Karriere

Moderne Mitarbeiterführung: Von oben herab geht gar nicht mehr [Interview]

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Sirka Laudon im t3n-Interview

Mitarbeiterfuehrung-Laudon

t3n Magazin: Wie stellt ihr sicher, dass ihr eure Mitarbeiter entsprechend ihrer Fähigkeiten fördert und fordert?

Sirka Laudon: Bei Axel Springer setzen wir auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und räumen ihnen dafür Freiräume ein. In jährlichen Entwicklungsgesprächen besprechen Führungskraft und Mitarbeiter ausführlich die individuellen Entwicklungsziele und legen sie konkret fest. Um diese erreichen zu können, ist ein breites Qualifizierungsangebot wichtig – von multimedialem Storytelling für Redaktionen und Design Thinking für kreative Ideenfindung bis hin zu Mentoring-Programmen, in denen sich Mitarbeiter und Führungskräfte abteilungsübergreifend austauschen.

Zudem motivieren wir unsere Mitarbeiter in anderen Abteilungen des Hauses zu hospitieren, um andere Bereiche und deren Tools sowie Arbeitsweisen kennenzulernen und gegebenenfalls in den eigenen Bereich zu integrieren. So lernen wir gegenseitig voneinander. Die Mitarbeiter und damit auch das Unternehmen profitieren davon. Uns ist neben der fachlichen Qualifizierung auch die persönliche Entwicklung wichtig. Wer sich neugierig neuen Themen stellt, wird auch andere begeistern und mitreißen.

t3n Magazin: Wie motiviert ihr eure Mitarbeiter?

Laudon: Wenn man will, dass die Mitarbeiter stets auf dem neuesten Stand sind, muss man sie mit Arbeitsmitteln und -methoden arbeiten lassen, die „state of the art“ sind. Wir befinden uns in einem digitalen Transformationsprozess, indem wir ständig neue Dinge lernen, ausprobieren oder auch wieder verwerfen. Nicht nur das gehört zu dem Kulturwandel, den das Haus gerade durchläuft. Wir möchten Mitarbeitern Lust darauf machen, ihren Job mit Leben zu füllen, die Dinge in die Hand zu nehmen und über sich hinauszuwachsen. Wichtig ist, den Mitarbeitern auch zu vermitteln, dass Misserfolge dazugehören und die eventuellen Fehler später die richtigen Erkenntnisse liefern.

t3n Magazin: Was tut ihr, um eure Mitarbeiter im transparenter werdenden Arbeitsmarkt zu halten?

Laudon: Als Konzern, der sich zum Ziel gesetzt hat, der führende digitale Verlag zu werden, kämpfen wir im „war for talents“ mit den Startups um die besten IT-Talente. Alle Chancen eines Startups – das ist auch das Motto unserer aktuellen Arbeitgebermarkenkampagne. Als Arbeitgeber wollen wir dafür aber das Beste aus zwei Welten bieten: die Arbeitskultur und Dynamik der Gründerszene mit allen Vorteilen und die Vielfalt eines großen, internationalen Unternehmensverbunds, mit ansprechenden Arbeitskonditionen, einem systematischen Talent-Management und einer betriebseigenen Kita. Wer diese beiden Welten haben will, wird das bei uns vorfinden.

t3n Magazin: Welche Softskills muss jede Führungskraft heute mitbringen?

Laudon: Worauf es heute ankommt, haben 70 Führungskräfte sehr anschaulich auf dem Management Summit im März 2013 während einer Learning-Journey ins Silicon Valley erlebt: Agilität in den Prozessen und schnelle Umsetzung, Vertrauen in flache Hierarchien statt Kontrolle, Wissen teilen statt Hoheitswissen, ein Miteinander auf Augenhöhe, Vernetzungsfähigkeit und Technikkompetenz. Diese dialogorientierte Art der Führung findet sich auch maßgeblich in den drei grundsätzlichen Werten Kreativität, Unternehmertum und Integrität wieder, die bei Axel Springer gelebt werden.

t3n Magazin: Wie wichtig ist es euch, eure Mitarbeiter bei wichtigen Entscheidungsfindungsprozessen zu involvieren?

Laudon: Es ist enorm wichtig, die Mitarbeiter bei wichtigen Fragen und Zukunftsthemen mit ins Boot zu holen. Allerdings kann in einem so großen Unternehmen nicht alles gemeinsam entschieden werden. Im Januar 2014 starteten wir mit „move“, einer Initiative der Personalentwicklung, die für Aufbruch und Bewegung steht und den Transformationsprozess im Unternehmen vorantreiben soll. Zu „move“ gehört eine Vielzahl von Formaten, Maßnahmen und Angeboten, die sich mit Zukunftsthemen, Trends und der digitalen Welt beschäftigen. Mit der Initiative wollen wir allen Mitarbeitern des Hauses die digitalen Transformation näher bringen. „move“ ist für uns die Plattform, auf der Mitarbeiter Feedback geben und Ideen einbringen können. Unterschiedliche interne Netzwerkveranstaltungen und auch klassische Mitarbeiterbefragungen sind weitere Maßnahmen, mit denen wir mit möglichst vielen Mitarbeitern in den Dialog treten und ihre Meinungen einholen.

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