Reportage

Digitale Massenevents: Bleiben uns nur noch Raves auf Minecraft und E-Sport?

Der französische Elektromusik-Pionier Jean-Michel Jarre hat in Paris zum Virtual-Reality-Konzert geladen. Doch eine ausgelassene Massenparty sieht anders aus. (Foto: Twitter / Franck Riester)

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Mit der Pandemie kam das virtuelle Leben. Doch was im Job gut funktioniert, stößt in der Freizeit an Grenzen – vor allem bei Großveranstaltungen. Selbst dem E-Sport fehlt das physische Erlebnis, und auch VR-Konzerte zeigen, dass Mensch und Technologie noch nicht so weit sind.


Jackie McGuire und ihr Mann haben im Frühjahr 2020 zwei ­Probleme: Zum einen stürzt der Minecraft-Server ihres Sohnes immer wieder ab. Zum anderen ärgern sie sich darüber, dass der Festivalsommer, auf den sie sich gefreut hatten, ins Wasser fällt. Die beiden stehen unter der Dusche, ihrem „Thinking Place“, so schreibt Jackie später auf Reddit, und grübeln. Für das Problem mit dem Server ist schnell eine Lösung gefunden: AWS, die Cloud von Amazon, könnte problemlos den Minecraft-Server hosten. Aber für das andere Problem ist eine Pandemie verantwortlich. Und da gibt es keine einfache Lösung.

Dann kommt dem Ehepaar eine Idee: Warum nicht das ­größte Festival für elektronische Musik einfach in die ­virtuelle Welt von Minecraft versetzen – und dank AWS für Hunderte, ­Tausende Menschen zugänglich machen? „Der Rest wird bald in die ­Geschichte eingehen“, schreibt Jackie McGuire hoffnungsvoll vor dem Beginn des für Juli geplanten „Rave Family Block Festes“. Das sollte es tatsächlich. Allerdings anders, als sie denkt.

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In den meisten Teilen Deutschlands zieht mit dem Sommer wieder einigermaßen Normalität ein. Nach einem Frühling der Selbstisolation füllen sich Cafés und Kneipen, Geschäfte und Fußgängerzonen, Badestrände und Wanderwege. Vorbei die Zeit, in der man zu Hause bleibt und weder Freunde noch ­Familie besucht. Doch eine Sache sollte bleiben: Abstand, Abstand, Abstand. Massenveranstaltungen im Reallife, so wie man sie noch vor ­einem Jahr kannte, sind nach wie vor undenkbar: keine Rock-­Konzerte mit Moshpit, keine Festivals mit ­Hunderttausenden Besuchern. Auch die Sportwelt hat die Pandemie mit voller Wucht getroffen: Auf absehbare Zeit wird es keine vollen Stadien geben, die Europameisterschaft und die Olympischen Spiele wurden zunächst um ein Jahr verschoben.

Doch wie Jackie McGuire als Alternative ein Musikfestival in Minecraft plant, so versucht sich auch die traditionelle Sportwelt mit dem Gang ins Digitale. Die Bundesliga organisierte die ­„Bundesliga Home Challenge“ und ließ Profifußballer und die Profi-Gamer ihrer E-Sports-Abteilungen miteinander Fifa ­zocken. Aber wie gut können digitale Events überhaupt klassische Großveranstaltungen ersetzen? Bleibt dabei nicht etwas auf der ­Strecke, was das physische Miteinander auf dem Festivalgelände oder im Fußballstadium einzigartig macht?

Im E-Sport konnten die Athleten hingegen nahtlos mit ­ihren Wettkämpfen weitermachen: Etwa bei League of Legends, dem Spiel, das seit Jahren den E-Sport dominiert. Als das Ausmaß der Corona-Pandemie im Februar offensichtlich wird, ist die neue ­Saison gerade angelaufen. Zwar werden auch League-of-­Legends-Spiele normalerweise vor einem physisch anwesenden Live-­Publikum ausgetragen: Ligaspiele in kleinen Studios mit ­einigen Hunderten Zuschauern, Finalspiele in Stadien mit teils über 50.000 Menschen. Doch Riot ­Games, das Unternehmen ­hinter ­League of Legends, stellte schnell den Modus um: ­Quarantäne für die Profispieler in ihren Teamquartieren. Keine Spiele mehr im Studio, sondern nur noch übers Internet. Überwachungskameras und speziell entwickelte Software sollen Betrug verhindern.

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