Interview

Fidor-Chef Matthias Kröner: „Die Bank der Zukunft ist unsichtbar”

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t3n Magazin: Wie schätzt du Kryptowährungen denn heute ein? Lohnt investieren?

Matthias ­K­röner: Ich halte den gesamten Markt für Kryptowährungen wegen der extremen Kursschwankungen noch immer für kein gutes Investitionspflaster. Man muss sich jeden Tag damit beschäftigen und die virtuelle Geldbörse im Blick haben. Sonst verpasst man den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg. Die Zeit dafür habe ich leider nicht. Auch deswegen besitze ich keine Bitcoins.

„Ich halte Kryptowährungen wegen der Kursschwankungen für kein gutes ­Investitions­pflaster.“

Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum wird ja immer wieder nachgesagt, klassische Währungen als Bezahlmittel abzulösen und damit auch etablierte Banken zu gefährden. Stimmt das?

Matthias ­K­röner: Dass Bitcoins ein ernstzunehmendes Zahlungsmittel sind oder werden, erleben wir ja schon heute. Beispielsweise wenn wir mal wieder mit einer DDoS-Attacke erpresst werden und in Bitcoins zahlen sollen. Das gehört ja inzwischen zum Volkssport.

t3n Magazin: Glaubst du denn an eine Zukunft der Währung zu nicht-kriminellen Zwecken?

Matthias ­K­röner: Ja. Nicht nur die Börsen in China und Japan haben sich in den vergangenen Monaten für Kryptowährungen als Zahlungsmittel geöffnet. Auch der enorme Anstieg an virtuellen Währungen auf dem Markt unterstreicht den Bedarf, wenngleich es da bald eine Konsolidierung geben muss. Aber aus meinem ureigenen Demokratieverständnis heraus jedenfalls halte ich eine Währung, die nicht manipulativ ist, für sinnvoll.

Bei Fintech-Themen giltst du ja als eine Art First ­Mover. In den Neunzigern hast du mit der DAB Bank die erste Online-Direktbank gegründet und den Deutschen den ­Aktienkauf per Computer beigebracht. Wie kam es dazu?

Matthias ­K­röner: Unsere Überzeugung war, dass sich effizientes Banking nur mit einer auf dem Internet basierenden Infrastruktur realisieren lässt. Das galt auch für das Kundenerlebnis: Geht online viel besser als in jeder dämlichen Filiale.

t3n Magazin: Trotzdem hast du das Unternehmen 2003 nach einem Streit verlassen. Was ist passiert?

Matthias ­K­röner: Es gab Streitigkeiten über die strategische Ausrichtung der Bank. Die Internetblase war gerade geplatzt, der Geschäftsrückgang natürlich eklatant. Trotzdem war ich weiter von der Zukunft des Onlinegeschäfts überzeugt. Die Hypovereinsbank, damaliger Hauptaktionär, sah das anders. Im Endeffekt war es der Vorläufer jener Diskussion, die heute in vielen Banken stattfindet. Digitale Welt gegen Oldschool.

t3n Magazin: Und du sahst dich im Recht?

Matthias ­K­röner: Ja. Nur weil einige Aktien aus dem Internetbereich überbewertet waren, ändert sich ja nicht das Kundenverhalten. Der Glaube an die Möglichkeiten des Internets war weiterhin da. Nur eben nicht bei den Bankern der Hypovereinsbank. Die verstehen wahrscheinlich bis heute nicht, was online bedeutet.

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Ein Kommentar
puz65
puz65

Ich teile die Einschätzung des Fidor-Chefs zu Bitcoins nicht. Wie kann man den ernsthaft behaupten, Bitcoins seien bereits heute ein ernstzunehmendes Zahlungsmittel, weil es von Verbrechern genutzt wird? Das ist ja eher ein Gegenbeispiel und dient vor allem der Geldwäsche. Habe vor kurzem eine Doku gesehen, in der jemand sein Bier in einer Berliner Bar mit Bitcoins gezahlt hat. Beim aktuellen Kurs umgerechnet 200 Euro für ein Bier! Für eine Währung sind Bitcoins viel zu volatil, und ich bezweifle, dass sich dies jemals ändern wird, und zwar aus Prinzip. Die größte Schwäche von Bitcoins ist, das deren Menge nicht an die Nachfrage/Wirtschaftsleistung gekoppelt ist, sondern an die Rechenleistung. Das macht Bitcoins nicht zu einer Währung, sondern zu einem Rohstoff wie Tulpenzwiebeln. Bitcoins sind also keine Revolution, sondern eher eine Restauration, wieder weg vom Fiatgeld. Demokratisch sind Bitcoins auch nicht. Es gibt keine Kontrolle durch eine demokratisch legitimierte Instanz wie eine Zentralbank, die mit geldpolitischen Massnahmen für Stabilität sorgen könnte. Es gibt insgesamt nur etwas mehr als 16 Millionen Bitcoins mit einem Wert von nichtmal 200 Mrd, Euro – Peanuts für die Big Player, und diese haben bereits jetzt immer mehr EInfluss auf den Bitcoin-Markt. Ein Bankenkonsortium könnte sich mühelos die Mehrheit an den Bitcoins sichern und so den Markt kontrollieren – somit wäre das eigentliche Ziel fehlgeschlagen, eine von Banken unabhängige Währung zu schaffen. Statt einer Währung , die von einer demokratisch kontrollierten Zentralbank gesteuert wird hätte man dann sozusagen eine von Privatbanken kontrollierte Währung – vermutlich aus China oder Japan. Auch das Bitcoins keine nationale Währung sind, bringt noch wesentlich mehr Probleme mit sich, als sie z.B. der Euro hat. Solange es keinen weltweit einheitlichen Wirtschaftsraum gibt, und die Transportkosten nicht marginal sind, scheiden Sie damit für reale Wirtschaftsgüter aus. Geld basiert auf Vertrauen – das plötzlich von sich aus Wirtschaftsverbände und Verbraucher Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Und selbst wenn irgendwann Staaten Digitalwährungen einführen – wieso sollten es dann vom Ausland kontrollierte Bitcoins sein und nicht eine eigene Digitalwährung?

Antworten

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