Startups

Star-Investor Dave McClure im Interview: „Ich investiere in langweiligen Scheiß“

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t3n Magazin: Was sind die heißesten Tech-Trends, die unser Leben in den nächsten Jahren verändern werden?

McClure: Da fragst du leider den Falschen.

t3n Magazin: Warum denn das?

McClure: Weil ich lieber in langweiligen Scheiß investiere. Langweiliger Scheiß, der Geld abwirft. Wir machen deshalb eine Menge E-Commerce, viel Software-as-a-Service. Education, Food-Tech und Family-Tech liefen in der Vergangenheit auch immer ganz gut. Aktuell steht bei uns der Bereich Digital Healthcare hoch im Kurs. Ich denke aber, dass Virtual Reality, Drohnen und künstliche Intelligenz die zweifellos wichtigsten Trends der nächsten Jahre sein werden. Aber nochmal: Wir konzentrieren uns primär auf Startups, die echte Probleme lösen, ein nachvollziehbares Geschäftsmodell haben und skalierfähig sind.

Gefürchteter Kritiker: McClure, hier bei der TechCrunch Disrupt Europe in Berlin, nimmt gegenüber Startup-Gründern kein Blatt vor den Mund. (Foto: TechCrunch / Flickr)

Gefürchteter Kritiker: McClure, hier bei der TechCrunch Disrupt Europe in Berlin, nimmt gegenüber Startup-Gründern kein Blatt vor den Mund. (Foto: TechCrunch / Flickr)

 

t3n Magazin: Kannst du ein paar potente Beispiele nennen?

McClure: Ich denke, dass wir inzwischen schon einige Einhörner im Stall haben – Startups, die mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet sind. Die Finanzplattform Credit Karma und der cloudbasierte Kommunikationsdienst Twilio gehören dazu. Dann gibt es noch die Zentauren, das sind alle mit einer Bewertung über 100 Millionen US-Dollar. Davon haben wir derzeit 25 Stück im Portfolio. Viva Real zum Beispiel, ein Marktplatz für Immobilien. Etwas schwieriger ist es, schon Vorhersagen für unsere Unternehmen aus dem Accelerator zu treffen, da diese noch vergleichsweise jung sind. Wir sehen aber, dass Talk Desk, ein Callcenter-Dienst für KMUs, und ToutApp, eine E-Mail-Lösung für Sales-Spezialisten, sehr gut funktionieren.

t3n Magazin: Wie schätzt du die deutsche Gründerszene ein?

McClure: Deutschland ist ein großartiges Pflaster für Startups, vor allem Berlin scheint inzwischen wirklich zum „Place to be“ geworden zu sein. Mit Shippo und Versus haben wir ja auch schon in zwei deutsche Startups investiert, die in die USA gekommen sind. Gemessen an der positiven Entwicklung der deutschen Startup-Szene in den letzten Jahren haben wir mit „500 Startups“ bisher jedoch relativ wenig dort investiert. Da können und wollen wir in Zukunft mehr tun. Letztlich ist es nur eine Frage der richtigen Person, die das Geschäft dort aufbauen kann. Es würde mich jedenfalls sehr überraschen, wenn wir demnächst nicht auch in Deutschland auf der Matte stehen.

t3n Magazin: Als Aushängeschild von „500 Startups“ bist du international ja ohnehin sehr umtriebig. Dennoch kommst du in der Szene nicht bei allen gut an: Immer wieder gibst du dich auf öffentlichen Konferenzen als Hardliner, der ambitionierte Gründungsideen schonungslos zunichtemacht. Wie stehst du zu diesem Vorwurf?

McClure: Tja, ich bin eben ein Arschloch.

t3n Magazin: Das klingt jetzt sehr ehrlich …

McClure: Wenn du nicht ehrlich mit Gründern umgehst, erweist du ihnen einen Bärendienst. Ganz einfach. Viele Investoren schauen sich deinen Pitch an, sagen dir aber nicht, was sie wirklich über deine Idee denken, auch wenn sie vielleicht völliger Bullshit ist. Das ist ein großes Problem. Es erschwert die anschließende Iteration deines Produkts unnötig. Was ich tue ist daher nichts anderes, als laut zu denken. Im Klartext: Finde ich dich als Person scheiße, sag ich’s dir. Finde ich dein Produkt scheiße, sag ich’s dir. Finde ich deine Strategie scheiße, sag ich’s dir. Merke ich, dass du Luftschlösser baust, sag ich’s dir. Das mögen einige als hart empfinden und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich öffentlich so polarisiere. Ich bin aber überzeugt, dass die meisten Leute meine Meinung als Arschloch sehr schätzen – ob positiv oder negativ.

t3n Magazin: Bei allem Gerede über Startups rückt dein Privatleben ziemlich in den Hintergrund. Was denkt deine Familie eigentlich über dein Leben?

McClure: Die hält mich für genauso verrückt. Meine zwei Kinder sehe ich allenfalls morgens und an Wochenenden. Ich bin ganze sechs Monate im Jahr unterwegs, 100 Tage verbringe ich wahrscheinlich nur im Flieger. Meine Frau war Musikerin, bevor wir Kinder in die Welt gesetzt haben, insofern hat sie hoffentlich noch etwas Verständnis für meinen Lifestyle. Trotzdem: Das ist nicht immer leicht.

t3n Magazin: Wie schaltest du von der Arbeit ab?

McClure: Mit Schlaf! Wenn ich aber mal Zuhause bin, beschäftige ich mich entweder mit meinen Kids oder schaue Fernsehen. Ich bin süchtig nach Cartoons. Ansonsten bin ich auch immer für eine Partie Ultimate Frisbee zu haben. Vorausgesetzt, meine Knie lassen das zu. Gütiger Gott, ich werd nächstes Jahr schon fuffzig.

t3n Magazin: Welche Tools dürfen dir im Arbeitsalltag nicht fehlen?

McClure: Techmeme und Nuzzel, um informiert zu bleiben. Twitter, Facebook und WhatsApp verstehen sich von selbst. Bei „500 Startups“ setzen wir für die Team-Kommunikation auf Slack und WeChat. Meine To-do-Liste pflege ich übrigens mit Google Docs, aber ich vergeude immer mehr Zeit damit, To-dos anzulegen, als sie am Ende wirklich zu erledigen.

t3n Magazin: Und jetzt öffnen wir noch die Büchse der Pandora: Wie viel Kohle hast Du aktuell auf dem Konto?

McClure: Nicht so viel, wie ich gerne hätte. Ich meine, klar, auf dem Papier mag ich Millionär sein. Tatsächlich aber habe ich derzeit mit Sicherheit weniger als eine Million US-Dollar auf dem Konto. Die meiste meiner Kohle steckt eben in irgendwelchen Unternehmen.

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