Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

t3n 35

Webprojekte mit Erfolg: Drei CTOs geben Tipps zu Tools, Methoden und Erfolgsfaktoren

Seite 3 / 3

Peter Wolter: Bereichsleiter E-Commerce Solutions & Technology bei Otto

CTO: „Krisen zeigen bei unseren Mitarbeitern die beste Seite.“

webprojekte-mit-erfolg-wolter

t3n Magazin: Können Sie sich, Ihr Unternehmen und Ihre Position kurz vorstellen?

Peter Wolter: Otto hat seit mehr als 20 Jahren Erfahrung im E-Commerce und ist heute Deutschlands größter Online-Händler für Fashion und Lifestyle mit Verbrauchern. Im Projekt Lhotse haben wir in den vergangenen zwei Jahren eine neue Software für otto.de selbst entwickelt. Als Bereichsleiter E-Commerce Solutions und Technology bin ich verantwortlich für die technischen Dimensionen von otto.de. Wir kümmern uns um die Implementierung sämtlicher E-Commerce-Großprojekte, inklusive Evaluierung, technischer Konzeption, Qualitätssicherung, Umsetzung und natürlich die Betriebsführung selbst. Weiter ist der Bereich verantwortlich für die Weiterentwicklung der Produktdatenversorgung der E-Commerce-Plattform.

t3n Magazin: Welche Tools empfehlen Sie?

Peter Wolter: Wir setzen kommerzielle und Open-Source-Komponenten ein. VMware, MongoDB und Splunk werden genauso eingesetzt und betrieben wie tomcat, nginx, Varnish, Jenkins, Puppet und Jira. Ich würde allerdings nie ein Tool oder eine Software empfehlen. Unsere Experten wissen selbst am besten, welche Komponente geeignet ist. Ein Team, das in der Lage ist sich auf neue Komponenten einzulassen, diese auszuprobieren und insbesondere auch zu verwerfen ist hier meine Empfehlung.

t3n Magazin: Welche Erfahrungen haben Sie mit agilen Methoden?

Peter Wolter: Bei der Umsetzung und dem Betrieb von otto.de setzen wir mit Arbeitsmethoden wie Scrum und Continuous Delivery auf eine sehr agile Vorgehensweise. Wir haben damit äußerst gute Erfahrungen gemacht. Experten aus verschiedenen Disziplinen entwickeln in kurzen Zyklen funktionsfähige Software und stellen diese live. Unser Innovationsanspruch basiert auf einem hohen Maß an Integration von Methoden- und Technologie- sowie Produktkompetenz. Scrum, Continuous Delivery und ein integrierter Betrieb schaffen bei otto.de die Voraussetzung, dass Software-Veränderungen jederzeit so schnell wie möglich live gehen können. Gemäß dieser Vorgehensweise werden Funktionalitäten mit dem höchsten Business Value zuerst entwickelt. Je nachdem, wie diese von den Kunden angenommen werden, können Ausbaustufen mit Ideengebern aus den verschiedenen Stellen im Unternehmen frühzeitig ausgearbeitet werden und in die Umsetzung gehen. So kann auch der Erfolg zeitnah überprüft werden. Fehlentwicklungen werden früh erkannt und Risiken somit drastisch reduziert.

t3n Magazin: Wie organisieren Sie die Zusammenarbeit zwischen Frontend- und Backend-Entwicklern?

Peter Wolter: Das ist eine spannende Frage. Wir versuchen, hier nicht zu trennen, sondern eine unmittelbare Zusammenarbeit innerhalb der agilen Teams sicher zu stellen. Der gewählte Schnitt der Architektur in so genannten Vertikalen und deren eindeutige Zuordnung zu agilen Teams erlauben dem jeweiligen Team, die Verantwortung vom Kunden-Interface bis zum Betriebssystem zu übernehmen. Unser Team verantwortet sein Produkt vollständig und kann es mit und am Endkunden testen und erproben. Nur wenn ein Entwicklungsstand am Kunden eingesetzt wird, ist die Entwicklung abgeschlossen.

t3n Magazin: Welche IT-Prozesse kann man outsourcen?

Peter Wolter: Dies ist und war nie eine IT-spezifische Frage. Sourcen Sie nur die Prozesse aus, die Sie beherrschen und die stabil sind. Prozessverantwortung zu delegieren, ohne dass die Prozesse eine hinreichende Reife erreicht haben, ist immer wieder Grund für ein Scheitern von Out-Sourcing Vorhaben. Prozesse die sich verändern müssen, weil sich beispielsweise das Geschäfts- und Marktumfeld wie im E-Commerce ständig wandelt, lassen sich nicht „outsourcen“. Der dafür vertraglich zu verankernde Verantwortungsschnitt ist nach meinen Erfahrungen immer zu statisch.

t3n Magazin: Wie finden und motivieren Sie talentierte Entwickler?

Peter Wolter: Wir führen spannende Projekte durch und reden darüber. Mund-zu-Mund-Propaganda ist ein mächtiges Werkzeug und die Experten-Community ist klein.

Agile Arbeitsmethoden beschleunigen auch bei otto.de Prozesse.
Agile Arbeitsmethoden beschleunigen auch bei otto.de Prozesse.

t3n Magazin: Wie validieren Sie gute Entwickler und was erwarten Sie?

Peter Wolter: Wir bitten Bewerber, in unseren Teams zu entwickeln. Für mich sind Entwickler stolz auf das Handwerk, neugierig, lieben Herausforderungen und streben oft nach Perfektion. Viel wichtiger sind für Otto aber Teamfähigkeit und der Wunsch, sich inhaltlich einzubringen. Wir wollen nicht mehr zwischen IT- und Fachabteilung trennen, nur weil unterschiedliche Sprachen gesprochen werden.

t3n Magazin: Empfehlen Sie die Arbeit mit ortsunabhängigen Teams?

Peter Wolter: Für uns hat sich noch kein Grund gezeigt, Teams an andere Orte zu verlagern. Bei Otto haben wir die Erfahrung gemacht, dass insbesondere junge Teams Meinungsverschiedenheiten nicht immer selbst lösen können. Zudem kann auch die professionellste, übergreifende Koordination das unmittelbare Gespräch kaum ersetzen. Die Diskussion zielt meist auf den Aufbau dezentraler IT-Organisationen, die für unsere interdisziplinäre E-Commerce-Entwicklung aber nicht adäquat sind.

t3n Magazin: Arbeiten Sie mit ausländischen Entwicklern in unterschiedlichen Zeitzonen zusammen?

Peter Wolter: Interdisziplinäre Produktentwicklung ist für uns die ständige Friktion der Expertenmeinungen. Dies führt zu schnellen, unmittelbaren und aus meiner Sicht sehr guten Entscheidungen. Dieses Konzept erfordert die unmittelbare Kommunikation im Team. Barrieren durch Zeit, Ort und Sprache sind dabei eher hinderlich. Außerdem gehen wir aktuell circa 20 Mal am Tag live – da will keiner auf den anderen warten müssen.

t3n Magazin: Wie motivieren Sie Ihr Team in Krisenzeiten?

Peter Wolter: Krisen zeigen bei unseren Mitarbeitern immer die beste Seite. Sie sind aus sich heraus sehr motiviert. Somit ist es in Zeiten ohne Krise meine Aufgabe sicher zu stellen, dass Mitarbeiter nicht demotiviert sind.

t3n Magazin: Was sind die drei wichtigsten Erfolgsfaktoren?

Peter Wolter: Eine überzeugende Projektvision, aus der klare und operationalisierbare Ziele abgeleitet werden. Eine sehr kleine Koalition aller erforderlichen Stakeholder, mit dem vereinigenden Ziel die Vision zu realisieren und einem persönlichen Commitment zur Projektvision. Und letztlich das Vertrauen in die Mitarbeiter – auf Basis des Vertrauens kann Verantwortung zur Zielerreichung an Mitarbeiter oder Teams delegiert werden. Wenn diese Verantwortung vom Team akzeptiert wird und die Gestaltungsfreiräume ausreichend sind, wird das Team jedes Projekt erfolgreich machen.

Startseite
  • Seite:
  • 1
  • 2
  • 3

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden