Startups

Gidsy: „Bei Ashton Kutcher hat es Klick gemacht“

Seite 2 / 2

Pilze als Initialzündung

Letztlich sind es Pilze, die Edial auf die Idee zu einer Plattform bringen, auf der Privatleute ihre Fähigkeiten miteinander teilen. Eines Tages verspürt er Lust, in den Wäldern rund um Berlin Pilze sammeln zu gehen, weiß aber nicht wo und auch nicht, welche essbar sind. Da er auf die Schnelle keinen passenden Begleiter findet, bleiben die Pilze ungepflückt. Dafür entsteht die Idee, dass es genau für solche Situationen einen virtuellen Ort geben müsste, an dem sich Leute vernetzen und Treffen organisieren. Die Anklänge zu Etsy, wo Menschen selbstgemachte Dinge anbieten, sind unverkennbar, trotzdem ist Gidsy etwas ganz Eigenes. „Webseiten, auf denen Leute Aktivitäten buchen können, gibt es schon ewig. Der ganze Bereich wirkt aber sehr traditionell und veraltet. Wir wollten es ganz anders machen, viel sozialer – so entstand die Idee eines Marktplatzes.“ Edial und Floris holen sich noch Philipp Wassibauer mit ins Team; der Österreicher wird technischer Leiter bei Gidsy. Der erste echte Angestellte, Andrew McCarthy, wird direkt aus Arizona rekrutiert; die Dekkers kennen ihn noch vom Designstudium.

Gidsy-Mitgründer Edial Dekker. (Foto: Dimitri Hempel)

Schon nach zweieinhalb Monaten steht der Prototyp und die Dekkers haben die meisten Projekte aus dem Agenturgeschäft abgewickelt. Das intensive Netzwerken aus den vergangenen Jahren macht sich erneut bezahlt: Die Macher von Soundcloud werden zu den ersten Gidsy-Testern und schwärmen bei ihrem Investor Index Ventures von dem neuen Produkt – Index Ventures steigt sofort mit ein. Daneben beteiligen sich auch Sunstone Capital, Werner Vogels (technischer Leiter bei Amazon) und der Business Angel Peter Read. Über Felix Petersen, Mitgründer des Berliner Hype-Startups Amen und ebenfalls mit den Gidsy-Gründern bekannt, kommen die Jungs an Ashton Kutcher heran, der bereits mit verschiedenen Berliner Startups angebandelt hat. „Oft entscheidet es sich in den ersten Sekunden, ob man zusammen passt. Bei Ashton Kutcher hat es sofort ‚klick‘ gemacht, er ist ein absolut smarter Typ.“

Um Geld müssen sich die Wahl-Berliner jedenfalls erst mal keine Sorgen mehr machen. Die Baustelle wartet an ganz anderer Stelle: Mit den Briefen vom Finanzamt habe man am Anfang ganz schön gekämpft, gibt Edial zu. Und damit, dass eben doch nicht jeder in Berlin Englisch sprechen kann oder will. Insgesamt freuen sich die Gidsy-Gründer aber, dass in Deutschland alles so wohlorganisiert sei. Und Berlin, vor allem Kreuzberg, finden sie traumhaft. Nur gute Leute zu finden, werde hier immer schwieriger. Tatsächlich ist in Berlin der Kampf um gute Mitarbeiter und Freelancer ausgebrochen, seit so viele ambitionierte Startups in die Hauptstadt ziehen. „Zum Glück ist Berlin ein Magnet, sodass sich auch Leute aus dem Ausland herlocken lassen.“ Bei Wassibauer und McCarthy hat es jedenfalls geklappt.

Eine Frage muss sich Gidsy allerdings gefallen lassen: Wie will sich das Team langfristig von den vielen Mitbewerbern absetzen, von denen es doch einige gibt? Nutzer können bei GetYourGuide [1] schon seit Längerem weltweit Aktivitäten buchen, und Lonely Planet [2] hat im Bereich „kreative City-Guides“ bereits Kultstatus. Einige Monate vor Gidsy haben außerdem in Deutschland Yasuu und Regiondo ihre Pforten geöffnet; auch hier kann man lustige Aktivitäten buchen – darunter sogar ein Pilzseminar [3]. Und auf Plattformen wie Gigalo oder fiverr [4] bieten Privatpersonen für jeweils fünf Euro ihre Dienste an, ob das Erstellen eines Videos oder das Übersetzen eines Textes ins Bayrische. All dies schreckt die Gidsy-Gründer aber nicht. „Wir schauen nicht danach, was ähnliche Anbieter machen. Es macht keinen Sinn, der Konkurrenz nachzuschauen, dann ist man ja immer einen Schritt hinterher. Wir wollen aber voraus gehen.“ Voraus ist Gidsy vor allem in puncto Optik: schöne Produktbilder, ästhetisches Design. Es macht Spaß, auf der Seite zu surfen.

In Gidsys Büro ist noch Platz für neue Mitarbeiter. (Foto: Dimitri Hempel)

„Staying focussed!“ ist der wichtigste Tipp, den Edial anderen Gründern mit auf den Weg gibt. Nicht zu viele Seitenwege nehmen, auch wenn die Ideen sprudeln. Und bloß schnell loslegen. „Wenn man zu lange wartet, wird es schwierig. Es gibt so viele Dinge, die einen abhalten können. Man muss da einfach ins Wasser springen.“ Das bedeute auch, offen zu sein gegenüber Kritik. Gerade wenn das Produkt noch nicht perfekt ist, gibt es sehr vieles, was andere kritisieren können. Aber genau das sei wichtig und weiterbringend. Bei Gidsy versuchten sie, intern eine offene, kritikfreudige Kultur zu kreieren.
Daneben sei es wichtig, großen Wert auf die richtigen Leute im Team und im Netzwerk zu legen. Er selbst sei so nicht nur an Investoren gekommen, sondern habe auch von den Erfahrungen anderer Gründer profitiert. „Manche Dinge muss man selbst rausfinden. In manchen Bereichen ist es aber auch gut, auf die Erfahrungen anderer zu hören, die schon einen Schritt weiter sind.“ Zu diesen Personen gehört für Edial zum Beispiel Felix Petersen von Amen oder die Gründer der 6Wunderkinder.

Das Gidsy-Logo zum Aufkleben und Anpinnen. (Foto: Dimitri Hempel)

Nutzer sollen mit Gidsy Geld verdienen

Viel präsenter als die Herausforderungen, denen er in den letzten Monaten gegenüberstand, sind für Edial die vielen Glücksmomente während der Gründungszeit. Einer der größten war, als sich zwei Tage nach dem Launch die erste Nutzerin anmeldete und – nur ein paar Blocks entfernt – ihren privaten Yoga-Kurs anbot. Unter den ersten vier Anmeldungen war auch seine eigene, bis heute besucht er zwischendurch immer wieder einmal die Yogastunden. Auch über die Koreanerin, die schon an 15 Gidsy-Aktivitäten teilgenommen hat und dafür sogar ins Ausland reist, freut sich der 27-Jährige regelmäßig. Genau das ist es, was er will: dass Menschen Spaß daran haben, andere Menschen kennen zu lernen und lustige oder interessante Dinge zu lernen. „Dass die Menschen dabei auch etwas verdienen, ist nur fair.“

Überhaupt gehört es zu seiner Vision, dass Leute irgendwann sogar von den über Gidsy angebotenen Tätigkeiten ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Vielleicht klappt es ja bei dem ehemaligen Polizisten aus Amsterdam, der Städtetouren der besonderen Art anbietet. Unter dem Titel „Policetour Redlight district ‚1980‘“ führt er Teilnehmer auf seiner ehemaligen Rundgang-Route durch Amsterdam und erzählt an den Originalschauplätzen spannende Episoden aus seinem früheren Berufsalltag: „I’ll take you back in time, into the world of drugs, prostitution, gambling and corruption.“ Dies jedenfalls sei der absolute Geheimtipp, verrät Edial, der gerne die Zeit hätte, um mal wieder die Rotlicht-Tour durch Amsterdam mitzumachen. Aber das wird, genauso wie das Pilze sammeln, vorerst wohl nichts.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

2 Kommentare
Thomas L.

Interessante Idee. Nur finde ich hat man sich vom Design her sehr an airbnb orientiert…
Die Profilseite sieht fast genauso aus
Die Gidsy activities sehen aus wie die einzelnen Wohnungsanzeigen.
Auch die Suchseite sieht ähnlich aus…

Antworten
Petra Panther
Petra Panther

Mal ehrlich: der Autor hat keine Ahnung. Gidsy gehört derzeit genauso wenig wie Amen zu den heißesten Startups der Stadt.

Die Gründer, muss man in diesem Fall ehrlich sagen, haben scheinbar keine Ahnung, was die Haupttreiber des Erfolges sind. Wenn man sich den Trafficverlauf anschaut, wird diese Behauptung belegt.

Der virale Effekt der Crowd blieb aus, weil man sich zu sehr auf die Crowd verlassen hat. Sales Sales Sales , Akquise Akquise Akquise wäre die Devise gewesen. Inventory! und gutes Inventory.

Wodurch ist AirBnB auch schnell groß geworden: dass Sie schon professionellere Anbieter von anderen Plattformen wie craisglist oder homeaway auf die Plattform gezogen haben. So bekommt man das nötige Backbone, so kann man auch Partnerschaften mit anderen Touristikern schließen.

Nach einem Jahr sollte hier viel mehr Traction sein. Da ist Getyourguide einiges weiter in puncto Markt- und Businessverständnis.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung