Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

t3n 48

Grundsatzfragen der künstlichen Intelligenz: Wie lange können wir den Maschinen noch trauen?

Seite 2 / 3

t3n Magazin: Und das Google-Auto?

Toby Walsh: Das ist ein deutlich komplexeres System mit sehr verschiedenen Bestandteilen und es gibt keine expliziten Regeln auf einer übergeordneten Ebene. Es gibt keine explizite Regel, von der wir ausgehen können, dass sie immer zu 100 Prozent eingehalten wird. Was passiert, wenn das System überholt, wenn es das eigentlich nicht tun sollte? Was aber, wenn es durch ein solches Überholmanöver ein Menschenleben rettet? Oder aufgrund eines komplexen Fehlers eben doch einen Menschen anfährt?

t3n Magazin: Das Problem ist also auch die Umgebung, in der die künstliche Intelligenz agieren muss.

Toby Walsh: Exakt. Es sind nicht nur komplexe Systeme, die wir in in ihrer Entscheidungsfindung nicht zu 100 Prozent verstehen. Diese Systeme treffen auch auf komplexe Umgebungen: die uns umgebende Welt. Und genau aufgrund dieser doppelten Komplexität ist es heute fast unmöglich, genaue Vorhersagen zu treffen, wie eine KI sich verhalten wird. Aber genau deshalb ist es so wichtig, dass die Forschung weiter daran arbeitet, die künstlichen Intelligenzen besser zu verstehen – schließlich übernehmen sie immer verantwortungsvollere Aufgabenbereiche. Um es auf den Punkt zu bringen: Sie treffen Entscheidungen über Leben und Tod, wenn sie über die Straße fahren.

t3n Magazin: Wenn es noch solche Schwierigkeiten gibt, ist es dann politisch überhaupt sinnvoll, Technologien wie autonomes Fahren zu erlauben?

Toby Walsh: Bei aller Komplexität der Diskussion: Am Ende dürfen wir nicht die Ziele aus den Augen verlieren, um die es letztlich geht – und die sind überaus positiv. Jedes Jahr sterben tausende Menschen auf deutschen Straßen, eine Million Menschen jedes Jahr weltweit – 95 Prozent dieser Todesfälle werden durch Fahrfehler verursacht. Je schneller wir also schlechte Fahrer aus dem Verkehr ziehen, desto besser. Es wäre schlicht viel sicherer auf den Straßen, wenn wir autonom fahrende Autos hätten. Die herausfordernde Zeit wird sein, wenn sowohl autonom fahrende Autos als auch menschliche Autofahrer sich gleichzeitig auf den Straßen tummeln werden.

t3n Magazin: Warum?

Toby Walsh: Autonom fahrende Autos können untereinander kommunizieren und sich darauf einigen, was in einer konkreten Situation zu tun ist. Die Kommunikation mit einem menschlichen Fahrer ist schwieriger.

t3n Magazin: Reichen die aktuellen Regulatorien überhaupt aus?

Toby Walsh: In meinen Augen nicht. Ich halte es für sehr problematisch, dass die großen Tech-Unternehmen in Kalifornien jetzt ihre autonom fahrenden Autos zertifizieren können. Wir erlauben das in der Luftfahrt nicht und sind hier sehr vorsichtig. Wir sollten auch sehr vorsichtig sein, was wir auf öffentlichen Straßen zulassen. Das Problem bei autonom fahrenden Autos: Es geht um viel Geld. Es ist ein Wettbewerb ausgebrochen, wer das erste autonom fahrende Auto zur Marktreife bringt – das ist die nächste Billionen-Dollar-Industrie. Und es ist überhaupt nicht klar, ob Ford, General Motors oder Mercedes-Benz dieses Rennen gewinnen wird. Genauso gut können Apple, Google oder Tesla die Nase vorn haben.

t3n Magazin: Das zeigt, dass KI die digitale Wirtschaft verändern und die Automatisierung vorantreiben wird. Wie können sich Unternehmen darauf vorbereiten?

Toby Walsh: Unternehmen brauchen heute einen KI-Plan – genauso wie sie vor 20 Jahren einen Internet-Plan und vor zehn Jahren einen Plan für Mobile brauchten. KI-Systeme benötigen eine Vielzahl an Daten, deshalb wäre es ein guter Start, sich die vorhandenen Daten gut anzuschauen. Der zweite Schritt bestünde dann darin, zu entscheiden, welche zusätzlichen Daten gesammelt werden könnten, um Prozesse und Abläufe von Computern erledigen zu lassen.

t3n Magazin: Was wären das für Prozesse beispielsweise?

Toby Walsh: All solche, über die Menschen nicht lange nachdenken müssen. Mit dem Auto eine Straße entlangfahren – darüber müssen wir nicht lange nachdenken. Oder Entscheidungen im Marketing treffen, welches Produkt ich einem spezifischen Kunden anbiete – das sind Entscheidungen, die Unternehmen einer KI überlassen können. Entscheidungen, die viel Nachdenken und Reflektion erfordern, eignen sich hingegen nicht dafür und sollten entsprechend auch nicht in einen KI-Plan einfließen.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Schreib den ersten Kommentar!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden