Entwicklung & Design

Webprojekte mit Erfolg: Drei CTOs geben Tipps zu Tools, Methoden und Erfolgsfaktoren

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Thomas Bachem: Gründer, Inhaber und CTO von United Prototype

„Entwickler sollten pragmatische Profis sein!“

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t3n Magazin: Können Sie sich, Ihr Unternehmen und Ihre Position kurz vorstellen?

Thomas Bachem: Ich habe als Gründer und CTO mehrerer Startups schon einige Stationen hinter mir. Ich habe unter anderem Erfahrungen bei sevenload, Fliplife, Scaling Technologies und natürlich United Prototype gesammelt. Derzeit widme ich Lebenslauf.com viel Zeit. Das ist ein Online-Editor für Lebensläufe, in dem User monatlich über 15.000 Lebensläufe erstellen.

t3n Magazin: Welche kostenpflichtigen Tools für IT-Projekte können Sie empfehlen?

Thomas Bachem: Die IDEs von Jetbrains – also PhpStorm, PyCharm, RubyMine et cetera – sind sehr empfehlenswert. Das sind die besten IDEs, die ich seit langem verwendet habe. Für das Issue Tracking ist Jira von Atlassian mein absoluter Favorit. Browserstack und Litmus sind für Cross-Browser- und Cross-E-Mail-Client-Testing unverzichtbar. Zum Versenden von Transaktions-E-Mails aus Anwendungen heraus empfehle ich Mailjet – nicht zuletzt, weil es sich um einen französischen und damit europäischen Anbieter handelt, der ausschließlich Server in Europa betreibt. Das ist in Zeiten des NSA-Skandals wichtig.

t3n Magazin: Und wie sieht es bei Open-Source-Tools aus?

Thomas Bachem: Sentry ist eine tolle Open-Source-Lösung für übersichtliches Error Logging. Sie ist gegen geringes Geld auch als SaaS zu haben. Außerdem kann ich das Dojo Toolkit als JavaScript Framework empfehlen – jQuery und Co. sind für mich keine Frameworks, sondern Bibliotheken.

United Prototype hat bereits zahlreiche große Websites und Internetprojekte umgesetzt, von der Konzeption über Design bis hin zur Entwicklung.

United Prototype hat bereits zahlreiche große Websites und Internetprojekte umgesetzt,
von der Konzeption über Design bis hin zur Entwicklung.

Auch PhantomJS ist ein fantastisches Projekt – ein serverseitiger WebKit-Browser, der sich von der Kommandozeile steuern lässt. Die Technologien, die ich bei meinem Projekt Lebenslauf.com einsetze, habe ich hier alle aufgeführt: https://lebenslauf.com/technology.

t3n Magazin: Welche Erfahrungen haben Sie mit agilen Methoden wie beispielsweise Scrum?

Thomas Bachem: Meine Firmen hatten von Anfang an eine agile DNA. Nicht nur in Bezug auf Technik, sondern auch in anderen Bereichen. Über die Jahre haben wir unsere eigene, an Scrum angelehnte Methodik entwickelt. Essenziell dabei sind der gut gepflegte Issue Tracker, der Sprint-Plan und die täglichen Status-Meetings.

t3n Magazin: Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit zwischen Frontend- und Backend-Entwicklern?

Thomas Bachem: Einerseits über die bereits genannten Methoden und Tools, andererseits über möglichst viel bereichsübergreifendes Wissen – reine Front- oder Backend-Entwickler schöpfen selten ihr volles Potenzial aus. Beide Entwicklertypen sollten notfalls auch in anderen Bereichen Hand anlegen können. Frontend-Entwicklung ist heutzutage sehr anspruchsvoll. Viele unterschätzen das. Die zentrale Rolle von JavaScript und die neuen HTML5-Features haben einiges verändert.

t3n Magazin: Welche IT-Prozesse lassen sich outsourcen, welche sollte man lieber inhouse erledigen?

Thomas Bachem: Wir vermeiden das Not-invented-here-Syndrom. Das heißt: Alle Tools, die nicht zentral für unser Geschäftsmodell sind oder bei denen wir mittelfristig nicht technologisch mit Drittanbietern gleichziehen können, kaufen wir ein. Das reicht von E-Mail- über CRM-, Issue-Tracking- bis hin zur Buchhaltungs-Software.Dabei handelt es sich meist – ohne einen der Anbieter kränken zu wollen – um Commodities, also Tools, die sich nur in Details unterscheiden. Sobald es aber um eine Technologie mit klaren USPs geht, die sich bis auf unser Produkt durchschlagen, entwickeln wir es selbst. Gerne geschieht das schrittweise: Wir kaufen zunächst eine externe Lösung ein und ersetzen diese dann durch eine Eigenlösung. Gerade bei Startups ist dieses schlanke, kostensparende Vorgehen sehr wichtig.

t3n Magazin: Wie finden Sie talentierte Entwickler und wie motivieren Sie sie langfristig?

Thomas Bachem: Die besten Entwickler gewinnt man über persönliche Empfehlungen und durch Besuche von Events, wie User-Group-Treffen, DevHouse Fridays, Konferenzen oder etwa dem Chaos Communication Congress.

t3n Magazin: Wie validieren Sie gute Entwickler? Welche Eigenschaften müssen sie mitbringen?

Thomas Bachem: Ich verlasse mich einerseits auf mehrere persönliche Gespräche, die eher locker ablaufen. Andererseits fordere ich mindestens zwei Probearbeitstage. Ein aktiver GitHub-Account oder andere Open-Source-Projekte helfen natürlich enorm bei der Einschätzung.Entwickler sollten heute pragmatische Profis sein. Ich suche die richtige Mischung aus analytischen Fähigkeiten sowie dem Wissen, wie man etwas eigentlich lösen sollte – und der Bereitschaft, mittelfristig Kompromisse einzugehen, um etwas schnell auf die Straße zu bekommen. Man sagt dazu auch oft: Er muss mitdenken können. Entwickler müssen heute längst nicht alles wissen. Aber sie müssen wissen, wonach sie suchen und worauf sie zu achten haben.

t3n Magazin: Können Sie das Arbeiten mit ortsunabhängigen Teams empfehlen? Wenn ja, wie organisieren Sie diese?

Thomas Bachem: Ich habe schon beide Arbeitsweisen ausprobiert, bevorzuge aber meist die klassische Vor-Ort-Arbeit. Mir sind eine tolle Arbeitsatmosphäre und viel Teamgeist sehr wichtig.Ich richte mich da meistens auch nach den Wünschen der Mitarbeiter. Es hilft aber, wenn man schon einige Monate oder gar Jahre im selben Büro gesessen hat.Außerdem hängt es stark vom Projekt ab, ob ortsunabhängiges Arbeiten funktioniert. Je mehr Interdisziplinarität gefordert ist, desto schwieriger ist es. Wenn Leute aus verschiedenen Fachgebieten beteiligt sind, ist die Kommunikation ja oft schon in einem Büro mühsam.

t3n Magazin: Arbeiten Sie auch mit ausländischen Entwicklern in unterschiedlichen Zeitzonen zusammen?

Thomas Bachem: Für den Geschäftsbetrieb nicht, bei Open-Source-Projekten schon. Ich habe bisher immer genügend Entwickler vor Ort gefunden und lege – wie schon erwähnt – viel Wert auf Team Building. Deshalb habe ich hier keine ausländischen Entwickler.

t3n Magazin: Wie motivieren Sie Ihr Team in Krisenzeiten?

Thomas Bachem: Durch durchdachtes und strukturiertes Vorgehen, in das alle einbezogen sind. Krisen entstehen oft durch Chaos. Deshalb hilft es dem Team meist sehr, wenn wir ein Problem mit einem klaren Plan angehen. Dann kann sich am Schluss jeder sicher sein, dass er seinen Teil geleistet und das Beste gegeben hat.

t3n Magazin: Was sind die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren?

Thomas Bachem: Als erstes natürlich das Team – insbesondere die Motivation für das Projekt. Zweitens die durchdachte Wahl der technischen Grundlagen und Architektur. Hier kann man sich mit Schnellschüssen viel verbauen. Und drittens ein agiles, iteratives Vorgehen mit viel Kommunikation.

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