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Coliving – Zusammen arbeiten und leben: Alles unter einem Dach

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Denn elementar für das erfolgreiche Zusammenleben und -arbeiten ist etwa die passende Mischung aus Typen und Professionen. Die einen schwören auf einen bunten Mix von Berufen, die anderen wollen eher mit Kollegen am Küchentisch sitzen. Leon Hoffmann etwa stellte bei seinen verschiedenen Aufenthalten schnell fest: Mit Sales-Managern will er nie wieder unter einem Dach wohnen. „Wenn ich programmiere und der andere telefoniert, stört mich die Lautstärke – da habe ich viel Ohropax verschlissen.“ Und in Hamburg spürt die Coliving-WG gerade, dass es gar nicht so leicht ist, den passenden Mitbewohner für ein freies Zimmer zu finden: Wer zu jung und unerfahren dazu kommt, könnte die Gemeinschaft ausbremsen, wer schon weiter ist mit seinem Startup, der fühlt sich vielleicht selbst nicht mehr wohl unter den flexiblen Jungunternehmern. „Mit der Anfangskonstellation hatten wir einfach richtig Glück“, sagt Richter, „es ist gar nicht so einfach, jemanden zu finden, der sich so einbringen möchte.“

In Deutschland und in den USA machen sich daneben Anbieter auf den Weg, die an verschiedenen Standorten möblierte Apartments mit Anschluss an gemeinsame Arbeitsmöglichkeiten anbieten. Sie sehen das Coliving-Konzept als eine Nische auf dem Immobilienmarkt, die es professionell zu entwickeln gilt: „Wenn man zu ideologisch an die Sache herangeht, wird es problematisch“, sagt Bruno Haid, CEO und Mitgründer von Roam [3]. Wichtig ist Haid bei seinen Projekten daher eine klare Trennung von Privat und Gemeinschaftsräumen – jeder findet Platz zum Arbeiten, kann sich aber genauso gut in sein Zimmer oder Apartment zurückziehen. „Solange mir keiner den Jogurt klaut, kann ich mir gut die Küche mit anderen teilen.“

Links Schreibtischstuhl, rechts Sofa: Die Coliving-Apartments des Anbieters Roam verbinden Leben und Arbeiten unter einem Dach. Günstig sind die Angebote nicht: Für eine Woche zahlt der Mieter schon mal 500 US-Dollar – bei Standorten wie diesem in London-Chelsea kommt noch ein „Ortszuschlag“ oben drauf. (Foto: Roam / Anton Rodriguez)
Das Unternehmen bietet bald an sechs Standorten weltweit Häuser an, in denen die Mitglieder gemeinsam leben und arbeiten können – von Miami über Bali bis Madrid und London. Rund um die Welt sichtet man dafür aktuell Immobilien, besonders leerstehende Hotels mit 30 bis 60 Zimmern stehen im Fokus. Die Idee: Die Bewohner erwartet nach der Übernahme durch Roam eine Art Luxus-Hostel mit Netzwerkbonus. Als Zielgruppe sieht Haid vor allem jüngere Selbstständige, die immer mal wieder an anderen Orten leben wollen – um ein Projekt zu verwirklichen oder sich selbst zu finden. „Wir kommen aus der Freiheitsecke“, sagt Haid, „man hat die Möglichkeit hin und her zu pendeln, bekommt einen Mehrwert und spart dadurch.“ Berlin steht ganz oben auf der Liste der möglichen neuen Ziele.

Einen Schritt weiter ist hierzulande der Anbieter Rent24 [4]. Seit 2015 betreibt das Unternehmen Coworking-Flächen in verschiedenen deutschen Städten, im Herbst sollen in Berlin die ersten Apartments und Wohngemeinschaften im selben Haus eröffnet werden – einmal über den Flur und schon ist man auf der Arbeit. An die richtige Einrichtung und Größe der Einheiten will man sich Schritt für Schritt herantasten. „Es muss eine Umgebung sein, in der sich Startups wohlfühlen“, sagt Mitgründer und CEO Robert Bukvic, „es soll kein Fünfsterne-Haus werden, aber wir wollen auch kein verranztes Sofa.“ Als wichtigste Aufgabe sieht auch Bukvic an, die richtigen Leute in den Räumen zusammenzubringen. „Wir haben jetzt schon mehr Anfragen, als wir Platz haben – und müssen so auswählen, dass es einen gesunden Branchenmix gibt“, sagt Bukvic.

Das Problem: Für Gründer oder Freiberufler mit extrem knappem Budget sind solche Coliving-Arrangements nicht immer bezahlbar. Roam etwa kalkuliert für die Wohn-Mitgliedschaft mit 500 US-Dollar pro Woche – plus einem „Ortszuschlag“ an teuren Standorten wie der neu eröffneten Dependance im hippen Londoner Stadtteil Chelsea. Die günstigsten Zimmer des amerikanischen Anbieters Welive [5], der vor allem für seinen Coworking-Space Wework bekannt ist, starten in New York bei 1.900 US-Dollar pro Monat. Auf den extrem knappen Wohnungsmärkten in den amerikanischen Digitalzentren kann sich die Investition durchaus rechnen, in Deutschland dürften Digitalarbeiter aber meist eine sparsamere Kombination aus Wohnungs- und Büromiete finden können.

Gemeinschaft mit hohen Nebenkosten

Die Unternehmer verteidigen den Preisaufschlag: „Auf den ersten Blick mag es nicht immer günstig sein“, sagt Bukvic, „aber dafür entstehen Netzwerke und Synergien, die man mit Geld schlecht beziffern kann.“ Roam-Gründer Haider will seinen Gästen vor allem auch Zeit beim Einleben sparen – um effizient am neuen Ort loslegen zu können, ohne erst die Internetverbindung beantragen oder Einkaufsmöglichkeiten suchen zu müssen. Dass das insbesondere vielreisende Digitalarbeiter ausbremsen kann, hat auch Leon Hoffmann auf seiner Weltreise erlebt: „Das Finden von geeigneten Plätzen war sehr aufwendig.“ Bei Roam beispielsweise kümmert sich deshalb jeweils ein lokaler Betreuer um die Gäste, er soll die Eingewöhnung erleichtern.

Private Initiativen haben es dagegen deutlich schwerer, das Konzept entschieden voranzutreiben. Eine der ersten gemeinsamen Arbeiten der Hamburger Coliving-WG war eine Präsentation, um das Konzept auch Investoren oder städtischen Förderern schmackhaft zu machen. In einer Zeit, in der sich in begehrten Lagen zuverlässig Geld mit Eigentumswohnungen verdienen lässt, sind jedoch viele private und öffentliche Immobilienbesitzer zurückhaltend gegenüber neuen Ideen. „Bei manchen älteren Generationen fehlt das Verständnis, was da für ein Mehrwert drinsteckt“, sagt Nathalie Richter.

Wohnungen und Häuser fernab der Gründer-Zentren wären zwar zu haben, stoßen aber bei möglichen Bewohnern oft auf wenig Interesse. Erst einmal haben die Hamburger die Suche daher hintenangestellt: „Aktuell wollen wir vor allem Erfahrung sammeln“, sagt Manuel Dingemann. Rent24 setzt darauf, dass die Besitzer der jeweiligen Immobilien mit am Unternehmen beteiligt werden und so ein langfristiges Interesse daran haben, Coliving zu realisieren.

Nathalie Richter (links) und Manuel Dingemann (Zweiter von rechts) leben in ihrer Hamburger WG nicht nur gemeinsam, sondern arbeiten dort auch. Der Unterschied zum Coworking: „Hier tauscht man sich mit weniger Leuten aus, aber dafür viel intensiver“, sagt Richter. (Foto: Coliving Hamburg)

Die Suche nach der Coliving-Formel

An der Coliving-Formel aus Lage, Einrichtung, zusätzlichen Dienstleistungen, Preis und Bewohnern werden in den kommenden Jahren wohl noch einige Digitalarbeiter und Immobilienunternehmer basteln. Entstehen könnten so neue Angebote in verschiedenen Preisklassen, vom Luxus-Apartment neben dem Coworking-Space bis zur Tüftler-WG in abgelegenen Dörfern. Verschwinden könnte dagegen der allgegenwärtige Oberbegriff: der Ausdruck „Coliving“ selbst. Das meint zumindest Leon Hoffman. „Das Buzzword wird sterben, aber diese Art zu arbeiten und leben wird wachsen“, erklärt der Gründer.

Er kam von seiner Weltreise übrigens mit einem fertigen Geschäftsmodell zurück. Irgendwo zwischen Asien und Australien entstand Click your ads, seine digitale Agentur für die Vermittlung von freiberuflichen Designern oder Programmierern an Mittelständler. Hoffmann hätte irgendwann wieder Lust auf eine Umgebung, in der Wohnen und Arbeiten räumlich ganz nah beieinanderliegen. Erst einmal hat er sich aber in einer ganz normalen Berliner WG eingerichtet. Und arbeitet aus dem Home Office an seinem Unternehmen.

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Eine Reaktion
Verena2017

Das finde ich super, ich wohne in einem ähnlichen Haushalt. Wir sind alle kleine "Zocker" und spielen gerne online mit- und gegeneinander. Das funktioniert super. Es ist einfach unser Hobby und wenn man dann auch zusammen wohnt, ist das super praktisch. Es gibt ja heutzutage auch so coole Online Spiele, die man zusammen spielen kann, wie Live Roulette / Poker (am besten ist das von Drück Glück)...oder einfach irgendwelche Rennspiele, Kampfspiele :-)

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