Entwicklung & Design

Intel: „Cloud und Mobile wachsen zusammen“

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t3n Magazin: Ein wenig klingt Ihre Arbeit in den Labs ja nach Wahrsagerei, wenn Sie heute an Dingen forschen, die wir dann in zehn Jahren nutzen. Wie gut können Sie denn die Zukunft vorhersehen?

Sebastian Steibl: Wir versuchen vor allem, mögliche Mehrwerte für den Benutzer zu ermitteln. Wir haben einen Forschungsschwerpunkt, der sich auf „Future User Experience“ richtet. Alternative Eingabemethoden sind da ein Beispiel. Wir versuchen für diese spekulativen Computer zunächst Software-Prototypen zu entwickeln und damit können wir dann in den Labs Microprozessor-Prototypen entwickeln. Das heißt, wir versuchen mit der Fragestellung in die Zukunft zu schauen: Was könnten Trends insbesondere im Bereich Interaktion sein? Da sehen wir den Technologietreiber. Es sind immer Interaktionsformen, die diese neuen Geräteklasse hervorgerufen haben. Beispielsweise kommt jetzt Gestensteuerung in den Mainstream. Damit haben wir uns vor fünf Jahren schon beschäftigt. Wir analysieren, welche Compute-Funktionen eine solche Anwendung braucht. Denken Sie an den Film „Minority Report“, wie Tom Cruise dort mit Handgesten den Computer steuert. Mit Algorithmen für die notwendige Bilderkennung haben sich die Kollegen in den Labs vor fünf Jahren beschäftigt, um eben die passende Software zu haben und dann mit solchen Algorithmen zukünftige Prozessorgenerationen probezufahren.

t3n Magazin: Sie werden sicher viele Projekte anschieben, die sie dann doch zurückstellen oder ganz aufgeben?

Sebastian Steibl: Ja, das ist wie ein Trichter. Oben fängt es breit an und nach unten hin wird es immer schmaler. Manchmal ist es auch so, dass wir erst in die eine Richtung entwickeln und dann feststellen, dass es dort zwar nicht funktioniert, aber in einer anderen Richtung interessant ist. Bei den Atom-Prozessoren hat man vielleicht noch nicht konkret an Netbooks gedacht. Aber sie haben sich für Netbooks gut geeignet und dann entwickelt sich eine neue Produktlinie daraus. Wir versuchen, ein möglichst breites Spektrum an möglichen zukünftigen Applikationen zu betrachten, damit wir, wenn sich ein Trend durchsetzt, die richtige Hardware dafür haben.

Nikolaus Lange: Das ist gelegentlich ein Henne-Ei-Problem. Manchmal ist es so, dass der Markt etwas fordert und dann muss man zusehen, dass man schnell mit dem Produkt da ist. In manchen Situationen ist es aber so, dass unsere Forscher auf Ideen kommen, auf die noch kein anderer gekommen ist. Niemand denkt daran, dass so etwas möglich ist. Dann wird ein Trend erst von uns eröffnet.

t3n Magazin: Welche Trends für die nächsten Jahre sehen Sie denn besonders?

Nikolaus Lange: Wenn man einmal schaut, wie es war, als der Computer Einzug hielt in die Gesellschaft, da musste sich der Mensch zum Rechner hinbewegen. Der PC stand irgendwo und man musste einen grünen Bildschirm mit Tasten bedienen und auf eine abstrakte Art und Weise mit ihm kommunizieren. Unser Ziel ist, dass sich der Computer mehr zum Menschen hinbewegt. Er ist mobil, ich kann ihn mitnehmen, ich muss nicht hingehen. Beispiel Smartphones, Tablets, Laptops, Netbooks usw. Hinzu kommen neue Benutzerinterfaces wie jetzt das Thema Touchscreen-Bedienung. Da wird sicher noch sehr viel mehr kommen, damit es noch intuitiver zu bedienen ist.

Sebastian Steibl: Ein wichtiger Trend ist, dass das mobile Endgerät und damit auch die Applikationen die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen nutzen, um sich besser und individueller auf den Nutzer abzustimmen. Dann können sie genau die Informationen, Applikationen oder Dienste anbieten, die der Nutzer wirklich braucht. Ich werde mir immer weniger Gedanken darüber machen, was ich mit meinem Computer machen kann, sondern der Computer wird immer mehr Angebote machen, was man jetzt machen könnte. Das geht in sämtliche Bereiche. Denken Sie an die Betreuung von älteren Menschen: Computer könnten Gefahrensituationen im alltäglichen Leben erkennen und dann den Benutzer darauf aufmerksam machen oder gegebenenfalls sogar Hilfe rufen. Momentan sind Computer so konzipiert, dass dort Applikationen enthalten sind, die einen großen Querschnitt der Nutzerschaft ansprechen. In Zukunft werden Computer sich mehr adaptiv auf die unmittelbaren Bedürfnisse des Benutzers einstellen und obwohl das Endgerät das gleiche ist, wird es völlig andere Dinge für unterschiedliche Personen leisten.

t3n Magazin: In welcher Art werden sich denn die Geräte selbst weiterentwickeln? Wird der klassische PC abgelöst?

Sebastian Steibl: Es werden sich mehr Plattformen herausbilden, so dass aus Programmiersicht die Geräte austauschbar werden. Sie werden von der Hardware her immer ähnlicher. Das haben wir beim PC gesehen. Man sieht es jetzt beim Mobilen auch. Zugleich wird die Software darauf wie erwähnt immer individueller werden.

Nikolaus Lange: Wobei es sehr viele parallele Plattformen geben wird. Das gilt für den Formfaktor wie auch für das Nutzungsmodell. Solche Differenzierungen werden beispielsweise auch bei Servern zunehmen. Im kleinen Bereich wird es trotzdem immer noch festinstallierte PCs geben. Schauen Sie sich die Unternehmenskulturen an: Viele haben einen fest definierten Arbeitsplatz und auf dem steht ein fester Rechner – der klassische PC. Im Privatbereich wird es sich hingegen weiter differenzieren. Und erst recht im industriellen Bereich. In Maschinen finden sich schon heute vielfach Computer, auch wenn man das nicht unbedingt auf den ersten Blick sieht, weil sie nicht immer Tastatur und Bildschirm haben. Auch hier wird es eine immense Differenzierung geben – von der kleinen Antriebsmaschine übers Auto bis hin zum Windrad. Wir glauben, dass das eine große Palette wird und nicht, dass das eine das andere ablöst.

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