Interview

Muss Arbeit immer Spaß machen? Philosophin Marie-Luise Goldmann im Interview

Philosophin Marie-Luise Goldmann. (Foto: Jonathan Shugarman)

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Die Philosophin und Literaturwissenschaftlerin Marie-Luise Goldmann warnt vor einem Spaß-Imperativ in der heutigen Gesellschaft. Müssen sich die Ansprüche an Arbeit verändern?

Für eine Fachrichtung entscheiden und durchziehen: Mit der Einstellung ist die Philosophin und Literaturwissenschaftlerin Marie-Luise Goldmann selbst ins Studium gestartet. Und hat eine Fächerkombination gewählt, von der sie sich am meisten Spaß versprochen hat – eine Maßgabe, an der sie heute viele Probleme erkennt. Warum, erklärt sie im Interview.

t3n: Frau Goldmann, für Ihre Promotion haben Sie Hunderte Bücher gelesen – hatten Sie immer Spaß daran?

Marie-Luise Goldmann: Kommt drauf an, was Sie unter Spaß verstehen. Natürlich gibt es unglaublich langatmige Geschichten, zum Beispiel im Realismus ziehen sich Landschaftsbeschreibungen seitenlang hin. Diese Langeweile ist schon besonders. Aber das Spannende ist ja: Wenn man erst mal drin ist in diesen langen Beschreibungen, entwickelt man einen anderen Zeitbezug. Das ist der Flow der Langeweile – auch wichtig, um kreativ zu werden. Dieses Flow-Erlebnis würde ich genauso als Spaß bezeichnen.

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t3n: Und doch bei anhaltender Langeweile an Ihrem Job zweifeln …

Ja, sicher. Das ist aber schade, denn unsere Sichtweise auf Arbeit ist heute recht eingeschränkt. Viele Menschen suchen nach einem Job, der ihnen in erster Linie Spaß macht. Damit meinen sie, wenn man genauer nachfragt: entweder Flow-Erlebnisse – oder Identifikation, also den Wunsch, in einer Tätigkeit als Mensch vollständig aufzugehen und sich gerade durch die Arbeit weiterzuentwickeln. Dabei gibt es viele weitere Bereiche, über die wir uns definieren könnten: etwa Freizeit­beschäftigungen oder die Familie und das soziale Netz.

t3n: Aber erst mal ist an Spaß bei der Arbeit doch nichts auszusetzen.

Nein, natürlich nicht. Spaß ist wichtig. Das Problem ist aber die Logik dahinter, die stark kapitalistisch geprägt ist: Einerseits ist es in der heutigen Gesellschaft erstrebenswert, viel zu leisten – und andererseits: nicht darunter zu leiden. Das unterscheidet die heutige Sichtweise von der Leistungsgesellschaft zur Zeit des Protestantismus, als harte Arbeit noch stärker mit Askese verknüpft war. Es galt, hart zu arbeiten, um später im Leben eine Belohnung zu erhalten, im Extremfall erst im Jenseits von Gott. Heute liegt der Fokus im Diesseits: Wir streben die Beschäftigungen an, die schon jetzt und währenddessen Spaß machen. Das führt einerseits dazu, dass bestimmte Jobs etwa in der Alten- und Krankenpflege erst gar nicht mehr gewählt werden – und andererseits ganz individuell zu einem höheren Selbstverwirklichungsdruck und Unzufriedenheit: Wenn es mal nicht so läuft, denkt man schnell, dass man etwas falsch gemacht hat im Leben.

„Wenn es mal nicht so läuft, denkt man schnell, dass man etwas falsch gemacht hat im ­Leben.“

t3n: Ist das aber insgesamt nicht eine gute Entwicklung, dass Spaß bei der Arbeit stärker in den Fokus rückt?

Der Berliner Philosoph Byung-Chul Han ­kritisiert, dass man das auch der Selbstausbeutungsdynamik des ­Kapitalismus zuschreiben kann: Die Arbeit lässt uns zu besseren Menschen werden – statt sich im Hobby oder dem ­sozialen Umfeld zu verwirklichen, ordnen ­viele ­Menschen sogar die Freizeit dem Ziel ­unter, im Job besser zu werden. So internalisieren wir den Druck, den früher etwa Chefinnen und Chefs oder die Eltern ausgeübt haben: Wir organisieren und motivieren uns selbst und wollen das auch noch jeden Tag gerne machen.

t3n: Was fehlt Ihnen bei der Sichtweise?

Dass Arbeit auf viele Arten erfüllend sein kann, auch wenn sie nicht permanent Spaß macht. Zum Beispiel gibt es Jobs, die das Gefühl geben, den Tag über etwas Sinnvolles getan oder etwas Überdauern­des geschaffen zu haben, was Hannah Arendt mit dem Gedanken des „Herstellens“ beschrieben hat. Außerdem kann Arbeit – überhaupt etwas zu tun zu haben – auch einfach ablenken von den großen Sinnkrisen des Lebens oder Gedanken an den Tod, wie es etwa die Schriftstellerin Marlen Haushofer in ihrem 1963 erschienenen Roman „Die Wand“ vermittelt. Darin ist eine Frau durch eine unsichtbare Sperre von der Außenwelt abgetrennt, und die harte Feldarbeit hilft ihr, ihre Ausweglosigkeit zu vergessen.

t3n: Welche Maßstäbe würden Sie statt Spaß an gute Arbeit anlegen?

Die Frage ist ja, wonach man sucht: Muss man immer im Moment schon Spaß haben oder reicht es, abends zufrieden zu sein oder längerfristig mit sich und einem sinnvollen Job im Reinen zu sein?

Passend dazu: Abschalten vom Beruf: 11 Menschen erzählen, wie sie ihre Akkus laden

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17 Kommentare
Susi
Susi

Na dann ab – harte Feldarbeit machen – Erntehelfer sind eh gefragt in diesen Zeiten

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Werner
Werner

Arbeit kann kaum Spass machen, braucht es auch nicht, Spass ist der völlig falsche Begriff .
Arbeit soll , darf und muss Freude und Erfüllung bereiten, wenn ich Spass haben will gehe ich auch einen Jahrmarkt oder Kirtag !

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Dan
Dan

Die Identifikation der „Arbeiter“ mit der Arbeit über die Befriedung des Lustprinzips ist längst zum modus operandi der Arbeitsgesellschaft in den westlichen Staaten geworden. Was Aldous Huxley als Dystopie antizipierte, hat man sich in dieser Sphäre zum Modell genommen. Früher gab’s die Peitsche, heute gibt’s das Zuckerbrot – in Form von work-life-balances, Playstations und Yogaräumen am Arbeitsplatz….

Zitat aus dem Artikel.
„Darin ist eine Frau durch eine unsichtbare Sperre von der Außenwelt abgetrennt, und die harte Feldarbeit hilft ihr, ihre Ausweglosigkeit zu vergessen.“
Ja, man kann mit allerlei Fantasmen und Narrativen als Rechtfertigungsideologie die Arbeit in ein schönes Licht rücken, aber das maskiert den Schmutz und Dreck nur – Bestand hat dieser trotzdem. Wenn die Menschen die äußere Herrschaft am Arbeitsplatz verinnerlicht haben, sodass jene äußere Herrschaft nicht mehr notwendig ist, ist das zunächst gut; trotzdem bleibt Herrschaft bestehen, ganz im Sinne von Adorno, der mal über die Angestelltengesellschaft sagte, in ihr seien die Menschen zu „Verwaltungsfunktionären ihrer selbst“ geworden.

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David Gebarda
David Gebarda

Ist man Philosoph(in), weil man Philosophie studiert hat? Dann wäre man ja auch Künstler, weil man Kunst studiert hat. Wenn man sich die Veröffentlichung der Dame ansieht, scheint es, als fokussiere sie sich in ihrer professionellen Laufbahn eher auf das Gebiet der Literaturwissenschaft.
Ich möchte ihr weder fehlende Kenntnis, noch fehlende Kompetenz unterstellen – dennoch wird die Bezeichnung „Philosophin“ vielleicht etwas zu inflationär verwendet, wenn zum Philosophen das Philosophiestudium macht.

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Jochen
Jochen

Welches andere Kriterium außer einem Philosophiestudium würde denn die Bezeichnung „Philosophin“ rechtfertigen? Natürlich gehört dann zu einem (erfolgreich absolvierten) Philosophiestudium auch die ein oder andere wissenschaftlich relevante Veröffentlichung – die Frau Goldmann als Dr. phil. (oder zumindest Doktorandin) aber definitiv geleistet hat.
Mir fiele als alternative Bezeichnung auch nur so etwas ein wie „Publizistin“.

Aufgabe (und wissenschaftlicher Forschungsansatz) des Philosophen ist es nunmal, über den Tellerrand zu schauen und die großen Zusammenhänge in den Blick zu nehmen. Deshalb schaut Frau Goldmann selbstverständlich auch auf die Literatur, um gesellschaftlich relevante Phänomene umfassender beurteilen zu können. Die Philosophie als wissenschaftliche Disziplin hat – außer vielleicht der von Odo Marquard benannten Inkompetenzkompensationskompetenz – kein eigenes Forschungsgebiet (mehr). Sie sorgt neben der Klärung ethisch-moralischer Fragestellungen sowohl für das Fundament als auch den Überbau (fast) aller Wissenschaften – und somit der Erkenntnis und dem Wissensfortschritt der Menschheit.

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Steffi
Steffi

Puhh,
also da hätte ich mir jetzt etwas fundiertere Erklärungen gewünscht. So ist es Ihre persönliche Meinung. Damit auch total in Ordnung. Immerhin ärgert sich sich nach ihrem Studium scheinbar die Fächer nach interesse und nicht nach – nach was eigentlich gewählt zu haben.

Es fehlt die Definition von Spaß und was andere damit meinen könnten, ist auch keine Grundlage, um dann zu diskutieren. Ich frage mich auch, wie die (ich arbeite bis ich umfalle für eine bessere Zukunft Generation) ernsthaft mehr Zeit für Hobby und Freizeit gehabt haben soll. Ist es heute nicht eher so dass genau das nicht mehr funktioniert. Mehr zu verdienen als die Eltern. Hinterher sich was leisten können.

Ist doch ein ganz schöner Trend seinen Job mit Spaß zu machen. Mir ist immer lieber jemand macht seinen Job gerne. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, derjenige macht ihn dann besser. Aber das ist wohl ein anderes Thema.

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Marcel Medrano
Marcel Medrano

Spaß bei der Arbeit? Was die Menschen nicht nur wollen sondern brauchen ist eine befriedigende Lebensführung. Das was wir Arbeit nennen gehört hier dazu. Die extrem steigenden Zahlen von Depressionen, Burnout und anderen Stresssymptomen zeigen, dass es heute schwerer denn je ist, ein zufriedenes Leben zu führen. Entscheidend für das Verständnis dieser Problematik ist es anzuerkennen, dass der Mensch, wie jeder andere Organismus auch, angeborene Bedürfnisse hat. Diese kann unsere Leistungsgesellschaft ganz offensichtlich nicht mehr befriedigen, was an den genannten Problemen zu erkennen ist. Die Gründe sind vielfältig. Das soziale Leben in Form von Familie und anderen Solidargemeinschaften ist in den letzten Jahrhunderten fast vollständig zerstört worden. Der Arbeit fehlt zumeist jeder tiefere oder direkt erfahrbare Sinn, so dass es schwer ist, sie als befriedigend zu empfinden. Die überwältigende Fülle an Möglichkeiten zur (Selbst-) Optimierung gepaart mit der Notwendigkeit, diese in unserer Leistungsgesellschaft auch zu nutzen, verursacht Stress. Darüber hinaus gibt es unzählige weitere Stressquellen, die es so in der Vergangenheit nicht gab. Denken wir nur an Lärm, Mediennutzung, Umweltgifte, Strahlung ect.
Die Diskussion im Artikel, geht aus den genannten Gründen nicht tief genug. Die Behauptung, Arbeit müsse nicht notwendigerweise Spaß machen, erscheint mir recht oberflächlich und eher falsch. Der Mensch braucht sehr wohl eine Arbeit, die ihm Freude macht in dem Sinne, dass er sie als befriedigend erfahren kann. Das schließt auch anstrengende Arbeit nicht aus. Nur die oftmals recht sinnentleerten Betätigungen der heutigen Zeit können diesen Anspruch leider oft nicht ausreichend befriedigen. Es ließen sich weiter wichtige Punkte ergänzen. Nur vielleicht noch soviel. Arbeite ich ohne eigene Motivation (Freude), verursacht innere Konflikte, weil ich eigentlich lieber was anderes tun würde. Die folge ist Stress. Und den sehen wir überall. Er ist die größte aber unterschätzte Pandemie unserer Zeit.

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K.Wunder
K.Wunder

Was die liebe Frau hier umständlich erklärt hat läßt sich einfach mit einem Satz von Albert Einstein
sinngemäß ausdrücken : Verbinde Deinen Lebensweg mit einem Ziel !

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Meike
Meike

Es geht doch nicht nur um Spass bei der Arbeit, aber letztlich definiert man sich doch ein Stück weit über den Job/Beruf, weil man leider Gottes die meiste Zeit auf der Arbeit verbringt, und nicht mit Freizeit oder der Familie…
Wichtiger ist doch ob die Arbeit und mal selber als Mensch wertgeschätzt und gut behandelt wird und sich fühlt als wenn man etwas beiträgt. Das ist doch den meisten Menschen viel Wichtiger als „Spass“!
Oder sehe ich das falsch?
Und wieso kann ein Job als Krankenschwester/Altenpflegerin nicht auch Spass machen? Wenn man eine fürsorgliche Person ist, wäre das doch ein schöner Beruf. Und harte Arbeit nur um sich abzulenken von seinen Sinnkrisen?..? Naja, ob das jetzt der Anspruch an eine Arbeit sein sollte wage ich zu bezweifeln… Insgesamt ein etwas komischer Artikel…

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Richard Löffler
Richard Löffler

Muss Arbeit immer Spaß machen?
Philosophin Marie-Luise Goldmann im Interview
Marie-Luise Goldmann spricht in einem Statement zur Neuorientierung zu Arbeit von „Selbstverwirklichungsdruck“, aus meiner Sicht ein selbstgemachter Anspruch an die eigene Person, die etwas von „getrieben sein“ an sich hat und nach laufender, sich steigernder Bestätigung im Job verlangt.
Ich selbst habe das auch erlebt, die Steigerung von Leistung und messbaren Resultaten kann ich heute als “ Suche nach Anerkennung“ identifizieren. Warum das so war, erscheint heute als Antwort auf ein „Nicht-verstanden-werden“ – mein Anspruch an mich selbst war in einer Periode sehr hoch, und ist es noch. Nur – heute ist aus dem „Druck“ ein „kreativer Drang“ geworden, der de facto kein Publikum braucht.
In meinen verschiedenen beruflichen Tätigkeiten als Mitarbeiter bei Architekten und Projektmanagementbüros, später selbständig als Unternehmensberater und Wirtschaftstrainer, war ich eigentlich immer ein Quereinsteiger, der sich anfangs gegen die Profis mit einschlägiger Ausbildung behaupten musste. Möglich war das über das Thema „Wissensmanagement“ es wird überall gebraucht und hat keine thematischen Grenzen. Dies wiederum entspricht meinem Grundstudium der Geographie, die sich als „Grund- und Integrativwissenschaft“ versteht. Recherchen als „kleine Ausgabe des Forschens bzw. der Info-Gewinnung“ habe ich in diesem Sinne gesehen, Organisation und Management an wissenschaftliche Methoden der Systematik, Analyse und Interpretation angelehnt.
In der letzten Tätigkeit als selbständiger Wirtschaftstrainer konnte ich mein Generalthema beim MBA an der Donau-Universität Krems (Niederösterreich) – Wissenstransfer – praktisch umsetzen. Das ist es bis heute geblieben, nur schreibe ich heute Essays zu verschiedenen Themen – frei von jeglichem Druck, nur aus Spaß an der Sache. Als Trainer lag der „Spaß“ im Umgang mit Menschen – die Sachthemen waren nicht Kern der Sache und haben auch häufig gewechselt. Das hatte den Vorteil, meine Palette ständig zu erweitern und immer wieder Menschen mit den verschiedensten Geschichten, Bedürfnissen und Wünschen kennenzulernen.
Bevor ich ausufere mein persönlicher Succus: Freude am Tun zu haben ist der Schlüssel zu Spaß bei der Tätigkeit (nicht nur Arbeit) und letztlich für Erfolg, der wiederum Freude für das Nächste auslöst. Und – sozial gedacht – einen sinnvollen Beitrag geleistet zu haben.
Richard Löffler, MBA Wien

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Tobias
Tobias

Große Klasse!
Arbeit als Arbeit zu verstehen ist der erste Schritt zu mehr Zufriedenheit. Als Nebeneffekt erkennt man die Mühen der Arbeit und ihre Früchte auch wieder als solche an. Arbeit als Spaßphänomen verklärt die zuweilen harten Aufgaben – speziell jenseits des Büros – zu New Age Selbstfindungsreisen. Gewinner ist meistens nur die „Bank“, die in dem Fall als Unternehmen, Wirtschaftsgesamtheit oder System zu verstehen wäre.
Insofern befreit die Auffassung von Arbeit als Arbeit auch finde ich. Man nimmt der Arbeit die transzendente Aufgabe der Selbstverwirklichung und kann hinter dem Vorhang des Pudels Kern erblicken: man geht einem Broterwerb nach. (auch wenn bei manchem Broterwerb auch außerordentlich viele Brote verdient werden mögen)

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Joe
Joe

Ist das alles? Ich kann dem Grundgedanken schon folgen weil ich komischerweise auch sehr zufrieden bin in einem Job, den ich lange Zeit aufgeben wollte. Einfach weil ich A: Gut darin geworden bin, B: einen Weg gefunden habe mit den Nachtteilen umzugehen und C: Einen guten Arbeitgeber/ ein gutes Team habe und D: sehen kann was mich in all den Jobs erwartet auf die ich früher mehr Bock hatte (da war viel Naivität dabei) Trotzdem ist es/ wird es immer Trist über all die Jahre. Früher hab ich schnell die Stelle gewechselt wenn es Trist wurde, heute fällt mir das nicht mehr so leicht. Und ich rede mir nicht ein das ich nichts finde. Ich finde genug. Nur ob es besser wird?!? Für ein paar hundert Euro mehr? Oder ein Jahr aufregendes Neuentdecken und Lernen um dann wieder am selben Punkt zu sein. Lohnsklave bleibt Lohnskalve in the End. Und was das Private betrifft. Bei 40 Std Arbeitszeit sind das im Schnitt bei vielen Leuten 50 Std + die Woche Gesamtaufwand. Die meisten davon fordernde Std in vielen Jobs ( und die Jobs wo die Std nicht fordernd sind, empfinde ich als noch viel schlimmer) Aber was bleibt vom Tag und was vom Leben? ich halte ja eher eine 25- 30 Std Woche für artgerechte Haltung eines Lohnsklaven und die die Voraussetzung zum Glücklich sein. Eigene Projekte empfinde ichsonst immer als anstrengend mit diesem Arbeitspensum+ Familie . Aber das scheint auch individuell. Andere kriegen das teils besser gewuppt. Sagen aber am Ende das selbe.

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Holger Leerhoff
Holger Leerhoff

Mal ganz ehrlich wieviele Menschen machen einen Job ? Job ist die abkürzung für Jeder ohne Berufung .Damit macht der Mensch in bezug auf das was er macht und wofür er Arbeitet den größten fehler. Er Arbeitet für Geld für Macht für Position in der Firma oder Dienstleistung .Hast du einen Beruf im sinne von Berufung so ist es egal was du machst den du machst es weil es Glücklich macht befriedigt befreit Inspieriert und dich fordert .Auch Pflege und Krankenberufe können dieses Hervorbringen nur es muss von Leuten gemacht werden die für dieses Leben und den Beruf breennen . Hier wird ihnen der Beruf aber durch Geldgierige Bosse vermiest die Ihnen Vorgaukeln wenn sie immer mehr Menschen Fliesbandähnlich abfertigen ohne Emotion und ohne Zeit für den Menschen das sie Glücklicher werden .Der der Glücklich wird ist der Boss des unternehmen niemals Der Mensch der die Tätigkeit unter den bedingungen machen muss .Deswegen Mache einen Job der Dir Die Zeit die du brauchst lässt und wo DU allein bestimmst Was Wann wie und Wo passiert oder eben nicht passiert. Es ist Deine Arbeitskraft dein Leben und es sollte deine Berufung sein deine Arbeitskraft da zu verwenden wo du Wirkungsvoll Handeln und tätig werden kannst mit erfolg und Spass an der sache . Nur so wird aus einer Arbeit egal was für welche es ist ein Beruf im Sinne von Berufung und nicht ein Job derr nur dazu dient Miete Essen Trinken und das Finanzamt glücklich zu machen .Den der Staat denkt in erster Linie daran das ihre Geldbörse Dick und rund wird .

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Martin F.
Martin F.

Leider sehr fehlerbehaftet. t3n und Frau Goldmann als Philosophin müssten wissen, dass „Spass“ = „Freude ohne Sinn“ bedeutet. Es hätte also „Freude“ diskutiert werden müssen.

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Gaestehaus
Gaestehaus

In meinen Französischkurs in der Volkshochschule, den ich aus Spaß besuche und nicht aus beruflichen Gründen, fragte die Dozentin die Teilnehmer, warum sie arbeiten. Die jüngeren Teilnehmer sprachen von so etwas wie Selbstverwirklichung. Die Mehrzahl der Teilnehmer, seit Jahrzehnten im Berufsleben stehend, antworteten: „pour le fric“ (Der Kohle wegen)!

Auch ich verlasse heute Abend des Büro und kann nicht sagen, dass ich bei der Arbeit Spaß gehabt hätte. Dennoch habe ich ein gutes Gefühl, heute jedenfalls viel und erfolgreich gearbeitet zu haben.

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Jan
Jan

Sehr geehrte Frau Goldmann,
sorry, dass ich Ihnen widerspreche aber Jobs in der Alten- und Krankenpflege werden gar nicht erst nicht gewählt weil sie keinen Spaß machen, sondern weil die Bezahlung eine Farce ist.
Spaß hat auch immer etwas mit Motivation zu tun und Geld ist nun mal ein hohes Maß an Motivation.

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spitzen Name
spitzen Name

Die Fragestellung ist etwas alltagsphilosophisch, die Herangehensweise und Bearbeitung ist eher ein Erfahrungsbericht und hat mit Philosophie oder einer philosophischen Debatte nichts zu tun. Wie mehrfach schon angesprochen wurde, müsste zuerst geklärt werden, was unter Spaß zu verstehen ist. Die Wissenschaftlerin (die keine Philosophin ist) dreht sich im Gespräch einmal im Kreis und gibt nichts
Neues heraus. Der Hinweis, dass Arbeit von einem persönlichen Unglück ablenken kann, ist nichts wert: Erstens ist das hinlänglich bekannt und zweitens kann sie unmöglich ernsthaft glauben, dass das der erfüllende Sinn der Arbeit darstellen soll. Nicht jeder (hoffentlich!) hat derart schwere Traumata zu bewältigen. Ist also kein relevanter Vorschlag. Als nächstes und viel wichtiger müsste geklärt werden: Was ist Arbeit? – Ich verstehe unter Arbeit, in Abgrenzung zum Spiel, ein Streben nach einem Zweck, das an sich substanziell ist, also eine Bedeutung hat. Der Zweck kann ein Selbstzweck sein oder ein Fremdzweck. Das Spiel hingegen ist zwar in sich sinnhaft, aber bedeutungslos. In der Bedeutungslosigkeit liegt eine wichtige Bedingung für die Freude, die man am Spiel hat. Der Zweck des Spiel ist immer ein Selbstzweck und liegt üblicherweise in der Übung. Es gibt aber kein „Ergebnis“, während Arbeit immer ein solches hat. In der Arbeit liegt daher nicht nur Freude (wenn man es versteht, spielerisch zu arbeiten), sondern auch immer eine kleine Furcht vor dem Versagen, eine Anstrengung, eine Zielgerichtetheit, ein Problembewusstsein. Arbeit verlangt also, Tapferkeit (die Angst aushalten), Gerechtigkeit (nicht die Mühen der Genauigkeit scheuen), Weisheit (nicht das Ziel aus den Augen verlieren) und Besonnenheit (einen angemessenen Weg finden). Und wenn sie getan ist, eine Freude am Gelingen. Das ist eine sehr ernste Freude und unterscheidet sich sehr von der Spiel-Freude: Etwas ist gelungen, wovon etwas anderes abhing (und wenn es nur die Lohnzahlung ist), etwas auf bedeutungsvolle Art sinnstiftendes: Arbeit verlangt auch Demut. – Wer schuftet ist ein Schuft und malochen ist nicht arbeiten, sondern Selbstzerstörung. – Den Unterschied macht oft die persönliche Fähigkeit, die Bedeutung des eigenen Tuns in Bezug auf sich selbst und in Bezug auf das Ergebnis des Tuns, zu erfassen. Also, wie ich meine Arbeit verstehe und wie ich es verstehe, eine evt. entstehende Einseitigkeit auszugleichen. Zum Beispiel im Spiel. :-) (Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich, solange ich verstehe, wozu es gut ist, alles machen kann (sofern ich dazu ein Talent habe): Ich habe Zeitung ausgetragen, die Wohnungen anderer Leute gereinigt und Texte korrigiert – jetzt unterrichte ich Studenten. Ich habe alles gern gemacht.)

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