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t3n 48

Was den Atari-Gründer heute umtreibt: Nolan im Wunderland

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Nolan Bushnell: Okay, dann denk mal darüber nach, ob Alexa nicht eines Tages die Funktion des Dungeon-Masters übernehmen könnte. Oder du setzt Alexa als zentrale Funktion in einem Brettspiel ein und baust eine neue Version von „Die Siedler von Catan.“

t3n Magazin: Schon heute gibt es immer mehr Brettspiele, in denen eine Computerstimme eine zentrale Rolle spielt und die rudimentäre Funktion des Spielleiters übernimmt.

Nolan Bushnell: Genau. Ich glaube, das wird mit neuen Technologien der Sprach­erkennung in Zukunft noch interessanter.

t3n Magazin: Du persönlich ziehst aktuell mit Modal VR ein Virtual-Reality-Startup auf. Was überzeugt dich so von dieser Technologie?

Nolan Bushnell: Dass sie jetzt wirklich funktioniert. Ich habe schon immer darauf geachtet, wann Technologien gut genug sind. Erinnerst du dich an den Virtual-Reality-Hype Anfang der 90er? Irgendwann war er ganz plötzlich wieder vorbei. Ich hatte wirklich viele Möglichkeiten, in den 90er Jahren in Virtual Reality zu investieren – ich habe die verantwortlichen Entwickler dann immer gebeten, mir vor­zuführen, ob sie in ihren VR-Technologien eine Latenz von unter zehn Millisekunden erreichen. Keiner konnte das damals. Heute ist das möglich.

t3n Magazin: Glaubst du denn, dass Virtual Reality sich nur in der Gaming-Branche durchsetzen wird – oder wird die Technologie auch in anderen Bereichen wie in der Bildung und im Arbeitsalltag eine Rolle spielen?

Nolan Bushnell: Gaming wird ein großes Business werden. Aber was ich darüber hinaus spannend finde ist klassisches Training – wie Polizei­training, Sicherheitstraining, Training für Ölplattformen oder fürs Militär. All diese Bereiche erfordern Personal, das innerhalb von Sekunden-Bruchteilen die richtige Entscheidung trifft. Was tust du, wenn die Ölplattform in die Luft fliegt? Oder wenn dich als Polizist ein Verbrecher mit einer Waffe bedroht und du entscheiden musst, was zu tun ist? Der Großteil unseres heutigen Gehirns wurde entwickelt, als wir noch als Jäger und Sammler durch die Natur streiften. Lernprozesse in unserem Gehirn laufen entsprechend bildlich und räumlich ab – wir katalogisieren. Und wenn Menschen bestimmte Zusammenhänge besser erlernen können, indem sie diese buchstäblich erleben, dann ist das doch besser, als sie theoretisch in Büchern nachzulesen.

Mit Modal VR arbeitet Bushnell an einem Virtual-Reality-System für große Flächen - etwa für Arcade-Hallen oder Vergnügungsparks (Screenshot: modalvr.com)

t3n Magazin: Was hältst du von Facebooks Plänen, massiv in Social-­VR zu investieren – also die Möglichkeit, virtuell mit anderen Menschen zu interagieren?

Nolan Bushnell: Ich glaube nicht, dass wir dieses Jahr schon so weit sind. Aber in fünf Jahren könnte Social-VR durchaus funktionieren. Hast du jemals Ready Player One gelesen?

t3n Magazin: Du meinst den Roman von Ernest Cline, in dem die Menschen vor der desolaten, von Gewalt und Armut geprägten Realität in eine virtuelle Welt flüchten. Die Story ist gut, aber ich persönlich glaube nicht an die in dem Buch entworfene Zukunft.

Nolan Bushnell: Ich bin mir da nicht sicher. Überleg doch mal: Wenn du ein einfacher Arbeiter bei Subway bist und täglich immer nur Sandwiches zubereitest, und du kommst nach Hause und kannst in der virtuellen Realität ein Rockstar sein, ein Luxus-Penthouse besitzen und mit den teuersten Autos herumfahren. Was würdest du tun?

t3n Magazin: Das müsste dann aber eine perfekte Simulation der Realität sein.

Nolan Bushnell: Ich würde sagen, es reicht, wenn sie gut genug ist, um sie glaubhaft zu erleben. Sicher wird es da auch Unterschiede geben: Bei einigen muss jedes Detail stimmen, andere wieder begnügen sich mit weniger. Aber Menschen mit einem eher tristen „Real Life“ könnten der Versuchung erliegen, immer größere Zeiträume in der virtuellen Realität zu verbringen.

t3n Magazin: Was sind die größten Heraus­forderungen auf dem Weg zum perfekten virtuellen Abbild der Realität?

Nolan Bushnell: Ein guter Ausgangspunkt für diese Frage ist der Vergleich zwischen echter und virtueller Realität. Für den visuellen Bereich glaube ich, dass wir in vier bis fünf Jahren ein Niveau erreichen werden, das die Unterscheidung zwischen echter Welt und Fiktion fast unmöglich machen wird. Im Bereich Audio sind wir bereits heute an dem Punkt. Auch Geruch ist heute bereits gut simulierbar. Die größte Herausforderung sehe ich allerdings bei der Haptik und vor allem dem Geschmackssinn. Essen wird den Turing-Test für Virtual Reality vorerst nicht „bestehen“.

t3n Magazin: Wie meinst du das?

Nolan Bushnell: Essen kombiniert Geruchs- und Geschmackssinn und ist eine Herausforderung für die perfekt simulierte Oberflächenstruktur. Essen als echt zu erleben, obwohl es virtuell ist, wird mehr erfordern als eine Weiterentwicklung der heutigen virtuellen Realität. Es wird eine Manipulation des Nervensystems nötig sein. Keine Ahnung, ob das große Geräte sind, die am Nacken angebracht werden. Aber ich glaube, dass wir in circa sieben Jahren erste solcher tragbaren Technologien sehen werden.

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