Startups

Bitte einsteigen: Ein Besuch bei den Gründern von myTaxi

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„Bei unseren Marktrecherchen haben wir dann gemerkt, dass die Taxibestellung nicht nur für Endkunden problematisch ist, sondern auch die Taxifahrer Schwierigkeiten haben“, erklären die beiden. Vor allem die Abhängigkeit von den Vermittlungszentralen sei ein großes Problem. Diese verlangen pro Monat eine feste Vermittlungspauschale – unabhängig davon, wie viele Fahrten tatsächlich geleistet wurden. Unabhängig von Krankheit, Urlaub, fehlenden Aufträgen. Wer bei Zentrale A gelistet ist, sollte besser nicht auch für Zentrale B arbeiten, erklärt Mewes. Ansonsten gebe es eben keine Aufträge mehr.

„Die Strukturen im Taxigeschäft sind regional und veraltet, die Taxi-Zentralen als Vermittler nutzen ihre Stellung oft aus“, wissen Mewes und Külper von den Hamburger Taxifahrern. Bei myTaxi ist das Preismodell anders: Es gibt für die Fahrer keine monatlichen Gebühren. Statt dessen zieht das Startup für jeden vermittelten Auftrag 79 Cent innerhalb von Deutschland und 99 Cent innerhalb von Österreich ein. Wer nur wenig gefahren ist, muss auch wenig bezahlen.

Am Anfang, so die beiden Gründer, hätten sie noch geglaubt, die Taxizentralen in ihr Vorhaben mit einzubeziehen und für die Idee zu gewinnen. Aber bei ihren Anfragen seien sie auf taube Ohren gestoßen: „Sowohl von den Zentralen als auch vom deutschen Taxiverband haben wir nur Absagen bekommen. Keiner konnte sich das vorstellen.“ Also haben sie ihr Ding alleine durchgezogen und Taxifahrer auf der Straße angequatscht. Die Rückmeldung sei vor allem bei den jüngeren Fahrern, die mit Smartphones vertraut sind, erstaunlich positiv gewesen. Um zu zeigen, wie einfach die Handhabung ist, wurde jeder interessierte Taxifahrer zwei Wochen lang mit einem iPhone plus App ausgestattet – zum Testen. So entstand im ständigen Austausch mit den Taxifahrern ein erster Prototyp, der im April 2010 gelauncht wurde.

Konzentriertes Arbeiten inmitten des Gewusels.

Konzentriertes Arbeiten inmitten des Gewusels.

Das „Henne-Ei-Problem“

Einer der ersten, die das Produkt ausprobieren und begeistert sind, ist ein Manager von T-Venture; später wird das Venture-Capital-Unternehmen der Deutschen Telekom zu einem der myTaxi-Investoren. Unter den Taxifahrern selbst, die bis heute beständig Rückmeldung zum Optimierungsbedarf geben, verbreitet sich die Neuheit vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda. Damit nicht nur Taxifahrer die App nutzen, sondern auch der Endkundenstamm wächst – das „Henne-Ei-Problem“ – versorgt myTaxi mittlerweile Hotels mit iPads, die dann samt App auf der Theke stehen. „Wir sind ja ein Marktplatz, es muss also zu gleichen Teilen Fahrer geben und solche, die Taxis bestellen. Hotels sind eine wichtige Gruppe für uns, sie generieren bis zu 30 Taxianrufe am Tag.“ Rund 50 Hamburger Hotels und Hotelketten bieten ihren Gästen schon den myTaxi-Orderservice an.

Das Taxi-Geld taucht bei mytaxi immer wieder auf.

Das Taxi-Geld taucht bei mytaxi immer wieder auf.

Für den rasanten Aufstieg, den myTaxi hingelegt hat, war natürlich auch Geld vonnöten: In mehreren Finanzierungsrunden haben schon verschiedene Investoren Geld zur Verfügung gestellt. Der größte Coup ist den beiden Gründern Ende Januar gelungen, als eine illustre Runde aus Car2Go, Xing-Gründer Lars Hinrichs sowie T-Venture und KfW zehn Millionen Euro in das Startup pumpte. Während manche Gründer stolz auf ihre Bootstrapping-Karriere verweisen und darauf, dass sie es alleine geschafft haben, spricht Mewes von der Wichtigkeit, sich so früh wie möglich Kapitalgeber ins Boot zu holen. „Ich habe doch lieber ein paar Prozent an einem Unternehmen, das X-Millionen wert ist, als 100 Prozent an einem Unternehmen, das einen Euro wert ist“, erklärt er seine Sicht der Dinge. Wobei er auch zugibt, dass sie mit ihren Investoren Glück hatten: Diese hätten nie versucht, ihnen hinein zu reden, auch wenn zum Teil heftig diskutiert wurde. Umgekehrt habe myTaxi extrem von den Synergien seiner Investoren profitiert, vor allem am Anfang, als sich der strategisch sinnvolle Geldgeber T-Ventures Firmenanteile schnappte.

Dieses Jonglieren, wann der richtige Zeitpunkt für eine neue Finanzierungsrunde ist, sei nicht immer einfach gewesen. Im Endeffekt hat es aber immer gut gepasst. Eigentlich gibt es nur eine Sache, die Mewes im Rückblick anders machen würde: „Wir hätten unsere Alphaversion intern entwickeln sollen.“ Die Bindung der Entwickler zum Produkt sei einfach wichtig, ansonsten bleibe es nur eine Auftragsarbeit und die Abarbeitung des Pflichtenhefts. Das Geld, das man hier versuche, einzusparen, komme später doch wieder hinzu, so Mewes.

Der nächste Schritt: Europa!

Macht die myTaxi-App eigentlich alle glücklich? Nein, sicherlich nicht. Am Anfang noch still belächelt, werde das Startup von den Taxizentralen heute als echte Bedrohung wahrgenommen, berichten die Cousins.

Gute Laune beim Interview: Sven Külper und Niclaus Mewes.

Gute Laune beim Interview: Sven Külper und Niclaus Mewes.

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3 Kommentare
anonym
anonym

Warum ein I-Phone dafür zulegen? Die App gibts doch auch für Android :-)

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myTaxi
myTaxi

Der Artikel wurde bereits im t3n Magazin Nr. 27 veröffentlicht. myTaxi ist mittlerweile gewachsen, erneut umgezogen und hat neue Features integriert. Alle aktuellen Infos und wo das Hamburger Startup aktuell steht, findet Ihr hier:

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