Seiten der Kunden

Die etablierten Banken haben einen weiteren großen Vorteil: ob Lovebrand oder nicht – immerhin haben sie eine Marke. Und selbst wenn das Vertrauen der Kunden in Finanzinstitutionen in den letzten Jahren gelitten hat wie in kaum einem anderen Sektor, heißt das noch lange nicht, dass die Verbraucher ihr Erspartes ohne weiteres einem neuen Anbieter anvertrauen. Denn wenn es ums Geld geht, sind die Ansprüche – und die Vorbehalte gegenüber Neuem – besonders hoch.

So sieht das auch Paul Jozefak, der mit dem Inkubator LiquidLabs innovative Finanzprodukte im Auftrag der Otto Group auslotet:

„Banken geben immer noch Sicherheit. Viele Endkunden sind nicht bereit, ihre Bankgeschäfte einem kleinen, unbekannten Player zu überlassen, weil sie um die Durchsetzungsfähigkeit ihrer Ansprüche besorgt sind.“

Bisher können die Startups nur Nadelstiche setzen

Für Jozefak ist das auch der Grund, warum die meisten FinTech-Startups eher in kleinen Nischen agieren und noch eine wirkliche Bedrohung für die Banken sind. „Vielleicht wird es irgendwann einen richtig großen neuen Player geben, der alles macht: vom klassischen Bankaccount über Kredite bis hin zu internationalen Überweisungen. Bis dahin bleibt FinTech aber ein Wachstumsmarkt.“

Das Fintech-Startup Number26 will ein eigenes Girokonto anbieten. (Foto: Number26)
Das Fintech-Startup Number26 will ein eigenes Girokonto anbieten. (Foto: Number26)

Einen solchen Rundumschlag plant das Berliner Startup Number26. Es will ein eigenes Girokonto samt Mastercard und Banking-App anbieten – der Launch ist noch für dieses Jahr geplant, schon im nächsten Jahr soll die Expansion über Deutschland, Österreich und die Schweiz hinausgehen.

„Das Girokonto steht meist im Zentrum der verschiedenen Bankdienstleistungen. FinTech-Startups bedienen allerdings derzeit überwiegend Nischen, an das Thema Girokonto und damit die wesentliche Kundenbeziehung hat sich bisher in Europa noch niemand herangetraut,“ sagt CEO Valentin Stalf.

Doch wer genauer nachfragt, erfährt auch hier: Das Startup sieht sich im Grundsatz zwar durchaus als Konkurrent der etablierten Banken – für seinen geplanten Service hat es sich statt einer eigenen Bankenlizenz aber ebenfalls einen alteingesessenen Kooperationspartner zugelegt. Welche deutsche Bank das genau ist, will man in den nächsten Wochen verraten. Die Aufteilung der Verantwortungsbereiche folgt dem oben beschriebenen Muster:

„Number26 stellt alle Bereiche zur Verfügung, die der Kunde unmittelbar wahrnimmt und mit der eine Differenzierung von den Angeboten anderer Banken erreicht werden kann, also Customer Service, Online Interface, Mobile Apps. Die Partnerbank hält die Mittel der Kunden, sorgt für deren gewinnbringende Veranlagung und steht für ein bankübliches Sicherheitsniveau sowie die Einhaltung aller Gesetze und regulatorischen Vorgaben ein.

Sonderfall FinTech: Wenn David und Goliath zusammenarbeiten

Das Beispiel Number26 zeigt, dass im Spannungsfeld FinTech immer mehr auf Kooperation statt auf Konkurrenzkampf gesetzt wird. Der „Angriff auf die Banken“ und die Warnung, dass sich die „Incumbents“, im Disruptions-Szenario der Begriff für die etablierten Akteure, warm anziehen müssten, scheinen ihren Platz eher in den Marketing-Parolen als im realen Geschäftsmodell zu haben.

Der main incubator der Commerzbank ist der erste deutsche Startup-Inkubator mit einer Großbank als Anker-Investor. (Screenshot: main incubator)
Der main incubator der Commerzbank ist der erste deutsche Startup-Inkubator mit einer Großbank als Anker-Investor. (Screenshot: main incubator)

„Abseits etablierter Bankenstrukturen denken und das Banking grundlegend verändern.“

Ein weiteres Beispiel für die Kooperationsbemühungen in der Branche ist der „main incubator“, den die Commerzbank im Frühjahr gestartet hat: Die Startups, die in das Förderprogramm aufgenommen werden, erhalten Büroräume, Infrastruktur und Beteiligungskapital (in bis zu einstelliger Millionenhöhe) und profitieren darüber hinaus vom Banking-Know-how und dem Zugang zu den Privat- und Geschäftskunden der Commerzbank. Denkbar sind sowohl Ideen, die direkt der Commerzbank zugute kommen, als auch gänzlich unabhängige Projekte, die in neue Gesellschaften ausgegründet werden. Wichtig ist dem main incubator, dass die Probanden „abseits etablierter Bankenstrukturen denken und dadurch Ideen generieren, die das Banking grundlegend verändern.“

Nach Angaben der Macher haben sich bereits über 90 Startups beim main incubator beworben – eine erste Kooperation mit dem Startup Traxpay wurde im September verkündet. „Das Banking steht gerade vor starken Veränderungen und die Startups, die die aktuellen Kundenfragen am besten lösen, geben die Richtung vor,“ sagt Christian Hoppe, Founder Director und Geschäftsführer des main incubator. Die Kombination von Agilität und Innovationskraft einerseits und Know-how und Vertriebskraft andererseits berge große Vorteile für beide Seiten.

Eine Übersicht sämtlicher Kooperationen zwischen Banken und Startups im FinTech-Bereich findet ihr im Blog von André M. Bajorat.

Fazit

Disruption ist ein magisches Wort im Startup-Jargon. Traditionelle Geschäftsmodelle aufmischen und riesige Märkte von Grund auf neu erschließen – wer träumt nicht davon? Wer möchte nicht das nächste Airbnb oder das nächste Uber sein?

Auch bei FinTech wird gerne und oft auf das sagenumwobene Erzählmuster der Disruption verwiesen. Doch der Vergleich hinkt. Denn statt die dicken Schiffe zu entern, finden FinTech-Startups sich immer öfter im selben Boot mit ihren vermeintlichen Konkurrenten wieder. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt geht es in der Branche eher um Kooperation als um Verdrängung. Die Potenziale für digitale Innovationen in der Finanzbranche sind gewaltig – wer sie abschöpfen wird, ist aber noch keineswegs entschieden.

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Lea Weitekamp
Growth.Digital: Die digitale Bibliothek für alle Growth-Hacker http://t3n.de/news/growthdigital-bibliothek-growth-hacker-578344/ 2014-11-13T09:10:27Z
Der Marketing-Trend Growth-Hacking nimmt immer mehr an Fahrt auf. Nun gibt es eine neue Plattform im Netz, die alles Wissenswerte zum Thema bündelt und sich als Anlaufstelle für die Recherche von …

Der Marketing-Trend Growth-Hacking nimmt immer mehr an Fahrt auf. Nun gibt es eine neue Plattform im Netz, die alles Wissenswerte zum Thema bündelt und sich als Anlaufstelle für die Recherche von Growth-Hackern etablieren könnte.

Growth.Digital: Eine neue Anlaufstelle für Growth-Hacker im Netz

Growth.Digital will alles Wissen bündeln, das Growth-Hacker für ihre Arbeit brauchen.
Growth.Digital will alles Wissen bündeln, das Growth-Hacker für ihre Arbeit brauchen. (Screenshot: Growth.Digital)

Die Evolution macht auch vor dem Marketing nicht halt: In den letzten Monaten hat sich der Growth-Hacker als moderner Marketer, der durch moderne, datengestützte Strategien und Experimente das Wachstum vorantreibt, auch in unseren Breitengraden etabliert.

Auf t3n.de haben wir schon des öfteren über die neue Marketing-Disziplin berichtetQuellen für Growth-Hacker versammelt und euch Tipps gegeben, wie ihr den Einstieg als Growth-Hacker meistern könnt. Nun gibt es eine neue Anlaufstelle im Netz, bei der ihr euch mit Wissen rund ums Growth-Hacking eindecken könnt: Growth.Digital.

„Ich bin selbst Growth-Hacker und habe mit der Zeit tonnenweise Material aus Blogartikeln und Case Studies zusammengetragen,“ erklärt Briod François, der hinter dem Projekt steht. „Die Website ist mein Weg, dieses Material mit der Community zu teilen.“

Jeder kann zum Aufbau der Datenbank beitragen

Growth-Hacker Briod François hat das Projekt gestartet. (Foto: Twitter)
Growth-Hacker Briod François hat das Projekt gestartet. (Foto: Twitter)

Growth.Digital versammelt zahlreiche digitale Quellen zum Thema in den Kategorien Case Studies, Growth-Hacks und Guidelines – wie zum Beispiel den „Definitive Guide to Growth-Hacking“ von Neil Patel und Branson Taylor, oder das Growth-Hack-Beispiel des Netzwerks Linkedin, das über die Kontakt-Importfunktion immer neue User generiert.

Jeder kann zum Aufbau der Growth.Digital-Wissensdatenbank beitragen und eigene Links, Beispiele, Artikel oder Videos einreichen. Die Informationen auf der Website sind, wie Briod François betont, Creative-Commons-lizensiert und der Pool an Informationen soll mithilfe der Crowd weiter wachsen.

Eine Konkurrenz zu Growthhackers.com, der bekanntesten und größten Growth-Hacker-Plattform im Netz, sieht François nicht: „Dort gehe ich vor allem hin, um zu diskutieren und den Rat von Experten einzuholen. Bei Growth.Digital lege ich vor allem Wert darauf, die Inhalte gut zu taggen und nach den einzelnen Kategorien durchsuchbar zu machen.“

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Lea Weitekamp
Die 10 beliebtesten Artikel der Woche: Edward Snowden, Lollipop und die heißesten Tech-Trends 2015 http://t3n.de/news/10-beliebtesten-artikel-woche-51-572857/ 2014-10-18T09:00:19Z
Trotz Apple-Leak, Apple-Keynote und diverser Launches aus dem Hause Google geht der erste Platz unseres wöchentlichen Artikel-Rankings ganz klar an jemand anderen: Edward Snowden mit seiner …

Trotz Apple-Leak, Apple-Keynote und diverser Launches aus dem Hause Google geht der erste Platz unseres wöchentlichen Artikel-Rankings ganz klar an jemand anderen: Edward Snowden mit seiner Warnung vor Dropbox und Co. Außerdem beliebt: Kostenlose WordPress-Themes für Responsive Design, ein 23jähriger, der 500.000 Dollar im Jahr mit Twittern verdient und Beispiele für kreative Visitenkarten.

1. Edward Snowden: „Vernichtet eure Dropbox, vermeidet Facebook und Google“

Edward Snowden im Interview über Dropbox, Google und Co. (Screenshot: YouTube/The New Yorker)

In einem Interview im Rahmen der Präsentation des Dokumentarfilms „Citizenfour“ hat Edward Snowden noch einmal eindringlich vor dem Benutzen von Services wie Dropbox gewarnt. Facebook und Google seien „gefährliche Dienste“.

Unser Artikel: Edward Snowden: „Vernichtet eure Dropbox, vermeidet Facebook und Google“

2. Diese kreativen Bewerbungen stechen aus der Masse heraus

Brandon Kleinman weiß, dass Personaler auf Facebook nach Informationen suchen. (Foto:  Brandon Kleinman-Facebook)

Es gibt so einige Bewerbungen im Netz, die in Sachen Kreativität und Einfallsreichtum kaum zu übertreffen sind. Sehr beliebt sind Bewerbervideos. Wir haben für euch zehn Beispiele kreativer Stellengesuche aus der Webwelt kuratiert.

Unser Artikel: So gewinnt man Aufmerksamkeit: 10 kreative Bewerbungen, die aus der Masse herausstechen

3. 40 kostenlose WordPress-Themes für Responsive Design

Responsive WordPress-Themes. (Screenshot: Am I Responsive?)

Das Angebot an kostenlosen Templates für die eigene Website wächst stetig. Auch die Auswahl an WordPress-Themes, die Responsive Webdesign unterstützen, ist inzwischen beachtlich. Zur besseren Übersicht hier eine Auswahl von 40 kostenlosen und responsiven WordPress-Themes.

Unser Artikel: 40 kostenlose WordPress-Themes für Responsive Design

4. Android 5.0 Lollipop: Diese Geräte werden mit Updates versorgt

Ein Update auf Android 5.0 Lollipop dürften wir auch von anderen Herstellern erwarten. (Foto: Motorola)

Google hat mit Lollipop die neuste Version seines Android-Betriebssystems vorgestellt. Die ersten Geräte auf Lollipop-Basis sind bereits bekannt. Darüber hinaus aber werden natürlich auch wieder viele Geräte der aktuellen Smartphone- und Tablet-Generation ein Update erhalten. Wir geben euch eine Übersicht darüber, welche Geräte definitiv mit einem Update versorgt werden.

Unser Artikel: Android 5.0 Lollipop: Diese Geräte werden mit Updates versorgt

5. UberFacts: Wie ein 23-Jähriger 500.000 Dollar im Jahr mit Twittern verdient

UberFacts-LogoUrsprünglich habe er sich im Frühjahr 2009 bei Twitter angemeldet, um Britney Spears zu folgen – weil diese ihm nicht zurückgefolgt sei und er nicht gewusst habe, was er twittern soll, habe er einfach Tweets mit Fakten abgesetzt. Das sagt Kris Sanchez: Der 23-jährige setzt unter dem Account UberFacts täglich zwischen 60 und 70 Tweets ab. Damit hat er im vergangenen Jahr 500.000 US-Dollar eingenommen.

Unser Artikel: UberFacts: Wie ein 23-Jähriger 500.000 Dollar im Jahr mit Twittern verdient

6. Leak: Apple enthüllt versehentlich das iPad Air 2 und das iPad mini 3

ipad-Wallpaper_ipad3wallpapersEigentlich lud Apple erst am Donnerstag zur Keynote auf dem firmeneigenen Campus. Per Livestream sollte die Bekanntmachung über neue Produkte weltweit live übertragen werden. Versehentlich wurden das iPad Air 2 und iPad mini 3 aber schon früher enthüllt: Die Screenshots für eine offizielle Anleitung für iOS 8 im iTunes Store wurden offensichtlich zu früh aktualisiert.

Unser Artikel: Warum auf die Keynote warten? Apple veröffentlicht Details zu iPad Air 2 und iPad mini 3

7. Gartner: Die heißesten Tech-Trends 2015

2015Die Analysten des IT-Marktforschungsinstituts Gartner haben auch dieses Jahr wieder einen Blick in die Glaskugel geworfen und die zehn strategisch wichtigsten Technologie-Trends für das kommende Jahr definiert.

Unser Artikel: Das sind die heißesten Tech-Trends für 2015: Gartner blickt in die Zukunft

8. Ein Augenschmaus: 50 minimalistische und inspirierende Visitenkarten

minimalistische visitenkartenSchlichtes Design funktioniert dieser Tage fast überall. Beliebt sind beispielsweise auch minimalistische Visitenkarten: Obwohl die kleinen Kärtchen heutzutage nicht mehr jedermanns Sache sind und immer häufiger durch Online-Profile ersetzt werden, gibt es viele Personen, die es etwas puristischer mögen. Wir haben die schönsten Beispiele für euch herausgesucht.

Unser Artikel: Ein Augenschmaus: 50 minimalistische und inspirierende Visitenkarten

9. Skandal um den Kickstarter-Stürmer Anonabox?

anonabox_tor_4Zunächst wurde er als Kickstarter-Rakete gefeiert: Der angeblich quelloffene Tor-Router hat sein Finanzierungsziel schon früh weit übertroffen. Doch schon 27 Tage vor Ende der Crowdfunding-Kampagne mehren sich die Zweifel an dem Projekt.

Unser Artikel: Zweifel an Anonabox: Ist der Tor-Router der nächste Kickstarter-Skandal? [Update]

10. 20 praktische Erweiterungen für den Chrome-Browser

google-chromeGoogles Chrome-Browser hat nicht zuletzt wegen der vielen praktischen Erweiterungen einen so starken Höhenflug in den letzten Jahren erlebt. Wir haben euch 20 der besten Chrome-Erweiterungen herausgesucht. Ergänzungen welcome!

Unser Artikel: 20 praktische Erweiterungen für den Chrome-Browser

 

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Lea Weitekamp
Das sind die heißesten Tech-Trends für 2015: Gartner blickt in die Zukunft http://t3n.de/news/gartner-tech-trends-fuer-2015-571407/ 2014-10-13T08:56:40Z
Die Analysten des IT-Marktforschungsinstituts Gartner haben auch dieses Jahr wieder einen Blick in die Glaskugel geworfen und die zehn strategisch wichtigsten Technologie-Trends für das kommende …

Die Analysten des IT-Marktforschungsinstituts Gartner haben auch dieses Jahr wieder einen Blick in die Glaskugel geworfen und die zehn strategisch wichtigsten Technologie-Trends für das kommende Jahr definiert.

Gartner: Das sind die 10 Top-Tech-Trends für 2015

Ein strategischer Trend ist für Gartner eine Entwicklung, die in den nächsten drei Jahren für die meisten Unternehmen relevant werden wird. Auch wenn sie vielleicht noch nicht innerhalb der nächsten Monate zu Veränderungen zwingt, raten die Analysten dennoch dazu, sich mit den vorgestellten auseinanderzusetzen und gegebenenfalls das eigene Unternehmen betreffende Entscheidungen zu fällen.

Diese zehn strategischen Tech-Trends hat Gartner für 2015 identifiziert:

1. Computing Everywhere

Aus der Tatsache, dass Nutzer heutzutage quasi ständig von Computern umgeben sind und in jeder Situation auf deren Rechenleistung zurückgreifen möchten, ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten für Unternehmen – aber auch Herausforderungen, so Gartner. Immerhin verlieren die Anbieter „die Kontrolle über die Endgeräte beim Nutzer“ und müssen sich stärker mit User-Experience-Design und dem Nutzungskontext ihrer Apps und Software auseinandersetzen.

2. Das Internet der Dinge

In eine ähnliche Richtung weist Nummer zwei der von Gartner definierten Top-Tech-Trends für 2015: Das Internet of Things, das den menschlichen Alltag im nächsten Jahr noch stärker durchziehen wird als bisher. Für Unternehmen ergeben sich aus dieser Entwicklung neue Nutzungs- und Geschäftsmodelle für ihre physischen Produkte und ihre IT-Systeme.

3. 3D-Druck

Laut Gartner wird die weltweite Auslieferung von 3D-Druckern 2015 um 98 Prozent zulegen. In den nächsten drei Jahren werde der 3D-Druck seinen Höhepunkt erreichen, so das Unternehmen. Vor allem in puncto kostengünstiges Design, Prototyping und in der Herstellung ist das Thema 3D-Druck auch für Unternehmer sehr relevant.

Der Micro 3D, ein erschwinglicher 3D-Drucker. (Quelle: themicro3d.com)
Der Micro 3D, ein erschwinglicher 3D-Drucker. (Quelle: themicro3d.com)

4. Neue Formen der Datenanalyse

„Der Big-Data-Trend braucht einen neuen Fokus: Zuerst die großen Fragen, die großen Antworten, und dann die Daten.“ Hiermit spielt Gartner auf den bisher oftmals unreflektierten Umgang mit den verfügbaren großen Datenmengen an. Denn diese sind nur wertvoll, wenn man weiß, welche Fragen man stellen kann – und wie man in der Analyse entsprechend vorgeht. Wie die Marktforscher voraussagen, werden Methoden und Ansätze der Datenanalyse in den nächsten Jahren entsprechend dazulernen.

5. Kontextbasierte Systeme

Immer mehr Menschen nutzen vernetzte Systeme, die Informationen mit Hilfe von Sensoren zusammentragen, dazulernen und die Nutzer so besser durch ihren Alltag begleiten können. Laut Gartner wird dieses Nutzungsverhalten in Zukunft noch zunehmen. Ein frühes Anwendungsbeispiel sind kontextsensitive Sicherheitssysteme.

6. Intelligente Maschinen

Schon heute gibt es autonome Fahrzeuge, versierte Roboter oder virtuelle Assistenten. In Zukunft werden wir noch deutlich mehr dieser „smarten“ Helfer sehen – egal, ob sie den Alltag erleichtern oder die Kombination aus Kontextsensitivität, Datenanalyse und autonomem Handeln die unternehmensinternen Prozesse verbessert. „Die Ära der intelligenten Maschinen wird die disruptivste in der Geschichte der IT sein“, prophezeit Gartner.

Googles selbstfahrender Zweisitzer kommt ohne Lenkrad und Bremse aus.
Ein Beispiel für intelligente Maschinen: Googles selbstfahrender Zweisitzer.

7. Cloud Computing

Die Cloud wird Unternehmen auch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen, nicht zuletzt, weil sie eine wichtige Säule des Ubiquitous Computing darstellt. Vor allem die Synchronisation von Inhalten über verschiedene Endgeräte hinweg ist eine Baustelle, mit der viele Anbieter entsprechender Software sich noch eingehend beschäftigen müssen.

8. Software-Defined Applications and Infrastructure

Die Ansprüche an die Infrastrukturen digitaler Anbieter sind nicht immer gleich – vielmehr gibt es Zeiten mit massiver und Phasen geringer Auslastung. Diesen flexiblen Anforderungen können Unternehmen mit Software-Defined-Networking begegnen, einer Methode, bei der die unteren Funktionsebenen eines Netzwerkes in virtuelle Services ausgelagert werden. Solche dynamischen Modelle werden in Zukunft immer wichtiger, so Gartner.

9. Web-Scale IT

Immer mehr Unternehmen werden für ihre internen Prozesse eigene, hochgradig flexible und skalierbare Infrastrukturen brauchen – wie etwa Amazon, Google und Facebook es bereits vorgemacht haben. Der Weg zu skalierbaren Webanwendungen führt nach Ansicht von Gartner für die meisten Unternehmen über DevOps – die Synchronisierung von Anwendungsentwicklung und IT-Betrieb.

10. Risikobasierte Sicherheits- und Schutzmaßnahmen

Langsam dringt die Erkenntnis, dass es im Netz keine allumfassende Sicherheit gibt – und das man im Versuch, diese zu etablieren, Fortschritte verhindert – zu immer mehr Unternehmen durch. Gartner sieht die Zukunft im Bereich Web Security daher auf der Ebene der Anwendungsentwicklung: „Segmente und Firewalls reichen nicht mehr aus; jede App muss ich-bewusste und selbstschützende Funktionalitäten aufweisen.“

Die Infografik zeigt noch mal alle Top-Tech-Trends für 2015 – zum Vergrößern einfach anklicken.

Die Top-Tech-Trends für 2015. (Grafik: Gartner)
Die Top-Tech-Trends für 2015. (Grafik: Gartner)

 

via netzwertig.com

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Lea Weitekamp
Self-Publishing: Wie ein Trend den Buchmarkt erobert [Frankfurter Buchmesse] http://t3n.de/news/self-publishing-trend-buchmarkt-569444/ 2014-10-11T11:00:29Z
Self-Publishing, also das Verlegen ohne Verlag, ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch, auch auf der Frankfurter Buchmesse. Wir haben uns vor Ort umgehört und festgestellt: Aus dem Trend ist …

Self-Publishing, also das Verlegen ohne Verlag, ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch, auch auf der Frankfurter Buchmesse. Wir haben uns vor Ort umgehört und festgestellt: Aus dem Trend ist längst eine eigene, kleine Branche geworden.

Self-Publishing: Steigender Marktanteil, sinkende Erträge

Auf der Frankfurter Buchmesse gibt es eine eigene Self-Publishing-Area. (Foto: Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann)
Auf der Frankfurter Buchmesse gibt es eine eigene Self-Publishing-Area. (Foto: Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann)

Brauchen Autoren heute noch Verlage? Ganz sicher – und doch kann es eine gute Idee sein, das eigene Buch selbst zu verlegen und zu vermarkten. Und so erobern immer mehr Self-Publisher einen Markt im Umbruch, nicht umsonst gibt es seit 2013 eine eigene Self-Publishing-Area auf der Frankfurter Buchmesse.

„Self-Publishing boomt“, konstatiert auch Florian Geuppert, Geschäftsführer bei Books on Demand. „Bereits heute ist jedes zweite E-Book und jedes vierte Printbuch in Deutschland selbstverlegt – Tendenz steigend.“ Und dank neuer Drucktechnologie könnten Autoren ihre Bücher heute auch bei höheren Seitenzahlen für unter zehn Euro anbieten. Um den Markt allerdings voll ausschöpfen zu können, sei ein entscheidender Faktor der breite Vertrieb, so Barbara Thiele, CEO von epubli: „Es wird immer wichtiger, in allen Shops verfügbar zu sein. Dazu zählen neben den großen Plattformen wie Apple, Google, Amazon und Kobo auch Leihmodelle wie Skoobe. Der Amazon-Streit zeigt, dass man nicht nur auf einen Vertriebspartner setzen sollte.“

Self-Publishing: Warum sich der Buchhandel noch schwer tut

„Ich kann als kleine Buchhandlung nicht den ganzen Buchmarkt abbilden.“

Auch auf der Buchmesse 2014 wird das Thema Self-Publishing breit diskutiert. Auch, weil Self-Publishing einen steigenden Marktanteil bei Printbüchern hat – und obwohl der Ertrag pro Titel sinkt. Und unter anderem der traditionelle Buchhandel tue sich mit dem Trend, der schon fast keiner mehr ist, nach wie vor schwer, so Sönke Schulz vom Self-Publishing-Dienstleister tredition: „Aus unserem Gesamtkatalog sind ungefähr 65 Prozent Fach- und Sachbücher, und da ist die Platzierung im Handel noch mal schwerer, da funktioniert auch die Suche bei den Lesern ganz anders. Da fehlt es mir noch ein bisschen auf Buchhändlerseite, mit einem Konzept auf uns zuzukommen und zu überlegen, wie man Self-Publishing-Formate besser vermarkten kann.“ Die großen Verlage hätten da Jahrzehnte an Erfahrung. „Wir als Self-Publishing-Diensleister sind da sehr unerfahren, aber sehr offen.“

Dem hält Buchhändlerin Elisabeth Windfelder von der Buchhandlung Herr Holgersson entgegen: „Ich kann als kleine Buchhandlung nicht den ganzen Buchmarkt auf 100 Quadratmetern abbilden. Ich muss auch gucken, was die Leute vor Ort haben wollen. Das ist gar keine grundnegative Haltung gegenüber Self-Publishern, sondern das ganz normale Auswahlverfahren.“

„Es geht auch um die Akzeptanz als Autor“

Selbst drucken? Das muss heute niemand mehr. (Foto: Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann)
Selbst drucken? Das muss heute niemand mehr. (Foto: Frankfurter Buchmesse / Alexander Heimann)

„Man muss hartnäckig sein und vieles ausprobieren.“

In der Branche spielt man sich (noch) gegenseitig den schwarzen Peter zu. Tamara Weise vom Börsenblatt jedenfalls sieht eher die Self-Publisher in der Pflicht, für die Sichtbarkeit im Handel selbst zu sorgen: „Buchhändler sind das Arbeiten mit Katalogen gewöhnt. Ich fände es besser, wenn sich die Self-Publisher zusammentun und sich was überlegen.“

Autor Gerrit Fischer zumindest beweist, dass Self-Publishing durchaus funktionieren kann: 1.300 Stück seiner beiden Romane habe er schon verkaufen können, über den klassischen Buchhandel seien es gerade mal 100 bis 150 Stück davon gewesen. „Doch es geht nicht nur um die Verkaufszahlen“, betont er. „Es geht auch um die Akzeptanz als Autor und die Präsenz im Handel. Das Wichtigste ist, eine geringe Erwartungshaltung zu haben. Ich will nicht verschweigen, dass viele Buchhandlungen gar nicht reagieren, da muss man hartnäckig sein und vieles ausprobieren.“

Self-Publishing – auch juristisch ein weites Feld

„Gerade bei Büchern und Zeitschriften liegt die Hürde für den Titelschutz sehr niedrig.“

Doch auch rechtliche Fragen stellen sich für all diejenigen Autoren, die ihre Bücher selbst verlegen und vermarkten wollen. „Darf ich das?“ überschrieb Medienrechtler Richard Hahn seinen Vortrag, in dem er klar stellte, dass viele der Aufgaben, die sonst von Verlagen übernommen werden, beim Self-Publishing nicht vergessen werden dürften.

So gebe es unter anderem beim Titelschutz einen sehr großen Graubereich, „aber gerade im Buch- und Zeitschriftenbereich liegt die Hürde für den Titelschutz sehr niedrig.“ Und bei Rechtsstreitigkeiten müsse man mit mehreren Tausend Euro rechnen, die es aufzubringen gilt, „bei einer Abmahnung alleine schon mit 1.000 bis 1.500 Euro“. Nicht zu vergessen: Auch an ein Impressum im Buch müssent Autoren achten, betont Hann – und verweist auf eine Vorlage des Dienstleister Books on Demand.

Self-Publishing ist auch Self-Marketing

Autorin Emily Bold. (Foto: emilybold.de)
Autorin Emily Bold. (Foto: emilybold.de)

Neben den technischen und rechtlichen Fragen ist auch das Selbst-Marketing von Autoren entscheidend für den Erfolg eines Projekts. Autorin Emily Bold weiß das nur zu gut. „Am Anfang war mir gar nicht bewusst, dass ich eine Marke werden muss.“, sagt sie und fügt hinzu: „Bei den klassischen Verlagen aber sind ja auch die Autoren die Marken. Dabei muss das Konzept über alle Kanäle stimmig sein – vom Cover über die Homepage bis zu Kanälen wie Facebook oder YouTube.“

Und auch Autor Danny R. Wood hat schon oft genug erfahren, wie groß der Einfluss des Marketings sein kann. Er ist ungewöhnliche Wege gegangen, um Marketing für sein Buch „Limetten retten in Sidney“ zu betreiben: So hat er nicht nur bei lokalen Buchhändlern Klinken geputzt, sondern beispielsweise auch Bars in München angesprochen, ob sie nicht einen eigenen Longdrink für seinen Roman kreieren wollen. „Und da sagen einige nein, aber einige eben auch ja.“ Absagen gehörten einfach dazu. Davon dürfe man sich eben nicht entmutigen lassen. Und: Man dürfte nicht alles mitmachen, bloß weil es den Verkauf ankurbeln kann, so Bold: „Marketing um jeden Preis ist nicht meine Sache. Man sollte das Produkt verkaufen, nicht sich selbst.“

Wood und Bold betonen zudem beide, dass Marketing nur dann funktioniere, wenn das Ganze funktioniert – vor allem der Vertrieb. Und: Es gehöre immer auch ein gutes Stück Glück dazu. „Ich glaube, das passiert einfach. Sich vorzunehmen, eine Marke zu werden – das funktioniert glaube ich nicht“, sagt Bold. Beginne eine Marke aber erst einmal, sich zu etablieren, so Autor Heinz-Josef Harling, werde es spannend. „Man stellt spätestens beim zweiten Buch fest, dass das zweite Buch das erste Buch treibt.“ Und auch mit negativen Rezensionen, etwa auf Amazon, müsse man nicht nur leben, man könne es auch ganz wunderbar, wie er bei seinem ersten eigenen Krimi festgestellt hat: „Die Woche, nachdem der Verriss drin war, hat sich der richtig gut verkauft.“

„Da draußen ist noch viel, viel mehr“

Wie schwammig die Definition Self-Publishing bei allem Erfolg einzelner Autoren noch ist, zeigt das Beispiel Oetinger. Im März hat der Kinder- und Jugendbuch-Verlag seine Plattform „Oetinger 34“ gestartet, ein Projekt, das noch in einer geschlossenen Beta-Phase läuft und das von der Fachpresse schnell als Self-Publishing-Plattform bezeichnet wurde. „Ich glaube, die meisten Leute assoziieren Digitales Publising mit Self-Publishing“, sagt Tea Herovic, Business-Development-Managerin bei Oetinger. „Das ist etwas, an dem wir uns wirklich abgearbeitet haben mit Oetinger 34.“

Eigentlich nämlich ist Oetinger 34 eine Plattform, die Autoren, Illustratoren, Lektoren und Lesern die Möglichkeit bieten soll, gemeinsam an neuen Projekten zu arbeiten. „Scouts und Agenten finden nach wie vor tolle Sachen, aber da draußen ist noch viel, viel mehr“, so Herovic. „Und mit der Plattform können wir einfach schneller reagieren, auch auf Trends.“

Darüber hinaus aber soll Oetinger 34 auch ein Türöffner sein für Berufe wie Lektoren, für die der Markt unglaublich eng sei. „Wir bieten damit so etwas an wie kleine Volontariate“, sagt Herovic. Und der Erfolg gibt ihrem Projekt Recht: „Wir mussten sogar schone eine Projektbegrenzung einführen: maximal fünf Projekte für Illustratoren und drei für Autoren. Immerhin arbeiten unsere aktuell 200 User an etwa 170 Projekten.“ Und: Die ersten sechs Titel haben es schon ins Verlagsprogramm geschafft.

Und wer jetzt Lust bekommen hat, sein eigenes Self-Publishing-Projekt auf die Beine zu stellen: In unserem Artikel „Self-Publishing: 10 Tipps für ein erfolgreiches E-Book-Projekt“ findet ihr einige hilfreiche Ratschläge.

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Florian Blaschke
Happy Birthday: Drei Jahre Native Advertising im Überblick [Infografik] http://t3n.de/news/native-advertising-infografik-570741/ 2014-10-09T08:26:34Z
Native Advertising feiert als Trend und Buzzword seinen dritten Geburtstag – obwohl das Format eigentlich schon deutlich älter ist. Mit einer aktuellen Infografik, die einen Überblick zur …

Native Advertising feiert als und Buzzword seinen dritten Geburtstag – obwohl das Format eigentlich schon deutlich älter ist. Mit einer aktuellen , die einen Überblick zur Entwicklung gibt, wird den nativen Werbeformaten auf charmante Art gratuliert.

Das Werbeformat Native Advertising ist ein alter Hut – das Buzzword Native Advertising hingegen steckt noch in den Kinderschuhen. Letzterem widmet sich eine Infografik zum dritten Geburtstag von Native Advertising von Sharethrough, die auf die wichtigsten Stationen des Werbeformats in der modernen Definition eingeht.

Was ist eigentlich Native Advertising?

Seit einigen Jahren verkaufen Publisher vermehrt native Werbeformate. Grob vereinfach handelt es sich dabei meist um von Unternehmen finanzierte Artikel, die idealerweise deutlich als Werbung gekennzeichnet sind. Buzzfeed verkauft derartige Werbeartikel als „Custom Social Content“, wir bei t3n nennen sie „Sponsored Posts“. Lars Budde hat auf t3n eine Auswahl an besonders gelungenen Beispielen für Native Advertising zusammen getragen.

Das größte Problem an nativen Anzeigen ist auch heute noch der Mangel an einer wirklich klaren Definition. Native Advertising ist ein Werbeformat mit Tradition, immerhin gab es schon vor vielen Jahren in diversen Printprodukten sogenannte „Advertorials“. Heute kennen viele Nutzer native Anzeigen vor allem von Plattformen wie Facebook, die mit „bezahlten Beiträgen“ experimentieren – ein klassischer Fall von Native Advertising. Eine halbwegs befriedigende Definition findet sich im „Native Advertising Playbook “ des Interactive Advertising Bureau (IAB). Nähere Informationen dazu findet ihr im t3n-Artikel Native Advertising: Das Allheilmittel des digitalen Publishings?

Native Advertising im Überblick

Streng genommen handelt es sich bei der Infografik zur Entwicklung von Native Advertising ebenfalls um ein natives Werbeformat – immerhin wurde die Grafik vom Unternehmen Sharethrough erstellt, das sich nicht nur als Brand auf der Infografik wiederfindet, sondern sogar Teil der Infografik zur Entwicklung von Native Advertising ist.

Ein Klick auf den Ausschnitt öffnet die vollständige Infografik.

Drei Jahre Native Advertising im Überblick. (Bild: Sharethrough)
Drei Jahre Native Advertising im Überblick. (Bild: Sharethrough)
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Sébastien Bonset
Ad Technology: Der einzige Trend, den Rocket verschläft http://t3n.de/news/ad-technology-einzige-trend-569587/ 2014-10-01T08:51:49Z
Der Internet-Gigant ist eigentlich nicht dafür bekannt, Gelegenheiten ungenutzt zu lassen – aber auf dem Adtech-Auge ist er blind.

Der Internet-Gigant ist eigentlich nicht dafür bekannt, Gelegenheiten ungenutzt zu lassen – aber auf dem Adtech-Auge ist er blind.

Im Bereich Ad Technology setzt Rocket auf externe Partner

Die Firmenzentrale von Rocket Internet in Berlin. Warum lässt der Konzern den Bereich Ad Technology links liegen? (Foto: Rocket Internet)
Die Firmenzentrale von Rocket Internet in Berlin. Warum lässt der Konzern den Bereich Ad Technology links liegen? (Foto: Rocket Internet)

1,6 Milliarden Euro – diese Summe könnte Rocket Internet möglicherweise mit einem Börsengang im Oktober einsammeln. Das Berliner Unternehmen will die größte Internet- und E-Commerce-Plattform abseits der USA und China bauen, inklusive der dafür notwendigen Infrastruktur. Doch im Bereich der Online-Werbetechnologie setzt Rocket nicht auf proprietäre Lösungen, sondern auf die Zusammenarbeit mit Partnern. Damit lässt das Unternehmen möglicherweise viel Geld liegen.

„Rocket baut seine Infrastruktur selbst – warum nicht auch die Werbe-technologie?“

„Wir bauen unsere eigene Infrastruktur, um jeden Schritt des E-Commerce-Modells zu unterstützen“, heisst es aktuell auf der Website von Rocket Internet. Dazu gehören eigene Warenlager und Zusteller. „Wir tun was immer notwendig ist. Wenn es notwendig ist, in Pakistan eine eigene Post aufzubauen, machen wir das“, sagte Rocket-CEO Oliver Samwer im November 2013 bei einer Konferenz in London. Die Plattform des Unternehmens umfasst auch eine technologische „Plug-and-Play-Lösung“, mittels derer sich die Manager der jeweiligen Startups auf ihr Geschäft und den lokalen Markt konzentrieren können sollen. Doch eine eigene Online-Werbetechnologie ist nicht Teil dieser Plattform, obwohl Online Marketing doch gerade im E-Commerce ein erfolgskritischer Faktor ist.

Rocket agiert in diesem Bereich stattdessen mit Rahmenvereinbarungen mit Technologieanbietern, wie sich im Börsenprospekt des Unternehmens nachlesen lässt (Seite 33). Zu den Partnern gehören unter anderem Google, Facebook, Salesforce und Responsys. Weitere Infos dazu, mit welchen Adtech-Partnern das Unternehmen zusammenarbeitet, finden sich in einem im Mai dieses Jahres öffentlich gewordenen PDF zur Strategie des Unternehmens:

Die Partner von Rocket Internet im Bereich Ad Technology. (Grafik: Rocket Internet)
Die Partner von Rocket Internet im Bereich Ad Technology. (Grafik: Rocket Internet)

Rocket hat geholfen, Criteo und Sociomantic groß zu machen

Dass Rocket im Adtech-Bereich auf Eigenentwicklungen und Beteiligungen verzichtet, ist aus mehreren Gründen erstaunlich. Der Inkubator könnte von Eigengewächsen im Adtech-Bereich finanziell durchaus profitieren: Da Rocket sowieso maßgeblich zum Erfolg und Wachstum der Online-Werbedienstleister beiträgt, lässt der Inkubator an dieser Stelle quasi Einkommenspotenziale ungenutzt.

„Die Exit-Volumina zeigen, dass sich Beteiligungen im AdTech-Bereich hätten lohnen können.“

Unternehmen wie Criteo und Sociomantic sind durch Dienstleistungen für Rocket Internet stark gewachsen. Die ehemalige Rocket-Beteiligung Zalando dürfte gemeinsam mit Criteo das Thema Retargeting in Europa erst groß gemacht haben. Die Expansion des Realtime-Bidding-Dienstleisters Sociomantic folgte augenscheinlich den internationalen Aktivitäten von Rocket. Efficient Frontier (seit Anfang 2012 Teil von Adobe) dürfte einen beträchtlichen Anteil seines Geschäfts außerhalb der USA den Portfolio-Firmen von Rocket verdanken. Im Affiliate Marketing investiert Rocket relevante Budgets bei Zanox und Commission Junction.

Die bisherigen Exit-Volumina von Rocket-Partnern aus dem Adtech-Bereich zeigen, dass sich Beteiligungen in diesem Bereich hätten lohnen können: Adobe zahlte für Efficient Frontier 400 Millionen US-Dollar, Criteo sammelte im Rahmen des Börsengangs 251 Millionen US-Dollar ein und für die Übernahme von Sociomantic sollen bis zu 200 Millionen US-Dollar geflossen sein. Dass Rocket Internet solche Chancen bisher ungenutzt ließ, verwunderte Anfang des Jahres sogar die branchenfremde Tageszeitung „Berliner Morgenpost.“

Group Managing Director Alexander Kudlich. (Foto: Rocket Internet)
Group Managing Director Alexander Kudlich. (Foto: Rocket Internet)

Auch wenn Rocket Internet als harter Verhandlungspartner im Markt bekannt ist und den Dienstleistern häufig den niedrigsten Preis abverlangt, dürften die Spendings bei den Adtech-Partnern immer noch signifikant sein. Die gleichen Summen könnte der Inkubator in eigene Adtech-Beteiligungen investieren und damit deren Wachstum befeuern. Das notwendige Know-how dafür wäre vorhanden: Group Managing Director Alexander Kudlich war mehrere Jahre in führender Position beim Affiliate-Marketing-Netzwerk Zanox tätig, zu COO Johannes Bruders vorherigen Stationen gehört Google.

Potenzielle wertsteigernde Wirkung der Marke Rocket

Adtech-Ventures sind zudem entsprechend der Rocket-Logik normalerweise auch gut international skalierbar. Ein „Rocket-Branding“ würde der Vermarktung der Technologie der jeweiligen Firmen möglicherweise zusätzlichen Schub geben. Wie sehr Rocket Internet als Marke innerhalb der Online-Branche zieht, zeigt sich derzeit auf dem Arbeits- und Dienstleistermarkt: Vormalige Mitarbeiter (sei es auch nur als Praktikant) des Berliner Inkubators ködern mit angeblichem „Rocket-Know-how“ erfolgreich ihre nächsten Arbeit- oder Auftraggeber. Zumindest diese Blase dürfte eines Tages platzen.

„Die nächsten Erfolgsgeschichten aus dem Online Marketing dürften Mobile-Advertising-Startups schreiben.“

Die nächsten Erfolgsgeschichten aus dem Online Marketing dürften Mobile Advertising Startups schreiben – auch für Rocket ein hochrelevantes Thema. Denn das Firmenkonglomerat will künftig weltweit 74 Prozent aller Mobile User erreichen. Entsprechende Dienstleistungen im Technologiebereich auf B-to-B-Seite dürften also bei dem Berliner Unternehmen stark gefragt sein. Die Zeit wird zeigen, ob Rocket versuchen wird, diesmal von der Marktentwicklung zu profitieren.

Von Roland Eisenbrand. Ursprünglich publiziert bei Online Marketing Rockstars.

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Online Marketing Rockstars
Ephemeral-Trend: Snapchat und Facebook wollen Selfies vergessen, aber die NSA will Metadaten http://t3n.de/news/ephemeral-trend-snapchat-facebook-nsa-digitales-vergessen-569167/ 2014-09-29T06:00:04Z
Wenn es ein neues Hype-Wort im Social-Media-Bereich gibt, dann ist das „ephemeral”. Zu einer Zeit, in der sich Internetnutzer vom Überwachungsstaat und Big-Data-Unternehmen in die Enge getrieben …

Wenn es ein neues Hype-Wort im Social-Media-Bereich gibt, dann ist das „ephemeral”. Zu einer Zeit, in der sich Internetnutzer vom Überwachungsstaat und Big-Data-Unternehmen in die Enge getrieben fühlen, sollen Daten mit Ablaufdatum und Selbstzerstörungsfunktion wieder Vertrauen schaffen.

„Ephemerality” leitet sich von griechischen Wort „ephemeros” ab, das „etwas, das nur einen Tag anhält”, beschreibt und in Bezug auf vergängliche Dinge in der Geologie (zum Beispiel Korallenriffe, Flussverläufe) oder Biologie (zum Beispiel Eintagsfliege) verwendet wird. So, wie Geheimagenten Briefe bekommen, wie nach dem Lesen zu Asche verbrennen, soll man auch im Internet selbstzerstörende Botschaften verschicken können – aber wie gut wird da wirklich gelöscht?

Snapchat als Auslöser des Trends

Snapchat-Gründer Evan Spiegel hat den Ephemeral-Trend mit seiner App ausgelöst.  (Bild: Snapchat)
Snapchat-Gründer Evan Spiegel hat den Ephemeral-Trend mit seiner App ausgelöst. (Bild: Snapchat)

Im digitalen Business groß gemacht hat die Idee die Messaging-App Snapchat, bei der der User festlegen kann, dass ein verschicktes Bild oder Video zehn Sekunden, nachdem es der Empfänger angesehen hat, wieder löscht. Das Konzept dazu lieferte, da ist man als Österreicher ein wenig stolz drauf, vor allem der aus Salzburg stammende Professor und Autor Viktor Mayer-Schönberger, der bereits 2009 das Buch „Delete – Die Tugend des Vergessens im digitalen Zeitalter” veröffentlichte, also zwei Jahre vor der Gründung von . Das ewige Speichern von Daten müsse aufhören, es sei „überlebenswichtig”, der Datensammelwut eine Löschung entgegen zu halten, so Mayer-Schönberger.

Der Erfolg von Snapchat, das heute mehr als 100 Millionen Nutzer hat und mit zehn Milliarden Dollar bewertet wird, hat eine ganze Reihe von Internet-Unternehmen dazu bewegt, ebenfalls Funktionen zum Vergessen einzuführen. Allen voran . Gründer Mark Zuckerberg scheiterte mit seinem Übernahmeversuch von Snapchat und versucht seither, mit eigenen Apps dagegen zu halten. „Poke” war ein erster, mittlerweile gescheiterter Versuch, Facebook-User-Fotos mit einer Selbstzerstörungsfunktion versenden zu lassen. Die diesen Sommer nachgelieferte App „Slingshot” ist der zweite Versuch, so etwas wie „Vergessen” in die größte Datensammlung der Menschheit einzubauen. Außerdem experimentiert mit einem Feature, bei dem auch herkömmliche Postings mit Ablaufdatum versehen werden können.

Auch Facebook will „ephemeral” werden

Neben Facebook gibt es viele andere Messaging-Apps, die „ephemeral” sein wollen und entsprechende Funktionen verbaut haben, etwa Path, Blink, Wickr, Frankly, Gryphn, Confide, Ansa, Line oder WeChat. Die Annahme ihrer Macher: Wenn wir die Daten der Nutzer nicht ewig speichern, dann sind sie im Prism-Zeitalter eher gewillt, unsere Dienste zu nutzen.

Doch kann man den angeblich vergesslichen Apps auch trauen? Wer sich näher mit dem Vorreiter der Ephemeral-Welle auseinandersetzt, weiß, dass diese Vergesslichkeit ziemlich löchrig ist. Zum einen können Smartphones Screenshots machen und Bilder, die eigentlich zur Löschung vorgesehen sind, andernorts speichern. Snapchat versucht immerhin, den User zu warnen, wenn ein solcher Screenshot vom Empfänger der Nachricht gemacht hat. Bei Snapchat und anderen Apps muss man außerdem den Finger aufs Display halten, um die Fotos anschauen zu können, was erschweren soll, dass man nebenbei die Tastenkombination für die Screenshot-Funktion drückt – unmöglich ist es aber nicht.

Wo die Daten wirklich landen

Snapchat und Co. versuchen letztlich, die Verantwortung an den User auszulagern („Wenn ich weiß, dass du einen Screenshot machst, dann werde ich dir nie wieder ein Bild schicken”). Denn die tatsächliche Löschung der vielleicht verräterischen Fotos und Videos können sie gar nicht garantieren. Ungeöffnete Snapchat-Nachrichten etwa verbleiben so lange auf den Servern der Firma (verwendet wird dazu übrigens der Google-Cloud-Dienst „App Engine”), bis sie der Empfänger öffnet oder 30 Tage verstrichen sind. Neben den Servern werden die Inhalte aber auch noch auf dem Smartphone des Empfänger gespeichert – auch hier ist eine Löschung nicht garantiert. „It’s sometimes possible to retrieve data after it has been deleted. So… you know… keep that in mind before putting any state secrets in your selfies”, lautet der schulterzuckende Rat des Snapchat-Teams diesbezüglich. Dass ungeöffnete Snaps bereits an die Behörden geliefert wurden, haben die Gründer des Startups ebenfalls eingestanden.

Die NSA will Metadaten, keine Selfies

Dass Snapchat zumindest versucht, den Content, den die User verschicken, so gut wie möglich zu löschen, ist aber eigentlich der falsche Weg. Wer den NSA-Skandal mitverfolgt hat, der weiß: Dem Geheimdienst geht es vor allem um Metadaten. Nicht die Nachricht an sich, sondern das Wer, Wann, Wo, Womit und mit Wem interessiert die staatlichen Spione. Und Daten dieser Art speichert Snapchat sehr wohl dauerhaft. Ein Blick in die Privacy Policy zeigt, dass die US-Firma Zeitpunkte, Kontakte, Location, Adressbuch, International Mobile Equipment Identity („IMEI”), Telefonnummer oder MAC-Adresse sammelt – also im Prinzip alles, was die besonders gerne hat. Selbst die auf sehr hohe Sicherheitsstandards setzende App Wickr kommt nicht umhin, die Telefonnummern der Nutzer zu sammeln, um ihnen Verifizierungs-SMS (übrigens über einen Dritt-Anbieter) senden zu können.

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Jakob Steinschaden
Das halten Medienmacher vom Clickbaiting à la BuzzFeed und Co. [dmexco 2014] http://t3n.de/news/clickbaiting-leeren-versprechen-faengt-leser-566686/ 2014-09-12T10:15:54Z
Medien wie BuzzFeed oder ViralNova haben es vorgemacht, über Seiten wie Heftig schwappte der Trend auch nach Deutschland: Clickbaiting, emotional und inhaltlich überspitzte Headlines zur …

Medien wie BuzzFeed oder ViralNova haben es vorgemacht, über Seiten wie Heftig schwappte der auch nach Deutschland: Clickbaiting, emotional und inhaltlich überspitzte Headlines zur Klick-Generierung. Auch etablierte Medien experimentieren damit, eine Gefahr für Qualität und Seriosität? Wir haben uns auf der in Köln umgehört.

Clickbaiting: Beeindruckende Zahlen bei BuzzFeed und Co.

Zeitungskiosk in Rom. Foto: Ed Yourdon. Lizenz: CC-BY-SA.
Schon immer musste Journalismus sich verkaufen, auch über Headlines. (Foto: Ed Yourdon. Lizenz: CC-BY-SA)

16 Boob Facts That Will Blow You Away“. „The 25 Creepiest-Looking Animals In the world. Hello, Nightmares!“. „Er wollte nachts tauchen gehen. Aber was ihn aus den Untiefen bis nach oben verfolgt hat, ist etwas gruselig“. Headlines wie diese spalten die Geister. Genial oder nervtötend? Wie auch immer man zu diesem Trend steht, die Zahlen sind beeindruckend. BuzzFeed beispielsweise bezieht 75 Prozent seines Traffics aus Sozialen Netzwerken. Der deutsche Klon Heftig lag mit mehr als 2,6 Millionen Flies (Likes, Shares, Tweets et cetera) im Juni knapp hinter der BILD, die Monate davor hatte die Seite teilweise sogar vor dem Branchen-Primus gelegen. Und ViralNova hatte laut dem Analyse-Dienst SimilarWeb im August satte 63,9 Millionen Visits. Dreimal Clickbaiting in Reinform, drei Erfolgsgeschichten.

Doch ist das wirklich so neu, was sich derzeit – zum Teil auch in deutschen Medien – abspielt? Sebastian Matthes, Chefredakteur der deutschen Huffington Post, glaubt das nicht: „Mit dem Clickbaiting ist ein neues Schlagwort entstanden, das angeblich einen neuen Trend beschreibt. Was dahinter steckt, ist aber in Wirklichkeit ein altes Phänomen. Schon immer mussten Zeitungen, Magazine und News-Seiten mit Titelzeilen und gut gemachten Cliffhangern um Leser werben. Erst eine gute Zeile, die eine gute Story optimal verkauft, bringt beispielsweise Kiosk-Käufer dazu, zuzugreifen.“

„Titelzeilen dürfen zuspitzen, aber nichts versprechen, was sie nicht halten“

„Ich halte das Clickbaiting für eine Katastrophe.“ (Branko Radosevic, Ringier)

Einen Unterschied aber gibt es durchaus zu einem Spiegel-Titel oder dem Aufmacher einer BILD-Zeitung: Medien wie BuzzFeed und ViralNova arbeiten mit einem relativ geringen Varianten-Set an Clickbaiting-Überschriften: Da gibt es die Listicles und Überschriften, die den Lesern Unglaubliches, Schockierendes oder Revolutionäres versprechen und Headlines, die mit Abkürzungen und Netz-Slang aufpoliert werden wie „OMG“, „WTF“ oder „LOL“. Die Bandbreite bei den etablierten Medien ist da deutlich höher, doch grundsätzlich glaubt Sebastian Matthes: „Schon immer haben einige Medien dabei übertrieben. Auch das ist kein neues Phänomen der digitalen Ära. Doch: Damit verlieren Journalisten mittelfristig ihre Leser. Damals wie heute. Klar muss sein: Titelzeilen dürfen zuspitzen, aber nichts versprechen, was sie nicht halten.“

Genau hier aber sehen viele Journalisten und Medienexperten das Problem des Clickbaiting, auch Branko Radosevic, Head of Sales Digital beim größten Schweizer Publisher Ringier: „Ich halte das Clickbaiting für eine Katastrophe, und ich hoffe auch, dass sich das langfristig nicht durchsetzen wird. Damit versprechen Medien einfach viel zu viel. Sie holen sich jetzt die Leute, aber die Leute sind enttäuscht, und irgendwann begreifen sie, dass sie ausgenutzt werden. Eigentlich ist das fast Betrug.“

Die Mechanismen des Clickbaiting kommen aus der Werbung

BuzzFeed gilt als einer der Vorreiter im Clickbaiting. (Screenshot: BuzzFeed)
BuzzFeed gilt als einer der Vorreiter im Clickbaiting. (Screenshot: BuzzFeed)

Die ganze Diskussion lässt sich jedoch nicht führen, ohne, statt nur über die Überschriften, auch über den Inhalt zu sprechen. Hier nämlich unterscheiden sich BuzzFeed und Co. extrem von Nachrichten-Portalen. „Bei Heftig hast du ja überhaupt keine Ahnung, ob die Geschichten glaubwürdig sind, und das ist auch überhaupt nicht relevant“, sagt Sabine Haas, Geschäftsführerin von result, einem Unternehmen für Markt- und Medienforschung und Social-Media-Beratung. „Im Grund sind Heftig und BuzzFeed und auch die BILD fiktionale Formate.“ Diese These stützen auch die Untersuchungen von Wolfgang Storz, dem ehemaligen Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, wie er dem Debatten-Portal VOCER in einem Interview verriet: In drei Studien hat er festgestellt, „dass man bei Betrachtung der klassischen Journalismus-Kriterien bei‚Bild‘ nicht von Journalismus reden kann. Das ist nichts schlimmes, es ist einfach nur eine andere Art von Veröffentlichung, die ausschließlich das Ziel hat, hohe und höchste Aufmerksamkeit zu erzielen , um dadurch die Maximierung der Auflage zu erreichen beziehungsweise die Auflagen zu halten. Zwischendurch wird das immer mal wieder auch mit den Mitteln des Journalismus gemacht.“

Sabine Haas verortet die Mechanismen, die hinter dem ClickBaiting stecken, jedoch eher in der klassischen Werbung, nicht umsonst erinner etliche der Geschichten an die völlig überdrehten Verkaufssendungen der Home-Shopping-Sender. Auch hier können die Produkte nur selten das halten, was Verpackung und Marketing versprechen. „Und eigentlich ist das etwas, was durch Social Media aufgebrochen werden sollte. Social Media versprach, Werbung von überhöhten Versprechungen auf Augenhöhe zurückzuholen und Produkten und Marken über die Glaubwürdigkeit mehr Relevanz im Netz zu verschaffen. Das führen Medien wie BuzzFeed jetzt wieder ad absurdum, sie machen so weiter, wie wir das aus der Werbung oder der Yellow Press kennen.“

Und: All diese Geschichten funktionieren auch psychologisch auf altbekannte Art und Weise, sagt Sabine Haas: „Das ist das klassische Eskapismus-Motiv. Mich erinnert das an eine Studie zu einem Schlagerprogramm, die wir mal gemacht haben. Und unter den Hörern waren überdurchschnittlich viele Menschen, die überglücklich waren, wenn eine schmalzige Moderation ihnen einen wunderbaren Tag wünschte und Helene Fischer dann vom wunderbaren Leben sang. Und diese Eskapismus gibt es auch situativ: Jeder Menschen ist mal in einer Situation, in der er nichts über Krisen und Kriege lesen will, sondern seichte Unterhaltung sucht. Das können Daily Soaps, Katzenvideos oder eben Geschichten wie die von BuzzFeed sein.“

Es gibt eine sehr langsam wachsende „Gegenbewegung“

„Auch das Dschungel-camp hatte Quoten bis zum Anschlag, konnte seine Werbeblöcke aber trotzdem nicht problemlos füllen.“ (Sabine Haas, result)

Branko Radosevic sieht jedoch im Bereich Social Media auch einen Wandel bevorstehen, nicht nur dadurch, dass Facebook Clickbaiting-Posts zukünftig abstrafen will: „Ich merke, dass die Jungen gar nicht mehr so begeistert von Social Media sind. Sie wollen nicht, dass alles öffentlich ist. WhatsApp und ähnliche Angebote könnten da eine große Rolle spielen. Die Jungen wollen entscheiden, wann sie mit wem kommunizieren, die neue Generation wird viel vorsichtiger, und das wird auch einen Einfluss auf Publishing und Werbemarkt haben.“

Gerade auf dem Werbemarkt könnte für Medien, die zu unbedarft an das Thema herangehen, jedoch noch eine andere Gefahr liegen, glaubt Sabine Haas. „Viele Werbende werden eventuell sagen, dass sie in einem so unseriösen Umfeld nicht werben wollen. Das haben wir auch bei der dritten Staffel des Dschungelcamp gesehen. Die Sendung hatte Quoten bis zum Anschlag, konnte aber ihre Werbeblöcke trotzdem nicht problemlos füllen.“

Was bei Betrachtung der Reaktionen in Sozialen Netzwerken auffällt, ist eine, wenn auch sehr langsam wachsende, „Gegenbewegung“. Das beobachtet auf Branko Radosevic: „Auch bei Angeboten wie Heftig wird langsam informiert, über die Kommentare beispielsweise: Vorsicht, hier wirst du reingelegt. Ich glaube, man muss generell im Digitalen mit mehr Transparenz arbeiten, statt mit leeren Versprechungen Klicks zu generieren.“ Dass es solche Kommentare jedoch schwer haben werden, liegt auf der Hand. „Die Warnmechanismen werden in diesem Bereich nicht so stark greifen“, ist Sabine Haas sicher. „Vielen Nutzern ist das ziemlich egal, da wird ganz anders selektiert. Und: Ganz viele Sachen werden auch ungelesen geteilt.“

Clickbaiting: „Medien können sich damit durchaus Schaden zuziehen“

Der BuzzFeed-Klon Heftig hat die Diskussion um das Clickbaiting auch in Deutschland entfacht. (Screenshot: Heftig)
Der BuzzFeed-Klon Heftig hat die Diskussion um das Clickbaiting auch in Deutschland entfacht. (Screenshot: Heftig)

„Da gibt es neue Portale, die schräge Überschriften machen und schon ist die ganze Medienwelt auf dem Baum.“ (Sebastian Matthes, Huffington Post)

Sebastian Matthes wünscht sich in der Debatte zumindest mehr Offenheit: „Die ganze Diskussion um diese vermeintlichen Link-Baits ist in meinen Augen typisch deutsch. Da gibt es neue Portale, die schräge Überschritten machen und schon ist die ganze Medienwelt auf dem Baum. Viel spannender wäre es doch, darüber zu reden, warum diese Portale so erfolgreich sind, welches Bedürfnis die Leser haben und was das über die Medien und das Internet - und die Zukunft der Nachrichten aussagt.“ Und er glaubt, dass Journalisten von Portalen lernen können, die bei Facebook erfolgreich sind: „Zum Beispiel, bessere Geschichten zu erzählen. Denn in Sozialen Netzwerken ist das gefragt, was guten Journalismus eigentlich einmal ausgemacht hat: überraschende, lustige, bewegende oder kontroverse Geschichten zu erzählen, die Menschen wirklich bewegen. Vor allem solche Texte werden auch bei Facebook geteilt.“

Sabine Haas aber glaubt nicht daran, dass sich davon ein Erfolgsrezept für die Medien ableiten lässt, stattdessen sieht sie in dem Trend eher eine Gefahr: „Medien können sich damit durchaus Schaden zuziehen, auch wirtschaftlich. Das Ganze wirkt halt so schön einfach, aber das ist es nicht. Überschriften im Journalismus bewegen sich in einer Skala zwischen ‚Ich kriege maximale Aufmerksamkeit um jeden Preis‘ bis ‚Bundestagssitzung geht in die Verlängerung‘. Aber das Clickbaiting hat halt bestimmte Neben- und Folgewirkungen. Da bist du im Fiktionalen, nicht mehr im Journalistischen. Im Grunde muss ein guter Journalist sich irgendwo dazwischen positionieren, und natürlich muss er auch gute Überschriften produzieren, was eine große Kunst ist. Was BuzzFeed macht, ist keine große Kunst.“

Neben dem Thema Clickbaiting haben wir mit Sebastian Matthes übrigens auch noch über das erste Jahr Huffington Post Deutschland gesprochen. Leider hatten wir während des Gespräch technische Probleme, sodass der Ton nicht immer ganz optimal ist. Wir bitten, das zu entschuldigen und geloben technische Aufrüstung.

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Florian Blaschke