Interview

Fidor-Chef Matthias Kröner: „Die Bank der Zukunft ist unsichtbar”

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t3n Magazin: Wieso?

Matthias ­K­röner: Weil das nicht auf Dauer so weitergeht. Vor allem die Kombination aus Fintech und etablierten Plattformanbietern wird definitiv eine Bedrohung für die Großbanken. Beispielsweise wollen wir künftig noch stärker in den Entrepreneur-in-Residence-Bereich reingehen.

„Die Nutzerzahlen ­zeigen, dass Fintechs bis ­heute ­weder disruptiv noch ­relevant im Markt sind.“

t3n Magazin: Ihr wollt also Gründern besseren Zugang zu den Technologien der Fidor Bank verschaffen?

Matthias ­K­röner: Genau. Wenn jemand eine Idee für das Kreditgeschäft oder eine neue Bezahl-App hat, bietet die Fidor Bank definitiv ein Zuhause. Das können auch Unternehmer sein, die bislang vielleicht nicht so erfolgreich waren. Überhaupt interessiert mich die Frage: Wie wird das Bankkonto der Zukunft aussehen?

t3n Magazin:  denkst du?

Matthias ­K­röner: Meine Vision ist ein komplett plattformunabhängiges Bankerlebnis. Ich nenne das Device Agnostic. Banking muss also überall dort stattfinden, wo die Interaktion zwischen Mensch und Maschine vorhanden ist.

t3n Magazin: Hast du ein Beispiel?

Matthias ­K­röner: Internet of Things. Wenn ich darüber nachdenke, dass wir bis zum Jahr 2020 mehr als 20 Milliarden vernetzte Geräte in den Haushalten haben, sehe ich riesiges Potenzial für neue Bankanwendungen.

t3n Magazin: Gehören Sprachassistenten wie Amazon Echo für dich auch dazu?

Matthias ­K­röner: Zum Beispiel, ja. Wobei Sprache immer auch den Nachteil hat, dass ich mit meinem Konto nicht vertraulich reden kann, weil andere zuhören können. Vielleicht wäre das Abrufen von Kontoständen über einen Chip im Arm da der bessere Weg. In jedem Fall wird die Bank der Zukunft unsichtbar sein.

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Ein Kommentar
puz65
puz65

Ich teile die Einschätzung des Fidor-Chefs zu Bitcoins nicht. Wie kann man den ernsthaft behaupten, Bitcoins seien bereits heute ein ernstzunehmendes Zahlungsmittel, weil es von Verbrechern genutzt wird? Das ist ja eher ein Gegenbeispiel und dient vor allem der Geldwäsche. Habe vor kurzem eine Doku gesehen, in der jemand sein Bier in einer Berliner Bar mit Bitcoins gezahlt hat. Beim aktuellen Kurs umgerechnet 200 Euro für ein Bier! Für eine Währung sind Bitcoins viel zu volatil, und ich bezweifle, dass sich dies jemals ändern wird, und zwar aus Prinzip. Die größte Schwäche von Bitcoins ist, das deren Menge nicht an die Nachfrage/Wirtschaftsleistung gekoppelt ist, sondern an die Rechenleistung. Das macht Bitcoins nicht zu einer Währung, sondern zu einem Rohstoff wie Tulpenzwiebeln. Bitcoins sind also keine Revolution, sondern eher eine Restauration, wieder weg vom Fiatgeld. Demokratisch sind Bitcoins auch nicht. Es gibt keine Kontrolle durch eine demokratisch legitimierte Instanz wie eine Zentralbank, die mit geldpolitischen Massnahmen für Stabilität sorgen könnte. Es gibt insgesamt nur etwas mehr als 16 Millionen Bitcoins mit einem Wert von nichtmal 200 Mrd, Euro – Peanuts für die Big Player, und diese haben bereits jetzt immer mehr EInfluss auf den Bitcoin-Markt. Ein Bankenkonsortium könnte sich mühelos die Mehrheit an den Bitcoins sichern und so den Markt kontrollieren – somit wäre das eigentliche Ziel fehlgeschlagen, eine von Banken unabhängige Währung zu schaffen. Statt einer Währung , die von einer demokratisch kontrollierten Zentralbank gesteuert wird hätte man dann sozusagen eine von Privatbanken kontrollierte Währung – vermutlich aus China oder Japan. Auch das Bitcoins keine nationale Währung sind, bringt noch wesentlich mehr Probleme mit sich, als sie z.B. der Euro hat. Solange es keinen weltweit einheitlichen Wirtschaftsraum gibt, und die Transportkosten nicht marginal sind, scheiden Sie damit für reale Wirtschaftsgüter aus. Geld basiert auf Vertrauen – das plötzlich von sich aus Wirtschaftsverbände und Verbraucher Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Und selbst wenn irgendwann Staaten Digitalwährungen einführen – wieso sollten es dann vom Ausland kontrollierte Bitcoins sein und nicht eine eigene Digitalwährung?

Antworten

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