Karriere

Home-Office, Coworking Space oder Büro? Die Vor- und Nachteile im Überblick

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Flexibel von zu Hause oder unterwegs

Dies ist einer der Gründe, warum immer mehr Unternehmen flexible Modelle ausprobieren und ihren Mitarbeitern beispielsweise das Arbeiten von unterwegs oder von zu Hause aus anbieten. Aktuelle, repräsentative und wissenschaftlich-neutrale Studien über die genaue Zahl von Home-Office-Nutzern in Deutschland gibt es nicht. Einzelne Arbeiten – vor allem von Anbietern aus dem Hardware oder Mobile-Office-Bereich – behaupten zumindest, dass sich etwas mehr als die Hälfte der Büroarbeiter vorstellen könnten, ihre Arbeit von zu Hause zu machen, anstatt jeden Tag ins Büro zu pendeln. Der Bundesverband der Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, Bitkom, hat immerhin 2009 in einer Umfrage feststellen können, dass Home-Office für etwa 70 Prozent der Beschäftigten ein wichtiges Thema ist, besonders für Frauen. Schon damals arbeiteten etwa zehn Prozent regelmäßig, aber nicht ausschließlich, von zu Hause aus, Tendenz steigend. Gerade die Technik macht es immer leichter, als eine Art Satellit der Firma zu arbeiten. Auch wenn es mitunter Probleme mit dem Datenschutz und der Vereinbarung über Arbeitszeiten geben kann, für viele Unternehmen kann das Home-Office auch aus finanziellen Gründen interessant sein.

Doch so innovativ das Arbeiten von zu Hause wirkt, in der Praxis scheint der Trend noch immer skeptisch beäugt zu werden. „Agenturen suchen meistens Angestellte, die fest im Büro arbeiten sollen“, sagt Mike Schnoor, Pressesprecher vom Bundesverband Digitale Wirtschaft. Zwei Gründe zählt er auf, warum Agenturen sich immer noch schwer tun, ihre Angestellten von einem Platz abseits des Büros arbeiten zu lassen. „Wenn Kunden längerfristig betreut werden sollen, braucht man Ansprechpartner vor Ort, auch spontan. Gerade wenn Mitarbeiter für Meetings oder dringende Aufgaben gebraucht werden, ist es besser, wenn sie im Büro arbeiten.“ In einer Notfallsituation könnten so alle schnell zusammengetrommelt und auf die Aufgabe eingestimmt werden.

Home-Office ist keine Sparmaßnahme

Sieht entspannt aus, ist aber Arbeit: das Home-Office.

Auch Oliver Thylmann, Geschäftsführer bei Adcloud, sieht das ähnlich: „Wir bieten unseren Mitarbeitern zwar an, dass sie auch von zu Hause aus arbeiten können, doch wir stellen fest, dass vielen einfach der fachliche und persönliche Austausch mit Kollegen fehlt.“ Es ginge ja nicht darum, Menschen feste Plätze im Büro zuzuweisen, sondern ihnen einen Arbeitsplatz in einer angenehmen und kommunikativen Atmosphäre zu bieten. „Gerade in der Entwicklung muss man sich ja die ganze Zeit miteinander unterhalten.“ Da würden unnötige Barrieren hergestellt, wenn die Mitarbeiter immer wieder erst miteinander telefonieren oder chatten müssten, wenn sie ein Problem hätten. Ein persönliches Gespräch funktioniert da immer noch am besten. „Ich kenne Unternehmen, die aus Kostengründen komplett auf Home-Office gesetzt haben und dann mehr Geld für Reisekosten ausgaben, nur um ihre Mitarbeiter regelmäßig an einem Ort zusammen zu bringen.“

Sinnvoll sei die Arbeit von zu Hause aber, wenn man an einem Projekt arbeitet, das viel Konzentration und Ruhe bedarf. „Wenn man sich nicht vom Bürobetrieb ablenken lassen möchte, kann das im Home-Office schon funktionieren“, sagt Thylmann. Wenn man zu Hause nicht andere Dinge finden würde, mit denen man sich ablenken könnte. Wenn man sich ablenken lässt. Denn jeder, der schon einmal versucht hat, zu Hause an etwas zu arbeiten, was nicht nur Spaß macht, kennt die Versuchungen, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Da macht es auf einmal sogar Spaß, zu putzen, und die Bücher können auch immer wieder neu geordnet und sortiert werden.

„Ich finde Home-Office aber auch aus einem anderen Grund problematisch“, sagt Oliver Thylmann. „Es fehlt die klare Abgrenzung zwischen Arbeitswelt und Privatsphäre.“ Die Work-Life-Balance kann so schnell kaputt gehen. „Und auch Beziehungen und Familie leiden darunter, wenn man nur von zu Hause arbeitet.“

Home-Office kann funktionieren, wenn man für sich klarstellt, dass es trotz allem Arbeit ist. Ein eigener Raum ist dafür sinnvoll, ein klassisches Arbeitszimmer eben. Und klare Absprachen mit der Partnerin oder dem Partner und der Familie. Noch immer geht die Mehrzahl der Beschäftigten einer konventionellen Arbeit nach und verlässt dafür die Wohnung. Da wirkt es mitunter fremd, wenn der Partner zu Hause bleibt, einen Raum weiter geht und es Arbeit nennt.

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4 Kommentare
Sven

Dazu fällt mir dieser amüsante Comic von theoatmeal ein :-)

http://theoatmeal.com/comics/working_home

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Kevin

Super Artikel ^^

Da ich bald endlich von Zuhause ausziehe, bin ich jetzt stark am überlegen doch eine 3 Zimmer Wohnung zu nehmen :-D. Sonst hab ich ja kein Platz für mein Büro.

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Marcel Selle

Hallo,

ein wirklich interessanter Artikel. Zu diesem Thema habe ich auf meinem Blog auch schon etwas geschrieben: http://www.selbstaendig-als-webworker.de/homeoffice/19-gedanken-rund-um-das-homeoffice-vorteile-nachteile-voraussetzungen-ausstattung-und-alternativen/

Grüße
Marcel

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Tabea

Ich würde Oliver Thylmann (zitiert am Ende des Artikels) nicht zustimmen. Bei http://www.coworking-nuernberg.de ist auch ein Arbeiten in Teams von mehr als zwei, drei Personen möglich. Coworking ist durchaus auch etwas für kleine Agenturen.

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