Reportage

Chinas Digitalkonzerne: Die Trendsetter aus Fernost

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Emanzipiert von Google und Facebook

Dass der abgeschottete Markt ein Startvorteil für chinesische Techunternehmen war, ist unbestritten. Davon haben sich die Unternehmen aber schon lange emanzipiert, sagt Jan Smejkal, Leiter des Gründerverbands Startup Grind China, der von Google mitfinanziert wird. Der 25-Jährige lebt seit knapp drei Jahren in der Volksrepublik und organisiert Events und Konferenzen rund um das Thema Innovation und Technik. Vorher hat er für Rocket Internet gearbeitet und unter anderem den Lieferservice Foodpanda in seiner Heimat Tschechien mit aufgebaut. „Die chinesische Internetindustrie ist extrem innovativ und in Gebieten wie Fintech weltweit führend“, sagt Smejkal. In vielen Bereichen setzen die chinesischen Unternehmen heute Impulse.

Das Tor zum chinesischen Internet ist Baidu. Die Suchmaschine hat mit einem Marktanteil von mehr als 80 Prozent ein Monopol in China. Gründer des gigantischen Unternehmens ist Robin Li, der von den Medien gerne als der bestaussehende Gründer des Landes bezeichnet wird. Der hochgewachsene Li startete das Unternehmen 1999 mit dem Ziel, den damals größten Suchmaschinenbetreibern Yahoo und Google den Rang abzulaufen. Baidu hatte nicht nur schnell die besseren Algorithmen für die chinesischen Suchanfragen – als Google 2010 seinen chinesischen Dienst einstellte, hatte das Unternehmen auch kaum mehr Konkurrenz. 2005 ging es in New York an die Börse und war Ende 2016 mit mehr als 60 Milliarden US-Dollar bewertet. Zum Vergleich: Alphabets Marktkapitalisierung liegt bei rund 500 Milliarden US-Dollar. Gegen den US-Riesen hätte es für Baidu allein schon kräftemäßig also schwierig werden können.

Blick in die Arbeitsräume von Alibaba: Auch das chinesische Unternehmen pflegt die Kultur des Großraumbüros. (Quelle: Alibaba)

Die chinesischen Unternehmen kopieren aber längst nicht mehr nur, sie entwickeln weiter. „Die App Wechat macht das besonders deutlich“, sagt Smejkal. Hinter dem Messenger, der auf Chinesisch Weixin heißt, steht der zweite wichtige Player in Chinas Internetökonomie: Tencent. Der Gründer des mittlerweile wertvollsten Unternehmens des Landes, Ma Huateng, war gerade sieben Jahre alt, als Deng Xiaoping seine Wirtschaftsreformen anstieß und damit das Land für den Westen öffnete. Er studierte Informatik in Shenzhen und stieß 1998 auf ICQ, den Messenger, der damals noch zum US-Konzern AOL gehörte und den Chatmarkt dominierte. Als Ma erfuhr, dass es keine chinesische Version für den Dienst gab, beschloss er, selbst eine zu programmieren – die Geburt seiner Firma Tencent. Mittlerweile hat der damals ent­wickelte Messengerdienst QQ mehr als 868 Millionen Nutzer.

Das Erstaunliche: Obwohl das Unternehmen mit seinem Messen­ger den Chatmarkt in China konkurrenzlos dominierte, entschied sich Ma 2011, eine zweite App zum Verschicken von Nachrichten zu entwickeln. Ein frisches Team programmierte die App Wechat, die heute Herzstück der chinesischen Techwelt ist und vollkommen unabhängig von QQ funktioniert.

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