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t3n 22

Intel: „Cloud und Mobile wachsen zusammen“

In Braunschweig forscht Chipgigant Intel an den Halbleiter-Produkten der Zukunft. Wir hatten die Chance, uns mit Entwicklungsleiter Nikolaus Lange und Forschungsleiter Sebastian Steibl zu unterhalten. Im Gespräch mit t3n erklären sie, warum ein Smartphone in Wirklichkeit gar nicht so „smart“ ist, welche Technologien und Ideen die Geräte der nächsten Generation bestimmen und wie man in den Intel Labs eigentlich die Zukunft vorhersagt.

Sebastian Steibl (li.) und Nikolaus Lange (re.) im September 2010 auf dem Event zu 10 Jahren Intel in Braunschweig.
Sebastian Steibl (li.) und Nikolaus Lange (re.) im September 2010 auf dem Event zu 10 Jahren Intel in Braunschweig.
t3n Magazin: Können Sie unseren Lesern als erstes einmal kurz erklären, wie sich die Aufgaben bei „Forschung“ und „Entwicklung“ konkret unterscheiden?

Sebastian Steibl: Bei uns in der Forschung geht es nicht um Produkte, sondern um Technologien. Zwischen fünf bis zehn Jahre vergehen, bis die in einem Produkt, beispielsweise einer neuen Chipgeneration, zu finden sind.

Nikolaus Lange: Und bei uns in der Entwicklung geht es um eben diese Produkte. Wir haben da einen Zeithorizont von null bis fünf Jahren, bis sie am Markt sind.

t3n Magazin: Und hier in Braunschweig geht es vor allem um Mikroprozessoren?

Nikolaus Lange: Generell ist es so, dass Intel global strukturiert ist und je nach Expertise entweder Designcenter oder Forschungscenter oder Sales- und Marketingcenter aufbaut, je nachdem, wo sie gebraucht werden. Was wir in Deutschland prinzipiell machen, ist Forschung und Entwicklung rund um Chips im weitesten Sinne. Es gibt Bereiche, die sich um Themen ranken wie Prozessorarchitektur, Prozessorvalidierung und auch Hochgeschwindigkeitskommunikation. Von den bisher zehn Jahren in Braunschweig haben wir zunächst fünf Jahre im Bereich Kommunikation gearbeitet, dann gab es einen Wechsel hin zu Prozessortechnologie. Da die Entwicklungszyklen vier bis fünf Jahre betragen, haben wir also jetzt die ersten Ergebnisse aus Braunschweig in den Intel-Produktlinien vom „Xeon“ bis zum „Atom“. Interessant ist übrigens auch unser Supercomputingcenter in Jülich, an dem wir gemeinsam mit Partnern an den „Exaflop“-Rechnern von übermorgen arbeiten. Der Weg dorthin ist allerdings relativ steinig.

t3n Magazin: Und wenn wir einmal am anderen Ende der Leistungsfähigkeit schauen: Was sind die interessanten Trends bei Smartphones, Tablets, Netbooks?

Nikolaus Lange: Wir arbeiten mit Entwicklerteams von Intel weltweit an Architekturen, die einen noch stärken Fokus auf Energieeffizienz setzen. Das ist sicherlich eine Schlüsseltechnologie, um auch im Smart- und Handheldbereich noch attraktivere Produkte zu entwickeln. Es geht hier um „Low Power Design“, also mit noch weniger Stromaufnahme die gleichen Schalteffekte zu erreichen. Sie müssen den Charakter des Transistors beibehalten, aber ihn eben stromsparender machen. Sie müssen sich vorstellen, dass in so einem Prozessor Milliarden Transistoren sind, selbst in einem „Atom“-Prozessor sind es noch hunderte von Millionen Transistoren. Wenn man da jeden einzelnen Transistor nur ein bisschen leistungssparender machen kann, ist das schon ein Schritt in die richtige Richtung. Das ist natürlich nur einer von vielen Schritten. Darüber hinaus gibt es anspruchsvollere Ansätze. Es ist wichtig, dass man sie alle verfolgt, ausprobiert und herausfindet, welche für uns die richtigen sind. Und das muss dann am Ende zu einem Produkt führen. Natürlich können wir jetzt hier öffentlich nicht sagen, was wir konkret machen. Fragen sind beispielsweise: Wie weit kann man die Betriebsspannung absenken? Welche Elemente kann man abschalten, wenn man sie gerade nicht braucht? Diese Ansätze gibt es heute schon, aber man kann es noch feingranularer machen und weiter optimieren.

Sebastian Steibl: Was in dem Zusammenhang gern vergessen wird: Ein Smartphone ist ja nicht in dem Sinne smart. Die eigentliche User-Experience kommt durch die Vernetzung des Gerätes, durch das Interagieren mit dem Server oder der Cloud. Dort findet die eigentliche Applikation statt. Bei uns in der Forschung versuchen wir beispielsweise Programmiermodelle zu entwickeln, mit denen man dynmisch sowohl auf dem Endgerät als auch in der Cloud rechnen kann und der Nutzer das alles gar nicht bemerkt. Der Nutzer glaubt, er interagiert mit seinem Gerät, aber das ist nur das Kommunikationsmedium. Er interagiert eigentlich mit der Compute Cloud.

Nikolaus Lange: Und diese Compute Cloud wiederum kann ein solcher Exacluster-Rechner sein, an dem wir in Jülich forschen.

Sebastian Steibl: Exakt. So schließt sich der Kreis. Wir konzentrieren uns auf die Frage: Was sind die Elemente, die in dem jeweiligen Gerät wirklich notwendig sind? Dazu gehören zum Beispiel die Grafik und die Sensorik im Allgemeinen. Die harte Datenverarbeitung findet stattdessen in der Cloud statt. Aus Sicht des Programmierers wachsen Server und Mobile zusammen. Man kann das gar nicht mehr so trennen: Ist das eine Server-Applikation oder ist das eine Mobile-Client-Applikation? Erst aus der Gesamtheit kommt die User Experience, die schließlich den Mehrwert bildet, warum jemand ein Smartphone haben möchte. Wir überlegen uns dabei: Wie kann man das vom Programmiermodell her gesehen so handhaben, dass ein Software-Entwickler solche verteilten Systeme nutzen kann, ohne dass er sich ein Bein ausreißen muss? Wir haben in den Intel Labs einen großen Schwerpunkt in diesem Bereich.

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