Porträt

Warum Apple auf das Startup dieses 24-Jährigen abfährt

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Das Geschäftsmodell des Startups wiederum basiert auf Provisionen. Immer wenn ein Nutzer einen Flug oder eine ­Unterkunft über die Website der angeschlossenen Anbieter bucht, behält ­Mapify einen Teil der Erlöse ein. So zumindest die Theorie.

Denn noch schweigt sich Häde zu den Umsätzen beharrlich aus. Das Projekt stehe noch am Anfang, sagt er. Aber seit dem Start von Mapify habe sich schon eine sechsstellige Zahl an Nutzern re­gistriert. „Jede Woche kommen 3.000 neue Nutzer hinzu“, erklärt Häde. Die Tendenz sei stark steigend. Stolz sind die Gründer auch auf das Design der App, das sich an vielen Gestaltungsrichtlinien von Apple orientiert. Ein Umstand, der die Werbeaktion des Konzerns an Weihnachten sicher begünstigt hat.

Coden in Socken

Wegen des rasanten Wachstums hat Mapify seinen Firmensitz vor wenigen Monaten in eine Drei-Zimmer-Altbauwohnung im angesagten Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg verlegt. Zuvor studierten die Gründer verteilt über das ganze Bundesgebiet und betrieben nebenbei eine Webagentur. Vom Aufenthalt in der Bundeshauptstadt erhofft sich das 13-köpfige Team jetzt bessere Voraussetzungen für die Weiterentwicklung des Reisenetzwerks. Denn schon bald soll Mapify mehr sein als nur das Hobbyprojekt einer Gruppe von Menschen im Alter von Anfang 20. Aber kann das klappen?

Das Büro von Mapify in Berlin. (Foto: © Michael Hübner)

Das Chaos in der Berliner Altbauwohnung lässt zunächst das Gegenteil vermuten: Der Flur ist übersät mit Turnschuhen, in der Küche stapelt sich schmutziges Geschirr. Das Wohnzimmer haben die Jung­unternehmer aus Kosten­gründen zur Bürofläche umfunktioniert. In der Mitte sind zwei Holztische mit schwenkbaren Monitoren aufgestellt, die an Laptops angeschlossen sind. Dutzende Meter Kabel schlängeln sich auf dem Dielenboden. Ein Beamer unter der Decke projiziert kinoreife Videoaufnahmen von grünen Polarlichtern und steilen Felsschluchten an die Wand. Das allein ist schon beeindruckend. Aber dominiert wird der 22 Quadratmeter große Raum von einem riesigen in Neonfarben leuchtenden ­Firmensignet. Es steht für das  Ziel der Firma, zum ernst zu nehmenden Player in der Reisebranche zu werden.

Patrick Häde schreitet auf Socken durch den Raum und zeigt auf ein Whiteboard. Darauf zu sehen ist ein Wust an miteinander verbundenen Rechtecken, in denen Wörter wie „Content“, ­„Posting“, „Explore“ und „Buchung“ eingezeichnet sind. Sie stehen für die Vision von Mapify. Häde drückt sie so aus: „Auf lange Sicht wollen wir alles, was junge Menschen für eine Reise benötigen, in einer einzigen App abbilden. Nicht nur Empfehlungen, sondern auch die gesamte Planung bis hin zur finalen Buchung aus einer Hand.“

Den Anfang machte kürzlich ein neues Feature namens Mapify Plan. Mit dem Tool können sich Nutzer beliebig viele Orte zu einer individuellen Rundreise zusammenklicken. Wer zum Beispiel mit einem mehrwöchigen Roadtrip auf Hawaii lieb­äugelt, wählt anhand von Fotovorschlägen die gewünschten Stationen aus und klickt auf einen Zauberstab. Von da an übernehmen die Algorithmen die Arbeit: Abhängig vom gewählten Reisezeitraum ermittelt das System eine geeignete Reiseroute und sagt Nutzern, in welcher Reihenfolge die gewählten Spots am besten besucht werden sollten. Durch die Möglichkeit, den Reiseplan mit Freunden zu teilen oder sich sogar anderen Reisenden anzuschließen, soll letztlich der viel gepriesene Netzwerkeffekt entstehen.

Große Hoffnungen setzt das Berliner Startup auf die Funktion „Mapify Plan“. Mit dem Tool können sich Nutzer basierend auf gewählten Fotos automatisch eine Reiseroute erstellen lassen. (Foto: © Michael Hübner)

Große Hoffnungen setzt das Berliner Startup auf die Funktion „Mapify Plan“. Mit dem Tool können sich Nutzer basierend auf gewählten Fotos automatisch eine Reiseroute erstellen lassen. (Foto: © Michael Hübner)

Glaubt man den Worten von Häde, gibt es dafür einen riesigen Markt. 1,5 Milliarden Euro geben Millennials jedes Jahr für Urlaube aus – allein in Europa. Attraktiv für ein Startup wie ­Mapify ist dabei vor allem die vergleichsweise große Reiselust der 16- bis 35-Jährigen. Studien sagen: Millennials fahren lieber mit dem Fahrrad zum Strand als mit dem Benz ins Büro. Und: Sie haben schon mehr internationale Urlaubsreisen erlebt und damit auch viel früher begonnen als ihre Eltern. „Im Schnitt verreisen sie zwischen vier bis sechs Mal pro Jahr“, sagt Häde.

Das alles klingt verheißungsvoll. Aber allein ist Mapify nicht. Auch andere Wettbewerber haben die reiselustige Zielgruppe für sich entdeckt. Tripadvisor beispielsweise ist für ­Millionen ­Reisende noch immer die erste Anlaufstelle, wenn es um ­Empfehlungen für Orte und Sehenswürdigkeiten im Ausland geht. Und dann wäre da ja auch noch Google: Der milliardenschwere Suchmaschinenkonzern bietet mit Trips längst eine eigene App für die Reiseplanung an. Auch Facebook – die Konzernmutter von Instagram – könnte eine entsprechende Funktion wohl mühelos in das Fotonetzwerk integrieren. Das niederländische Startup ­Polarsteps wiederum versucht sich seit zwei Jahren an einem auto­matisierten Reisetagebuch für das Smartphone. 1,6 ­Millionen US-Dollar Risikokapital hat die Firma dafür bisher erhalten.

Dagegen ist das Finanzpolster von Mapify noch ­vergleichsweise klein: 300.000 Euro haben Häde und sein Team im ­Frühjahr von Investoren eingesammelt. Umso größer sind dafür die ­Namen der Geldgeber: An Mapify beteiligt haben sich mit ­Gunnar Froh beispielsweise der ehemalige Deutschland-Chef von Airbnb sowie Fredrik Posse, der beim Streaming-Dienst Spotify die Partnerschaften verantwortet. Ebenfalls an Bord ist mit ­Hagen Angermann ein hochrangiger Ex-Manager von Daimler.

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