Karriere

Moderne Mitarbeiterführung: Von oben herab geht gar nicht mehr [Interview]

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Julia Hartz im t3n-Interview

Mitarbeiterfuehrung-Hartz

t3n Magazin: Wie stellt ihr sicher, dass ihr eure Mitarbeiter entsprechend ihrer Fähigkeiten fördert und fordert?

Julia Hartz:  Unsere Mitarbeiter – wir nennen uns augenzwinkernd Britelinge – nehmen wir ernst. Wir pflegen unser Verhältnis im Rahmen einer transparenten Firmenkultur, die auf Teamwork und ständiges Lernen setzt. Jeder Briteling hat seine ganz eigene Vorstellung davon, was eine erfolgreiche Karriere ausmacht. Deswegen gehen wir einzeln auf jeden zu, um ihn oder sie dabei zu unterstützen, den jeweils passenden Weg zu wählen und zu gehen. Dass das funktioniert, zeigen die vielen Transfers zwischen unseren Abteilungen und die regelmäßigen Gespräche zwischen den Managern und ihren Teams.

Gleichzeitig versuchen wir über größtmögliche Transparenz sicherzustellen, dass alle verstehen, wohin die Reise des gesamten Unternehmens gehen soll – damit alle auf das gleiche Ziel hinarbeiten und wir so letztlich erfolgreich sind. Jeden Monat haben wir Team-Meetings mit dem gesamten Unternehmen – also mit circa 500 Mitarbeitern weltweit – in denen wichtige Neuigkeiten und Updates besprochen werden.

Darüber hinaus halten Kevin Hartz und ich wöchentliche offene Meetings ab, wir nennen sie „Hearts to Hartz“, in denen wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit geben und sie dazu ermutigen, uns Fragen zu allen möglichen Themen zu stellen, auch kontroverse, die wir dann ehrlich beantworten. „Hearts to Hartz“ streamen wir online, sodass auch die Leute, die in unseren internationalen Büros oder zu Hause arbeiten, daran teilnehmen können. Darüber hinaus haben wir zusätzliche Slots für die unterschiedlichen Zeitzonen eingerichtet, in denen wir präsent sind, also etwa in Australien oder Deutschland.

t3n Magazin: Wie motiviert ihr eure Mitarbeiter?

Hartz: Wir haben die typischen „Perks“, die die meisten Technologieunternehmen anbieten. Dazu gehört kostenloses Essen, Fitnesskurse, Zuschüsse für Fahrräder und Zubehör und vieles mehr. Die sind bei uns allerdings immer zweckgebunden und ergeben langfristig auch für das Unternehmen einen Sinn. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter nicht mit leerem Magen arbeiten und fit bleiben, dass sie zufrieden und ausgeglichen leben.

Außerdem haben wir zum Beispiel keine Zeiterfassung und vertrauen unseren Angestellten. Natürlich stellen wir dann auch Menschen ein, die es schätzen, dass wir Ihnen vertrauen, die gerne eigenverantwortlich arbeiten. Und das fördern wir, indem wir eine angenehme Arbeitsumgebung schaffen: Zum Beispiel mit Laufbandtischen, ruhigen Zimmern für Powernaps, einem Massage- und Akkupunkturservice und so weiter. Darüber hinaus können unsere Britelinge ihre Hunde mit zur Arbeit bringen – zumindest in den Ländern, die das erlauben – und so viel Urlaub nehmen, wie sie brauchen.

Natürlich ermutigen wir jeden Mitarbeiter dazu, auch mal zu einigen der Veranstaltungen zu gehen, die über uns abgewickelt werden. Wir glauben ja wirklich daran, dass es gut für jeden ist, oft aus dem Haus zu gehen und etwas Neues zu erleben, neue Menschen zu treffen und ständig zu lernen. Das klingt für deutsche Ohren jetzt sicher stark überhöht. Aber wir denken, dass Menschen erfüllter leben, wenn sie öfter ausgehen und mehr erleben.

t3n Magazin: Was tut ihr, um eure Mitarbeiter im transparenter werdenden Arbeitsmarkt zu halten?

Hartz: Wir zahlen gut und bieten nette Extras an. Das machen andere natürlich auch. Aber unsere Mitarbeiter bleiben, weil wir ihnen individuell zeigen können, was und wie sie zum Unternehmenserfolg beitragen können. Und wer erst mal das Gefühl bekommt, dass er oder sie eben nicht nur ein kleines Rädchen ist, sondern echten Einfluss auf das Unternehmensziel hat, der ist motivierter und engagierter. Und bleibt.

t3n Magazin: Welche Softskills muss jede Führungskraft heute mitbringen?

Hartz: Sie müssen gut zuhören und kommunizieren können. Ein guter Manager braucht nicht nur einen hohen Intelligenzquotienten. Er oder sie muss das mit hoher Empathie – sozusagen mit einem hohen Emotionsquotienten – untermauern. Ganz praktisch gesprochen heißt das, dass Topmanager Körpersprache lesen und andere nonverbale Signale verstehen können müssen, wenn die „normale“ Kommunikation versagt. Sie müssen in der Lage sein, ihre Teams mitzureißen. Das können sie aber nur als Folge von starken persönlichen Beziehungen. Die wiederum basieren auf Vertrauen und das will verdient werden.

t3n Magazin: Wie wichtig ist es euch, eure Mitarbeiter bei wichtigen Entscheidungsfindungsprozessen zu involvieren?

Hartz: Das hängt natürlich von der jeweiligen Entscheidung ab, aber generell geben wir unseren Mitarbeitern eine starke Stimme. Das bringt sie einerseits noch stärker ins Unternehmen ein und fördert ihre Motivation. Andererseits hilft uns das Feedback dabei, fundierte und besser informierte Entscheidungen zu fällen.

Das heißt natürlich nicht, dass wir auf hundertprozentigen Konsens setzen. Das würde das ganze Unternehmen zum Stillstand bringen und dafür wachsen wir zu schnell. Für alle Beteiligten ist von Anfang an klar, wer letzten Endes die Entscheidung fällt, aber in unserer kollaborativen Kultur steht es jedem frei, seine Meinung zur Geltung zu bringen und diese Entscheidung zu beeinflussen.

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