Karriere

Home-Office, Coworking Space oder Büro? Die Vor- und Nachteile im Überblick

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Arbeit bleibt Arbeit, auch zu Hause

Aber auch sich selbst sollte man klarmachen, dass es Arbeit ist. Dazu gehören feste Zeiten, klare Trennung zwischen Pausen und Tätigkeit und – wenn nicht sogar sowieso von Arbeit- oder Auftraggeber vorgegeben – ein Tages- oder Wochenziel. Das hilft, sich nicht in Nebensächlichkeiten zu verlieren, aber auch, den eigenen Stundenlohn und damit auch die Produktivität zu messen.

Ein Unternehmen, das damit gute Erfahrungen gemacht hat, ist Microsoft Deutschland. „Wir wollen unseren 2700 Mitarbeitern ein innovatives Arbeitsumfeld bieten, das das flexible Arbeiten durch den Einsatz moderner IT stets möglich macht“, sagt Hanne Jungclaus, bei Microsoft zuständig für Consulting. „Die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, wird sehr gut angenommen. Wir haben momentan rund 200 Angestellte, die fest im Home-Office arbeiten.“ Acht Prozent aller Beschäftigten in Deutschland würden Teilzeit im Home-Office arbeiten. Im Vergleich zu anderen Unternehmen ist das eine hohe Zahl. Interne Mitarbeiterbefragungen hätten gezeigt, dass diese flexible Arbeitsortwahl zu mehr Zufriedenheit führt. „Im Prinzip können unsere Mitarbeiter ja von überall aus arbeiten, eine feste Anwesenheit im Büro ist, außer vielleicht für die Menschen vom Empfang, nicht mehr notwendig“, sagt Jungclaus. Damit das funktioniert und effizient bleibt, setzt Microsoft auf Vertrauensarbeitszeit. „Die Mitarbeiter können sich ihre Arbeitszeit selbst einteilen.“ Niemand rechne die genauen Stunden nach, denn: „Was zählt, ist das Ergebnis.“

Für jede Arbeit den richtigen Ort

Und das hängt immer auch von der Art der Arbeit ab. Verwaltung, Management oder Distribution ist etwas anderes als projektbezogenes, kreatives Arbeiten. „Konzentrationsintensive und sehr kreative Arbeiten, wie beispielsweise Grafik oder Programmierung, können zu Hause erledigt werden, also genau dort, wo sich jemand am wohlsten fühlt“, sagt Mike Schnoor vom Bundesverband Digitale Wirtschaft. Gerade wenn es um den Abschluss eines solchen Projekts gehe, seien viele zu Hause einfach produktiver. „Unprofessionell
wirkt es jedoch, wenn ein Kunde verlangt, dass viel über Telefon kommuniziert wird und die Zentrale dann immer erst auf ein Handy weiterleiten muss.“ In manchen Unternehmen ist es auch deshalb noch nicht ganz leicht, die Vorteile von Home-Office darzustellen – im Sinne der gängigen Klischees ist ein Mitarbeiter
einfach nicht auf der Arbeit und so verfügbar. Auch wenn das manchmal unpraktisch sei und im Grunde nur aus Hierarchiegründen so gemacht wird.

Als dritte Möglichkeit ist das Mobile-Office eine Art Kompromisslösung für viele: Man verzichtet darauf, in ein festes Büro zu gehen, nutzt aber beispielsweise die Vorteile unterschiedlicher Orte. Fablabs, Coworkingspaces oder andere Office-Sharing-Modelle helfen dabei, auch in unterschiedlichen Städten immer eine gute Infrastruktur vorzufinden. „Vor allem für Startups haben Coworkingspaces viele Vorteile“, sagt Mike Schnoor. Man bekomme neben dem Schreibtisch und der Internetverbindung auch oft ein bezahlbares Catering sowie den Austausch mit anderen kreativen Freigeistern.

„Daraus ergeben sich ganz andere Chancen, also die echten Synergiepotenziale von Mensch zu Mensch auf professioneller Ebene.“ Aber auch im Coworkingspace sollte man sich klarmachen, warum man dort sitzt. Bei aller Kreativität und den Möglichkeiten für einen tollen Austausch muss der Platz auch bezahlt werden. Wer nicht da diszipliniert genug ist, aber auch nicht von zu Hause aus arbeiten will, kann sich beispielsweise nach einem der Zwischennutzungslösungen umschauen, die in immer mehr Städten angeboten werden. Dabei werden alte Gebäude renoviert und sogenannte Blank-Offices eingerichtet: Weiße Räume, die nach Bedarf eingerichtet werden können, mit höchst flexiblen Mietvertrag und günstigen Konditionen.

Oliver Thylmann von Adcloud sieht so etwas als gute Möglichkeit, gerade für Startups: „Ein normaler Coworkingspace ist ab einem Team von zwei, drei Personen nicht mehr sinnvoll. Dann braucht man eben auch einen eigenen, abschließbaren Raum, der immer zur Verfügung steht.“ Wie man für sich herausfindet, welche Form der Arbeit die geeignete ist, hängt letztendlich auch von der eigenen Persönlichkeit ab und wie man selbst produktiv ist. Braucht man eine gewohnte Umgebung, um gut arbeiten zu können, oder doch eher den Austausch und die Abwechslung. Wenn man sich vorstellen kann, allein von zu Hause zu arbeiten und weiterhin produktiv zu sein und einem der Arbeitgeber die Möglichkeit für Flexibilität gibt, sollte man das auch ausprobieren. Zurück ins Büro geht eigentlich immer.

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4 Kommentare
Sven

Dazu fällt mir dieser amüsante Comic von theoatmeal ein :-)

http://theoatmeal.com/comics/working_home

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Kevin

Super Artikel ^^

Da ich bald endlich von Zuhause ausziehe, bin ich jetzt stark am überlegen doch eine 3 Zimmer Wohnung zu nehmen :-D. Sonst hab ich ja kein Platz für mein Büro.

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Marcel Selle

Hallo,

ein wirklich interessanter Artikel. Zu diesem Thema habe ich auf meinem Blog auch schon etwas geschrieben: http://www.selbstaendig-als-webworker.de/homeoffice/19-gedanken-rund-um-das-homeoffice-vorteile-nachteile-voraussetzungen-ausstattung-und-alternativen/

Grüße
Marcel

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Tabea

Ich würde Oliver Thylmann (zitiert am Ende des Artikels) nicht zustimmen. Bei http://www.coworking-nuernberg.de ist auch ein Arbeiten in Teams von mehr als zwei, drei Personen möglich. Coworking ist durchaus auch etwas für kleine Agenturen.

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