Reportage

Autonomes Fahren: Wie die deutschen Autohersteller Tesla abhängen wollen

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Daneben geht es besonders den Premiumherstellern darum, ihr Luxus-Image zu pflegen. Und womit könnte dieses Unter­fangen besser gelingen als mit schön anzusehenden Fahrzeugen? Wohl auch deshalb will BMW im Jahr 2021 endlich den lang angekündigten iNext vorstellen, der nicht nur vollelektrisch, sondern auch vernetzt und autonom unterwegs sein soll. „Eine ganze Palette“ hochautomatisiert fahrender Modelle aller Marken der BMW-Group soll ihm folgen.

Um den großzügig vorgetragenen Ankündigungen auch ­Taten folgen zu lassen, hat der Hersteller im benachbarten ­Unterschleißheim einen Campus gegründet, auf dem man die „Entwicklungskompetenzen für Fahrzeugvernetzung und ­automatisiertes Fahren“ bündeln will. Mehr als 2.000 Mitarbeiter seien beauftragt, von der Softwareentwicklung bis hin zur Straßen­erprobung die nächsten Schritte zum vollautomatisierten Fahren zu entwickeln.

Zudem kooperiert BMW auch mit Intel und Mobileye. ­Gemeinsam hat man im vergangenen Jahr 40 BMW-7er-Entwicklungsfahrzeuge zusammengeschraubt, die in den USA, Israel und ­Deutschland erprobt werden sollen. Ziel der Zusammenarbeit mit diesen und weiteren Partnern sei außerdem, „eine offene Plattform zu schaffen, die auch für andere Marktteilnehmer offen ­gestaltet werden soll“, wie Dirk Wisselmann, bei BMW mit automatisiertem Fahren befasst, sagt.

Ist Tesla weiter als die Etablierten?

„Bei Tesla gibt es keine signifikanten Unterschiede zu Volvo, BMW, Audi und Daimler.“ 

Welcher Hersteller künftig wirklich vorneweg fährt, das entscheidet sich aber nicht nur in Deutschland. Insbesondere ­Tesla hat sich als Vorreiter autonomer Fahrtechnologien einen Namen gemacht. Wolfgang Bernhart kann die Begeisterung für das US-amerikanische Unternehmen allerdings nicht wirklich teilen. In den vom gehypten Betrieb aus dem Silicon Valley produzierten Fahrzeugen seien „einzelne Funktionen vielleicht aus Kunden­sicht besser ausgeprägt als bei anderen Herstellern“, sagt der ­Autoexperte. Technisch gesehen sei Tesla allerdings nicht weiter als die etablierten Premium-Hersteller: „Da gibt es keine signifikanten Unterschiede zu Volvo, BMW, Audi und Daimler.“

In einem Punkt aber könnte das Unternehmen von Elon Musk die deutschen Produzenten trotzdem abhängen – nämlich bei der Frage, wo genau die Intelligenz von Systemen künftig sitzt. Heute orientieren sich viele Fahrzeuge per Radar- und Lidar-Sensorik über den eigenen Standort. Interessant könnte allerdings bald auch ein Szenario werden, bei dem ganze Flotten aus der Cloud gesteuert werden. Dafür bräuchte es Echtzeitkommunikation über Funk und somit neue Standards wie etwa 5G.

In diese Richtung denkt offenbar auch Tesla. Das US-Unternehmen will womöglich nicht die besten Sensoren verbauen und diese immer weiter verbessern, wie das die Konkurrenz tut, sondern stattdessen in jenem Design denken, das man heute eher aus der digitalen Welt kennt. Die Vision: Fahrzeuge, die vernetzt sind, voneinander lernen und aus der Cloud gesteuert werden. Die junge Google-Tochter Waymo verfolgt eine ähnliche Strategie. Das Unternehmen gab Ende September bekannt, mit dem Chiphersteller Intel zusammenarbeiten zu wollen, um die Technologie für das selbstfahrende Auto entscheidend voranzubringen.

Trotz vieler Ankündigungen seitens der Hersteller und Zulieferer bleibt das autonome Fahren vorerst eine Wunsch­vorstellung. Eigentlich schade, dass die Unternehmen noch so lange brauchen. Denn die Nachfrage wäre durchaus schon heute da, wie eine Umfrage des Axa-Konzerns ergeben hat. Ihr zufolge würde jeder dritte Befragte in Deutschland gern oder sogar sehr gern ein autonomes Auto nutzen.

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