Interview

CDO der Otto Group: „Digitale Transformation ist keine Magie“

Seite 2 / 3

About You ist als Händler sehr sauber differenziert. Es ist der einzige Player, der das Thema Discovery ernsthaft, also nicht nur in Pressemitteilungen, wirklich so implementiert hat, dass man es in den Zahlen sehen kann.

t3n: Was heißt das konkret?

Die Leute gehen extrem hochfrequent in die App, lassen sich inspirieren und kaufen über das Storys-Feature direkt ein. Das hat aus meiner Sicht vorher wirklich niemand geknackt.

t3n: Welche Marken sind die Sorgenkinder?

Es ist kein Geheimnis, dass beispielsweise Sportscheck aktuell unter Druck steht. Hier haben wir schon ganz viel an Modell und Strategie gearbeitet – und stecken noch mittendrin. Ziel ist es, ein Einkaufserlebnis rund um das Thema Sport zu schaffen, auf allen Kanälen. Kundenberatung via Tablet, Beacons und Möglichkeiten zur Onlinebestellung im Store: Am Standort Hamburg, den wir gerade umfassend erneuern, können Sie schon erkennen, wie diese Differenzierung in Zukunft aussehen wird.

t3n: Sie sind dem stationären Handel also nicht abgeneigt?

Warum sollten wir? Wir sind nicht dogmatisch unterwegs im Sinne von: Stationär ist per se schlecht. Auch hier können wir langfristig Kundenbedürfnisse erfüllen. Nicht mehr, was die ­Bedarfsdeckung angeht. Das funktioniert heute allenfalls im Lebensmitteleinzelhandel. Aber Erlebnis und Beratung sind ­immer noch Alleinstellungsmerkmale des Offline-Retails. Nur weil es jetzt die Digitalisierung gibt, hocken die Leute ja nicht ununterbrochen zu Hause auf dem Sofa. Sie wollen rausgehen, was erleben. Warum nicht in einer Filiale?

(Abbildung: t3n)

(Abbildung: t3n)

t3n: Sie sprechen von der Notwendigkeit, sich als Händler zu differenzieren …

Ja, das ist die große Herausforderung: Der klassische, undifferenzierte Multibrand-Handel ist einfach stark unter Druck. Und dieser Druck wird nicht mehr weggehen, das geht jetzt nur noch in eine Richtung. Darauf reagieren wir gerade mit Sportscheck. About You oder andere vertikal integrierte Marken wie Bonprix sind schon klar positioniert.

t3n: Aber ist Otto.de nicht auch so ein undifferenzierter Multibrand-­Händler?

Otto ist in unserem Portfolio der eine große Generalist, der ­neben Amazon in Deutschland signifikante Bedeutung hat und Milliarden­umsätze verzeichnet. Und diese Position wollen wir ausbauen. Aktuell haben wir ungefähr drei Millionen Artikel und bauen die Sortimentsbreite kontinuierlich weiter aus. Innerhalb dieses generalistischen Sortiments spielt Home and Living eine herausgehobene Rolle. Das ist für uns ein ganz wichtiges ­Segment, in dem wir schon lange als Marktführer unterwegs sind, mit attraktiven Margen und verhältnismäßig geringen Retourenquoten.

t3n: Und diese Strategie funktioniert?

Otto.de macht rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz. Und das, obwohl wir mit dem Ausbau zur Plattform im Grunde genommen noch am Anfang stehen. Es macht großen Spaß, hier aus einer ­Position der Stärke zu agieren – entgegen mancher Unkenrufe, die es in den Medien gab. Gleichzeitig ist es natürlich auch unsere größte Baustelle, unser größtes strategisches Projekt, das einfach­ ­klappen muss.

t3n: Bis 2020 will Otto 3.000 Partner auf die Plattform gebracht haben, momentan sind es erst rund 400. Wann fällt der große Startschuss fürs Marktplatzmodell?

Ich gehe davon aus, dass wir im vierten Quartal wirklich anfangen können, Otto.de als Plattform zu skalieren. Aktuell ­stecken wir noch mitten in den Vorbereitungen, um das steigende ­Volumen dann auch gewuppt zu kriegen.

t3n: Wie sehen diese Vorbereitungen konkret aus?

Das Geschäft von Otto.de bestand ja zuvor praktisch zu 100 ­Prozent aus Handel auf eigene Rechnung. Unsere ganzen ­Systeme sind auf dieses Modell geeicht und zum Teil auch einfach in die Jahre gekommen. Ein ERP-System beispielsweise ­passen Sie ja nicht dauernd an, wenn keine Not am Mann ist. Unser ­Frontend ist up to date, aber jetzt, wo wir das Geschäftsmodell ändern, müssen wir an den Kern: Wenn wir jetzt anfingen, an die teilweise alten Handelssysteme irgendwelche Marktplatz­funktionalitäten dranzuflanschen, kämen wir in Teufels Küche, dann wären wir irgendwann überhaupt nicht mehr reaktionsfähig. ­Darum bauen wir jetzt mehrere Teile des Backbones ­technologisch neu. Und das dauert halt ein bisschen. Kostet auch Geld, 100 Millionen Euro sind dafür allein im laufenden Geschäftsjahr eingeplant. Aber wir haben uns bewusst dafür entschieden.

t3n: Amazon hält Kunden auf seiner Plattform mit Filmen, Serien und ­Musik bei der Stange. Welche kreativen Wege gehen Sie?

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung