Ratgeber

Die goldene Ära der Blockchain: Wie die dezentrale Technologie die Wirtschaft umkrempelt

Seite 2 / 5

Bei diesen ersten Pilotprojekten in der Wirtschaft kommen meistens sogenannte private Blockchains zum Einsatz – also speziell für den Betrieb eines Anwendungsfalls betriebene Blockchains. Anders als bei offenen Blockchains wie etwa Ethereum oder Bitcoin haben in privaten Blockchains Unternehmen oder Privatpersonen, die nicht an dem entsprechenden Prozess beteiligt sind, keinen Zugriff auf die gespeicherten Daten. Beispiel Lieferkette einer Avocado: Nur die „Dienstleister“ dieser speziellen Lieferkette, wie etwa der Landwirt, der den Anbau verantwortet, oder die Transportunternehmen, wickeln die Lieferung über die dafür geschaffene spezielle Blockchain ab.

Ein weiterer Grund für die Hinwendung zu privaten Blockchains ist die fehlende Regulierung in öffentlichen Blockchains wie bei Bitcoin oder Ethereum – für die klassische Unternehmenswelt ein ernsthaftes Hindernis, stärker einzusteigen. „Cut out the middleman“ ist Programm, denn durch den dezentralen Charakter der Blockchain ist im Grunde keine zentrale Instanz mehr nötig, die den Ablauf festschreibt und regelt. Im Code der Blockchain ist ­alles Wesentliche für die Abwicklung einer Transaktion oder eines ­Assets mit Statusänderungen festgeschrieben. Kann Code aber im Konfliktfall zur Rechenschaft gezogen werden?

Auch das Thema Datensicherheit ist eine Herausforderung. Bitcoin und Ethereum bieten zwar Verschlüsselung mit einem öffentlichen und privaten Schlüssel an. Allerdings lassen sich alle Transaktionen analysieren, die von einem Schlüsselpaar generiert werden – etwa, um das „Verhalten“ eines öffentlichen Schlüssels und dessen Interaktion mit anderen Applikationen im Netzwerk zu verfolgen. Heißt konkret: Es ist möglich, Interaktionen zwischen Partnern nachzuverfolgen – was mit dem Schutz von Firmengeheimnissen kaum vereinbar ist.

Die Vorbehalte in der Wirtschaft sind aber auch aus einem anderen Grund noch hoch. Eine Blockchain für einen Kunden aufzusetzen ist kein klassisches Projekt – man muss von Anfang an alle beteiligten Partnerunternehmen miteinbeziehen. „Es geht ganz stark um ein verändertes Mindset und einen ­Kulturwandel, wie man Prozesse lebt“, so Sebastian Steger, Blockchain-Experte bei Roland Berger. Offenere Geschäftsmodelle mit Kunden und Partnern müssten erst entstehen und gewollt werden. ­Oliver Gahr, Program Director „Innovation, Blockchain und IoT“ im IBM-Forschungs- und Entwicklungszentrum in Böblingen,­ sieht das ähnlich: „Blockchain ist ein Teamsport, das ist man in einem Business-Umfeld nicht unbedingt gewöhnt.“ Automatisierte Abwicklungen mit einem hohen Grad an Transparenz – das ist nicht etwas, in das sich Unternehmen einfach so reinstürzen. Dennoch: IBM hält das Potenzial von Blockchain-Technolo­gien für groß, arbeitet laut eigenen Aussagen mit Kunden weltweit bereits an über 400 Projekten – unter anderem etwa mit Walmart an einer Blockchain-Lieferkette für die bessere Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln.

Es wäre aber falsch zu glauben, dass die klassische Unternehmenswelt nur auf private und abgeschlossene Blockchains setzt. Zwar wird hier von Seiten der Wirtschaft das größte Potenzial gesehen, aber die ursprüngliche Idee der Blockchain als offene und dezentrale Technologie führt das quasi ad absurdum. Hinter offenen Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum steckt mehr als die Effizienz einer verteilten Datenbank. Es geht um die Vision einer digitalen Ökonomie, die offener ist und nicht von wenigen Plattformen beherrscht wird. Bitcoin oder Ethereum bieten die einzigartige Chance, den dezentralen Charakter des Internets auf eine neue Stufe zu heben: eine Art zweites Internet, das neben Daten jetzt auch Werte sekundenschnell weltweit transferiert.

Um das Potenzial der Blockchain in diese eher offene Richtung zu erschließen, ohne sich komplett zu öffnen, schließen sich Unternehmen deshalb zu Konsortien zusammen. Unter dem Titel Hyperledger etwa treibt die Linux Foundation auf Open-Source-Basis die Weiterentwicklung von Blockchain-Techno­logien speziell für das Enterprise-Segment voran – unter Mitarbeit zahlreicher Unternehmen wie SAP, Daimler, IBM und Intel. Speziell für den Versicherungsbereich gibt es das B3i-Konsortium mit Vertretern wie Allianz und Generali. Außerdem hat sich eine eigene Enterprise Ethereum Alliance gegründet, mit dem Schwerpunkt auf Unternehmensanwendungen auf der ­Ethereum-Blockchain. Mitglieder hier sind sowohl namhafte Unternehmen wie Microsoft und Cisco, aber auch Startups und nicht zuletzt die Ethereum Foundation selbst.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Ein Kommentar
JBU
JBU

Ist die Kryptowährung Handel, Produktion und Kurse durch Kontrolle (Die Anbieter könnten zudem bestimmen, wie schnell gewisse Inhalte von der Quelle zum Nutzer gelangen) wegen der Änderung des Telekommunikationsgesetzes in USA und weiter vieleicht später in EU als Möglichkeit oder als möglich zu bezeichnen ? Was denkt ihr darüber bitte?

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.