Ratgeber

Inklusion im Internet: So werden Social-Media-Inhalte barrierefrei

Viele Websites sind bereits barrierefrei. Doch wie halten es Unternehmen in sozialen Netzwerken? (Foto: Shutterstock)

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Kaum ein Unternehmen denkt daran, dass nicht alle Nutzer uneingeschränkt Inhalte in sozialen Netzwerken konsumieren können. Dabei ist nur wenig Aufwand nötig, um auch Menschen mit Handicap zu erreichen.


Viele Unternehmen haben bereits erkannt, wie wichtig es ist, den eigenen Internetauftritt barrierefrei oder ­zumindest ­barrierearm zu gestalten. So stellen sie sicher, dass auch ­Menschen mit Handicaps ihre Website nutzen können. Bei ­Social Media sieht das anders aus: Facebook, Instagram und andere Plattformen erfüllen oft nicht die allgemeinen Standards für Barrierefreiheit. Dennoch können Unternehmen einiges für mehr Inklusion tun.

Es gibt unterschiedliche Gründe, weshalb Nutzer auf barriere­freie Postings angewiesen sein können: Zu den häufigsten ­gehören Sehbehinderungen und Blindheit sowie ­Schwer­hörigkeit und Gehörlosigkeit. Aber auch Lernschwierigkeiten oder Sprach­probleme erfordern Barrierefreiheit; etwa durch die Verwendung von leichter Sprache.

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„Die Tatsache, dass es Menschen gibt, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, sollte eigentlich ausreichen, damit Unternehmen diese auch umsetzen“, erklärt Felix Högl, Referent beim Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband. Trotzdem sind es vor allem gemeinnützige Organisationen aus dem sozialen und Behindertenbereich, die das auch gewissenhaft tun. Unternehmen aus der freien Wirtschaft haben hier noch deutlichen Nachholbedarf. Doch woran liegt das? Fehlt das Wissen zur Umsetzung, oder ist Marketern die Relevanz und Notwendigkeit von Barrierefreiheit nicht bewusst?

In Deutschland leben laut Studien etwa 350.000 seh­behinderte oder blinde Menschen. Die Dunkelziffer liege aber noch weitaus höher, sagt Experte Högl, da viele Menschen Seh­beeinträchtigungen mit zunehmendem Alter als Alters­erscheinung hinnehmen, ohne diese offiziell ärztlich diagnostizieren zu lassen.

Als sehbehindert gilt, wer auf dem stärkeren Auge auch mit Sehhilfen maximal 30 Prozent Sehvermögen hat. Bei ­unter zwei Prozent Sehkraft gilt eine Person als blind. Nach ­Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes sind hier­zulande rund 80.000 Menschen gehörlos und 16 Millionen Menschen schwerhörig, ­davon sind etwa 140.000 soweit beeinträchtigt, dass sie auf den Einsatz von ­Dolmetschern für Gebärdensprache angewiesen sind.

Investitionen in Barrierefreiheit ­zahlen sich für Unternehmen aus

Hunderttausende, wenn nicht sogar Millionen Menschen, werden damit von den meisten Unternehmen noch nicht adäquat ­angesprochen und einbezogen. Gerade im Social-Media-­Marketing, wo Reichweite eine der wichtigsten Kennzahlen ist, birgt Barrierefreiheit großes Potenzial. In erster Linie erreichen Unternehmen so mehr Menschen, die ihre Posts auch ­wahrnehmen, statt nur darüber hinweg zu scrollen. Zum Zweiten schaffen sie auch einen höheren Anreiz zur Interaktion und zum Teilen von ­Content.

Bei Facebook lassen sich Videos nach dem Upload bearbeiten und Untertitel einfügen. (Screenshot: Facebook)

Vor allem aber zahlt Barrierefreiheit in sozialen Netz­werken auf die Marke ein und kann letzten Endes das Zünglein an der Waage bei der Kaufentscheidung sein. „Wenn mir ein gleich­wertiges Produkt von einem Unternehmen barrierefrei an­geboten wird und von einem anderen nicht, dann kaufe ich beim ersten“, meint Referent Högl. Betroffene fühlten sich zudem ­besser wahrgenommen und stünden der Marke positiver gegenüber.

Der Kreis von Personen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, ist sehr heterogen. Am Beispiel von gehör- und sehgeschädigten Menschen lassen sich die Anforderungen exemplarisch aufzeigen.

Richtige Textgestaltung

Das A und O für barrierefreie Postings sind eine korrekte Rechtschreibung und Grammatik. Screenreader lesen auch Fehler vor, was die Verständlichkeit von Posts stark beeinflusst. Außerdem sollte auf Sonderzeichen und Emojis weitestgehend verzichtet werden. Denn: Ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen wird als „Totenkopf mit gekreuzten Knochen“ vorgelesen. Welches Chaos eine Aneinanderreihung von vielen verschiedenen Emojis ergibt, kann sich wohl jeder vorstellen.

Das Gleiche gilt für Hashtags. Damit sie verständlich sind, sollte jedes Wort in einem Hashtag mit einem Groß­buchstaben ­beginnen. Zum Beispiel #StayAtHome an Stelle von ­#stayathome. Nur in dieser Form werden sie auch von ­Screenreadern mit der entsprechenden Pause vorgelesen und für die Rezipienten ­auch verständlich.

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2 Kommentare
netz-barrierefrei

Es ist zwar nett, dass Sie das Thema Barrierefreiheit aufgreifen, aber im Endeffekt wird das Thema hier nur angekratzt. Es fehlen Hinweise auf Alternativtexte für Blinde, Gestaltung für Sehbehinderte, Untertitel und so weiter. Im Prinzip geht es nur kurz um Hashtags, die m.E. überschätzt werden. Schade.

Antworten
Jannis

Für mein Business ist das Thema Marketing und natürlich damit verbunden Social Media extrem relevant. Da kommt so ein Artikel gerade richtig!

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