Trendreport

E-Food – die Milliarden-Wette: Wie Lebensmittellieferdienste den Markt aufmischen

Der Getränkelieferdienst Flaschenpost wurde Ende 2020 vom Lebensmittelkonzern Dr. Oetker geschluckt. Es kursiert ein Verkaufspreis von einer Milliarde Euro. (Abbildung: Flaschenpost)

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Die Bestellung von Lebensmitteln und Getränken war lange Zeit das Stiefkind im boomenden E-Commerce. Doch das hat sich geändert. Hohe Finanzierungsrunden und Milliarden­übernahmen sorgen für Aufsehen. Was dahinter steckt.


Ein Croissant, ein paar Obst-Chips zum Knabbern und eine Limo sind im digitalen Einkaufskorb gelandet – ein bisschen Nervennahrung kann an so einem Homeoffice-Tag ja nicht schaden. Nach dem Klick auf „Bestellen“ tickt die Uhr. Hinter den zugeklebten Scheiben einer ehemaligen Bäckerei im Stadtzentrum wird die Order in Windeseile verpackt. Knapp zwei Minuten nach der ­Zahlung via Paypal ist Fahrerin Pilar schon auf dem gut 2,5 Kilometer langen Weg. Fünf Minuten später biegt sie auf einem Elektrofahrrad um die Ecke. Nur neun Minuten nach dem Klick klingelt es an der Haustür.

Der Weg zum nächsten Kiosk wäre nicht länger gewesen, die Kosten für die Bestellung samt Lieferzuschlag von zwei Euro sind in etwa vergleichbar. Hinter der Blitzzustellung steht das im Frühjahr 2020 gegründete Startup Gorillas. „Unsere ­Mission ist es, allen Menschen in Europa in zehn Minuten Lebensmittel an ihre Haustür zu bringen“, ließ sich Mitgründer Kağan ­Sümer kurz vor Weihnachten zitieren. Da hatte das junge Unter­nehmen ­gerade 44 Millionen US-Dollar von Risiko­kapitalgebern ­erhalten – und eine Expansion im Express-Tempo angekündigt. Auf Berlin folgten Köln und Hamburg, für Amsterdam, Den Haag, Rotterdam, Düsseldorf, Stuttgart und München werden bereits „Bike Crew Member“ gesucht. Mit dem Zehn-Minuten-Liefer­fenster ist Gorillas die Aufmerksamkeit sicher, wenn sie in einer neuen Stadt losradeln.

Und doch ist das Unternehmen nur eines von vielen ­Beispielen aus der Landschaft der Lebensmittellieferdienste. In den vergangenen Wochen und Monaten häuften sich die Nachrichten über neue Angebote, erweiterte Liefergebiete und satte Finanzierungen. Lange Zeit war die Bestellung von Essen und Getränken das Stiefkind im boomenden E-Commerce. Als zu verwöhnt galten die Kunden, als zu knapp die Margen.

Jetzt, auch bedingt durch die Monate der Kontaktbeschränkungen, scheint der Heißhunger auf die Heimlieferung aber da zu sein. „Wir konsumieren nicht mehr, aber anders“, sagt Christoph Tripp, Professor für Distributions- und Handelslogistik an der Technischen ­Hochschule Nürnberg, „durch die Coronakrise hat sich die Umschichtung von ­offline zu online deutlich beschleunigt.“ Vor der Pandemie hatten sechs Prozent der Verbraucher online Lebensmittel bestellt, Ende 2020 war dieser Anteil bereits auf neun Prozent gestiegen, zeigen Untersuchungen der Unternehmensberatung EY-Parthenon. „Covid-19 hat dem Online-Lebensmittelhandel zum finalen Durchbruch verholfen und auch im Kopf der Konsumentinnen und Konsumenten den Schalter umgelegt“, bilanzieren die Berater.

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