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Produktiv-Expertin Claire Burge: „Slack ist schlimmer als E-Mail“

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t3n Magazin: Du hast selbst mehrfach gegründet. Mit deinem Startup „This Is Productivity“ trimmst du vor allem Softwarefirmen auf Effizienz. Was sind deine Empfehlungen?

Claire Burge: Selbst nutze ich Rescuetime. Das Tool hilft bei der Kategorisierung und Messung von produktiven und nicht-produktiven Tätigkeiten. Außerdem beschränke ich mich pro Woche auf maximal fünf Meetings und versuche, mindestens drei neue Angebote zu schreiben. Wenn ich diese beiden Ziele erreiche, kann ich mir sicher sein, dass es meinem Unternehmen gut geht. Auch empfehle ich, auf Transparenz zu setzen. Arbeitet mit Taskmanagern, die für alle Mitarbeiter einsehbar sind.

t3n Magazin: Hast du Tipps für besonders effektive Meetings?

Claire Burge: Hört auf, zu viele Meetings zu machen. Unternehmen sollten stattdessen eine Kommunikationskultur schaffen, die es erlaubt, Probleme in Echtzeit-Chats zu lösen. Das spart viel Zeit. Ansonsten: Fangt immer pünktlich mit dem Meeting an, auch wenn nicht alle Teilnehmer anwesend sind. Habt immer einen Protokollanten dabei. Haltet neue Aufgaben direkt in den Taskmanagern fest. Überhaupt ist wichtig, jedes Meeting mit einer Liste aus jetzt zu erledigenden Aufgaben zu beenden und Deadlines festzulegen.

t3n Magazin: Was ist eigentlich mit E-Mails? Sind die noch zeitgemäß?

Claire Burge: Von E-Mails kann ich nur abraten. Sie sind ein sehr eigennütziges Werkzeug, das der Produktivität von Unternehmen schadet. Warum? Mitarbeiter können sich nicht gegenseitig in ihre Inbox schauen und wissen so überhaupt nicht, woran die Kollegen gerade arbeiten. Das erschwert das Delegieren von Aufgaben und kostet viel Zeit. Aus diesem Grund habe ich E-Mails innerhalb meines Unternehmens auch abgeschafft.

t3n Magazin: Dein Unternehmen kommt ganz ohne E-Mails aus?

Claire Burge: Natürlich verfügen meine Mitarbeiter und auch ich noch immer über eine Inbox, schließlich werden E-Mails auf der ganzen Welt genutzt. Der Unterschied ist aber, dass alle unsere E-Mails zu 100 Prozent auf Kunden und Investoren beschränkt sind. Intern dagegen haben wir die gesamte Belegschaft von der E-Mail erlöst. Wir arbeiten nur noch mit offenen und kollaborativen Tools. Dazu rate ich allen Unternehmen, die weniger E-Mails wollen.

t3n Magazin: Von welchen Tools sprechen wir genau?

Claire Burge: Wir nutzen unter anderem Teamwork für das Projektmanagement, Google Drive als Cloudspeicher und Telegram für die Kommunikation. Außerdem Wunderlist als Taskmanager, vor allem die Offline-Funktion ist hier extrem praktisch.

t3n Magazin: Was ist mit Slack? Immerhin behauptet das Tool von sich, die E-Mails in Unternehmen in Rente zu schicken.

Claire Burge: Nein, Slack ist ein Kommunikations- und kein Aufgabentool. Es ist wie 100 Posteingänge in einem. Es erhöht die Produktivität nicht, es macht sie sogar noch schlechter.

t3n Magazin: Wenn wir über Produktivität sprechen, ist die Automatisierung ja gerade ein Riesenthema. Wird künstliche Intelligenz die Arbeit wirklich so stark verändern wie alle sagen?

Claire Burge: Ja, definitiv. 80 Prozent der Tätigkeiten, die Menschen heutzutage verrichten, werden schon in einigen Jahren automatisiert und von Robotern übernommen werden. Umso wichtiger ist es für den Menschen, dass er sich selbst neu erfindet, weil es sonst keine Arbeitsplätze mehr für ihn geben wird.

t3n Magazin: Interessante These.

Claire Burge: Stimmt, aber davon bin ich überzeugt. Bald werden wir nicht mehr nur am Schreibtisch sitzen, E-Mails abarbeiten oder viele Verwaltungsaufgaben übernehmen. Was stattdessen gefragt sein wird, sind unsere urmenschlichen Qualitäten. Die wollen wir Unternehmen und Mitarbeitern wieder beibringen.

t3n Magazin: Welche Fähigkeiten muss der Mensch mitbringen, um in zehn oder 20 Jahren noch am Arbeitsmarkt gefragt zu sein?

Claire Burge: Dazu haben wir kürzlich eine Studie erstellt mit der Frage, was den Menschen eigentlich im Kern von der Maschine unterscheidet? Die Antwort konnten wir in zwei Kategorien zusammenfassen: Kreativität und kritisches Denken. Dabei geht es vor allem um Empathie, aktives Zuhören, Risikobereitschaft, Visual Thinking und richtige Gesprächsführung. Auf diese Soft Skills wird es ankommen. Das erfordert ein radikales Umdenken beim Recruiting.

t3n Magazin: Inwiefern?

Claire Burge: Je mehr Aufgaben von Maschinen übernommen werden, desto weniger wichtig wird die klassische Berufserfahrung. Entsprechend müssen auch Unternehmen die Mitarbeitersuche stärker auf die genannten Soft Skills ausrichten. Die Frage, wie ein Mitarbeiter vor allem die Team- oder Kundenerfahrung verbessern kann, wird das wichtigste Einstellungskriterium werden. Noch achten wir bei Bewerbern zu 90 Prozent auf die fachlichen Qualitäten und suchen im Vorstellungsgespräch nach den restlichen zehn Prozent an Menschlichkeit. In Zukunft wird es genau umgekehrt sein.

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4 Reaktionen
DoSchu

"Slack ist schlimmer als eMail" – kann ich nur sagen Blödsinn. Ich bin soooo froh, dass inzwischen viele Kommunikationen via Slack laufen. Meine Mailbox wird so zugespammt, da rutscht schnell mal was durch. Denn leider haben es die Mail-Provider bis heute nicht geschafft, Spam von uns fern zu halten. Da fühle ich mich richtig befreit in Slack. Telegram nutzen wir zum Beispiel für die Kommunikation zur Coworking Konferenz cowork sehr gerne, jedoch mehr für den raschen digitalen Austausch rund um die Events - als prima Alternative zu Facebook Messenger oder Whatsapp, da öffentlich abonnierbar.

Tristan

Slack ist zuallererst auch ein "Echtzeit-Chat" und ich verstehe nicht recht, inwiefern damit denn nun schlechter als mit Telegram gearbeitet werden kann?

Gordon

Ich verstehe die Aussage auch nicht. Bei der Überschrift erwarte ich auch wenigstens eine Begründung warum Telegram besser als Slack ist und warum von Slack abgeraten wird. Kommt mir schon ein wenig vor wie Clickbait...

Juergen

Telegram als Kommunikationstools im Unternehmen? Dann komme ich ja gar nicht mehr zum Coden.

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