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Die perfekte Produktion: Einführung in Equipment und Technik für Webvideos

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Digital- oder TV-Kamera für Webvideos?

Besonders bei den Digitalkameras hat sich die Technik in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Video-Digital-Single-Lens-Reflex-Kameras bieten heute eine Qualität, die der teurer TV-Kameras ebenbürtig ist – wenn nicht gar besser. Sie kosten zwischen 500 und 2000 Euro und damit nur einen Bruchteil von professionellen TV-Kameras. Für etwas mehr gibt es zudem auch attraktive Kits mit Objektiv. Besonders beliebt sind hier Kameras wie die Canon EOS 5d Mark II – die zwar schon ausgelaufen, aber immer noch im Verkauf ist – oder deren Nachfolger, die 6D. Sie haben einen Vollformat-Sensor und bieten damit eine besonders geringe Schärfentiefe. Der Begriff Schärfentiefe – auch (fälschlicherweise) Tiefenschärfe genannt – beschreibt den Bereich, in dem das Bild scharf ist. Je geringer sie ist, umso mehr sieht das Bild nach Kino aus. Umso schwieriger ist es aber auch, die Schärfe zu finden und zu halten. Kameras mit kleinerem Sensor haben den Vorteil, dass sie leichter zu bedienen sind, da der Schärfebereich größer ist. Die Schärfe ist leichter zu finden und zu halten, weil das Objekt nicht so leicht aus dem Schärfebereich wandert. Eine sehr beliebte Kamera ist hier die Lumix GH2 von Panasonic oder deren Nachfolger, die GH3. Um auch mit diesen Kameras trotzdem den Effekt geringer Schärfentiefe zu erzielen, gibt es inzwischen ein sehr spannendes Zubehör: den Speed Booster von Metabones. Er verkürzt die Brennweite und erhöht die Lichtstärke des verwendeten Objektives.

Digitalkameras wie die Canon EOS 5d Mark II liefern heute genauso gute Bildqualität wie professionelle TV-Kameras.
Digitalkameras wie die Canon EOS 5d Mark II liefern heute genauso gute Bildqualität wie professionelle TV-Kameras.

Die richtige Beleuchtung

Entscheidend für ein gutes Bild ist auch die Beleuchtung. Dabei reichen im Grunde schon drei Lampen. Sie müssen allerdings ein paar Bedingungen erfüllen: Zum einen sollten sie alle die gleiche Farbtemperatur haben, also alle entweder bläuliches Tages- oder rötliches Kunstlicht abstrahlen. Wer die Farbtemperaturen mischt, erhält ein so genanntes Mischlicht, das meist etwas seltsam aussieht. Allerdings kann der Effekt auch ganz bewusst eingesetzt werden, um zum Beispiel den Unterschied zwischen draußen (kühl und bläulich) und drinnen (warm und rötlich) zu verdeutlichen. Preisgünstige Lampen gibt es etwa bei Walimex. Sie sind in Sets mit Softboxen zu haben und ermöglichen eine sehr einfache, professionelle Ausleuchtung.

Außerdem sollten sich die Lampen fokussieren lassen. Das heißt, Beleuchter müssen die Birne oder den Reflektor so verschieben können, dass eine gewisse Variation zwischen einem Strahler und einer eher flächigen Beleuchtung möglich ist. Ein ähnlicher Effekt lässt sich aber auch mit Frostfolien erreichen. Diese sehen aus wie Milchglas und machen das Licht weicher. Außerdem sollten sich die Scheinwerfer mit Hilfe schwarzer, an der Lampe befestigter Klappen einschränken lassen.

Das Führungslicht

Das Führungslicht ist die Hauptlichtquelle und gibt in einer Szene die Lichtrichtung vor. Es darf Schatten werfen, wobei man darauf achten sollte, wie sich die Schatten zeigen – vor allem im Gesicht, damit keine Augenringe entstehen, wo vorher gar keine waren. Das Führungslicht erzielt auch durch seine Position mitunter eine dramaturgisch entscheidende Rolle. In Horrorfilmen beispielsweise wird es gerne von unten gesetzt, was die Szene und speziell die Gesichter ziemlich gespenstisch aussehen lässt.

Die Aufhellung

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Um den Effekt des Führungslichts zum Teil wieder abzudimmen und unschöne Effekte wie lange Nasenschatten zu verhindern, setzt man eine zweite Lampe ein: die Aufhellung. Sie nimmt als flächiges Licht die Schatten ganz behutsam und weich aus dem Bild. Um das Licht hierfür etwas breiter zu streuen, können Beleuchter – wie oben bereits erwähnt – Frostfolie verwenden oder die Lampe weniger fokussieren.

Die Spitze

Mit diesen zwei Lichtquellen ist ein Gesicht an sich schon perfekt ausgeleuchtet. Manchmal hebt sich das Gesicht (der Vordergrund) jedoch nicht deutlich genug vom Hintergrund ab. Jetzt kann man den Hintergrund stundenlang mit zusätzlichem Licht anders beleuchten – was manchmal auch tatsächlich nötig ist. Im Normalfall hilft jedoch schon eine einzige Lampe: die Spitze. Ist sie von schräg hinten auf den Protagonisten gerichtet, erzeugt sie einen hellen Reflex, eine leuchtende Linie auf Haaren, Haut und Kleidung, die so ganz einfach Vorder- von Hintergrund trennt.

Fazit

Das Equipment für die professionelle Internet-TV-Produktion ist heute also nahezu für jedermann erschwinglich. Wer mit seinen Webvideos erfolgreich sein will, muss allerdings mehr können, als eine gute Ausstattung einzukaufen: Eine überzeugende Tonqualität, wirklich gute Bilder und eine eindrucksvolle, zum Thema passende Beleuchtung – kurz gesagt: Erfahrung im Filmemachen – sind inzwischen ein bedeutender Erfolgsfaktor geworden.

Nichtsdestotrotz bleibt eine gute Technikausstattung die entscheidende Basis, um erfolgreiches Internet-TV zu produzieren. Die Erfahrung und das Know-how kommen dann automatisch dazu, wenn man sich intensiv mit dem Medium Film auseinandersetzt. Diese Demokratisierung des Videodrehens hat bereits zu vielen spannenden, neuen Web-Produktionen geführt. Und sie wird künftig noch viele weitere, innovative Internet-TV-Formate ermöglichen.

Christoph Krachten
Christoph Krachten

ist Geschäftsführer der momento media GmbH und Mitbegründer des ersten deutschen YouTube-Netzwerkes Mediakraft. Er moderiert mit Clixoom eine erfolgreiche Online-Talkshow, die exklusiv für das Internet produziert wird. Zusammen mit seiner Geschäftspartnerin Carolin Hengholt hat er das Buch „YouTube – Erfolg und Spaß mit Online-Videos“ geschrieben.

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Eine Reaktion
Jenny

Ein paar gute (und vllt. auch negative) Beispiele wären noch ganz hübsch gewesen.
Wir machen die Filme momentan noch mit einem professionellen Kameramann, der sein Equipment mitbringt. Da haben wir die Regie gleich noch mit dabei.

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