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Agenturchef Matthias Schrader im Interview: „Wir Deutschen denken immer erst ans Risiko“

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Matthias Schrader ist davon überzeugt, dass Produkte heute um intelligente Services erweitert werden müssen, um auch in Zukunft in der digitalen Welt bestehen zu können.
Matthias Schrader ist davon überzeugt, dass Produkte heute um intelligente Services erweitert werden müssen, um auch in Zukunft in der digitalen Welt bestehen zu können.

t3n Magazin: In den vergangenen zwei Jahren haben Tablets einen zusätzlichen Verkaufskanal im E-Commerce geschaffen. Welche Erfahrungswerte haben Sie mit Ihrer Agentur bezüglich der Tabletnutzung von Konsumenten bisher sammeln können?

Matthias Schrader: Die Nutzung lässt sich auf Basis unserer Analyse-Daten sehr gut ablesen. Am Wochenende ab 19 Uhr sitzen die Leute mit ihren iPads als Second Screen vermutlich auf dem Sofa, wenn der Fernseher läuft, und blättern in den Magazinen oder lassen sich von E-Commerce-Plattformen inspirieren und kaufen tatsächlich online ein. Es ist wirklich erstaunlich, es wirkt wie ein Nebenbei-Konsumieren. Es ist mehr ein „Lean Back“. Wir haben ja in den vergangenen 15 Jahren „Lean Forward“ und Zielkauf betrieben, aktiv gesucht und jetzt lehnen wir uns wieder zurück, wischen, tippen und kaufen – weil es einfach bequem ist.

t3n Magazin: Wie schätzen Sie den Stellenwert von Tablets als Einkaufskanal im E-Commerce ein?

Matthias Schrader: Tablets werden in dem gesamten E-Commerce-Kontext eine große Rolle spielen. Ob das jetzt 20 oder 50 Prozent sind, ist schwer zu sagen. Aber man kann Tablets eigentlich nicht mehr ausblenden. Jeder der heute im E-Commerce erfolgreich sein will, braucht eine sehr gute, touch-fähige Tablet-Website. E-Commerce-Unternehmen werden in Zukunft ihre Websites „Tablet-first“ entwerfen und gestalten. Anschließend machen sie daraus noch eine Variante für den Desktop, die sich aber ähnlich verhält und ähnlich aussieht wie die Tablet-Site. Und dann wird es noch eine mobile Version geben, die nochmal anders funktioniert – weil der Use-Case im mobilen Bereich eben ein ganz anderer ist.

t3n Magazin: Native Apps oder Web-Applikationen? Was wird sich Ihrer Meinung nach in Zukunft auf Tablets in Sachen E-Commerce durchsetzen?

Matthias Schrader: Anders als auf dem Smartphone, wird es auf dem Tablet nicht so viele große native iOS- oder Android-Apps im E-Commerce geben. Auf Tablets lässt sich mit HTML5 und dem großen Screen viel machen. Zudem ist der Use-Case einfach ein anderer: Auf dem kleinen Screen eines Smartphones gilt ein anderes Design-Paradigma, zudem muss eine Applikation schnell laufen, da die Nutzer wirklich unterwegs und mobil sind – da haben native Applikationen klar die Nase vorn. Wir sehen, dass Tablet-Nutzer meist aus dem WLAN aufs Internet zugreifen. Diese Nutzer sind nicht wirklich mobil: Sie sind zu Hause, im Café oder im Hotelzimmer. Auf dem Tablet wird sich deshalb eine HTML5-fähige, touch-optimierte Website durchsetzen.

t3n Magazin: Nutzen Sie persönlich Tablets?

Matthias Schrader: Ja, ich nutze Tablets recht viel. Für mich sind sie eine super Entertainment-, Lese- und E-Commerce-Maschine. Gelegentlich prüfe ich auch meine E-Mails, wenn ich unterwegs bin – aber selten. Manchmal auch produktiv schreiben, aber auch das ist selten. Für Präsentationen, wie ich sie oft erstellen muss, ist die Nutzung eher ein Krampf. Ich trenne da relativ stark zwischen privater und beruflicher Nutzung.

t3n Magazin: Wären denn vielleicht solche Post-Touch-Konzepte wie Google Glasses etwas für Sie?

Matthias Schrader: Die Google-Brille sollte man sich auf jeden Fall anschauen, aber ich glaube, solche Konzepte befinden sich noch im Laborstatus. Wenn heute jemand abstrakt fragen würde, ob es nicht toll wäre, wenn man mit seinem Computer sprechen könnte, würde ich sagen: natürlich. Siri von Apple hört sich vom Konzept her gut an, allerdings finde ich es für den praktischen Einsatz im Alltag kaum brauchbar. Ich könnte mir vorstellen, dass es so ähnlich mit Google Glasses ist. Vom Konzept her klingt die Brille interessant: Ich schaue beispielsweise jemanden an und sehe sofort sein Linkedin-Profil samt Lebenslauf und wir könnten ein strukturiertes Small-Talk-Gespräch führen, weil ich dann gleichzeitig seinen Facebook- und Google+ Content sehe und bemerke, dass wir das gleiche Hobby haben. Aber wenn es ähnlich unpraktisch im alltäglichen Einsatz ist wie Siri bisher, ist es einfach der größte Murks.

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6 Kommentare
Lutz Möller
Lutz Möller

Bin der selben Meinung. Wir Deutschen denken leider erst ans Risiko, und was passieren könnte, als den Blick auf das Wesentliche, nämlich auf die Unternehmung, zu richten.

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Thilo
Thilo

Ich bin über die sehr beschränkte Sichtweise von Herrn Schrader, der sich als so weltoffenen Menschen gibt, dann doch sehr überrascht.

Wenn er schon den Autovergleich bedient, dann sollte er sich in der Branche mal sehr genau informieren. Die Elektronikentwicklung bei den Fahrzeugherstellern spielt in Deutschland. Selbst sei es ein Ford, ein GM: es findet in Deutschland statt. Selbsfahrende Fahrzeuge gibt es seit den 90er des letztens Jahrtausend, entwickelt in Deutschland. Ja, es besteht ein Unterschied was am Ende des Tages auf die Straße kommt. Das hat aber nichts mit dem TÜV zu tun. Die bittere Erfahrung hatte zuletzt Mercedes mit der E-Klasse Modelljahr W211 gemacht. Schlechte Presse durch liegenbleibende Fahrzeuge oder andere Probleme kann und will sich ein Fahrzeugkonzern nicht leisten. Der Image-Schaden ist kaum wieder gut zu machen. Die Techniker haben seit Jahren die Pläne in den Schubladen.
Wenn Herr Schrader von den Rückständen in der SW-Entwicklung spricht, dann maximal im PC-Bereich, denn im industriellen Bereich im Embedded ist hier Deutschland nur führend. Warum, weil gerade Silicon Valley nur basteln kann.
Genau das ist der Unterschied zwischen Deutschland und Amerika: in Deutschland kommen durchdachte Lösungen und aus Amerika mal schnell dahin gebastelte Lösungen. Im Web kann man das machen, einfach mal schnell ein Update einspielen. Bei einem Medizingerät nicht. Mich würde interessieren wie es dem Herrn Schrader gefallen würde, wenn während einer Untersuchung Freitag-Nachmittag der CT ausfällt und es dann heißt: der Siemens-Service kann erst am Montag-Morgen. Dann ist er in der Röhre gefangen.

Ich finde es immer wieder Schade, wenn Menschen sich so weltoffen geben und am Ende des Tages zeigen, wie wenig Ahnung sie von der Welt haben.

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Chris Jacobs
Chris Jacobs

Nicht nur der mangelnde Wissenstransfer ist bedenklich, auch die allgemeine Kommunikation hinsichtlich der Berufswahl angehender Absolventen: Selbst in führenden Business-Schools wird man immer noch als Exot wahrgenommen, falls die Digitalbranche mit in die Wahl einbezogen wird. Getreu dem Motto ‚entweder Konzern X oder Beratung Y‘.
Recht dramatischer Status quo und ebenso sinnbildlich für die Defizite im Vergleich mit den Staaten.

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Thilo
Thilo

Nachtrag:

Selbst im Bereich Service Design, im Gegensatz zu den Eindrücken von Herrn Schrader, Deutschland ganz vorne dabei. Gerade die Begründer des Service Design Thinking sind Deutsche. Marc Stickdorn macht in diesem Thema seinen Doktor am Management Institut in Insbruck. Mitstreiter, wie die beiden von Explore. Work. Experience., haben aus Nürnberg den Global Service Jam schon mehrfach organisiert, wo sie weltweit alle Leute zu diesem Thema versammeln. Diese beiden, haben auch schon Workshops für die australische Regierung, die französische Regierung gegeben und waren vor kurzem in Brasilien mit diesem Thema. Das Thema Service Design wird von Deutschen vorangetrieben.

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Matthias Schrader

Hallo Thilo,
nur zwei Dinge: dass im Valley nur gebastelt wird, halte ich – sorry – für typisch deutsche Arroganz. Ein guter Teil des weltweiten Softwaretalents arbeitet bei Google, Amazon, Apple und vielen, vielen weiteren Companies. Und die Geschäftsmodelle, die mit dieser Software-Intelligenz befeuert werden, ziehen jährlich Millardensummen von deutschen Unternehmen ab — und das mit unglaublich dynamischen Wachstumsraten. Embedded ist sicherlich eine Stärke hierzulande aber bietet keinen Schutz auf ewig. Im Bereich der incar Navi- und Entertainmentsysteme kann man schon erahnen, mit welcher Geschwindigkeit diese Welten binnen von zwei bis drei Moore-Zyklen in Richtung Android und Co wandern.

Zum Thema Service Design: da wir mit der NEXT SD jährlich eine der grösseren Service Design Konferenzen veranstalten, kennen wir die Szene und deren Treiber recht gut. Da habe ich kein anderes Bild über die Ursprünge.

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Die Risiken liegen anders als man denkt
Die Risiken liegen anders als man denkt

Ich würde gerne programmieren und gründen. Dafür brauche ich keinen einzigen Cent von irgendwelchen Investoren.
Aber ich habe keine Lust, Abmahnungen und Gerichtsprozesse zu bezahlen.

Ein Gründer von Subway (die mit den Fast-Food-Brötchen) meinte, heute könnte er Subway nicht mehr noch mal gründen wegen der Regularien . Oder siehe ‚Veoh‘ z.b. bei Wikipedia.
Oder mein-bus welche zum Glück gewonnen haben.
Ubahn-Pläne, Bus-Halte-Stellen-Pläne und natürlich Eisenbahn-Fahrpläne wollte ich schon vor Jahren crowden also per Handy-Kamera fotografieren, scannen und digitalisieren. Abmahnungen wie damals für die UBahn-Karten wollte ich mir aber sparen. Also plant m.W. die EU so ein Projekt. Mein Projekt hätte 0 Euro gekostet weil man es beispielsweise bei google-base hätte hosten können. Wieviel kostet das EU-Projekt ? Wann und ob werdet Ihr die EU-Ubahn-Pläne bekommen ? Kostenlos oder gegen Geld ?
Und als Bahnfahrer wollte ich natürlich schon vor Jahren sowas wie Zugradar programmieren.
Ich wollte Geld einsammeln um die Windows-Treiber-Sourcen bei den China-Programmierern freizukaufen um alle DVB-T-Windows-Sticks für 15 Euro auch unter Linux und MacOS laufen zu lassen. Heute nennt man das Crowdfunding und Kickstarter macht den Profit. Dasselbe mit Schulbüchern um das kostenlose Wissen zu verbreiten und per Werbeeinnahmen mich (mehr Leute braucht es nicht) durchzufüttern. Lehrerpensionen braucht es dann kaum noch und Bewerber müssen ihre Skills am Ipad beweisen um überhaupt eingeladen zu werden. Gefälschte Dr-Titel imprägnieren dann nicht mehr…
Usw.

Neulich wurden/werden bei HP und ich glaube auch bei Siemens Ingenieure entlassen. Von einem Technik-Studium kann man vermutlich nur abraten. Mit 30 ist man zu alt und die Chinesen sind oft viel leistungsfähiger.

Als Ingenieur/Informatiker würde ich vom Gründen abraten. Wenn man sieht wie viel Millionen investiert werden und wo das Geld vermutlich verbleibt, arbeitet man lieber für die Firmen die gute qualitative Software entwickeln und spart sich den Stress mit Abmahnungen, Verklagungen, Durchgriffs-Haftung auf Geschäftsführer usw. Siehe ‚veoh‘ wo m.W. auch die Eigentümer verklagt werden……

Jung-BWLer ohne Job bei Beraterfirmen sind viel eher als Gründer geeignet. Die Welt wartet auf leuchtende Fernbedienungen (siehe Snapper vs. Zapper aus dem Kinofilm), extragroße Donuts, Wal/Erd/Haselnuss-Schnaps, Wein-Bringdienste und die vielen anderen großartigen Gründer-Ideen von denen wir bei den entsprechenden Portalen oft genug (Gründung, Zwischenmeldungen, gelegentlich auch Insolvenz oder Aufkauf/Aufgabe,…) lesen kann…. .

Skype wurde m.W. beispielsweise in Europa (Luxemburg) gegründet. Und SAP und Software-AG gibts auch noch. ARM ist aus England. Amerika ist möglicherweise ein größerer zusammenhängender Markt als kleine Euroländer. Speziell als solche wo 40% der Bevölkerung gar kein Internet haben und die konservative Partei 40% der Stimmen kriegt (und ein paar % an die Koalitions-Partner abgibt). Die Türkei ist besser versorgt als manch großes Euro-Land und hat eine mehrfach höhere Twitter-Nutzung in der Bevölkerung als Deutschland.
Das man parallel am Second-Screen mitdiskutiert ist ein Wochen-End-Projekt. Aber ich weiss nicht wie viel die EPG-Lizenzen kosten und wenn man für alles haftet was die Leute machen spart man sich sowas also doch lieber. Und 1-Euro-GmbHs nutzen vermutlich wenig dank Geschäftsführer-Durchgriffs-Haftung.

Und manche Startups sind evtl nur Neue-Markt-Fortsetzungen. Andere Investoren wollen nur Steuern sparen und die Mitarbeiter sind Praktikanten. Wieso zahlen die keine Tariflöhne ? Wieso sehe ich überwiegend Praktikanten-Jobs in den Ausschreibungen ? Früher gabs Industrieunternehmen wo der Betriebsrat verbot, das Leute mit Diplom als Werks-Studenten (also „unterbezahlt“ gegenüber dem üblichen Tariflohn mit dem man eine Familie ernähren und zur Uni schicken und ein Haus abbezahlen konnte) arbeiten durften. Wer heute ein Diplom hat, kann sich mit Optionen bezahlen lassen und nach der Firmenpleite oder Entlassungs-Welle mit 30 oft genug zwangsweise Freiberufler werden. Praktikanten zahlen keine Rentenbeiträge. Rente gibts bald doch erst ab 40 Beitrags-Jahren habe ich neulich gelesen. Rechnet mal rückwärts ab wann man nach dem Studium durchgängig arbeitslosigkeits-frei arbeiten muss um überhaupt mal die Mindest-Rente als Diplom-Informatiker zu kriegen…

Und wer zu Hause am Pad surft, merkt gar nicht wie übel programmiert viele Apps am Phone unter 2G/3G funktionieren und wie langsam alles ist. Auch google spielt diesen Marktvorteil nicht durch proxy-compression-caches aus um sich einen massiven Speed-Vorteil gegen iOS zu erarbeiten wo Webkit megabytes mit 2G/3G bei vielen Homepages runterlädt und die UMTS-Flat nach einer Woche verbraucht ist und man bis Monats-Ende GSM machen darf.

@Thilo: General Electric macht viel was auch Siemens macht. Also auch Medizin-Technik. Deren Geräte funktionieren vermutlich auch. Zumindest machen die mit CRT/MTR(?)-Bildern Werbung im TV.
Es ist auch oft so, das es nur 2-5 Anbieter gibt. In vielen Branchen. Echte Mittelständler haben aber andere Interessen als Großkonzerne die Startups kaufen und dann kaum weiterentwickeln (Skype bei Ebay, ICQ bei AOL, Paypal bei Ebay, Dodgeball/DMOZ/Base/… bei Google, IMDB bei ich glaube Amazon usw.,…) oder als BWLer-Studenten die keinen Berater-Job bekommen haben und eine Firma gründen (müssen) vielleicht nur um keine Lücke im Lebenslauf zu haben. Eine Ontologie (Info-Grafik, Übersicht) der Investoren-Interessen würde schnell klarmachen wieso so viele Startups scheitern oder wieso z.B. manche Macher schlechter Filme immer wieder Filme finanziert bekommen.

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