Trendreport

Die ganze Stadt ist ein Startup: Shenzhen ist das Silicon Valley für Hardware-Firmen

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Gegründet wurde das Accelerator-Programm im Jahr 2011 von zwei amerikanischen Investoren und Gründern aus dem Silicon Valley. Innerhalb von vier Monaten hilft HAX jungen Startups aus der ganzen Welt dabei, Hardware-Ideen in echte Produkte zu verwandeln. Die jungen Firmen erhalten dafür einen Arbeitsplatz, Beratung und einen Betrag von 100.000 US-Dollar und geben im Gegenzug neun Prozent ihres Unternehmens ab. Der größte Vorteil ist aber nicht das Geld, wie Michael Peither betont, sondern die Unterstützung durch das HAX-Team. Der Accelerator öffnet für seine Mitglieder die Türen zum Ökosystem Shenzhen, wo die Startups ihre Produkte in einer Geschwindigkeit entwickeln können, von der Startups im Westen nur träumen.

Metropole Shenzhen: Die Stadt wuchs innerhalb von 30 Jahren auf zehn Millionen Einwohner an. (Foto: Vitaly Vyazovsky)

„Wenn man über Startup-Inkubatoren redet, denkt jeder erstmal an das Silicon Valley“, sagt Ji Ke, Programmdirektor für internationale Teams. „Aber in Shenzhen versteht man die Startup-Kultur viel besser. Die gesamte Stadt ist eigentlich ein Startup.“, In der Tat finden sich einige Parallelen zwischen der Metropole und einem typischen Startup: Shenzhen ist extrem jung und innerhalb kürzester Zeit rasant gewachsen. 1980 war Shenzhen eine Kleinstadt mit rund 30.000 Einwohnern. Heute zählt Shenzhen mehr als zehn Millionen Einwohner und gilt als das Silicon Valley für Hardware.

Dieser Status ist das Ergebnis eines politischen Experiments: Shenzhen wurde 1980 zur ersten Sonderwirtschaftszone der Volksrepublik China erklärt. Durch geringere Steuern und weniger politische Auflagen, vor allem in Bezug auf Löhne, wurden ausländische Investoren massenweise angelockt. Das jährliche Wirtschaftswachstum in den 1990er Jahren überschritt mehrmals 40 Prozent. Vor allem die Elektro- und Textilproduktion westlicher Firmen wurde deswegen oft nach Shenzhen verlegt. Das hat sich mittlerweile geändert: Die Löhne sind inzwischen gestiegen und heute auf dem höchsten Niveau in ganz China. Das immense Wachstum ist abgeflacht. Trotzdem bleibt Shenzhen für ausländische Investoren weiterhin attraktiv: durch Expertise, Freihandelszonen und enorme Produktionskapazitäten.

Ein Spaziergang durch Shenzhen fühlt sich anfangs merkwürdig und verwirrend an. Die Gegensätze sind immens. Einerseits gibt es viele ärmliche und dreckige Wohngegenden, andererseits ebenso viele neue, glänzende Wolkenkratzer und Shopping-Malls mit kopierten, europäischen Ladenfassaden. Der Gestank einiger Flüsse in Shenzhen ist kaum auszuhalten, aber gleichzeitig ist die U-Bahn nagelneu, klinisch rein und die meisten Busse werden elektrisch betrieben. Auch die extrem hohe Dichte an Miet-Fahrrädern und die, bei Einheimischen extrem beliebten, Elektro-Mopeds wollen nicht so recht zum Bild vom dreckigen China passen. Außerhalb des Zentrums wird klar, dass die ganze Stadt zum Zweck der Produktion gebaut wurde. Neben den riesigen Fabrik-Campussen von Foxconn und anderen Auftragsherstellern wimmelt die Stadt von Tausenden kleiner Fabriken in Hinterhöfen und Wohngegenden.

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