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Schnittstellen managen: Cloud-Lösungen für Entwickler

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Apiary

Wer an dieser Funktionalität interessiert ist, um die Zusammenarbeit von Backend- und Frontend-Entwicklern zu verbessern, sollte einen Blick auf Apiary werfen. Der inzwischen durch den Software-­Riesen Oracle übernommene Cloud-Dienst verwendet für die Endpoint-Schemas ein eigenes Format namens API Blueprints, das ähnlich wie Open-API arbeitet und ebenfalls Open-Source ist. Auf Basis dieser Blueprints lassen sich Mock-Server einfach erstellen, die zum Prototyping von API dienen. Zudem punktet Apiary mit einem nützlichen Feature, das man bei Postman und Stoplight nicht findet: ­Traffic ­Inspector. Wenn aktiviert, werden Server-Anfragen durch einen Apiary-­Proxy weitergeleitet, der relevante Daten und Parameter sammelt, die beim Debugging hilfreich sind.

Was das Pricing angeht, verfolgen diese Produkte eine ähnliche Strategie. So werden sie alle im Freemium-Modell angeboten und bieten verschiedene Pläne für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis. Die Einstiegspreise bewegen sich dabei zwischen acht Dollar (Postman) und 24 Dollar (Stoplight) pro Nutzer und Monat. Im unteren Preissegment des API-Lösungsmarktes finden Entwickler weitere leichtgewichtige Saas-Tools, die sich auf eine bestimmte Aufgabe fokussieren. Mit Readme zum Beispiel lassen sich erstklassige API-Docs und Entwickler-Portale im Nu erstellen. Kostenpunkt: ab 99 US-Dollar pro Monat. Der API-Spezialist Swagger bietet ebenfalls Werkzeuge, die sich in der Praxis bewährt haben. Darunter Swaggerhub für API-Design und Dokumentation, sowie Readyapi für das Testing. Wer seine API nicht nur testen, sondern auch überwachen will, kann auf API Fortress oder Runscope zurückgreifen.

Mashape, einer der ­führenden ­API-Marktplätze, lässt Nutzer nach Kategorien wie „Devices“ oder „Social“ filtern oder direkt nach Stichworten suchen. (Screenshot: Mashape)

Vermarktung und Monetarisierung

Bei Mashape handelt es sich um einen API-Marketplace, von dem sowohl Software-Anbieter als auch Anwenderunternehmen profitieren können. Software-Anbieter können auf dem Online-­Dashboard ihre eigenen API erstellen und zentral verwalten. Neben den Design- und Dokumentations-Tools, die wir bei ­Postman, Stoplight und Apiary beschrieben haben, bietet ­Mashape auch die Möglichkeit, API auf dem Marketplace zu veröffent­lichen und zu monetarisieren. Als API-Provider kann man seine Services zu beliebigen Preiskonditionen anbieten, die sich auf dem Mashape-Dashboard definieren lassen. Wer seine API auf dem Marktplatz vermarktet, muss 20 Prozent jeder Transaktionssumme an den Provider abgeben. Dabei stehen aufschlussreiche Analytics-Reports und Monitoring-Tools zur Verfügung, die einen Überblick zur Nutzung der eigenen API geben. So kann man leicht ermitteln, wie viele Anwender auf eine bestimmte API-Ressource zugreifen oder welche Endpoints am häufigsten verwendet werden. Mashape wurde letztes Jahr durch das Unternehmen Rapidapi übernommen, das einen ähnlichen API-Marktplatz betreibt. Mashape- und ­Rapidapi-Anwender können mit dem gleichen ­Login auf beiden Plattformen arbeiten. Zusammen bedienen sie nach Hersteller­angaben über 370.000 Entwickler, die jeden Monat über 300 ­Milliarden API-Calls auf der Plattform machen.

Mithilfe ganzheitlicher ­API-Gateways der führenden Cloud-Riesen können Unternehmen jeder Größe ihre API zentral erstellen, veröffentlichen, warten, überwachen und absichern. (Screenshot: Amazon)

API-Gateways

Neben diesen schlanken Tools finden Software-Unternehmen auf dem API-Markt weiterführende Lösungen, die einen ganzheit­lichen Ansatz verfolgen. Immer beliebter werden ­dabei API-­Gateways. Dabei handelt es sich um umfassende API-­Management-Systeme, mit denen Entwickler Programmierschnittstellen erstellen, veröffentlichen, warten, überwachen und absichern können. Die führenden Cloud-Provider ­Amazon, Google, ­Microsoft und Alibaba haben alle solche Produkte bereits in ihr Portfolio aufgenommen. Diese sind für Web- und ­Mobile-Entwickler konzipiert, die einen sicheren und zuverlässigen Zugriff auf ­Backend-API für den Zugriff von mobilen Apps, Web-Apps und Server-Apps bereitstellen möchten.

API-Gateways agieren als Proxy-Server, die alle ­eingehende Requests analysieren, bevor sie an das Anwendungs-­Backend weitergeleitet werden. Die Geschäftslogik hinter den API kann von einem öffentlich zugänglichen Endpoint bereitgestellt werden, der im Falle von Amazon zum Beispiel auf einer EC2-­Instanz betrieben wird. Mit AWS können Entwickler die Endpoint-­Geschäftslogik auch als eine server-lose Lambda-Funktion implementieren. Dank Traffic Control können sie zudem ihre vorhandenen Backends schützen, indem sie zum Beispiel Regeln zur Einschränkung der maximalen Bandbreite oder der maximalen Anzahl an Client-Requests pro Stunde festlegen. ­Damit wird auf einfache Weise vermieden, dass es bei unvorhergesehenen ­Datenverkehrsspitzen zur Überlastung der Backend-­Infrastruktur kommt. Ein weiterer Pluspunkt: Das API-Gateway von ­Amazon ist mit Cloudwatch integriert. Damit können Entwickler wichtige Leistungsmetriken über API-Aufrufe, Daten­latenz und Fehlerquoten auf einem Dashboard kontinuierlich überwachen und analysieren.

Google Cloud Endpoints

Google bietet mit Cloud Endpoints eine ähnliche Gateway-­Lösung, bei der der Proxy mit einem Nginx-Server und einer verteilten Architektur realisiert ist, die eine hohe Performance und ­Skalierbarkeit versprechen soll. Neben anspruchsvollen Sicherheits-, Monitoring- und Analytics-Werkzeugen bietet Google mit den integrierten Authentifizierungslösungen Auth0 und Firebase Authentication eine sichere Möglichkeit, API-User zu identifizieren. Mit JSON-Web-Tokens und Google-API-Schlüsseln können Entwickler zudem den Zugriff auf ihre API steuern und jeden eingehenden Aufruf validieren. Bei Google Cloud Endpoints sind die ersten zwei Millionen Server-Requests kostenlos. Danach zahlt man drei Dollar pro eine Million API-Aufrufe.

Kleine und mittlere Unternehmen, die bereit sind, für ihre API-Management-Lösung zwischen rund 250 und 2.000 Euro im Monat auf den Tisch zu legen, finden in Tyk Cloud aus London, Mashery, Cloud Elements, Apigee, das im Jahr 2016 von ­Google übernommen wurde, sowie 3Scale, das inzwischen zu Redhat gehört, leistungsfähige Alternativen, die den Vergleich mit den Lösungen der Cloud-Riesen nicht scheuen müssen.

Full-Lifecycle-Management für große Unternehmen

Großunternehmen und Konzerne, die über sehr heterogene ­Systemlandschaften mit privaten, hybriden und Public Clouds verfügen und komplexe Geschäftsprozesse abbilden müssen, entscheiden sich häufig für „API Full Lifecycle Management”-Lösungen, die in Sachen Funktionalität kaum Wünsche offenlassen und alle Anforderungen an Compliance und API-Governance erfüllen. Zu den führenden Anbietern in dieser Kategorie zählen unter anderem Mulesoft mit seiner am Anfang des Artikels angesprochenen Anypoint Plattform, CA Technologies, Axway mit Amplify, Fiorano und Sensedia. Ihre ganzheitlichen High-End-Systeme unterstützen Unternehmen in jeder Phase des API-Lebenszyklus und umfassen Planung, Design, Implementierung, Deployment, Testen, Monitoring, Analytics, Wartung, Versionsverwaltung und vieles mehr.

Fazit

API spielen bei der digitalen Transformation, die jedes Unternehmen derzeit durchlebt, eine zentrale Rolle. Diese sind nicht länger nur eine technische Integrationsmethode, um Daten von einer ­Anwendung zu einer anderen zu verschieben oder ­Legacy-Systeme mit modernen SaaS-Diensten zu integrieren. Business-driven-API, die Unternehmen in die Lage versetzen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und neue Absatz­kanäle zu eröffnen, rücken verstärkt in den Fokus. Wer in die API-­Economy einsteigen und mit seinen Daten und Diensten Geld verdienen will, kann auf unterschiedliche Lösungen zurückgreifen, die in jeder Phase des API-Lebenszyklus wertvolle Hilfe leisten. Egal ob kleines Startup oder großer Konzern: Durch den Einsatz pro­fessioneller Werkzeuge rund um Design, Dokumentation, Management, Skalierung, Analytics und Sicherheit können Software-Hersteller komplexe Aufgaben, die viel Zeit, Geld und Nerven kosten, deutlich vereinfachen, ihre Arbeitsprozesse ­beschleunigen und sich dann voll und ganz auf das Wichtigste konzentrieren: erstklassige API zu entwickeln.

Eine Übersicht über API-Tools für Entwickler findest du hier.

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