Interview

Ehemaliger SpaceX-Ingenieur: „Elon hat sich nie zum Mittagessen mit mir verabredet“

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Er trifft knallharte Entscheidungen und setzt Fristen, die kaum jemand einhalten kann. Das ist aber auch wichtig. Vor allem in größeren Firmen sind fehlende Entscheidungen oft die Achillesferse. Elon sorgt auch dafür, dass es den Mitarbeitern gut geht. Jeder bei SpaceX bekommt Anteile – sogar die Putzkraft.

t3n Magazin: Gerüchte besagen aber, dass Elon Musk schon mal Kaffee über den Tisch spuckt, wenn jemand einen Fehler macht.

Das habe ich so nie erlebt. Es stimmt allerdings, dass er Mit­arbeiter seine Enttäuschung über nicht erreichte Ziele spüren lässt. Nicht im physischen Sinne, sondern verbal. Wenn Sie etwas verkackt haben, dann sagt er es Ihnen auch. Und zwar so, dass Sie keine Argumente mehr dagegen vorbringen können.

t3n Magazin: Gab es etwas, das Sie an Elon Musk gestört hat?

Ich wünschte, er hätte sich in den zehn Jahren der Zusammen­arbeit auch mal mit mir zum Mittagessen verabredet.

t3n Magazin: Er hat Sie nie zum Mittagessen eingeladen?
Nein, für klassischen Small Talk hatte Elon keine Zeit. Dabei ­hätte ich ihn privat gerne besser kennengelernt. Aber für ihn gibt es wirklich nur seine Produkte und seine Firmen. Er ist so fokussiert auf seine Arbeit. Andererseits habe ich von ihm auch viel gelernt.

t3n Magazin: Was zum Beispiel?

Dass sich Ideen ohne ein gutes Team nicht verwirklichen lassen – egal, wie viel Geld auf dem Konto ist. Elon hat sich vom ersten Tag an jeden einzelnen Ingenieur angeschaut und mit Fragen zu Bauteilen oder speziellen Materialien durchlöchert. Danach hat er nur die Leute eingestellt, die schlauer waren als er. Wenn Sie sein Erfolgsgeheimnis wissen möchten: Das ist es.

t3n Magazin: Was haben Sie noch von ihm gelernt?

Entscheidungen schnell zu treffen. Seien Sie sich einer Sache ­lieber nur zu 90 Prozent sicher als ewig auf die 100 Prozent hinzuarbeiten. Sonst gibt es nur Terminverschiebungen.

t3n Magazin: Moment: Sind Terminverschiebungen nicht das größte Problem von Elon Musk? Viele seiner Versprechen kann er nicht einhalten.

Seine Zeitpläne waren und sind immer sehr ambitioniert, das stimmt. Elon geht stets vom Best-Case-Szenario ohne Puffer­zeiten aus. Es ist seine Art, die eigenen Mitarbeiter zu Höchstleistungen anzutreiben. Verzögerungen sind natürlich nie gut, aber in der Luft- und Raumfahrt auch nichts Ungewöhn­liches. Der Start des Airbus A380 hat sich ja auch zwei Jahre verspätet.

SpaceX-Ingenieur Bülent Altan vor ­einer Falcon-1-Rakete, die er maßgeblich mitentwickelte. Sie war die erste private Trägerrakete, die Nutzlasten ins All befördern konnte. (Foto: SpaceX)

t3n Magazin: Eines der großen Ziele von Musk ist es, bis 2024 den ersten Menschen auf den Mars zu bringen. Ein realistisches Ziel?

Auch das ist wieder ein gewagter Zeitplan. Man muss wissen, dass sich Mars und Erde nur ungefähr alle zwei Jahre so nah kommen, dass eine Reise machbar ist. Wenn es Elon also nicht bis 2024 schafft, dann muss er erst mal wieder warten. Trotzdem müssen bis dahin noch viele technische Probleme gelöst werden. Ich gebe ihm daher eine 50-prozentige Erfolgschance.

t3n Magazin: Vergangenes Jahr haben Sie SpaceX verlassen. Wieso?

Das Unternehmen nach so langer Zeit zu verlassen, war hart. ­Allerdings befinden wir uns in der Raumfahrt gerade an einem historischen Wendepunkt. Die gesamte Branche verändert sich weg von einem Spielplatz für Regierungen hin zu einem kommerziellen Milliardenmarkt. Es hat mit SpaceX angefangen, ­inzwischen gibt es tausende Unternehmen. Die Kosten für ein ­Kilogramm Nutzlast in einer Rakete sind von 33.000 auf unter 5.000 US-­Dollar gesunken. Selbst mit einem Ein-Kilogramm-­Satelliten können Sie heute fantastische Dinge anstellen. Das birgt riesige Chancen auch für Unternehmer. Ich will diese Entwicklung aktiv mitgestalten und habe deshalb eine Wagnis­kapitalfirma gegründet.

t3n Magazin: Global Space Ventures.

Genau. Bis Ende des Jahres will ich mit Partnern etwa 250 ­Millionen Euro für entsprechende Startups zusammentrommeln. Wir wollen nicht nur Geld geben, sondern auch ein Ratgeber für technische Probleme sein. Zu den Partnern des Fonds gehören neben meinem SpaceX-Kollegen David Giger, der früher das ­Dragon-Programm verantwortet hat, unter anderem der ehemalige ESA-Chef Jean-Jacques Dordain und Helene Huby, die früher Innovationschefin bei Airbus war.

t3n Magazin: Welche Startups sind für Sie interessant?

Das müssen nicht unbedingt Firmen sein, die neue Raketen­antriebe bauen. Auch Softwaregründungen für die Verarbeitung von Geodaten oder Satellitentechnik sind interessant. Wenn ein Startup kommt und sagt, es kann mit Technologie eine verläss­liche Wettervorhersage für sieben Tage garantieren, investiere ich.

t3n Magazin: Auch in Neugründungen aus Deutschland?

Ja. Vor allem in München ist in den vergangenen Jahren eine ­starke Luft- und Raumfahrtindustrie entstanden. Spannend finde ich zum Beispiel, was die Jungs von Isar Aerospace machen. Die bauen neuartige Triebwerke, mit denen man kleine Träger­raketen ins Weltall schießen kann. Und dann wäre da ja noch Lilium.

t3n Magazin: Sie meinen das Startup mit dem vollelektrischen Lufttaxi.

Genau. Das Video vom Erstflug im vergangenen Jahr war wirklich beeindruckend. Und unter uns: Ich hab gehört, dass sogar Elon begeistert war.

t3n Magazin: Herr Altan, vielen Dank für das Gespräch.

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