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Crowdfunding: So findest du die richtige Strategie für dein Startup

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Dieses Scheitern nahmen er und sein Team zum Anlass, um sich weiter zu professionalisieren: „Nach der Kampagne haben wir uns einen Kommunikationsprofi aus L.A. dazugeholt und gelernt, dass es viel mehr User-Cases gibt. Nur 30 Prozent nutzen Mikme für Musik, der Rest sind Podcaster, Journalisten, Videoleute und Creative Directors.“ Zudem hat Sonnleitner den Kontakt zu Tech-Journalisten weltweit gesucht und tourte gemeinsam mit einer PR-Expertin aus San Francisco zwei Wochen lang durch die USA, um für den geplanten Start der zweiten Kampagne möglichst gut gerüstet zu sein. Sonnleitner wagte knapp ein halbes Jahr später einen erneuten Versuch – dieses Mal mit Erfolg: Ihr Fundingziel von 25.000 Dollar haben die Mikme-Gründer um 1.192 Prozent übertroffen.

Das Wireless Mikrofon Mikme: Die erste Crowdfunding-Kampagne scheiterte, weil das Team die Ansprache der Zielgruppe und Influencer falsch wählte. (Screenshot: Indiegogo)

Hilfe bei der Marktforschung

Mit Crowdfunding lässt sich auch Marktforschung betreiben. Denn gerade über die Gegenleistungen, also den Erhalt des Produkts ab einer bestimmten Summe beispielsweise, lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, wie der Preis aussehen oder das Produkt beschaffen sein sollte. Als Extremfall gilt hier das Projekt der Süddeutschen Zeitung, die mit „Langstrecke“ herausfinden wollte, wie die besten langen Lesestücke der Tageszeitung in Zukunft erscheinen sollen: als E-Book, Taschenbuch oder hochwertiges Print-Magazin. Mit einem Fundingziel von symbolischen 100 Euro ging die Crowdfunding-Aktion online, erreicht wurden mehr als 34.000 Euro von 802 Unterstützern. Ein voller Erfolg im Crowdfunding-Sinne einerseits, aber auch hinsichtlich der Marktforschung.

Startups nutzen Crowdfunding häufig, um den „Proof of Concept“, also die Validierung ihrer Geschäftsidee oder ihres Produkts, zu erhalten. Denn eine Crowdfunding-Kampagne „eignet sich ideal, um zu testen, ob ein Produkt auf eine positive Resonanz stößt“, sagt Crowdfunding-Berater Michel Harms. Wenn das Crowdfunding trotz einer guten Kampagne nicht erfolgreich sei, sollten Gründer diese Rückmeldung aus dem Markt ernst nehmen und ihr Produkt oder Konzept überarbeiten.

Genau diese Erfahrung machte das Wiesbadener Unternehmen OneDock, das mit einer gleichnamigen Docking-Station für alle verfügbaren Smartphones und Tablets unterschiedlicher Marken auf Kickstarter reüssieren wollte. Der notwenidge Crowd-Beweis blieb jedoch aus und das Projekt verfehlte sein Fundingziel. Die beiden Gründer analysierten und reagierten: Ein Relaunch mit demselben (unveränderten) Produkt wäre nicht sinnvoll gewesen, da inzwischen Induktionsladegeräte im Kommen waren.

Um die Induktion in ein neues Design in das alte Gerät zu integrieren, hätten die Gründer zurück ans Zeichenbrett gemusst. Und da das ganze Projekt aus eigener Tasche finanziert wurde, kam es für die Gründer zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Frage. Das Fazit von Co-Gründer Majid Zahedi: „Scheitert ein Crowdfunding-Projekt, sollten nicht nur die Kommunikationsmaßnahmen, sondern auch die Produktfeatures an sich unter die Lupe genommen und eventuell angepasst beziehungsweise optimiert werden.“

Immer wieder nutzen Startups Crowdeffekte bereits vor der Finanzierungsphase. So auch das Unternehmen Luma Enlite, ein Hersteller von Sport-Mützen mit integrierter LED-Lampe. Das Team öffnete eine geschlossene User-Group und lud knapp 130 Freunde und Bekannte als Produkt-Tester in diese Gruppe ein, um erstes Feedback zu sammeln. Mit diesem noch geheimen Markttest und dem daraus resultierenden Wissen gingen die beiden Gründer Florian Schneebauer und Wolfgang Knöbl dann gut vorbereitet ins Crowdfunding, um dort den öffentlichen Beweis dafür zu erhalten, was sie bereits vorher ahnten: Ihr Produkt funktioniert.

Nachdem das Fundingziel innerhalb weniger Tage erreicht war, baute das Team die Vertriebskanäle aus und verbesserte das Produkt. Beim Crowdfunding gehe es eben nicht nur um die Finanzierung, sondern auch um Feedback – zum Produkt, zum Preis, zum Auftreten, zu möglichen weiteren Features, sagt Florian Schneebauer im Interview mit Startup Valley.

Crowdfunding ist mehr als ein reines Finanzierungstool. Startups profitieren von der erhöhten Aufmerksamkeit, die während einer Crowdfunding-Kampagne entsteht und professionalisieren sich nebenbei in kürzester Zeit.

Daneben etablieren sie gleichzeitig ihre Marke und ihre Produkte und erhalten umgehend eine Marktvaldierung. Oftmals ergeben sich sogar noch zusätzliche Vorteile aus einer erfolgreich abgeschlossenen Crowdfunding-Kampagne. So erhalten in der Regel viele Startups häufig eine Anschlussfinanzierung von eher traditionellen Geldgebern und die Kunden freuen sich, Teil eines transparenten Gründungsprozesses zu sein. Also eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.

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