How-To

Digitale Zeichnungen: Schritt für Schritt zur perfekten Illustration

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Das Scribble vektorisieren

Ist die Skizze fertig, kann man die Illustration ausarbeiten. Dabei geht es noch nicht um die Kolorierung, sondern erst einmal nur um die Grundformen. Entweder können Designer ihre Skizze mit dem Pfadwerkzeug Punkt für Punkt vektorisieren oder sie stellen sie aus geometrischen Formen zusammen. Für das Beispiel auf den Folgeseiten kamen ausschließlich Rechtecke zur Anwendung, die anschließend bearbeitet wurden [vgl. Skizze 2]. Jedes Gelenk besteht also aus einem Rechteck, bei dem die ­Kanten und Vektor­punkte verschoben und mit „Boolean Operations“ kombiniert sind. Diese Formkombination erhielt dann noch einen ­„Border Radius“, um die harten Ecken und Kanten abzurunden. So ist eine komplett vektorisierte Figur entstanden – von der Nase bis zum Schuh. Für Änderungen kann man zu einem späteren Zeitpunkt nun einfach die einzelnen Formen verschieben, um ihre ­Positionen zu verändern.

Skizze 2: Für dieses Beispiel kamen ausschließlich Rechtecke zur ­Anwendung, die anschließend bearbeitet wurden. Jedes Gelenk besteht aus einem Rechteck, bei dem die Kanten und Vektor­punkte verschoben und mit „Boolean ­Operations“ kombiniert sind. (Illustration: Livie Leontidis)

Skizze 2: Für dieses Beispiel kamen ausschließlich Rechtecke zur ­Anwendung, die anschließend bearbeitet wurden. Jedes Gelenk besteht aus einem Rechteck, bei dem die Kanten und Vektor­punkte verschoben und mit „Boolean Operations“ kombiniert sind. (Illustration: Livie Leontidis)

Ebenen und Gruppen nutzen

Damit vektorisierte Figuren bewegliche Elemente aufweisen, sollten sie immer aus separaten Formen bestehen. Ebenen und Gruppen binden zusammengehörige Elemente aneinander – zum Beispiel alles, was zum Kopf gehört, zum Rumpf oder zu den ­Beinen. Auf diese Weise lässt sich die Figur leichter editieren. ­Außerdem können Designer diese Elemente schnell als Ganzes austauschen, um neue Figuren zu erstellen, und müssen nicht immer wieder ganz von vorne anfangen. Das erleichtert die ­Arbeit und macht flexibler.

Farben und Licht

Um eine Farbpalette festzulegen, können Designer entweder die bereits definierten Unternehmensfarben nutzen oder sie stellen selbst eine Farbpalette zusammen. Dabei helfen Plattformen wie Color Hunt. Hier gibt es eine große Auswahl an Farbpaletten zur Inspiration. Eine eigene Farbpalette lässt sich auch ganz einfach anlegen.

Skizze 3: Die Farbpalette einer Illustration kann sich aus den Farben des Corporate Designs ergeben oder selbst erstellt sein. Schatten legt man am besten mit Farben an, die einige Grad dunkler sind, Lichter mit solchen, die etwas heller ausfallen.(Illustration: Livie Leontidis)

Skizze 3: Die Farbpalette einer Illustration kann sich aus den Farben des Corporate Designs ergeben oder selbst erstellt sein. Schatten legt man am besten mit Farben an, die einige Grad dunkler sind, Lichter mit solchen, die etwas heller ausfallen. (Illustration: Livie Leontidis)

Neben den Farben sind Schattierungen und Lichter ein wichtiges Stilmittel. Eine Illustration komplett ohne Licht und Schatten kann aber auch gewollt sein: Man spricht dann von einem Stil namens „Flat“ (flach). Im hier gezeigten Beispiel [Skizze 3] machen Schatten und Lichter die Abbildung interessanter und liefern den nötigen Kontrast. Um Schatten und Lichter an­zulegen, sollten sich Designer als erstes überlegen, wo sich die Lichtquelle befindet, und sich daran orientieren. Die Schatten legt man dann einfach in einer einige Grad dunkleren Farbe an, die Lichter mit einer entsprechend helleren. Interessante Ergebnisse lassen sich aber auch erzielen, indem man eine Farbe für die Lichtquelle vergibt oder eine zusätzliche Lichtquelle definiert, die für weitere Reflexionen am Element sorgt.

Das Layout anlegen

Um möglichst flexibel zu sein, sollten Designer die einzelnen Gruppen (Kopf, Körper, Beine, et cetera) als sogenannte ­„Components“ anlegen und sie in einer Library verwalten [Skizze 4]. Auf diese Weise lassen sich weitere Charaktere ganz einfach illustrieren und behalten dabei den ausgesuchten Stil. Für erklärende Infografiken, Feedback-Ansichten und mehr lassen sich dann ähnliche Szenen mit verschiedenen Elementen – Farben, Frisuren, Kleidung – oder verschiedene Umgebungselemente zusammenstellen. Eine gute Inspiration bietet die Seite humaaans.com: Die Library von Pablo Stanley, dem Lead ­Designer für Invision Studio, ist für Sketch gedacht, lässt sich aber auch in Figma importieren.

Skizze 4: Um möglichst flexibel und effizient zu arbeiten, sollten sich Designer eine Bibliothek mit ­Elementen ihrer Illustrationen anlegen: zum Beispiel Arme, Beine, Köpfe oder auch Ausstattungs­gegenstände für eine Szene. (Illustration: Livie Leontidis)

Skizze 4: Um möglichst flexibel und effizient zu arbeiten, sollten sich Designer eine Bibliothek mit Elementen ihrer Illustrationen anlegen: zum Beispiel Arme, Beine, Köpfe oder auch Ausstattungs-gegenstände für eine Szene. (Illustration: Livie Leontidis)

Fazit

Digitale Illustrationen haben viele Vorteile – und es macht einfach Spaß, sie zu erstellen. Allerdings sind Illustrationen als ­Webdesigntrend auch schon so weit verbreitet, dass sich Marken und Produkte möglicherweise nicht mehr richtig von anderen unter­scheiden. Das bedeutet nicht, dass Designer darauf verzichten sollten. Vielmehr sollten sie ihre Illustrationen vielleicht noch weiter ausbauen oder mit zusätzlichen Elementen anreichern. Die Blogging-Plattform Medium beispielsweise kombiniert in ihrer Bildsprache illustrative Elemente mit Fotos zu einer Collage. Denn auch, wenn es darum geht, ein Konzept oder eine Lösung möglichst gut zu visualisieren: Ein hoher Wiedererkennungswert ist für die meisten Unternehmen und Produkte ebenso wichtig.

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