Reportage

Chinas Digitalkonzerne: Die Trendsetter aus Fernost

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Während in Deutschland und anderen westlichen Ländern die wichtigsten Tech-Unternehmen aus den USA stammen, konnten sich in der Volksrepublik fast ausschließlich lokale Anbieter etablieren. Wie konnte es dazu kommen? Warum spielen Facebook und Google keine Rolle in einem der wichtigsten Digitalmärkte? Hauptgrund für die einzigartige Entwicklung in China: In den 2000er Jahren bekamen immer mehr Menschen einen Zugang zum Internet. Wie überall auf der Welt hatten sie plötzlich fast unbegrenzten Zugang zu Informationen. In dem autokratischen, durch die Kommunistische Partei regierten Land konnten Internetnutzer plötzlich mit wenigen Klicks Millionen von Menschen erreichen. Auf Plattformen wie dem Blogsystem Weibo begannen Blogger, über politische Skandale zu berichten und Affären in Echtzeit zu kommentieren. Dieses Monopol lag bis dato bei den Staatsmedien, die durch den Zentralstaat in Peking streng überwacht wurden. Als 2011 ein Zug in Wenzhou entgleiste und 40 Menschen starben, konnten Blogger die Vertuschung des Unfalls durch ihre Berichterstattung verhindern.

Leger angelehnt an der chinesischen Mauer: Jack Ma (ganz links) mit Alibaba-Mitgründern 1998. (Quelle: Alibaba)

Der Unfall gilt als einer der wichtigsten Wendepunkte in Chinas Netzgeschichte: Peking hatte das Internet bereits vorher überwacht, schottete es danach aber immer gnadenloser ab. Früher oder später wurden fast alle der großen westlichen Internetdienste gesperrt oder verließen freiwillig das Land, darunter Face­book, Google und Snapchat. Instagram wurde 2014 geblockt, als über die App Bilder der Proteste in Hongkong geteilt wurden.

Die Great Firewall of China, wie die Blockade genannt wird, macht das chinesische Internet im Prinzip zu einem Intranet, das kaum legale Wege in das weltweite Netz offen lässt. Die internationalen Seiten, die noch erreichbar sind, bauen sich so langsam auf, dass das Surfen keine Freude macht. Laut des IT-Unternehmens CDNetworks laden chinesische Websites in der Volksrepublik innerhalb weniger Sekunden, ausländische Sites brauchen hingegen durchschnittlich mindestens 33 Sekunden. Aus dem Ausland sind viele chinesische Dienste nicht zu erreichen. Und grundsätzlich wird alles geprüft, was rein- und rausgeht. Wie die digitale Mauer genau funktioniert, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass Nutzer gesperrte Seiten wie Facebook nur mit Hilfe eines VPNs öffnen können. Das verlangsamt das Laden allerdings weiter, viele Websites sind dadurch kaum zu nutzen.

Die Blockade führt dazu, dass in China heute viele Menschen fast ausschließlich zensierte Medien vom Festland konsumieren. Viele ausländische Medien wie die New York Times und Bloomberg sind nicht erreichbar. Die kurze Phase der digitalen Freiheit ist vorbei. Die chinesischen Techkonzerne aber profitieren von genau dieser Abschottungspolitik: Das Aussperren ermöglichte den lokalen Unternehmen, ohne Druck durch die großen internationalen Konzerne eigene Dienste aufzubauen. Besondere Profiteure waren Baidu, Alibaba und ­Tencent, die zunächst mit Kopien amerikanischer Unternehmen erfolgreich wurden: Tencent baute den Messenger QQ, ein chinesisches ICQ, auf, Alibaba mit Alibaba.com einen chinesischen Amazon-Klon und später mit Taobao eine Art Ebay, Baidu mit seiner gleichnamigen Suchmaschine das chinesische Google. Dienste, die sich seitdem zum großen Teil massiv von ihren Vorbildern abgehoben haben.

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