Startups

Finanzierungsmöglichkeiten von Startups im Überblick

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Crowdfunding versus Crowdinvestment

Schwarmfinanzierung ist in aller Munde, die bekannteste Plattform ist sicherlich Kickstarter [2]. Begonnen als Finanzierungsinstrument für Musikbands, ist Crowdfunding auf dem besten Wege, eine echte Alternative zu den klassischen Formen der Projektfinanzierung zu werden. Anstatt sich das Kapital von einer Person oder Institution zu leihen, finanzieren hier viele Kapitalgeber in kleinen Einheiten das Projekt oder Startup.

Crowdinvestment wird immer beliebter: Das Startup easyCARD sammelte über Seedmatch in nur 87 Minuten das nötige Geld ein.
Crowdinvestment wird immer beliebter: Das Startup easyCARD sammelte über Seedmatch in nur 87 Minuten das nötige Geld ein.

Der Crowdfunding-Monitor 2011 [3] von Für-Gründer.de hat ermittelt, dass 2011 in Deutschland von 442 gestarteten Projekten immerhin 38 Prozent erfolgreich durch den Schwarm finanziert wurden. Allerdings betrug die durchschnittliche Finanzierungssumme auch nur 2.694 Euro. Sicherlich kein Betrag, mit dem sich ein Startup finanzieren lässt.

Zur Abgrenzung der Begrifflichkeiten: Crowdfunding ist die eher ideelle Form der Unterstützung und wird vor allem im Bereich von Kunst- und Kulturprojekten eingesetzt. Einen Gegenwert in Form von Gewinnbeteiligung erhält der Mäzen in aller Regel nicht. Ein echtes Investment in Hinblick auf Rendite findet hingegen beim Crowdinvestment statt. Mit dem finanziellen Engagement ist der Investor am Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens beteiligt.

Für Investoren bietet das Crowdinvestment den Vorteil, dass sie auch mit kleinen Beträgen zielgerichtet in ein bestimmtes Unternehmen investieren können. Dies ist bei der Alternative über einen Fonds nicht möglich. Da beim Crowdinvestment der einzelne Investor mit überschaubaren Summen von beispielsweise 250 Euro agiert, ist ein Totalverlust kein finanzielles Desaster. Wichtig ist für den Investor zudem, dass er im Falle eines Misserfolgs nur mit seiner Einlage haftet und keine Nachschusspflicht besteht.

Crowdinvestment ist nicht nur für Gründer spannend. Durch die Neuartigkeit und das überschaubare Risiko kommen Interessenten zum Zug, die sich ein größeres Engagement in einem Startup nicht leisten können oder wollen. Als eine der ersten Crowdinvestment-Plattformen hat Seedmatch [4] etwa für das Startup easyCARD innerhalb von nur 87 Minuten die Maximalsumme von 100.000 Euro von 143 Investoren eingesammelt. Die Maximalsumme ist nicht durch das Interesse der Investoren, sondern durch die derzeitigen gesetzlichen Gegebenheiten limitiert. Ein höherer Betrag bedarf eines Verkaufsprospekts und der Zulassung durch die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.

Die Finanzierung mittels Crowdinvestment lebt darüber hinaus stark von der emotionalen Beteiligung der Unterstützer. Dies kann Startups oder neuen Projekten im Idealfall eine Bekanntheit verschaffen, die ansonsten nur mit teuren Marketingaktivitäten zu erreichen ist. Allerdings darf von Seiten der Unternehmer nicht übersehen werden, dass nun Investoren im Unternehmen beteiligt sind. Und diese haben ein gesetzlich verbrieftes Recht, über die Geschäftsverläufe regelmäßig informiert zu werden, was nicht ohne zeitlichen Aufwand funktioniert.

Beliebte Finanzierungsform: Q1/2012 ist das bisher beste Quartal für Crowdfunding in Deutschland (Quelle: fuer-gruender.de).
Beliebte Finanzierungsform: Q1/2012 ist das bisher beste Quartal für Crowdfunding in Deutschland (Quelle: fuer-gruender.de).

Per Crowdinvestment die Seedphase zu stemmen, ermöglicht erst einmal eine gewisse unternehmerische Freiheit in Hinblick auf das Vorhaben. Allerdings darf nie außer Acht gelassen werden: Auch die Investoren verlangen irgendwann ihr Geld zurück – inklusive der bis dahin hoffentlich entstandenen Zugewinne durch die Steigerung des Unternehmenswerts. Üblicherweise haben die stillen Beteiligungen eine Laufzeit von fünf bis sieben Jahren, und nach drei Jahren kann die Beteiligung erstmals gekündigt werden. Bei prosperierenden Geschäftsmodellen und stattlichen Zuwächsen dürfte es kein Problem sein, diese Forderungen aus der Unternehmenskasse oder durch weitere Veräußerungen von Anteilen zu bedienen. Ausgehend von den rund 30 Prozent Erfolgsgeschichten, die Investoren bei ihren Investments durchschnittlich verzeichnen, sind jedoch 70 Prozent der Unternehmen bei einer Auszahlung an oder über ihrer Belastungsgrenze. Ein Punkt, den Gründer bei aller Euphorie über diese neue Finanzierungsform im Hinterkopf behalten sollten.

Staatliche Unterstützung

Gründerstimmung allerorten – da möchte auch die Bundesregierung nicht hintenanstehen und bietet mit dem Mikrokreditfonds Deutschland und dem ERP-Gründerkredit StartGeld interessante Förderprogramme an.

Um Freiberufler oder kleinere Unternehmen mit einem überschaubaren Finanzbedarf von ein paar tausend Euro zu unterstützen, haben die Bundesministerien für Arbeit und Soziales sowie für Wirtschaft und Technologie den Mikrokreditfonds Deutschland aufgelegt. Etwa 100 Millionen Euro stehen in diesem Fonds für Unternehmen bereit, die Schwierigkeiten haben, bei ihrer Hausbank einen Kredit zu bekommen. Ein Darlehen kann bis zu einer Höhe von 20.000 Euro beantragt werden und ist auf eine Laufzeit von drei Jahren begrenzt. Umsonst bekommt man diese Gelder jedoch nicht. Mit einem effektiven Zinssatz von 8,9 Prozent liegt der Anfangszins über dem, was Gründer in aller Regel bei Bewilligung eines regulären Bankkredites bezahlen. Vergeben werden die Mikrokredite von der GLS Bank. Die Beantragung läuft über so genannte Mikrofinanzinstitute, von denen es derzeit etwa 40 in Deutschland gibt.

Übersteigt der Kapitalbedarf 20.000 Euro, dann könnte das StartGeld aus dem ERP-Gründerkredit-Programm in Frage kommen. Es handelt sich dabei um ein reines Darlehen ohne Beteiligung der Kapitalgeber am Unternehmen. Bei einer Neugründung, oder wenn die Gründung noch nicht länger als drei Jahre zurückliegt, können sogar bis zu 100.000 Euro aufgenommen werden. Bei Laufzeiten von fünf oder zehn Jahren besteht die Möglichkeit, dass im ersten beziehungsweise in den ersten beiden Jahren keine Tilgung aufgebracht werden muss und nur Zinsen bezahlt werden. Dies ist vor allem für Startups interessant, deren Projekte in der Seedphase noch keinen Ertrag für eine umfangreiche Rückzahlung des Kredites erwirtschaften können. Das ERP-Programm richtet sich in erster Linie an Freiberufler. Allerdings können auch Gründerteams, die zum Beispiel als GbR, GmbH oder UG fungieren, das StartGeld beantragen. Dies bietet zudem den Vorteil, dass das Kreditmaximum von 100.000 Euro je Gründer gewährt werden kann. Die Kreditvergabe läuft über die KfW-Bankengruppe, für die Beantragung ist jedoch die Zusammenarbeit mit der eigenen Hausbank notwendig.

Zahlreiche Möglichkeiten

Die Finanzierungsmöglichkeiten für Existenzgründer und Initiatoren von Online-Projekten sind vielfältig. Dies bedeutet aber zum Leidwesen vieler kreativer Köpfe nicht, dass sie ohne das Putzen vieler Klinken an die verschiedenen Geldtöpfe herankommen. Eine gut durchdachte Idee und großes persönliches Engagement sind bei jeder genannten Finanzierungsform – und darüber hinaus – die Basis. Wer dies beherzigt, wird unter den verschiedenen Finanzierungsarten bestimmt die richtige(n) für sich finden.

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3 Kommentare
Wolke
Wolke

Eure Print-Routine ist Murks oder zumindest nicht zu Ende gedacht. Da der Druck-Button nur auf der letzten Seite des Artikels erscheint, könnte man ja davon ausgehen, dass damit der gesamte Artikel druckoptimiert angezeigt wird. Dem ist aber nicht so. Es wird nur die letzte Seite druckfertig angezeigt. Es macht natürlich Sinn, von einem dreiseitigen Artikel nur die letzte Seite auszudrucken… ;-)

Ach ja und der Druck-Button verschwindet manchmal auch einfach?!?

Lars Budde

@Wolke: Vielen Dank für die Info. Ich habe das Problem weitergegeben.

David Maciejewski
David Maciejewski

@Wolke Die Printfunktion druckt nun alle Seiten aus. Danke für den Hinweis.