Trendreport

Wie die deutsche Games-Branche bisher durch die Corona-Pandemie kommt

Das Berliner Studio Yager, das für sein Free-2-Play-Spiel „The Cycle“ bekannt ist, hat inzwischen wieder genauso viele Spieler wie vor der Pandemie – der Zuwachs war nur von kurzer Dauer. (Abbildung: Yager)

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Derzeit spielen mehr Menschen Videospiele als je zuvor, auch angeheizt durch die Isolation während der Coronakrise. Wirkt sich das positiv auf deutsche Studios aus?


„Unser Umsatz ist mehr als 20 Prozent gestiegen, wir verzeichnen seit Beginn der Pandemie über zehn Prozent mehr tägliche Spieler“, sagt Hendrik Klindworth, CEO von Innogames, einem der größten Entwicklerstudios Deutschlands mit Sitz in Hamburg. Für viele andere Unternehmen ist Corona Grund für Umsatz­einbrüche, Kurzarbeit, Entlassungen. Doch wer Videospiele herstellt, ist davon zu großen Teilen ausgenommen.

Die Videospielindustrie hat in den vergangenen Monaten weltweit Rekordumsätze gemacht. Sowohl Spiele als auch Hardware ver­kaufen sich seit Beginn der Pandemie im Jahres­vergleich deutlich besser – die Menschen sind zu Hause und spielen. Die deutsche Branche ist im internationalen Vergleich aber relativ klein, sie hat kaum Gewicht. Profitieren deutsche Studios dennoch vom Boom? Und was ist nach der Krise, ist dann wieder alles vorbei?

Die Zahlen zumindest sprechen eine deutliche Sprache: Im ­Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 ist der deutsche Games-­Markt 2020 um 27 Prozent auf 3,71 Milliarden Euro gewachsen. Nicht nur für Software, sondern auch für Hardware wurde mehr Geld ausgegeben. Sogar die Konsolen Xbox One und Playstation 4 verkauften sich bis Oktober 2020 besser als im Jahr davor – obwohl die Nachfolgekonsolen bereits für Anfang November angekündigt waren. Ein Zeichen dafür, dass nicht nur langjährige Spieler tiefer in die Tasche gegriffen haben, sondern dass auch neue hinzugekommen sind.

Das deutsche Games-Studio ­Innogames gehört zu den Krisengewinnern: Gerade Klassiker im Portfolio wie „Die Stämme“ haben für steigende Umsätze gesorgt. (Abbildung: Innogames)

„In der Krise werden auch neue Spielergruppen erreicht, etwa Menschen, die sehen, wie gut sich das Online-Gaming eignet, um auch während der Pandemie Kontakt zu anderen zu halten“, sagt Felix Falk, Geschäftsführer vom deutschen Branchenverband Game. Das schlage sich global in den Verkäufen digitaler Spiele nieder.

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Was die internen Arbeitsabläufe angeht, sieht Falk deutsche Entwicklerstudios für die Pandemie gewappnet. „Auch wir waren schon immer digital, daher gab und gibt es weniger Anlaufschwierigkeiten, aufs Homeoffice und andere Arten von Remote Work umzusteigen“, sagt er. Nur da, wo die Internetleitungen zu langsam sind, könne es zu Problemen kommen.

Dass Deutschland gerade im Vergleich zu großen Märkten wie USA, Japan oder England schlechter dastehe, habe andere Gründe: „Die Games-Branche in Deutschland ist maximal mittelständisch, hier werden kaum AAA-Spiele hergestellt und dadurch steht die Finanzierung oftmals auf wackeligen Füßen“, erklärt Falk. Gerade kleinere Entwickler, deren Situation sowieso angespannt sei, könnten etwa bei einer verzögerten Veröffentlichung eines Spiels in einen finanziellen Engpass geraten: „Ein Indie-­Studio mit drei Mitarbeitern kann schlecht in Kurzarbeit gehen – um Löhne kann es dann schlecht stehen.“ Die Videospielförderung des Bundes sei zwar inzwischen angelaufen und auch ein wichtiger Schritt, um die Branche zu stärken, doch während der vergangenen Monate habe sie noch keine Rolle gespielt.

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