E-Commerce

Couch Commerce: Das perfekte Shoppingerlebnis im Online-Shop

Seite 2 / 2

Potenzial von Tablets richtig nutzen: Konzeptionelle Überlegungen

Um diese neuen Potenziale im E-Commerce durch die zunehmende Verbreitung von Tablets zu nutzen, sind konzeptionelle Überlegungen wichtig. Ausgangspunkt sollte dabei immer das eigene Vertriebsmodell sein: Lässt es sich durch die oben beschriebene typische Tablet-Nutzungsform bereichern? Kann dadurch ein Mehrwert für den Konsumenten beispielsweise durch den Einsatz einer adaptierten Bildsprache, intensiveres Storytelling oder Videos erzeugt werden?

Eine weitere interessante Anwendungsmöglichkeit ist die Nutzung des Tablets als Second-Screen – quasi als zweiter, jedoch interaktiver Shoppingkanal zu einer Primärquelle. Bei Couch-Commerce und dem Nutzungsszenario im Wohnzimmer ist diese Primärquelle häufig der Fernseher. In diesem Zusammenhang sind bereits einige interessante Feldversuche und Experimente durchgeführt worden, unter anderem von der englischen Supermarktkette Tesco zusammen mit Fernsehkoch Jamie Oliver [2].

Einen anderen Second-Screen-Ansatz wählte eBay in den USA. Über die iPad-App „Watch with eBay“ werden passende Inhalte zum aktuellen TV-Programm angeboten. Was trägt oder verkauft der Schauspieler aus der aktuellen Soap? Welche Angebote passen zum Thema? Bei diesem Ansatz wird die Entspannung und Offenheit des Nutzers auf geradezu intuitive Weise genutzt. Ein hoher emotionaler Faktor und wohl auch Kaufbereitschaft scheinen gegeben.

Amazons Windowshop für das iPad nutzt die entspannte Anwendersituation optimal.
Amazons Windowshop für das iPad nutzt die entspannte Anwendersituation optimal.

Beide genannten Beispiele nutzen die emotionale Nutzersituation gezielt für den Verkauf über Tablets aus. Während bei Smartphones oft die richtige Kombination aus Hardwarefunktionen wie GPS, Kamera und Neigungssensor einerseits und mobilem Anwendungsszenario andererseits den Erfolg einer App ausmachen, liegt bei Tablets der Erfolg in der richtigen Ansprache des Users. Und diese kann nur erfolgen, wenn der Shop entsprechend für Tablets angepasst ist.

Für Tablets optimieren: Was ist wichtig?

Das Argument ist weit verbreitet, dass Onlineshops ja bereits auf eine 1024er-Pixel-Breite optimiert seien und damit problemlos auf dem Tablet im Querformat nutzbar sind. Vom technischen Gesichtspunkt her ist das zwar korrekt, aber nicht zu Ende gedacht. Wichtig zu wissen ist, dass Tablets primär „Browser-Driven“ sind, während bei Smartphones die Apps im Vordergrund stehen. Der Browser ist in der Regel also die bevorzugte Anwendung auf dem Tablet – inklusive seiner Tücken.

Auch wenn ein Onlineshop in einem Tablet-Browser gut funktioniert, heißt das nicht automatisch, dass er auch erfolgreich ist. User nutzen den Browser auf dem Tablet anders als auf dem PC oder Laptop, wo ihm beispielsweise zusätzliche Eingabegeräte wie Tastatur oder Maus zur Verfügung stehen. Daneben kommt die bereits beschriebene, spezielle Nutzungssituation hinzu, die bei Tablets zentrales Element ist.

Wer seinen Onlineshop speziell für Tablets anpasst, sollte sicherstellen, dass

  • alle Buttons eine adäquate Grösse aufweisen, welche die Bedienung mit dem Finger auf einem Touch-Device problemlos ermöglichen
  • die Navigation einfach sowie intuitiv ist und sich so verhält, wie das von den entsprechenden nativen Device-Apps her bekannt ist
  • Gestiken wie das Wischen oder das Spreizen von Bildern für den Zoom-Effekt unterstützt werden
  • die Bilder angepasst sind. Auch zu beachten ist hierbei das hochauflösende Display der dritten iPad-Generation
  • dass Tablet-Nutzer Bilder statt Texte bevorzugen
  • nach Möglichkeit langes Scrollen verhindert wird, also kürzere Produktseiten und Listen zum Einsatz kommen
Second-Screen mit Jamie Oliver: Er kocht, der Kunde kauft beispielsweise Zutaten über das iPad.
Second-Screen mit Jamie Oliver: Er kocht, der Kunde kauft beispielsweise Zutaten über das iPad.

Die Qual der Technologiewahl: Tablet-Template oder doch eine App?

Die Bandbreite zur Umsetzung einer Couch-Commerce-Anwendung reicht von Responsive-Design bis hin zu nativen Apps – mit verschiedenen Ausprägungen und Schattierungen dazwischen, wie Mobile- und Tablet-optimierte Shops, Web-Apps und hybride Apps. Wenn Shops die vom Smartphone grundverschiedene, spezielle Tabletnutzung ausnutzen können, lohnt sich sogar die Entwicklung einer nativen oder Web-Applikation. Falls nicht – und das ist bei einem großen Teil der
Onlineshops der Fall – dann muss der Anbieter seinen Onlineshop auf
das Tablet und dessen Browser optimieren.

Wenn es doch eine App sein soll, gilt analog zur Smartphone-App auch hier, strategisch abzuwägen und sich mit folgenden Fragestellungen auseinanderzusetzen:

  • Mit welcher Technologie kann ich den Kundennutzen optimal abdecken?
  • Was erwarten meine Kunden von mir, und welche Geräte nutzen sie?
  • Welche Herausforderungen stellen sich an das Marketing zur Promotion und Kommunikation der Tablet-Anwendung?
  • Wie lässt sich diese Technologie in mein Portfolio und mein System einbinden?
  • Habe ich intern dieses Know-How oder muss ich es einkaufen?
  • Welchen Testaufwand muss ich für die unterstützten Plattformen und Devices betreiben?
  • Wie aufwändig und komplex sind Betrieb und Deployment?

Die Antworten darauf sind nicht immer eindeutig, so dass es lohnt, sich mit diesen Fragestellungen intensiver auseinanderzusetzen. Insbesondere sind auch die mittelfristigen Ziele zu berücksichtigen – sowohl intern als auch im Kontext von Technologie- und Marktentwicklung.

Flächendeckender Tablet-Boom

Tablets erobern zunehmend die Wohnzimmer dieser Welt – ein großes Potenzial für den E-Commerce. Die Nutzerbasis für den Couch-Commerce wird immer grösser. Neben der handlichen Vorteile hat auch der Detailhandel die Tablets als verlängertes Regal schätzen gelernt, denn sie erlauben es, die Limitierungen aufgrund beschränkter Flächen und Regallaufmeter aufzuheben. Das Tablet wird somit zu einer Brücke zum Point of Sale. Die Shobetreiber müssen nur lernen, ihre Kunden richtig anzusprechen und ihnen so ein tolles Shoppingerlebnis zu ermöglichen.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung