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Code statt Kapital: The DAO will mit der Blockchain-Technologie die Wirtschaft neu erfinden

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Betrachtet man die Blockchain-Technologie jedoch nur unter dem Aspekt eines alternativen Währungssystems, ignoriert man das volle Potenzial. Ethereum unterscheidet sich von Bitcoin beispielsweise dadurch, dass die Entwickler die entsprechende Blockchain als Plattform für Smart Contracts – sich automatisch ausführende Digitalverträge, die keinerlei Mittelsmänner voraussetzen – konzipierten. Zwar lässt sich auch Bitcoin für Verträge oder andere Transaktionen nutzen, entwickelt wurde es aber in erster Linie als Währung.

Der in Kanada lebende Russe Vitalik Buterin erkannte als Mitentwickler von Ethereum schon früh, dass sich die Blockchain für mehr als nur den Transfer von Geld eignet. Inspiriert wurde er nach eigener Aussage von dem Science-Fiction-Roman „Daemon“ von Daniel Suarez, in dem es um eine dezentrale Firma geht, die von einer künstlichen Intelligenz geführt wird. Das ist auch der Grund dafür, dass er für Ethereum eine Form von Betriebssystem implementierte. Hierzu wurde sogar eine eigene Programmiersprache entwickelt, mit deren Hilfe Entwickler Anwendungen für die Ethereum-Blockchain erstellen können. So lassen sich komplexe Handlungsabläufe per Blockchain ausführen und verifizieren. Mittlerweile öffnet sich auch die zuvor kritische Finanzbranche dem Konzept der Blockchain.

Nahezu jede Großbank – unter anderem die UBS, Barclays, HSBC und Credit Suisse – haben eine eigene Task-Force, die evaluiert, ob die Blockchain entweder für die interne Buchführung oder für Trading-Systeme implementiert werden kann. Dieser Trend dürfte durch die Crowdinvestment-Plattform The DAO weiter befeuert werden.

The DAO als Blaupause für das Unternehmen von morgen?

Die beiden Brüder Christoph und Simon Jentzsch aus Mittweida in Mittelsachsen haben The DAO in Zusammenarbeit mit Stephan Tual aus London programmiert beziehungsweise initiiert. Die Organisation setzt ebenfalls auf Ethereum-Smart-Contracts: von der Finanzierung über zu treffende Entscheidungen und Wahlprozesse bis hin zur Bezahlung involvierter „Mitarbeiter“.

Vereinfacht gesagt handelt es sich bei The DAO um einen dezentralen Investmentfonds, der statt auf Fondsmanager auf die Crowd setzt. Wie jedes andere Unternehmen auch soll The DAO Profit erwirtschaften. Dafür wird das eingesammelte Kapital in Produkte und Startups investiert.

Während einer einmonatigen Zeichnungsphase konnten Interessierte mit Ether sogenannte Token erwerben. Token könnte man mit Firmenanteile und die Besitzer von Token mit Anteilseignern vergleichen. Die Token gewähren den Haltern ein Stimmrecht, denn jeder darf mitentscheiden, was die Organisation eigentlich tun wird. Je mehr Ether ein Individuum investiert hat, desto gewichtiger die Stimme. Per Abstimmung gepitchte Entscheidungen sind nur gültig, wenn mindestens 20 Prozent der Anteilseigner an der Wahl teilgenommen haben. Jeder Token-Halter kann auch eigene Vorschläge für Projekte oder Änderungen an The DAO einbringen.

So hängt es von den Crowdfundern ab, in welche Startups sie investieren wollen, welche Unternehmen und Agenturen für bestimmte Aufgaben beauftragt und welche Produkte gekauft werden. Auch hier kommen Smart Contracts ins Spiel, mit deren Hilfe kontinuierlich und automatisch die festgelegten Bedingungen kontrolliert und bestimmte Aktionen ausgeführt werden.

Investiert The DAO beispielsweise in ein Startup, das ein neues Gadget entwickelt, und legt vertraglich fest, dass weitere Zahlungen an das Erreichen von Teil-Zielen gebunden sind, dann regeln Smart Contracts den kompletten Ablauf. Das heißt, dass die digitalen Verträge das Erreichen der Teil-Ziele kontrollieren und bei einem positiven Befund weitere Zahlungen automatisch einleiten.

Daraus ergeben sich gleich zwei Vorteile. Zum einen ist das Ganze überaus transparent, denn alle Daten werden auf der Blockchain gespeichert und sind damit für jedermann einsehbar. Zum anderen lassen sich mit Smart Contracts Kosten sparen. Anwälte und Notare werden weitgehend überflüssig, denn der ganze Prozess, der natürlich dennoch geltendem Recht entsprechen muss, läuft automatisiert ab.

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Ein Kommentar
Dustin
Dustin

Vielleicht solltet Ihr noch erwähnen, dass stark vereinfacht gesagt, die Halter sogenanter Tokens darüber abstimmen, in welches Startup investiert wird und das der Prozess komplett automatisiert abläuft ;)

(Seite 1, unter dem Bild steht genau das 4x im gleichen Wortlaut)

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